Hier ist der Kunde gut beraten: Manfred Tränka und sein Team gehen mit der Zeit und kennen selbst die neuesten Trends. Foto: Stefanie Wittich/merciPhotography

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Portraitaktion „Wir sind Alsfeld" - Heute mit: Manfred Tränka, Inhaber der „Hirsch Apotheke“„Ich bin in einer Kleinstadt groß geworden“

SONDERTHEMA|ALSFELD (bk). Im Grunde wollte Manfred Tränka einfach nur Chemie studieren und als Chemiker in der Industrie arbeiten. Warum alles anders kam und wie er letztlich dazu kam die „Hirsch Apotheke“ zu übernehmen, dass erzählt er im Rahmen der Portraitaktion „Wir sind Alsfeld“.


In Alsfeld gibt es viele Geschäfte. Ein Fakt, den man so stehen lassen könnte, wenn nicht viele der Unternehmen eins gemeinsam hätten: Bekannte Gesichter – auch „Chefs“ genannt. Die meisten teilnehmenden Unternehmen von Erlebnis.Alsfeld haben diesen gewissen Charme eben genau wegen ihrer Persönlichkeiten die ihnen innewohnen. Selbst wenn man den Namen nicht kennt, so grüßt man sie doch auf der Straße, wenn man ihnen begegnet – einfach, weil sie sind, wie sie sind.

Erlebnis.Alsfeld wagt in Zusammenarbeit mit Oberhessen-live und merciPhotography einen Blick hinter die Unternehmensfassaden und holt den Menschen zurück in den Vordergrund. Denn ohne den Gründer oder Besitzer des jeweiligen Unternehmens gebe es dieses vermutlich gar nicht. Sie machen das Einkaufen in Alsfeld zu etwas Besonderem. Sei es durch ihre freundliche, charmante Art, oder durch ihr kompetentes Fachwissen. Die Portraitaktion „Wir sind Alsfeld“ zeigt die Unternehmer, wie man sie normalerweise nicht zu sehen bekommt und wirft einen Blick zurück in die manchmal kuriose Vergangenheit.

Heute: Manfred Tränka, Inhaber der „Hirsch Apotheke“

Seit 1986 ist der geborene Nordhesse, Manfred Tränka, Inhaber der Hirsch Apotheke. Nachdem er in Karlsruhe Chemie studiert und sein Diplom gemacht hatte, dachte der in Frankenberg geborene Chemiker nicht im entferntesten daran Pharmazie zu studieren, geschweige denn mal ein eigenes Unternehmen zu haben. Doch seine Frau war Apothekerin und hatte Pharmazie studiert.

Als Tränka zur Promotion nach Marburg ans Pharmazeutisch-Medizinischen Institut wechselte, begleitete ihn seine Frau. Einer seiner Kollegen war ein Chemiker aus Köln dessen Frau im Semester von Tränkas Frau war. „Sein größter Wunsch war Pharmazie noch während seiner Promotion zu studieren und das hat er dann auch irgendwie geschafft. Meine Frau sagte daraufhin zu mir: ‚Das könntest du eigentlich auch machen.‘ Und dann habe ich das auch gemacht“, lacht Tränka als er sich an die Zeit zurückerinnert.

Vier Semester plus ein halbes Jahr Praktikum hat er das Pharmaziestudium neben der Promotion laufen lassen und so kam er letztlich in den pharmazeutischen Bereich. „Das mit der Apotheke hat sich dann so rein zufällig ergeben“ erzählt er. Denn nach der Promotion war Tränka erstmal in der Industrie tätig. Erst seine Frau, die zu der Zeit bereits als Apothekerin tätig war, kam durch ihren damaligen Chef mit der Familie Schmahl in Kontakt.

Eine große Entscheidung direkt am Anfang

Gegründet wurde die Apotheke bereits durch Fritz Schmahl im Jahr 1943. Erst 1982 kam die Familie Tränke 1982 als Angestellte in die Hirsch Apotheke nach Alsfeld. Als Kurt Schmahl, der damalige Pächter, schließlich 1986 pensioniert wurde, übernahm Tränka die Apotheke als Pächter von der Witwe.

Als dann noch Frau Schmahl verstarb wurde es heikel, denn die rechtliche Situation ist bei Apotheken eine ganz besondere: Zwar war Kurt Schmahl rechtlich der Erbe. Da er jedoch schon pensioniert war und keine Betriebserlaubnis mehr hatte, musste er die Apotheke innerhalb eines Jahres verkaufen. So blieben Manfred Tränka und seiner Frau nur zwei Optionen: Entweder raus, etwas anderes suchen und nochmal von vorne anfangen oder aber selbst die Apotheke kaufen. „Also haben wir sie gekauft“, erklärt Tränka.

Aus Alsfeld weg? Das war für Tränka damals keine Option mehr. „Ich bin in einer Kleinstadt groß geworden“, lächelt er zufrieden. Er mag es, dass die Leute sich hier kennen. Das sie nicht, wie in einer Großstadt, übertriebene Ansprüche stellen. „Ich kann dieses ganze intellektuelle Geschwerl, was ich in einer Großstadt hätte auf den Tod nicht ausstehen.“ Dabei freut er sich besonders über die Dankbarkeit der Kunden. „Das Feedback, was man hier bekommt, hätte man in einer Großstadt sicher nicht auf diese Weise“, sagt er mit ruhiger, dankbarer Stimme.

Kuriose Erlebnisse aus dem Notdienst

Aber auch mit den Kunden hat er schon die verrücktesten Momente erlebt. Gerade beim Notdienst scheinen die Menschen zu vergessen, was „Not“ bedeutet: „Man könnte über die Erlebnisse beim Notdienst ganze Bücher schreiben. Über die Ansprüche von Kunden, die nachts um zwölf denken ein Babyschnuller sei ein absoluter Notfall.“ Amüsant findet er hingegen so manche Wortschöpfungen von Kunden, die Arzneimittel als irgendetwas bezeichnen – nur eben nicht so, wie sie wirklich heißen. „Oder sie fragen nachts um elf, wo es ein Lokal gibt, wo man mal essen gehen könnte“, erklärt er und schüttelt leicht den Kopf. Auch hat er schon erlebt, dass manche klingeln, und dann niemand mehr da ist, wenn er runterkommt.

Oder das genaue Gegenteil, dass manche spätestens nach 15 Sekunden nochmal klingeln, wenn man bis dahin nicht unten ist. „Es könnte ja sein, dass wir es nicht gehört haben“, erzählt er amüsiert, auch wenn das Thema nicht wirklich amüsant ist. Sein Wunsch: Die Menschen sollten sich einfach mal wieder bewusst machen, was „Not“ bedeutet.

Eine offene und ehrlich Art, die ankommt

Dennoch ist er sehr glücklich über seinen Beruf und hofft ihn auch noch ein paar Jahre weiter machen zu können – und das obwohl Manfred Tränka bereits 69 Jahre alt ist. „In der Industrie wäre ich schon längst pensioniert“, lacht er abwinkend. Das ist nicht wirklich das, was er möchte. Und falls er wirklich mal in den Urlaub will hat er zuverlässige und vor allem langjährige Mitarbeiter. Zum Teil sind sie Tränka und der Hirsch Apotheke treu schon seit 40 Jahren. „Da muss man in der Menschenführung dann wohl irgendwas richtig gemacht haben. Wenn die Mitarbeiter sagen, dass es ihnen hier gefällt und dass sie bei uns bleiben möchten – darauf kann man schon stolz sein“, sagt er sichtlich erfreut. Sogar eine frühere Studentin arbeitet für den gelernten Chemiker. Dass sich die Leute bei ihm wohl fühlen, war Tränka schon immer wichtig. „In einem anonymisierten Betrieb in der Industrie hätte ich das so sicher nicht erlebt“, zeigt er sich zufrieden.

Dabei hatte er zum Beginn der Selbstständigkeit vom wirtschaftlichen Part eines Unternehmens keine Ahnung und hat sich das letztlich Stück für Stück selbst beigebracht. Man hat quasi neben der eigentlichen pharmazeutischen Tätigkeit her noch einen zweiten Beruf erlernt. Und Tränka ist ein Mensch der gerne lernt: „Man muss sich immer weiterbilden und fortbilden, sonst ist man nicht am Puls der Zeit und das ist für einen Apotheker quasi das Ende.“ Bei den schnellen Entwicklungen in der Medizin und der Pharmazie wäre ein Stillstand katastrophal.

Außerdem hat er mit seinem Personal das Bestreben die Kunden stets ehrlich und fachkundig zu beraten – selbst wenn sie mit aus dem Internet ausgedruckten Zetteln kommen, die irgendwelche Wundermittel versprechen. „Da rate ich klar von ab“, sagt er eindringlich und glaubt, dass die Kunden seine ehrliche und offene Art durchaus zu schätzen wissen.

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Ein Gedanke zu “„Ich bin in einer Kleinstadt groß geworden“

  1. Sie schreiben, dass die Apotheke 1943 von Herrn Schmahl gegründet wurde. Die Apotheke bestand aber schon vorher und wurde von einem Herrn Ginsberg geführt, der einen imposanten Vollbart trug. Ich bin 1934 in Alsfeld geboren und habe als Kind mit meiner Mutter die Apotheke oft besucht. An der Eingangstüre befanden sich mehrere kleine Glöckchen, die beim Öffnen einen melodischen Klang erzeugten. Im Kundenbereich auf der rechten Seite befand sich eine über zwei Meter hohe Standuhr. Jede volle Stunde drehte sich im oberen Bereich ein Figuren-Karussell und es erklang eine Melodie. Die Standuhr befindet sich meines Wissens heute im Alsfelder Regional-Museum.
    Alte Alsfelder werden meine Angaben bestätigen können.

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