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Infoveranstaltung zur Sanierung der SchellengasseKaum Kritik, dafür bessere Luft und weniger Lärm

ALSFELD (akr). Lange dauert es nicht mehr, bis die Schellengasse, die Hauptverkehrsader der Stadt, für Sanierungsarbeiten gesperrt wird – und das über ein Jahr lang. Gab es beim Bekanntwerden der Baumaßnahme noch heftige Kritik von lokalen Geschäftsleuten, blieben ähnliche Stimmen bei einer Infoveranstaltung am Donnerstagabend weitestgehend aus. Dafür gab es Pläne in Sachen Stickoxidbelastung.

Vom Ludwigsplatz bis hinter die Schwalmbrücke beim Drogeriemarkt Müller soll die Straße auf einer Länge von rund 700 Metern in verschiedenen Abschnitten saniert werden – und das schon ab April. Diese Nachricht machte Ende Januar die Runde. Auf Anfrage von OL hatte die Verkehrsbehörde Hessen Mobil zu der Zeit weitere Details bekannt gegeben.

Ausbrüche, Netzrisse, Unebenheiten, Substanzverluste: „Die B62 weist im Bereich der Schellengasse einen allgemein schlechten Fahrbahnzustand auf“, erklärte eine Sprecherin der Behörde. Darüberhinaus entspreche der Fahrbahnaufbau in weiten Bereichen des Streckenabschnitts nicht den aktuellen verkehrlichen Anforderungen einer Bundesstraße. Die Stadt Alsfeld will die vom Bund gesteuerten Bauarbeiten nutzen, um die Leitungen unter der Straße zu erneuern.

Schon kurz nachdem die geplante Baustelle so richtig bekannt wurde kam Kritik auf: Die Stadt selbst habe die Anwohner und auch die anliegenden Gewerbetreibenden zu spät informiert und überhaupt wurden Befürchtungen laut, dass die Innenstadt mit einer weiteren Baustelle bald aussterbe. Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule stellte sich zwar kurz darauf in einem OL-Interview dieser Kritik und beteuerte, dass „alle Geschäfte zu jeder Zeit zugänglich“ seien, doch ausgesprochen war hier noch lange nicht alles.

Nun, jetzt hätte man meinen können, dass es auch am Bürgerinformationsgespräch über die Schellengassen-Baustelle am Donnerstagabend in der Alsfelder Feuerwache ordentlich Kritik gibt, das war allerdings nicht der Fall – jedenfalls nicht zwingend auf die Schellengasse bezogen. Kritik gab es wenn dann eher hinsichtlich der allgemeinen Verkehrssituation in Alsfeld, Stichwort Schwerlastverkehr. Dazu aber später mehr.

Drei Bauabschnitte in diesem, zwei im nächsten Jahr

Die Sanierung der Schellengasse ist „eine große und lange Baumaßnahme, die uns ins Haus steht“, sagte Bürgermeister Stephan Paule bei der Veranstaltung. Ulrich Hansel, Regionalbevollmächtigter von Hessen Mobil, nannte die Baustelle eine „nicht ganz einfache Maßnahme, was die Abwicklung betrifft“. Günter Herles von Hessen Mobil gab zunächst einen Überblick über die Arbeiten, die am 20. April starten und voraussichtlich am 23. Juli 2021 abgeschlossen werden sollen. Unterteilt ist das Projekt demnach in fünf Abschnitte. Teil eins, zwei und drei sollen noch in diesem Jahr erfolgen, Teil vier und fünf im nächsten Jahr.

Günter Herles stellte das Projekt Schellengasse vor. Fotos: akr

Im gleichen Atemzug werden auch die Stadtwerke die Hauptwasserleitung komplett erneuern. Die Wasserversorgung soll die ganze Zeit über aber gewährleistet werden, wie Martin Weichhold, stellvertretend für die Stadtwerke, betonte. Im schlimmsten Fall könne es mal passieren, dass es einen halben Tag kein Wasser gebe. Das bereitete Simone Smakal, Leiterin der Kindertagesstätte „Wichtelland“ in der Schellengasse 10, Sorgen. Doch Weichhold konnte beruhigen: die Wasserversorgung könne auch so sichergestellt werden.

Darüberhinaus sollen noch Leerrohre für einen späteren Breitbandausbau verlegt werden, allerdings nur in den Kreuzungsbereichen, wie Michael Ochs vom Bauamt sagte. Die Gehwege werden nicht erneuert. Erstens, weil sie im Vergleich zu anderen noch in einem guten Zustand seien und zweitens, weil dadurch die Bauzeit noch länger werden würde.

Stickoxidbelastung reduzieren

Die Straße wird aber nicht nur von Grund auf erneuert, gleichzeitig soll auch etwas in Sachen Stickoxidbelastung getan werden. Bernhard Klöppner von der Firma FCN Betonelemente stellte das sogenannte „Airclean Granulat“ vor, das in die Straße eingearbeitet werden soll. Dabei handele es sich um ein Betongranulat aus Titandioxid für die Asphaltdeckschicht, durch das ganz einfach ausgedrückt die Stickoxide in der Lauft gemindert werden sollen.

Bernhard Klöppner stellte Messergebnisse hinsichtlich der Stickoxidwerte in der Schellengasse vor. Dieses sollen dank des neuen Asphalts künftig reduziert werden.

Sprich: Wenn die Schadstoffe auf die Oberfläche treffen, würden sie quasi „zerstört“ werden – direkt am Ort ihres Entstehens. Der Jahresmittelwert könnte um bis zu zehn Prozent reduziert werden. Doch nicht nur die Schadstoffbelastung soll dadurch verringert werden, als „netten Nebeneffekt“, wie Klöppner sagte, werde nämlich auch der Lärm aufgrund der günstigen Oberflächenstruktur reduziert. „Für bessere Luft und weniger Lärm“, fasste er die Vorteile des Produkts zusammen. Anschließend waren die geplanten Umleitungen (siehe Grafik) Thema, bei denen sich manche Anwesenden nicht sicher waren, ob sich gerade der Schwerlastverkehr an diese halten würde, ehe es mit der offiziellen Fragerunde weiter ging.

Werden sich die LKW an die Umleitungen halten? Einige Bürger haben da so ihre Zweifel. Grafik: ol

Ein Thema war dabei die Erreichbarkeit der Grundstücke – so zum Beispiel bei Adnan Gevsek, Leiter der bft-Tankstelle. Er gab zu, dass er Angst um seine Existenz habe, schließlich lebe die Tankstelle vom Durchgangsverkehr, der durch die Baustelle aber ausbleibe. „Wir sind abhängig vom Durchgangsverkehr“, betonte er.

Außer der Tatsache, dass die Zufahrt zur Tankstelle immer gewährleistet sei, könne Hessen Mobil da nicht viel machen, hieß es vonseiten der Behördenvertreter. „Das müssen sie leider so hinnehmen“, sagte Hansel, bot Gevsek anschließend aber noch an, später nochmal in Ruhe über die Situation zu sprechen. Auch die Fahrschule Griese wollte wissen, wie es in Sachen Erreichbarkeit bei ihr aussehe, gerade hinsichtlich des Platzes für die Einstellungsmöglichkeiten der Motorräder. Da der Platz nicht dauerhaft gewährleistet werden könne, würde sich die Stadt um Ersatzplätze kümmern, hieß es.

Über 80 Bürger waren zur Veranstaltung in die Feuerwache gekommen.

Da im Zuge der Bauarbeiten auch die Kreuzung am Amtsgericht nicht immer befahrbar sei, kam die Frage auf, was passiert, wenn jemand die Hersfelder Straße hoch fährt – immerhin gebe es über den Marktplatz keinen Weg zurück und ein Umdrehen aufgrund der Einbahnstraße sei auch nicht möglich. „Einbahnstraßen, die zur Sackgasse werden, können dann auch wieder in die andere Richtung befahren werden“, antwortete Jürgen Flauaus, Leiter des Ordnungsamtes. Für dieses Problem würde es schon eine Lösung geben, da war sich auch Bürgermeister Stephan Paule sicher: „Die haben da schon ganz viel Gehirnschmalz reingelegt, damit das kein Chaos gibt.“

Keine Frage, aber dafür einen Appell im Gepäck, hatte Schulpfarrerin Katja Dörge. „Meine Solidarität gilt den Menschen, die Angst um ihre Existenz haben“, sagte sie und appellierte an die Alsfelder, auch während der Baumaßnahme ihrer schönen Heimat nicht den Rücken zu kehren, sondern hier in Alsfeld das Leben aufrecht zu erhalten. Dafür gab es Applaus.

Anschließend ging es gegen Ende der Versammlung nicht mehr nur um die Sanierung der Schellengasse, sondern vor allem um die generelle Verkehrssituation in Alsfeld, gerade in Sachen Schwerlastverkehr. Rund 11.437 Fahrzeuge, davon 1.050 aus der Kategorie Schwerverkehr, würden täglich die Schellengasse passieren. „Noch schlimmer ist es, wenn die A5 zu ist“, wie Herles sagte. Diese Meinung teilten auch Anwohner der B62, die sich durch den Bau der A49 eine Verkehrsentlastung erhoffen.

6 Gedanken zu “Kaum Kritik, dafür bessere Luft und weniger Lärm

  1. Ein Schelm ist, wer bei den Alsfelder Baustellenorganisatoren an Schildbürger denkt ! Trotz massiver negativer Auswirkungen der Baustellen auf Tourismus, Wirtschaft und Betriebe finden herrlich lange Baustellpausen im Winter statt ! Dabei freuen sich Firmen im Tiefbau teilw. sogar über leichten Frost bei Erdarbeiten etc.. — aber was solls wenns nicht vorangeht, die Verantwortlichen trifft es ja mal wieder nicht ! (siehe Marktplatz, Am Lieden, etc. – nichts tut sich trotz Bauwetter !) Auch die Schellengasse könnte sicherlich ohne Winterpause und 2-Schichtbetrieb in der halben Zeit saniert sein !? Wäre doch mal zu prüfen !

    1. Was ein Unsinn. Vielleicht sollte Peter Schelm erst einmal Fakten, Hintergründe und gesetzliche Vorgaben prüfen, bevor er Ideen von sich gibt, die definitiv nicht praktikabel sind.

      1. Was Leerrohre sind ist mir schon bewusst. Aber das Wort „Lehrrohre“ war mir bis gestern unbekannt! ;-)

        Nein im Ernst; es wurde im Text entsprechend korrigiert. Danke! Sieht jetzt besser aus! :)

      2. @Findus:
        Sie Scherzkeks, das, was Sie meinen, sind Leerrohre.
        Lehrrohre = so, wie’s geschrieben wurde, gibt’s nicht.
        Das war von Seppo einfach nur ein schelmischer Hinweis auf nen Tippfehler, der offensichtlich zwztl berichtigt wurde

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