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Kommentar zum Verkauf der ehemaligen Disco "Zabou"Ein Kauf allein reicht nicht aus, ein Plan muss her

MeinungALSFELD. Die ehemalige Disco „Zabou“, einst Hochburg der heimischen Partyszene, die selbst Gäste aus Gießen anlockte, ist verkauft. Das klingt erst einmal nicht schlecht – denn das Gebäude steht schon geraume Zeit leer und verfällt zunehmend. Doch ein Besitzerwechsel allein ist noch keine gute Nachricht. Wichtig ist: Ein Konzept muss her, um die Stadt und das Areal wieder zum Leben zu erwecken, kommentiert OL-Redakteurin Luisa Stock.

Der Verkauf wurde am Dienstag bekannt, indem Bürgermeister Stephan Paule OL-Informationen bestätigte, wonach die alte Disco und das Areal drumherum nun nicht mehr dem Getränkehersteller Rhönsprudel, sondern dem Homberger Architekten Herbod Gans gehören, der in Alsfeld bereits weitere Gebäude besitzt.

Aber was hat der neue Eigentümer mit dem Gelände vor? Eine Anfrage von OL ließ Gans unbeantwortet. Der Oberhessischen Zeitung sagte er nun jedoch, dass er noch keine genauen Pläne habe. Es sei eine Investition in die Zukunft, wird der Architekt dort zitiert. Eine Marktanalyse soll es trotzdem geben, um dann mit möglichen Nutzungsmöglichkeiten eine Planung vorzunehmen. Ein in Alsfeld bekanntes Szenario.

Man wende beispielsweise den Blick auf das Bücking-Gelände. Lange Zeit passierte dort nichts. Dann wurde das Areal verkauft und siehe da: Es passiert weiterhin nichts. Es ist verkauft und liegt seither immer noch brach. Spekulationen, was die VR-Bank als Eigentümerin damit tun möchte, gibt und gab es bislang viele. Die Bank wirbt mit Projektvorschlägen im Netz, die Polizei liebäugelt offenbar mit einer neuen Wache dort. Doch bislang tut sich auf der Fläche mitten in der Stadt weiter nichts.

Das verkaufte „Zabou“. Foto: Archiv/ol


Auch das verfallene Haus am Roßmarkt in Alsfeld, das im Übrigen auch dem Architekten Gans gehört, steht seit Jahren leer und verwittert seelenruhig vor sich hin. Bleibt zu hoffen, dass der ehemaligen Disco unter dem neuen Besitzer nicht das gleiche Schicksal droht. Einen ähnlichen Gedanken brachte auch ALA-Fraktionschef Michael Riese gestern ins Spiel: „Wir hätten uns von Gans zunächst vor allem gewünscht, dass es Fortschritte bei der Beseitigung des verfallenden Hauses Roßmarkt / Volkmarstraße gäbe“, sagte Riese OL. Unrecht hat der Fraktionschef damit nicht.

Fakt ist also: Allein, dass ein Grundstück, das seit Jahren brach liegt, verkauft wird, ist keine gute Nachricht. Es müssen Ideen und Tatkraft her. Es muss etwas unternommen werden, damit aus leeren Flächen und alten, verfallenen Gebäuden etwas Vernünftiges wird – besonders in Jahren, in denen etliche Millionen Euro in die Sanierung der Innenstadt gesteckt werden.

Um Alsfeld voran zu bringen, ist aber nicht nur die Stadt selbst gefragt. Die Eigentümer der Flächen sind es ebenfalls. Ganz nach dem Motto „Gemeinsam ist man stärker“. Siehe das Beispiel Villa Raab. Familie Bohn hat aus einer Ruine ein Aushängeschild für die ganze Region gezaubert. Das zeigt, dass ein Besitzerwechsel tatsächlich ein Neuanfang sein kann, wenn die Käufer die richtigen Ideen mitbringen.

Alle Verantwortung für den – man verzeihe die Dramatik – Aufstieg oder den Fall der Stadt auf die Verwaltung und Politik abzuwälzen, ist also zu kurz gedacht. Jedoch völlig aus der Verantwortung nehmen darf man sie auch nicht. Gefragt, was er sich für das alte „Zabou“ wünsche, sagte Paule, die Stadt wolle mit eigenen Ideen den Planungen des neuen Eigentümers nicht „vorgreifen“. Da stellt sich doch die Frage: Warum denn eigentlich nicht? Ein Bürgermeister darf gerne auch mal ein bisschen mutig sein und früh in einem solchen Prozess sagen, was seine Stadt braucht und sich daher wünscht.

Bleibt zu hoffen, dass bei dem von Paule angekündigten Gespräch mit dem neuen Eigentümer vielleicht doch eine genauere Idee für das Gelände rauskommt. Eines steht jedoch schon fest: Eine Wiederbelebung des Disco-Betriebs im alten „Zabou“ wird es mit Gans nicht geben. Die Vergangenheit habe die fehlende „Marktchance“ dafür in Alsfeld gezeigt, sagte er der OZ. Das dürften einige schade finden. Mancher Fan der Kultdisco hatte sich schon über ein Comeback des alten Partyorts gefreut.



7 Gedanken zu “Ein Kauf allein reicht nicht aus, ein Plan muss her

  1. So lange wie ich hier nin Alsfeld Lebe , kenne ich das Gebäude nur so , das da immer irgendeine Disco drin war, Zabu , Titanic , Stella , u.s.w.
    Genau wie im Gebäude vom Kiss. Romantika – Kiss – A Dance Club !!!
    Natürlich sagen viele , das die zeit früher super war , als wir da Tanzen waren Partys mit den Freunden feierten. Aber ich Denke mal die zeit ist rum. Weil die ehemalige Generation Kiss und Titanic ist jetzt Erwachsen , hat Familie und ist voll im Job und macht dann andere sachen. Natürlich sagen jetzt einige davon das sie gerne wieder eine Disco haben wollen weil mann im Herzen noch Jung ist. Aber das würde , wenn es neu Eröffnet wird erst mal gut gehen weil die Leute neugierig sind und etwas nachhol bedarf haben.Dann wird es aber nur ein paar monate dauern und es ist wieder zu. Denken wir nur mal an die Burschenschaft Treffen und Zelt Disco auf den Dorf rund um Alsfeld.
    Und für Life Band Auftritte ist das nichts. Da ist die Stadthalle besser. Restaurants haben wir genug.Sport Studios auch. Also was soll darein ? Warum Kauft mann das ? ich könnte mir da ein Erlebnis Center vorstellen. Restaurant mit Zauber Show , Feuer Künstler Show ( Decke ist hoch genug ) Hochseil oder so. Also eine Spektakuläre Show wärend mann am Essen ist. Das klappt , das weiß ich , da ich so etwas schon gesehen habe.
    Also das wäre mein Vorschlag.

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  2. Wir sind nicht bei Wünsch dir was.Was soll denn da die Stadt machen?. Der Käufer wird schon wissen was werden soll er ist ein Erfahrender Mann in solchen Angelegenheiten zerbrechen sie sich nicht seinen Kopf.

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  3. Wegen Spekuliererei
    Gibt’s so manche Schweinerei
    Zwischen Als und Feld
    Macht so mancher Held
    Mit Grund und Boden sehr viel Geld
    Wegen Spekuliererei
    Wegen Spekuliererei

    Wo ist das Konzept geblieben
    Für die Plätze, die wir lieben
    Wer hat ein Konzept
    Verschleppt

    Na, dann müssen wir es packen
    Die Stadtentwicklung selber backen
    Ruft den Paule an
    ran!

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    1. Erstaunlich, welchen tiefen kommunalpolitischen Hintersinn man Rolf Zuckowskis Weihnachtsbäckerei abgewinnen kann. Der Kinderlieder-Großunternehmer klaut übrigens auch gern bei fremdem Liedgut bzw. textet ganze Strophen um. Hier ein passendes Beispiel zu „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“. Zitat:
      Liebes Füchslein lass‘ dir raten
      Sei doch nur kein Dieb
      Nimm, du brauchst nicht Gänsebraten,
      Mit der Maus vorlieb.

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  4. „Es müssen Ideen und Tatkraft her. Es muss etwas unternommen werden, damit aus leeren Flächen und alten, verfallenen Gebäuden etwas Vernünftiges wird – besonders in Jahren, in denen etliche Millionen Euro in die Sanierung der Innenstadt gesteckt werden.“
    Daran ist ja erstmal nichts falsch. Aber solche Appelle klingen hohl, wenn die wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht sehr konkret mit erörtert werden. Der hier zur Schau getragene Aktivismus hat überhaupt keine Substanz und erinnert an Heinrich Bölls Satire „Es wird etwas geschehen – Eine handlungsstarke Geschichte“ (siehe Link in der Überschrift).
    Und mit Zauberei haben Immobilienerwerb und Immobilienentwicklung ja nun erstmal überhaupt nichts zu tun (Zitat: „Um Alsfeld voran zu bringen, ist aber nicht nur die Stadt selbst gefragt. Die Eigentümer der Flächen sind es ebenfalls. Ganz nach dem Motto ‚Gemeinsam ist man stärker‘. [Was soll das hier?] Siehe das Beispiel Villa Raab. Familie Bohn hat aus einer Ruine ein Aushängeschild für die ganze Region gezaubert.“). Was Alsfeld voran bringt, müssen letztlich die Bürger über ihre parlamentarischen Vertreter oder in direkter Willensbekundung bis hin zum offenen Protest entscheiden und man wünscht ihnen dabei Sachverstand und weise Voraussicht. Ein Immobilien-Investor macht sich solche Gedanken nicht. Für ihn ist zunächst entscheidend, ob das Investment sich für ihn rechnet. Und wenn Veränderungen geplant sind, müssen Bauanträge gestellt werden und die Kommune muss entscheiden, ob dies mit ihren Vorstellungen von Stadtentwicklung zusammen passt. Schön, wenn man schließlich mit dem Investor auf eine gemeinsame Linie kommt. Aber selbstverständlich ist das nicht. Und letztlich müssen dann Gerichte entscheiden, was der Immobilienbesitzer darf und was die Kommune durch Auflagen verhindern kann oder laut Baurecht sogar muss. Dass da oft Absprachen unter der Hand laufen und die besten Geschäfte immer ausgesprochen „diskret“, d.h. ohne Information der breiten Öffentlichkeit, abgewickelt werden, weiß wohl jeder. Das ist aber der einzige Punkt, wo die Metapher vom „Zaubern“ zutrifft. Kein Zauberer verrät seine Tricks. Und der Immobilienspekulant sowie seine Helfershelfer auch nicht.
    Selbst offenkundiges Mäzenatentum zum Wohl einer Region (Beispiel „Villa Raab“) folgt zumeist den Regeln von White- oder Greenwashing. Die Idee zur Immobiliennutzung ist das eine. Und aus einer alten Villa ein Restaurant mit Luxus-Suiten zu machen, ist ja sooo wahnsinnig originell auch nicht. Interessanter ist wahrscheinlich die Idee dahinter. Und da braucht man, wenn man sein Weltbild nicht aus der „Bunten“ oder dem „Schicksals-Arzt-Roman“ bezieht, nicht allzu lange, bis man die Nachtigall trapsen hört. Windkraftanlagen haben nur noch eine lausige öffentliche Akzeptanz. Da lohnt es sich vielleicht, diese mit öffentlich zur Schau getragener Spendierfreudigkeit ein wenig anzuregen. Auf ein anderes Motiv wies vor Jahren schon Nikolai Fichtner in DIE ZEIT Nr. 51/2012 hin:
    Zitat: „Wie sehr das EEG zu einer großen Geldmaschine für einige wenige geworden ist, erkennt man schon daran, dass es selbst manchen Profiteuren zu viel wird. Eine laute Minderheit von Windunternehmern ahnt, dass sie den Leuten etwas schuldig sind, die ihnen seit Jahren ihre Einkommen finanzieren.“
    Also lassen wir den Anfänger-Zauberkasten und das rosa Einhorn getrost auf dem Dachboden beim ausrangierten Kinderspielzeug liegen.

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  5. Too much Dramatik, too little Information. Der redaktionelle Meinungsbeitrag enthält eigentlich nur das, was der zu demselben Thema zuvor veröffentlichte Artikel auch schon ausgesagt hat. Die Erkenntnis: ‚Es reicht nicht aus, eine Immobilie zu erwerben; man sollte auch wissen, wie man sie anschließend nutzt.‘ ist zum einen nicht gerade tiefschürfend, und ginge zum anderen ja völlig ins Leere, sofern man es hier mit einem Immobilienspekulanten als Käufer zu tun hat. Der Spekulant setzt allein auf Wertsteigerung und wartet in Ruhe ab, bis einer daher kommt, der die Immobilie so dringend braucht, dass er dafür mehr bezahlt als zuvor unser homo speculatius. Und der KLUGE Spekulant hat vielleicht Insiderwissen darüber erlangt, was irgendwer demnächst an dieser Stelle plant. Und von dem Spekulationsgewinn gibt er seinem Informanten dann noch ein bisschen was ab. Jeder kennt diese Spielchen. Und jeder hört sich geduldig die Geschichten darüber an, wie der eine durch Fleiß, Intelligenz und das ganze Arsenal einschlägiger Grundtugenden (inkl. ehrenamtlichem Engagement in der Kommunalpolitik!!!) seinen Wohlstand gemehrt hat, während der andere im ausgeleierten Trainingsanzug mit dem letzten Alsfelder Bier auf der durchgesessenen Couch herumgelungert hat und dafür gerechterweise Hartz IV bezieht.
    Und da wäre auch noch – nur der Vollständigkeit halber – der dumme (Ver-)Spekulant, der voreilig zuschlägt, dann keinen Käufer findet, erst noch einen teuren Bauzaun errichten und den contaminierten Boden von giftigen Rückständen befreien lassen muss, ehe er dann mit Verlust verkauft. Not to forget der lediglich sich dumm stellende Spekulant, der den Deal zwecks Geldwäsche eingefädelt und/oder irgendwelche Chinesen an der Hand hat, die dann für ein paar Monate eine chinesische Wäscherei oder Knallkörper-Produktion betreiben, bevor sie über Nacht spurlos verschwinden.
    Dunkel war’s, der Mond schien helle…
    Den frühen Wurm fängt nur der Schnelle
    Am Ende war’s wohl Herbod
    Der für das Grundstück mehr bot
    Will es kein anderer haben
    Dann fressen ihn die Raben.
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    P.S.: Gut, dass man immer auch ein positives Gegenbeispiel parat hat. Und schon wird es fast biblisch. Bilden Sie mal einen Satz der mit „Und siehe…“ anfängt. Und „Siehe das Beispiel Villa Raab. Familie Bohn hat aus einer Ruine ein Aushängeschild für die Region gezaubert. Das zeigt, dass ein Besitzerwechsel tatsächlich ein Neuanfang sein kann, wenn die Käufer die richtigen Ideen mitbringen.“ Bis zu welchem Alter wirkt Naivität noch niedlich? Ein Besitzerwechsel, liebe Frau Stock, führt vor allem dann zu einem Neuanfang, wenn man ganz viel Kohle mitbringt. Und dazu braucht’s erstmal die Lizenz zum Geld Drucken. Und die heißt EEG. Fakten-Scheck (kein Rechtschreibfehler!): https://www.zeit.de/2012/51/Windenergie-Kosten/komplettansicht

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