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OL im Gespräch mit der ersten Vorsitzenden Ann-Catrin Schmidt und Tierärztin Natascha HirschmannWie das Alsfelder Tierheim Geflüchteten aus der Ukraine hilft

ALSFELD (akr). Viele geflüchtete Menschen aus der Ukraine kommen nicht allein: häufig sind ihre Haustiere mit dabei. Auch in der Notunterkunft in der Alsfelder Hessenhalle haben einige Geflüchtete ihre geliebten Tiere mitgebracht. Genau diese Menschen können sich auf die Unterstützung des Alsfelder Tierheims verlassen. Wie die Hilfe des Tierschutzvereins aussieht und welche Erfahrungen die Ehrenamtlichen in dieser für sie so neuen Situation bereits sammeln konnten.

Mehrmals in der Woche fährt Ann-Catrin Schmidt zur Hessenhalle, um den Menschen, die gemeinsam mit ihren Haustieren aus dem Kriegsgebiet geflüchtet sind, zu helfen und die Unterstützung des Tierheims anzubieten. Eine große Lieferung mit Gitterboxen, Toiletten, Näpfen, Futter und Co. hatte das Tierheim bereits über den Katastrophenschutz organisiert, bevor die ersten Geflüchteten in der Notunterkunft angekommen waren.

„Doch ohne Ann-Catrin wäre die Kontaktaufnahme nicht so gut“, erzählt Tierärztin Natascha Hirschmann. Die erste Vorsitzende Schmidt vermittelt nämlich vor Ort, schaut, wer beispielsweise ein anderes Futter benötigt, wer zur Tierärztin muss oder sonst in irgendeiner Form Hilfe benötigt. Unterstützt wird sie hierbei unter anderem von einer Schülerin der Geschwister-Scholl-Schule aus der 8. Klasse, die als Dolmetscherin fungiert. „Das ist mir einfach eine große Hilfe, aber es gibt natürlich auch andere Übersetzer in der Hessenhalle, die wirklich sehr hilfsbereit sind“, lächelt Schmidt.

Kleine, hilfreiche Gesten

Und es seien eben die kleinen Dinge, die sich vielleicht erstmal etwas „unschön“ anhören, wie Schmidt erzählt, die aber dennoch sehr hilfreich seien, wie beispielsweise die Gitterboxen. „Die können für die Katzen eine Erleichterung sein“, betont sie. Natürlich würde niemand gerne seine Samtpfote in einem Käfig sehen, doch die Tiere mussten eben oft sehr lange nur in kleinen Transportboxen ausharren, manchmal vielleicht tagelang, vermutet sie. „Dann müssen die ja auch mal auf die Toilette“, erzählt die erste Vorsitzende.

In der Gitterbox, die natürlich mehr Platz als eine kleine Transportbox bietet, steht dann unter anderem ein kleines Katzenklo, sowie Näpfe mit Essen und Trinken. Das mache unheimlich viel aus. „Über die Box kann man dann auch eine Decke legen, dass sozusagen einfach eine Art Schutzzone entsteht.“ Schließlich seien viele Menschen in der Notunterkunft und das sei gerade für die Katzen eine extreme Stresssituation. „Das meistern Mensch und Tier aber überraschend gut gemeinsam.“

Hier ein Beispiel, wie so eine Box in der Notunterkunft aussehen kann. Mit einer Decke, zwei Näpfen und einem ganz kleinen Katzenklo haben die kleinen Tiere immer noch mehr Platz, als in einer Transportbox.

Einer Frau konnte das Tierheim mit einer rosafarbenen Tragetasche eine große Freude bereiten. „Sie hatte die ganze Zeit über immer ihren kleinen Hund auf dem Arm“, erzählt Schmidt. Meist fliehen die Menschen in der Eile ohne viel Hab und Gut. Das Tierheim hat ihr schließlich eine Tragetasche gebracht. „Die Frau hat sich wirklich so unfassbar gefreut und das war ja wirklich nur eine Kleinigkeit“, lächelt die Vorsitzende. „Die Menschen dort oben sind immer richtig dankbar.“

Auch Schmidt und Hirschmann sind dankbar – und zwar für die gute Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten, sei es mit dem Roten Kreuz, der Security oder dem Veterinäramt, um nur einige Beispiele zu nennen. Das laufe nämlich Hand in Hand. Jeder würde wollen, das es möglichst unkompliziert für die Geflüchteten vonstattengeht. „Sie kontaktieren uns und durch die Weitergabe der Info sind es kurze Wege“, erklärt Hirschmann. Ohne diese Zusammenarbeit würde das alles kaum funktionieren. „Diese Kommunikation ist sehr wichtig“, betont sie.

Auch tierärztliche Hilfe ermöglicht

Wenn die Geflüchteten einen Kontakt zu einem Tierarzt wollen, beispielsweise wegen einer Tollwutimpfung, dann kommt Natascha Hirschmann ins Spiel – „in Absprache mit dem Veterinäramt“, erklärt die Tierheim-Tierärztin. Wenn Hunde, Katzen oder Frettchen aus der Ukraine ausreisen – diese Tiere fallen unter die Verordnung – müssen sie einen nachweislichen Tollwutimpfschutz haben, erklärt sie weiter. An diesen denken aber viele nicht, wenn sie zur Flucht aufbrechen.

Aber auch wenn die Haustiere einfach mal einen ärztlichen Check benötigen, können diese auf die Hilfe der Tierärztin zählen. Es können aber maximal zwei Tiere pro Tag von Natascha Hirschmann behandelt werden. „Der normale Betrieb muss ja auch weiter gehen“, erklärt sie. Solche Untersuchungen, Impfungen samt Pass ausstellen, das sei schließlich nicht eben in zehn Minuten gemacht. „Es ist schon viel Arbeitsaufwand“.

„Es ist schon recht überraschend, was alles für Tiere aus dem Kriegsgebiet mitreisen“, erzählt Schmidt. So war neulich beispielsweise ein Hamster da, vergangene Woche jemand mit einem Kanarienvogel, aber auch ein Kaninchen fand schon den Weg zur Tierärztin. Größtenteils sind es aber Katzen und kleinere Hunde, die die Menschen aus der Ukraine auf ihrer Flucht in Richtung Sicherheit mitnehmen.

Die Tierschutz-AG der Geschwister-Scholl-Schule hat für die Geflüchteten mit Tieren als Begrüßung kleine Willkommenstütchen gebastelt. In diesen befindet sich ein kleiner Snack und ein bisschen Futter für die Tiere.

Wenn Mensch und Tier getrennt werden

Dass die Tiere überhaupt in der Notunterkunft in Alsfeld erlaubt sind, Tiere und Menschen also nicht voneinander getrennt werden müssen, nachdem sie die Flucht gemeinsam geschafft haben, dafür sind Schmidt und Hirschmann besonders dankbar. Doch es ist auch schon vorgekommen, dass Menschen ihre geliebten Haustiere zurücklassen müssen – so zum Beispiel bei Kater Simba. Die Besitzer von Simba verließen die Notunterkunft freiwillig, doch aufgrund einer neuen Wohnunterkunft in einem anderen Bundesland, so erzählen es die beiden Tierschützerinnen, hätten sie den Kater abgeben müssen.

Nun ist Simba im Alsfelder Tierheim. Kontakt zu seinen Besitzern hat der Alsfelder Tierschutzverein nicht. „Wir hoffen, ihn bald wieder in die Obhut der Familie geben zu können. Die Besitzer wissen, dass es ihre Katze bleibt, auch wenn sie jetzt bei uns sitzt“, erzählt Hirschmann. Aber das Tierheim müsse auch schauen, wie es in einigen Wochen aussieht, wenn sich die Familie nicht meldet.

Kater Simba. Foto: Corinna Hoser

„Unser Ziel ist es natürlich, dass Besitzer und Tier wieder zusammengeführt werden. Umso schlimmer ist es, dass wir jetzt einfach handlungsunfähig sind“, erklärt sie. Keiner weiß, wie es nun mit dem Kater weitergehen soll. Es ist erst einmal Warten angesagt – warten, dass sich die Besitzer melden. „Wir können ihn jetzt nicht einfach weitervermitteln. Das steht jetzt in den Sternen und man weiß nicht, wie man es richtig macht“, erklärt die Tierärztin.

Lernen, was wirklich Hilfe ist

Für das Tierheim sei es schließlich eine ganz neue Situation. „Wir müssen uns auch erst darauf einstellen, lernen jeden Tag, was wirklich eine Hilfe ist“, erzählt Schmidt. Ganz am Anfang zum Beispiel hat das Tierheim große Futterdosen zur Notunterkunft gebracht, die eigentlich ziemlich unpraktisch sind. Man kann sie nicht wieder verschließen, braucht eine Gabel, um das Futter herauszubekommen und dann nehmen die Dosen auch noch viel Platz weg, erklären die Beiden. „Viel praktischer sind kleine Tütchen oder kleine Schälchen Futter, keine großen Packungen. Sie sind ja nur auf der Durchreise – man muss praktisch denken“, erklärt die Vorsitzende.

Wer Futter spenden möchte, der sollte auf kleine Tütchen und Schälchen zurückgreifen, anstatt großer Dosen oder Futtersäcke.

Das Tierheim unterstützt aber nicht nur mit Tierarztbesuchen, Futterspenden, Käfigen, Näpfen und Co., sondern die ehrenamtlichen beherbergen auch Tiere, beziehungsweise bieten es an – und zwar kostenfrei. Privatpersonen müssen für die Pension nämlich bezahlen. Zum Zeitpunkt des Gesprächs befindet sich aber nur Katze Simba in der Obhut der Tierschützer, zumindest, was Tiere mit Herrchen und Frauchen betrifft.

Vier Hunde aus der Ukraine leben derzeit ebenfalls im Tierheim, aktuell noch in Quarantäne. Die Besitzer sind jedoch unbekannt. Eine Tierschutzorganisation hatte die Fellnasen gemeinsam mit vielen weiteren an der Grenze vorgefunden. Von dort aus ging es schließlich nach Hattersheim, wo sie dann auf verschiedene Tierheime verteilt wurden. Über den deutschen Tierschutzbund versucht der Alsfelder Verein nun die Besitzer ausfindig zu machen.

Doch wie lange wartet man, bis man die Suche aufgibt und versucht die Tiere in neue Familien zu vermitteln? „Das wissen wir auch noch nicht, das ist für das Tierheim auch neu“, sagt Hirschmann. Doch bei einer Vermittlung müsse man auch so ehrlich sein, die Interessenten darüber aufzuklären, dass es eben sein kann, dass sich die Besitzer doch noch melden. Es seien einfach noch viele Fragen offen. „Wir suchen Menschen, die dafür Verständnis haben“, betont Hirschmann.

Eine Frau habe bereits angeboten, dass sie einen der Hunde nehmen würde, sobald die Quarantäne vorbei ist. „Sie hat auch gesagt, dass die Familie ihn dann jederzeit wieder haben darf, auch wenn sie sich dann an ihn gewöhnt hat“, erklärt die Tierärztin. Das sei natürlich auch eine Entlastung für das Tierheim, wenn Menschen die Tiere mit zu sich auf Pflegestelle nehmen, sie so behandeln, als wären es richtige Familienmitglieder. Auch so könne man das Tierheim und eben auch die Geflüchteten aus der Ukraine unterstützen.

Da sich das Tierheim über Spenden finanziert und diese nun „praktisch weitergespendet werden“, wie Ann-Catrin Schmidt erklärt, freut sich der Tierschutzverein natürlich über finanzielle Unterstützung. „Vielleicht finden sich ja Bürger, die es schön finden, dass das Tierheim auf diese Art und Weise hilft und möchten uns in der Arbeit unterstützen“, lächelt sie und ergänzt: „Wenn man für uns spendet, spendet man auch für die Ukraine“.

Ein Gedanke zu “Wie das Alsfelder Tierheim Geflüchteten aus der Ukraine hilft

  1. Der Krieg in der Ukraine ist sehr schlimm.
    Der Präsident der Ukraine fordert als mehr Waffen von Deutschland. Um weitere viele Menschen der Ukraine zu retten, sollte Selenski kapitulieren. Es gibt viele deutsche die selbst sehen müssen wie sie über die Runden kommen und Deutschland kann nicht für alles gerade stehen. Benzinpreise, Strompreise, Gaspreise, kein Geld mehr selbst für eine adäquate Altersvorsorge. Unsere Regierung schmeißt nur mit Milliarden um sich. Wer zahlt am Ende wieder diese irrsinnigen Schuldenberg, der brave deutsche arbeitende Bürger der für diese Misere nichts dafür kann. Scholz und andere führende Politiker sollten dem Ukrainischen Präsident empfehlen zu kapitulieren damit das unnötige Menschensterben aufhört und wir Deutsche nicht noch mehr zur Kasse gebeten werden.
    Wer soll das bezahlen, wer das bestellt❓

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