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Wie sich das Coronavirus auf den Tierheim-Alltag auswirkt„Es ist eine schwere Zeit, in der die Tiere nicht vergessen werden dürfen“

ALSFELD (akr). 40 Hunde, 48 Katzen, sechs Kleintiere und ein Igel namens Harald müssen im Alsfelder Tierheim versorgt werden – und das auch in Krisenzeiten. Die Arbeit im Tierheim in Alsfeld läuft auch in der Corona-Zeit selbstverständlich weiter, wenn auch ein wenig anders. Um den Betrieb möglichst weiter Aufrecht zu erhalten, haben die Tierliebhaber Vorkehrungen getroffen. Ein Gespräch mit den Vorstandsmitgliedern Ann-Catrin Schmidt und Natascha Hirschmann.

Vor dem Alsfelder Tierheim steht seit einigen Tagen ein schwarz-blauer Bollerwagen. „Hier können Sie gerne ihre Spenden reinstellen, vielen Dank“ steht auf einem Zettel geschrieben, der vor dem Wagen am Gitterzaun hängt, die Tür zum Tierheim selbst ist verschlossen. Außer den Mitarbeitern darf niemand mehr hinein, eine reine Vorsichtsmaßnahme in Zeiten der Corona-Krise. „Die Sicherheit, der Schutz aller steht im Vordergrund“, erklärt Ann-Catrin Schmidt, erste Vorsitzende des Tierheims.

Interessenten für die Vermittlung von Hunden, Katzen oder Kleintieren haben natürlich trotzdem weiterhin die Möglichkeit, sich telefonisch oder per Email an das Tierheim zu wenden und einen Termin zu vereinbaren. „Der Kontakt mit den Tieren findet dann nicht im, sondern vor dem Tierheim statt – und das auch nur mit Einzelpersonen“, erklärt Tierärztin und zweite Vorsitzende Natascha Hirschmann. Anders sei eine Vermittlung in dieser Zeit einfach nicht möglich. „Es ist zwar aufwendiger und auch weniger geworden, aber dennoch haben diese etwas andere Art der Vermittlung schon einige in Anspruch genommen“, freut sich Schmidt.

Die Vermittlungen der Fellnasen findet natürlich weiterhin statt. Fotos: Tierheim Alsfeld

Auch dass sich die Gassigeher vorher anmelden müssen, stellt momentan noch kein Problem dar. Die Hunde werden dann ganz einfach nach draußen gebracht, ein Mitarbeiter am Eingang achtet darauf, dass sich vor dem Tierheim keine Menschenansammlungen bilden. „Die Gassigeher werden quasi im Vorfeld abgefangen, alles muss koordiniert laufen, damit nicht alle auf einem Haufen auf die Tiere warten“, erklärt Hirschmann.

Während es manche Hunde scheinbar ganz gut finden, dass im Tierheim aktuell keine Besucher erlaubt sind, ausgeglichener wirken, warten andere nur sehnlichst darauf, endlich wieder „ordentlich durchgeknuddelt zu werden“, lacht Schmidt – die extra Knuddel-Einheiten übernehmen jetzt natürlich die Mitarbeiter, gleiches gilt für die Katzen. „Wir dürfen nicht vergessen in dieser schweren Zeit auch den Tieren Zeit zu schenken“, betont die Vorsitzende.

Für die Tierheim-Mitarbeiter heißt es jetzt: Noch mehr kuschen und knuddeln als sonst eh schon, denn außer ihnen darf keiner mehr hinein.

Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist weiterhin da

Trotz dieser schwierigen Zeit gibt es aber auch positive Nachrichten aus dem Alsfelder Tierheim: Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist weiterhin da. „Uns haben zum Beispiel einige Leute angerufen und gesagt ‚Mensch, es kommt keiner zu euch, sollen wir Futter vor das Tor legen?‘, das ist wirklich toll“, freut sich Schmidt. Deshalb hat das Tierheim seit einiger Zeit einen Spendenwagen für das kontaktlose Spenden vor ihrem Tor stehen – und der wurde auch schon ordentlich gefüllt. „Am Samstag haben zwei Damen palettenweise Hundefutter und auch Decken in den Wagen gelegt“, erzählt Schmidt voller Freude, „wir müssen gerade jetzt noch an die Tiere denken“ appelliert sie.

Der Spendenwagen vor dem Alsfelder Tierheim war gut gefüllt.

Dass besorgte Haustierbesitzer angerufen haben, weil sie aus Angst vor dem Virus ihre Tiere abgeben wollen, das hat das Tierheim Alsfeld bislang nicht erlebt. In einer Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes berichtet dieser nämlich, dass einige Tierheime von Anfragen unwissender Tierhalter berichten würden, die ihre Haustiere aus Angst vor einer Ansteckung abgeben wollen, obwohl es dafür keine Hinweise gebe. „Viele Tierheime bereiten sich auf die Aufnahme von Tieren von Corona-Patienten vor“, heißt es vom Deutschen Tierschutzbund. „Diese Erfahrung haben wir bislang noch nicht gemacht“, erklärt Natascha Hirschmann.

Der Deutsche Tierschutzbund befürchtet, dass die erschwerte Vermittlung von Tieren in Zeiten von Corona und ein Einbruch von Spendengeldern viele Tierheime vor ernsthafte Herausforderungen stellen werden – das bereitet auch dem Tierheim Alsfeld Sorgen. „Wir haben Angst, dass die (Futter)-Spenden bald zurück gehen werden“, sagt die erste Vorsitzende besorgt. Aktuell sei die Hilfsbereitschaft zwar noch da, aber keine weiß schließlich, wie lange die ganze Situation noch anhalte. „Wenn die Gelder ausbleiben, dann müssen wir auch schauen, wie wir die Arbeitsplätze sichern“, erklärt Schmidt. 13 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeiten entweder in Voll-, Teilzeit oder als Auszubildende im Alsfelder Tierheim.

Doch noch will man den Kopf nicht in den Sand stecken. „Wir haben alle Vorkehrungen für den Ernstfall getroffen, damit die Tiere auch immer versorgt sind“, erklärt Schmidt. Das Personal wurde reduziert, Teams gebildet, damit im Fall einer Ansteckung nicht alle in Quarantäne müssen und wer von Zuhause arbeiten kann, der ist ins Home-Office gegangen – neben den ganzen Hygienemaßnahmen natürlich. Auch der Vorstand sei aktuell sehr präsent, helfe, wo es nur geht. Jeden Tag bespreche und evaluiere sich das gesamte Team. „Ein großes Lob an alle Mitarbeiter, alle geben sich sehr viel Mühe“, dankt Schmidt für das Engagement. Es ist immerhin eine schwere Zeit, in der die Tiere nicht vergessen werden dürfen.

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