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Geschäftsführung bleibt Treffen fern – Gütetermin noch im DezemberWeiter Ungewissheit für die Mitarbeiter bei Welle Möbel in Alsfeld

ALSFELD (jal). „Enttäuscht“. So beschreibt man seitens der Belegschaft gerade die Stimmung im Alsfelder Werk des Möbelherstellers Welle. Die Firma ist angeschlagen, wie es weiter geht: ungewiss. Einem Termin, der Klarheit bringen sollte, blieb die Geschäftsführung fern. Jetzt richten sich die Blicke der Mitarbeiter auf einen Gerichtstermin noch vor Weihnachten.



Welle Möbel mit Sitz in Bad Lippspringe bei Paderborn hat in den vergangenen Jahren mehrere Sanierungsrunden hinter sich gebracht. Das Werk in Alsfeld ist als einziger Außenposten der Produktion übrig geblieben. Die letzten einschneidenden Veränderungen gab es im Jahr 2015. Jetzt, so dachte man bei der Belegschaft in Alsfeld, sei eigentlich alles wieder soweit in Ordnung. „Das hat niemand kommen sehen“, ist von Arbeitnehmervertretern zu hören. Seit September bleiben in Alsfeld wie in NRW die Löhne aus – bei manchen ganz, bei anderen wiederum sind Teilbeträge auf dem Konto angekommen.

Mehrere, sehr gute, junge Mitarbeiter, sollen zuletzt gekündigt haben. Die Unternehmensleitung spricht von „normaler Fluktuation“, seitens der Gewerkschaft heißt es, von den Arbeitern wäre niemand gegangen, hätte es keine Probleme mit der Bezahlung gegeben. „Die Loyalität von denen, die da geblieben sind, ist unbeschreiblich – aber ohne Geld geht es auch für sie nicht“, ist zu hören.

Arbeit soll es genug geben

An diesem Mittwoch hätte es eigentlich ein Treffen in Alsfeld geben sollen – eine Versammlung des Betriebsrats mit der Gewerkschaft IG Metall und der Geschäftsführung. Doch der Arbeitgeber habe kurzfristig wegen eines Termins absagen müssen, ist zu hören. Auch wenn man der Geschäftsführung gerne glauben möge, dass der andere Termin unaufschiebbar gewesen sei, so sei man doch enttäuscht und verwundert darüber, hieß es von der anderen Seite.

Arbeit soll es für die beiden Werke in NRW und Alsfeld genug geben. Von einem Auftragsvolumen von elf Millionen Euro ist da die Rede. Gleichzeitig heißt es jedoch, in Alsfeld könne derzeit nicht produziert werden, weil der dafür nötige Leim fehle.

Die Augen der Belegschaft richten sich nun auf den 17. Dezember. An diesem Tag soll vor dem Gießener Arbeitsgericht ein Gütetermin stattfinden. Kurz danach, so verdichten sich die Hinweise, könnte das Treffen mit der Geschäftsführung, dem Betriebsrat und der Gewerkschaft in Alsfeld nachgeholt werden.

Es gelte als „ziemlich sicher“, heißt es aus dem Alsfelder Werk, dass man dort in Zukunft nur noch in einer anstatt in zwei Schichten arbeiten werde. Was sich zunächst wie eine Entlastung anhört, sehen Arbeitnehmervertreter als eine mögliche Belastung. Die Personaldecke sei bei einer solchen Konstellation knapp bemessen. Urlaubstage oder Krankheitsfälle könnten somit leicht zum Problem werden. 65 Mitarbeiter gib es derzeit noch in Alsfeld.

Grundstücksverkauf soll Geld bringen

Geschäftsführerin Anna Sommermeyer-Rickert hat angekündigt, ein 70.000 Quadratmeter großes Grundstück bei Paderborn verkaufen und zurückmieten zu wollen, um anschließend dort mehr in die immer wichtiger werdende Logistik zu investieren.

„Ich wünsche denen alles Gute bei dem, was sie vorhaben“, sagte ein Mitarbeiter gegenüber Oberhessen-live. „Wichtig ist nur, dass es jetzt wieder weiter geht – und dass es endlich wieder Geld gibt“. Ein Vertreter der Firmenleitung war für OL am Mittwochabend kurzfristig nicht mehr zu erreichen.