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Er hat viel geleistet: Edgar Merle ist seit 33 Jahren Ortsvorsteher von Eudorf„Nichtstun ist die Formel für Erfolglosigkeit“

EUDORF (akr). Die Bewohner in Eudorf stehen für ihn an erster Stelle. Ein offenes Ohr, rund um die Uhr ansprechbar sein, das ist für ihn Pflicht – und das seit 33 Jahren. Edgar Merle ist der dienstälteste Ortsvorsteher in der Stadt Alsfeld. Im Gespräch mit Oberhessen-live blickt er auf seine jahrzehntelange Amtszeit zurück.

Über drei Jahrzehnte ist es her, dass Edgar Merle seine erste Amtszeit als Ortsvorsteher antrat. Es war der 18. April 1985 als er einstimmig gewählt wurde, nachdem die CDU mit einer Stimme mehr als die SPD die Wahl für sich entschied. „Ältere CDU-Mitglieder haben damals gesagt, wenn das Amt jemand ausüben sollte, dann du“, erzählt Merle mit einem Lächeln im Gesicht. Und damit sollten sie Recht behalten, denn das Amt übt der 67- Jährige bereits seit 33 Jahren aus.

Damit ist er der dienstälteste Ortsvorsteher in der Stadt Alsfeld. Politik hat Edgar Merle, den viele liebevoll „Eddy“ nennen, schon immer interessiert. Politik heißt für ihn, dass man sich einmischen und dass man mitmischen kann. „Ich bin immer aktiv, ich liebe die Kommunikation mit anderen Menschen. Das Vier-M-System sagt: Man muss Menschen mögen. Außerdem brauche ich einfach Bewegung in meinem Alltag“, erzählt der Eudorfer.

Zahlreiche ehrenamtliche Tätigkeiten

Dass er ein sehr aktiver Mensch ist, kann man an seinen zahlreichen ehrenamtlichen Aktivitäten sehen. „Ich habe mal eine Liste gemacht, damit man einen Überblick bekommt und ich nichts vergesse“, lacht der Vater von zwei Kindern. Eine Liste, die von 1962 bis heute geht. Er war Vorsitzender der Burschenschaft in Eudorf, im Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr, Vorsitzender des Posaunenchors und ist bis heute noch Vorsitzender des Männergesangsvereins – nur um einen kleinen Einblick in sein ehrenamtliches Engagement zu geben. „Ich glaube die Menschen haben damals auch gemerkt, dass ich Führungsqualität habe. Und ich deswegen auch für den Posten des Ortsvorstehers vorgeschlagen wurde“, grinst der 67-Jährige gelernte Landwirt.

Sein Arbeitszimmer ist voller Auszeichnungen für seine zahlreichen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Foto: akr

Als Ortsvorsteher musste er lernen, sich zu organisieren, den Menschen zuzuhören. „Wenn einen Bürger etwas berührt, dann kann er immer zu mir kommen“, grinst er. Absolute Zuverlässigkeit ist für ihn ein Muss und auch dass er über die Situation im Dorf immer Bescheid weiß. Doch für ihn müssen Worten auch Taten folgen: „Die Bürger wissen, dass ich mich immer sehr zeitnah um die Angelegenheiten kümmere“, erzählt der 67-Jährige. Früher gab es für Angelegenheiten regelmäßig Sprechstunden. Doch durch die rege Kommunikation ist das nicht mehr so. Man ruft ihn einfach an oder kommt direkt bei ihm vorbei.

Die erste Herausforderung

„Meine erste Amtshandlung war das Schild des alten Ortsvorstehers Karl Heinbuch an mein Haus zu machen und natürlich die schriftliche Besiegelung mit Schlüssel und allem Drum und Dran“, erzählt Merle lachend. Doch schon zwei Jahre später kam es zu einem Ereignis, das ihm bis heute im Gedächtnis geblieben ist. 1987 hat die Stadt Alsfeld dem Ortsbeirat Eudorf den Haushaltsplan vorgelegt, damit er eine Beschlussempfehlung abgibt. Doch der Ortsbeirat lehnte diesen einstimmig ab, weil die Thekenvergrößerung im Dorfgemeinschaftshaus Eudorf nicht berücksichtigt wurde. Der Ausbau sollte nur dann genehmigt werden, wenn die Durchreiche lediglich einen mal einen Meter groß sein würde – nicht das was man wollte.

Einen Tag nach der Sitzung war Merle dann in der Redaktion der Oberhessischen Zeitung, für die er damals geschrieben hat. „Der damalige Chefredakteur kam zu mir und wollte wissen, wie die Sitzung ausgegangen ist. Ich habe dann gesagt, dass wir einstimmig abgelehnt haben“, erzählt der Ortsvorsteher in einer ernsteren Tonlage. Und dann kam am nächsten Tag die Überraschung: Die Schlagzeile in der OZ „Ortsbeirat Eudorf lehnt einstimmig Haushalt ab“, so geschrieben wie es der ehemalige Bürgermeister Hans-Ulrich Lipphardt wollte.

Damit hatte Merle nicht gerechnet. „Der damalige Bürgermeister schrieb einen Tag später einen Leserbrief, dass ich die Ortsbeirats-Mitglieder nicht ausreichend informiert hätte“, erinnert er sich. Und so kam es, dass jeder insgesamt drei Leserbriefe schrieb. „Doch wer mich unterschätzt, der kann zum großen Verlierer werden, egal in welcher Beziehung“, sagt Merle. Er habe den Bürgermeister und den Chefredakteur zu einer Ortsbeiratssitzung eingeladen. In der Sitzung haben dann alle Mitglieder gesagt, dass sie sich ausreichend informiert gefühlt haben und nicht wie Lipphardt es behauptete. „Dann musste er sich bei mir entschuldigen“, grinst der Ortsvorsteher.

Viel geleistet in all den Jahren

Es gibt aber auch viele positive Ereignisse, an die er sich gerne erinnert. Errungenschaften, die auf sein Konto gehen. Nichtstun ist für ihn nämlich die Formel für Erfolglosigkeit. So sind durch ihn beispielsweise drei neue Baugebiete entstanden. In 2011 setzte er sich mit Erfolg für eine neue Kanalisierung ein, mit Schließung der eigenständigen Kläranlage in Eudorf. „Wir sind dann an das Kanalnetz von Alsfeld angeschlossen worden“, freut sich Merle. Auf seine Initiative hin ist auch die Kreisstraße vom Ortsende Eudorf bis nach Elbenrod neu geteert worden. Auch auf die Aufstellung des Blitzers im Januar 2016, um zur Sicherheit der Kinder und Bewohner beizutragen, ist er stolz.

Besonders wichtig war für den 67-jährigen Ortsvorsteher allerdings auch, der Erhalt des Dorfgemeinschaftshauses (DGH) als Kulturmittelpunkt des Dorfes. „Ich wollte immer, dass das DGH saniert und renoviert wird“, erzählt er. Und der Wunsch konnte ihm im vergangenen Jahr erfüllt werden. Seit 2011 übernimmt er Hausmeistertätigkeiten im DGH: „Das mache ich umsonst, damit dafür kein Geld ausgegeben werden muss“. Dadurch konnte die Stadt Geld sparen und es für die Renovierung des Dorfgemeinschaftshauses einsetzen, freut sich Merle. „Ich versuche auch immer wieder Gelder für die Vereine reinzuholen“, erzählt er. Und das gelinge ihm auch meistens.

Aufhören kommt nicht in Frage

Viel verändert hat sich für ihn das Amt in den 33 Jahren nicht. Durch den Sieg von Bürgermeister Stephan Paule in 2013 sei allerdings vieles leichter geworden. „Vorher war immer die SPD an der Macht. Für die CDU war es dann eher schwierig. Bei den Anträgen wurden nur die notwendigsten Maßnahmen erfüllt“, erinnert er sich.

Und die Eudorfer dürfen sich freuen, denn Edgar Merle denkt nicht daran, das Amt aufzugeben. „Ich bin hier so fest verwurzelt. Mir macht das einfach so viel Spaß und mir fallen immer wieder neue Ideen ein, die ich umsetzen möchte“, lacht er. Für ihn ist das Amt ein belebendes Element in seinem Leben.

3 Gedanken zu “„Nichtstun ist die Formel für Erfolglosigkeit“

  1. Herr Merle ist einfach ein Segen für diesen Ortsteil. Er ist stets mit deutlichem „Herzblut“ tätig.
    Ich wünsche ihm viele weitere Jahre bei allerbester Gesundheit! :)

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