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Belebung der Altstadt - Chancenstudie im Ausschuss vorgestelltAlsfeld auf dem Weg zur Märchenstadt

ALSFELD (ls). Den Einheimischen fällt es vielleicht nicht jeden Tag auf, doch Alsfeld hat mit seinen kleinen Gassen und den romantischen Fachwerkhäusern für viele Fremde etwas Märchenhaftes. Darauf setzt die Stadt zwar jetzt schon bei ihrer Vermarktung – doch die Verantwortlichen wollen das noch intensivieren. Alsfeld will sich dauerhaft als „Märchenstadt“ präsentieren. Doch dafür sei noch einiges zu tun, sagte Alsfelds Wirtschaftsförderer Uwe Eifert nach seiner Präsentation im Ausschuss für Wirtschaft und Stadtentwicklung. 

Wer etwas neu machen will, muss zunächst wissen, was genau er am Alten hat. Denn Alsfeld sucht nicht nur ein passendes Image, vielmehr geht es um die Frage, wie die Stadt als solches in Zukunft aussehen soll. Die Verwaltung hat also eine Umfrage organisiert, um herauszufinden, was die Bewohner von ihrer Stadt halten. Dabei kam heraus: Viele Alsfelder schätzten die Tradition des Städtchens, fühlen sich mit ihrer Heimat verbunden und erkennen einen gewissen Wohlfühlfaktor. Doch es gibt auch Nachholbedarf.

Die Öffnungszeiten zum Beispiel. 76 verschiedene gibt es in Alsfeld. „Die Stadt mit den meisten Öffnungszeiten in Deutschland“, wie Bürgermeister Stephan Paule lachend einwarf. Außerdem vermissen die Alsfelder Parkplätze, Möglichkeiten zum Einkaufen für Jüngere und einen Marktplatz, der etwas mehr zum Verweilen einlädt. Die Chancenstudie genannte Umfrage der Stadt ähnelt zwar einer ähnlichen Umfrage des Altstadtsanierungsprojekts NH-Projektstadt, war allerdings etwas mehr auf das Alsfelder Gewerbeleben ausgerichtet.

„Alsfeld muss sich positionieren“, meinte Wirtschaftsförderer Eifert. Der Ort solle mehr und mehr den Weg in Richtung Märchenstadt gehen, mit Fokus auf Familien und besonders auf Kinder. Doch man müsse auch wirklich hinter dem eigenen Konzept stehen. „Das Märchenhaus ist das letzte Touristische, was wir auf die Beine gestellt haben“, klärte der Wirtschaftsförderer auf und wies darauf hin, dass Marketing allein nicht reiche.

Leichte Kritik aus dem Ausschuss

Der Vortag Eiferts stieß auf Zustimmung, aber auch auf Kritik. „In allen Punkten bekommt das von mir volle Zustimmung, allerdings bereitet mit das Reine Märchen-Konzept Bauchschmerzen“, sagte Ausschuss-Mitglied Frank Jungk von der CDU. Das Konzept auf Familien und Kinder zu fokussieren reiche nicht aus. „Wir brauchen auch innovative Ideen, um das mittlere Alter anzusprechen und ein Begeisterung bei den Erwachsenen zu schaffen“, sagte er. Das fand auch seitens der Stadt Zustimmung.

Bedenken gab es hier auch in der Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz. „Ich habe jetzt schon öfter mitbekommen, dass der Denkmalschutz den Hauseigentümern empfiehlt statt Geschäftsräume in der Innenstadt Wohnraum zu schaffen“, erklärte Jungk.

Eifert hatte auch konkrete Pläne im Gepäck. Am Kräutermarkt wolle man anfangen, den ersten Schritt in Richtung Märchenstadt zu gehen. Dabei sollen Märchenaufführungen, Märchenfiguren zum Anfassen, märchenhafte Stelzenläufer, ein Märchenzelt, ein Hexenrundgang, Mitmachaktionen für Kinder, eine Seifenblasen-Show und ein Lama-Streichelzoo das Motto erlebbar machen.

Künftig könne man solche und viele weitere Aktionen öfter planen, meinte Eifert. Dennoch könnten solche Events nicht das ersetzen, was an strukturell in der Stadt passieren müsse. Mehr Parkplätze, zum Beispiel. Und eine bessere Beschilderung.

Ein Outlet in Alsfeld?

Die Stadt hat sich auch mit der Frage beschäftigt, ob es Sinn machen würde, wäre die Innenstadt erst einmal durch verschiedene Eingriffe aufgehübscht, sich um ein großes Outlet-Einkaufszentrum zu bemühen – mit einigen Ablegern in der Innenstadt, damit die durch das neue Angebot nicht ausblutet. „Doch unsere Tendenz geht deutlich zu nein“, sagte Eifert später gegenüber OL.

„Ich sehe die Ziele schon vor den Augen, aber vorher müssen wir etwas tun. Wir müssen handeln“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Christoph Stüber. Auch CDU-Fraktionsvorsitzende Alexander Heinz sprach sich für die Pläne der Stadt aus, allerdings sollten sie geschlossen von allen Fraktionen getragen werden. „Wollen wir den großen Wurf wagen und das Risiko tragen?“, fragte er rhetorisch in die Runde.

Mutig wollen sie sein, wie Wirtschaftsförderer Uwe Eifert eingangs erklärte. Auch der erste Schritt ist gemacht. Jetzt muss nur noch der zweite Schritt auf Alsfelds Weg in Richtung „Märchenstadt“ getan werden.

2 Gedanken zu “Alsfeld auf dem Weg zur Märchenstadt

  1. @ Carl 25.05.2018 um 20:37 Uhr
    Märchenstadt… Doppel-Whow! Auf die Idee ist vorher ja auch noch nie einer gekommen (siehe Deutsche Märchenstraße, https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_M%C3%A4rchenstra%C3%9Fe). Und wenn das Märchenthema nach Jahren noch nicht den großen Durchbruch gebracht hat? Da hilft nur eins: Noch mehr von demselben Quatsch mit Soße. Altes Prinzip: Wenn die erste Schlaftablette nicht geholfen hat, nimmt man eben noch ne Schlaftablette. Da bin ich aber mal gespannt, was der große Wurf in Richtung Märchenstadt Alsfeld sein wird. Die Mega-, Giga-, Tera-, Peta-Märchenstadt? Wahrscheinlich ist die Idee noch nicht richtig in der Bevölkerung verankert. Dabei wäre das doch sehr einfach. Alle, die in Alsfeld Wolf heißen – und das sind ja so einige – haben ab sofort einen Bundesfreiwilligendienst als Wölfe abzuleisten. Alle Rothaarigen leisten ihren Dienst als Rotkäppchen ab. Alle mit dem Familiennamen Lämmer werden als Geißlein dienstverpflichtet. Jeder Kernstadtbewohner hat das größte Zimmer seiner Wohnstätte als Zimmertheater herzurichten, wo Märchenlesungen, Märchentheaterstücke, Märchenpuppentheater, Märchen-Musicals usw. abgehalten bzw. aufgeführt werden. Ambulante Volkshochschuldozenten bewegen sich im Kreise ad hoc zusammengestellter Volkshochschulkurse permanent auf die Spuren der Gebrüder Grimm, während alle Friseure der Stadt permanent ihr Haar herunterlassen. Die Blumengeschäfte pflanzen hundertjährige Dornenhecken um jedes Haus. Die Schuhgeschäfte verkaufen zu kleine Schuhe (Ruckedigu, Blut ist im Schuh), Fachärzte für Orthopädie und medizinische Fußpfleger kümmern sich um die Folgen. Zoohandlungen vertreiben massenhaft Goldesel, Bremer Stadtmusikanten sowie Bären, Hasen und Igel, nimmersatte Ziegen, Froschkönige usw. Schreinereien stellen Tischleindeckdichs in allen Varianten her, Bastelgruppen verwandeln Stoff- und Holzreste in Knüppel-aus-dem-Säcke mit mechanischem oder elektronischem Antrieb. Reisebüros veranstalten Gruppenreisen zu Märchenorten auf der ganzen Welt. Die Polizei bekämpft die internationale organisierte Märchenkriminalität und die Gerichte verurteilen Märchenverweigerer zu mehrjähriger Märchenhaft. Da geht noch mehr…

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