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Hinter den Kulissen des Alsfelder Wintermärchens "Zwerg Nase" - Tosender Applaus für geglückte PremiereZwischen wachsender Anspannung und ruhender Gelassenheit

ALSFELD (ls). Noch ist es dunkel und leer in der Alsfelder Stadthalle. Alleine auf der Bühne tut sich was: Marktstände werden verschoben, jemand richtet den Vorhang, Töpfe scheppern. Die letzten Darsteller kommen durch die Halle und verschwinden hinter dem Vorhang. Im Hintergrund lebendiges Gelächter. Spannung liegt in der Luft. In genau einer Stunde geht es los: Die Premiere des Alsfelder Wintermärchens „Zwerg Nase“. Eine Reportage von hinter den Kulissen, aufgeschrieben von Luisa Stock. 

Laute Klaviertöne füllen den Raum. Lorenz Rüdiger, den man nachher mit einer langen Nase und einem großen Buckel auf dem Rücken als Zwerg Nase im Stück kennen lernen wird, probt sein Klavierstück und übertönt mit der launigen Melodie das Klappern und Scheppern auf der Bühne. Regisseurin Johanna Milder blickt auf und lässt den Topf mitten auf der Bühne, umzingelt von detailreich-trappierten Marktständen, liegen.

Vor jeder Aufführung wird das Bühnenbild neu hergerichtet. Fotos: ls

„Wir lassen die Bühnenteile meistens so stehen nach einem Auftritt. Das ist so ein Ritual, dass wir vor dem nächsten Auftritt alles wieder an den Platz räumen, wo es hingehört“, sagt Mildner, während sie den Topf wieder in die Hand nimmt und den Deckel drauf tut. Der letzte Ton der Klaviermusik erklingt. Es wird still. Lange bleibt das nicht so. Die Tür geht auf und die letzten Schauspieler kommen rein. Sie sind später dran. Nicht mehr lange und die Besucher kommen. Hinter der Bühne wird es lauter, alle Schauspieler sind da. Gut ein Dutzend Talente drängeln sich zwischen Requisiten, Kostümen, Make-Up und über 20 verschiedenen Kostümen, die an Kleiderstangen am Rand des Masken-Raumes gehängt sind.

Ein Dutzend Schauspieler in einem Raum

In der Mitte ist ein Tisch. Es riecht nach Haarspray. Zwischen Getränken, Obst und offenen Puderdosen wird es warm. Noch herrscht entspannte Gelassenheit im kleinen Raum: Hier wird eine Frisur gemacht, an den Seiten werden Kleider angezogen, Hemden zugeknöpft, wird an Ärmeln gezupft und vor den großen Spiegeln mit den Glühbirnen pudern sich die Schauspieler die Gesichter. Jeder für sich selbst, manchmal helfen die bereits Fertigen den anderen. Zur Unterstützung mit dabei: Kostümbildnerin Ruth Henkel, die alles überwacht und Bühnenbildnerin Inge Zuschlag.


Es wird stressig: Zwischen gut einem Dutzend Schauspielern, Puder, Haarspray und rund 20 Kostümen fehlt ein schwarzer Kniestrumpf.

Plötzlich verändert sich die Stimmung: „Wo sind meine schwarzen Kniestrümpfe?“ schallt es durch den Raum. Für kurze Zeit bricht Hektik aus – kein Durcheinander. Normal weiß jeder genau, wo sein Platz ist und wo er welches Kostüm und welche Requisite findet, sagt Henkel. Aufgeregt wühlen die jungen Schauspieler in ihren Taschen, suchen auf dem Boden. Die Stimmen überschlagen sich. Doch genauso schnell wie die Hektik ausgebrochen ist, schwindet sie wieder: Der Strumpf, er wird rasch gefunden.

Bei der Premiere ist es schon etwas anderes

Während in der Maske noch fleißig geschminkt und gepudert wird, werden die ersten Schauspieler hinter der Bühne schon verkabelt. Von Anspannung oder ähnlichem spürt man hier nichts: „Ich bin nicht aufgeregt“, sagt Johann und stemmt selbstbewusst seine Hände in die Hüfte. „Was soll schon passieren? Selbst wenn etwas schief geht, das weiß doch von den Zuschauern niemand“. Sein Eichhörnchenkostüm hat er schon an. Kaum ist er fertig, warten schon die nächsten. Jetzt muss es schnell gehen, die Tonprobe steht an, der Vorhang ist wieder geschlossen und die Gäste haben bereits ihre Plätze eingenommen. Langsam wird die Anspannung auch hinter der Bühne spürbar.

Lorenz Rüdiger alias Zwer Nase wird verkabelt. Noch ist es ruhig. Nur wenig später stehen an dieser Stelle alle Schauspieler.

„Die Premiere ist dann doch noch etwas anderes“, sagt Liz. Für die Marktspielgruppe ist es mit diesem Märchen nicht der erste Auftritt – vorab gab es bereits die Aufführungen für Schulen und Kindergärten. Erfahrung konnten viele der noch jungen Schauspieler in den letzten Jahren genug sammeln: Die Schneekönigin, Aschenputtel, Schneeweißchen und Rosenrot, der kleine Muck und das singende, springende Löweneckerchen  – die Marktspielgruppe hat schon so einiges auf die Bühne gebracht.


Die letzten Minuten gehören den Schauspielern

Im Maskenraum wird es lauter. Die Schauspieler sind fertig geschminkt und bald geht es los. Während die einen eher für sich stehen, ins Leere blicken, um Konzentration zu finden, gehen die anderen mal lauter, mal leiser ihre Texte durch. Wieder andere atmen tief durch, sodass sich ihre Brust hebt. Die Augen sind geschlossen. Eine gute Mischung aus Anspannung, Konzentration und guter Laune liegt jetzt in der Luft. Jenny Wagner und Vicky Gabriel stehen sich gegenüber und singen. Sie lächeln und gehen im Schnelldurchgang das Lied durch, dass sie später zu Lorenz‘ Klaviermusik dem Publikum vortragen werden. Doch kaum ist der letzte Ton gesungen, herrscht Stille in der Maske. Die letzten Minuten vor dem Auftritt gehören den Schauspielern. Die Tür schließt sich.

Vicky Gabriel und Jenny Wagner singen im Schnelldurchgang in der Maske ihr Lied.

„Bitte kommt her, wir haben noch zehn Minuten und wir müssen noch die Tonprobe machen“, ruft die Stadthallenmitarbeiterin Liane Orendi in Richtung Maske. Die Tür geht auf. Die Schauspieler bringen sich auf der Rückseite der Bühne in Position. Es wird ernst: In wenigen Minuten öffnet sich der schwere rote Vorhang, der das wilde Treiben hinter der Bühne von rund 150 Zuschauern trennt. Von Anspannung oder Nervosität spürt man nichts mehr. Alle quasseln nach Belieben in ihre Mikros und warten auf das Zeichen des Tontechnikers. Alles ist gut.

Tosender Applaus für geglückte Premiere

Die letzten Minuten vor der großen Premiere sehen bei jedem anders aus: Während die einen lässig am Bühnenende sitzen, lachen und sich unterhalten, stehen andere in sich gekehrt vor der kleinen Treppe, die den Weg zur Bühne ebnet und murmeln leise vor sich hin. „Ich wünsche euch viel Spaß. Ich freue mich drauf“, durchdringt Regisseurin Mildner die Gespräche elfköpfiger Schauspieler-Gruppe, lächelt und verlässt durch eine Nebentür den hinteren Raum. So langsam herrscht wieder Stille. Geredet wird nicht mehr. Man hört lediglich das gespannte Gemurmel aus dem Publikum. Ein kleines Kind lacht vor dem Vorhang.

Stille kehrt ein. Nur wenige Minuten bis der Auftritt beginnt.


Langsamen Schrittes gehen die ersten Schauspieler die Stufen Richtung Bühne hervor, lächelnd, trotzdem nervös. Sie atmen tief durch und werfen einen Blick zurück, ehe sie den Blick selbstbewusst nach vorne wenden und die Bühne betreten. Leisen Schrittes positionieren sie sich an den Marktständen der Bühne. Einzig den knarrenden Holzboden hört man in der gebannten Stille hinter der Bühne. Dann ertönt der laute Gong. Es wird leise im Publikum, der Saal wird dunkel. Auf der Bühne ein kurzer Blick nach links und rechts, ein nervöses Lächeln und der rote Vorhang öffnet sich. Die Premiere des Wintermärchens „Zwerg Nase“ beginnt. Als alles vorbei ist, gibt es tosenden Applaus.

Weitere Eindrücke aus dem Stück „Zwerg Nase“ und den Vorbereitungen hinter den Kulissen: