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Umweltverbände übergeben Autobahn-Moratorium an Verkehrsminister Tarek Al-Wazir225.000 Unterschriften für die Rettung des Dannenröder Waldes

DANNENROD (ol). Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Campact und Greenpeace haben an diesem Mittwoch dem hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir über 225.000 Unterschriften für die Rettung des Dannenröder Waldes und ein Autobahn-Moratorium übergeben.

Seit dem 1. Oktober werden Teile des angrenzenden Herrenwaldes und Maulbacher Waldes für den Weiterbau der A49 gerodet. Doch hier fallen nicht nur Bäume in einem intakten, gesunden Laubmischwald, der Herrenwald schützt gemeinsam mit dem Dannenröder Wald ein Trinkwasserschutzgebiet, das 500.000 Menschen aus dem Vogelsberg und dem Rhein-Main-Gebiet versorgt. So aus der Pressemitteilung.

Den bedrohten Wald haben Aktive von Campact, BUND und Greenpeace deshalb zum Wirtschaftsministerium in Wiesbaden gebracht. Mit Stieleichen und Hainbuchen aus Pappe, Bannern und Sprechchören riefen sie den Verkehrsminister auf, sich auf allen Ebenen gegen die Rodung im Dannenröder Wald und für eine „echte Verkehrswende“ stark zu machen.

In ihrem gemeinsamen Appell an Al-Wazir und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer fordern BUND, Campact und Greenpeace, den Wald zu retten und den Weiterbau der A49 zu stoppen. Die Verkehrspolitik dürfe nicht weiterhin die Klimakatastrophe und den Verlust der Biodiversität ignorieren. Bislang seien im aktuellen Bundesverkehrswegeplan bis 2030 allein 850 Kilometer zusätzliche Autobahnen geplant. Die Naturschutzbünde fordern stattdessen eine klimagerechte Verkehrspolitik und die Umschichtung von Geldern aus dem Straßenbau in den öffentlichen Nahverkehr, um diesen dauerhaft attraktiver zu machen.

Reaktionen zu der Unterschriften-Aktion

„Der Dannenröder Wald darf nicht einer Verkehrsplanung von vorgestern zum Opfer fallen. Die A49 muss im nächsten Jahr aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen werden, statt fertig gebaut zu werden. Unser Appell richtet sich deshalb auch an Bundesverkehrsminister Scheuer. Dieser hat sich aber bisher geweigert, die Unterschriften persönlich entgegenzunehmen“, erklärt Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen. Matthias Flieder von Campact ergänzt: „Kettensägen können nicht die Antwort auf Hessens Verkehrsprobleme sein. Die Verkehrswende braucht mehr Schienen und besseren ÖPNV – auch auf dem Land.“ In Corona-Zeiten sei es zudem unverantwortlich Tausende Polizistinnen und Polizisten für die Räumung „friedlicher Aktivistinnen und Aktivisten“ einzusetzen.

„Den Bau weiterer Autobahnen können wir uns in einer Klimakrise nicht leisten“, sagt Marion Tiemann, Verkehrsexpertin von Greenpeace. Die Umweltorganisation hatte am 24. Oktober eine rechtliche Analyse vorgelegt, die Handlungsoptionen für die hessischen Grünen für den Schutz des Dannenröder Walds aufzeigt. „Als grüner Verkehrsminister muss Al-Wazir seinen rechtlichen Spielraum nutzen und die Waldzerstörung für die A49 stoppen“,sagt Tiemann. Der Schutz vor dem Coronavirus habe auch bei dieser Aktion höchste Priorität gehabt, die Teilnehmenden hätten sich an die geltenden Hygienevorschriften gehalten.

Auch das Aktionsbündnis „Keine A49“ freut sich über die Unterschriften. Das zeige, dass eine übergroße Anzahl von Menschen dieses „zerstörerische Autobahnprojekt nicht mehr will“. Und weiter erklärt Barbara Schlemmer vom Aktionsbündnis: „Zusammen mit dem neu vorgelegten Gutachten von RegioConsult Marburg, das eine große Gefährdung für das Grundwasser im letzten Streckenabschnitt der A49 nachweist, sollte das nun Grund genug für Tarek Al-Wazir und Andreas Scheuer sein, das Projekt zu stoppen und die VKE 40 grundsätzlich zu überdenken“.

12 Gedanken zu “225.000 Unterschriften für die Rettung des Dannenröder Waldes

  1. Was sagen schon 225.000 Stimmen aus, wenn die Abstimmenden kaum über alle Zusammenhänge im Bilde sind?

    Wer von den 225.000 Abstimmenden hat sich wohl mit mehr beschäftigt, als dem einseitigen und flachen Bild hier: https://act.greenpeace.de/danni-bleibt

    Klick – gelesen, empört – klick, geteilt – klick – online unterschrieben – weiter gehts.

    Online kommen schnell so viele Stimmen zusammen, wenn man Multiplikatoren nutzt, die viele in der passenden „peer group“ erreichen. Gerade Umweltverbände und Gruppen wie Green“peace“ haben große Anhängergruppen, die jeden Sch… unterschreiben, der Ihnen als umweltfeindlich untergeschoben wird. Gerade wenn es bequem und zwischendurch online geht. Hat man auch gleich das geile Gefühl, selbst was für die Umwelt getan zu haben.

    Schaut man auf die Zahlen, wird es spannend. Einwohner in den betroffenen Landkreisen, gerundet auf Tausend:

    VB 106.000
    HR 180.000
    MR 247.000
    ———–
    SUM 533.000

    Wenn nur Menschen aus den angrenzenden Landkreisen abgestimmt hätten, müssten also mehr als jeder Dritte teilgenommen haben.

    Unrealistisch – zumal die Einwohnerzahl alle vom Säugling bis zum Rentner einschließt.

    Daraus kann man folgern, dass ein Großteil nicht aus der Gegend kommt und somit sehr einseitig informiert ist, wenn überhaupt.

    Natürlich ist die A49 ein Bundesthema und daher geht es alle etwas an – und damit sind diese Unterschriften auch berechtigt. Man sollte sie also nicht ignorieren. Allerdings muss man sie dem Hintergrund entsprechend gewichten und einordnen.

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  2. Hier wird wieder versucht, ein weiteres Grundrecht für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Unsere Politiker wissen, wie solche Zahlen zustande kommen. Nach dem Petitionsrecht spielt die Anzahl von Unterschriften keine Rolle, sondern nur der Inhalt.

    Dass Sachverständige ein Gutachten über die Arbeit eines Kollegen anfertigen, ist unfair und deshalb auch unüblich. Auch ein Gericht würde nie einen solchen Auftrag erteilen. Dieser Sachverhalt zusammen mit der örtlichen Nähe zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer deuten auf ein Gefälligkeitsgutachten hin.

    Ich würde mir wünschen, dass nicht nur die völlig unplausibel hohe Anzahl von „Unterschriften“ und auch die Widersprüche in den Gutachten aufgeklärt werden.

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  3. Nachdem Herr Scheuer wegen der Mauteinführung eine Niederlage einstecken musste, ist kaum zu erwarten dass er jetzt seinen Verstand nutzt, um den eindeutigen Klimafrevel im Dannenröder Wald einzugestehen. Allerdings wäre das jetzt noch eine Geste um das vertrauen in unsere Politik zurückzugewinnen. Es gibt durchaus genug klimafreundlichere Alternativen die A49 in gemässigter Form und viel billiger weiter nach Marburg zu führen. Alternativ müssten nur Umgehungen und ein gemäßigter Ausbau der B3 erfolgen.

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    1. Wer als Beamter 50,-€ einsteckt, kann seine Pension verlieren. Wer 500 Mio dienstlich verbrennt, hat nichts zu befürchten. Das hat allerdings nichts mit Herrn Scheuer alleine zu tun, sondern das ist ein genereller Missstand, für den wir Steuerzahler aufkommen müssen. Würden sich unsere „Aktivisten“ mal diesem Thema annehmen, gebe es sicherlich mehr Zuspruch aus der Bevölkerung.

      Sinn der Straßen ist es, Wege abzukürzen. Durch die A49 verkürzen sich viele Wege, wodurch weniger CO2 freigesetzt wird.

      Durch Umgehungsstraßen verlängert sich die Strecke von Kassel nach Marburg.

      Fürs Klima ist also die Autobahn die bessere Lösung.

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  4. Immerhin 80.000.000 Deutsche unterstützen diesen Blödsinn NICHT👌

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  5. Die entscheidende Frage ist doch, wie hoch der Anteil der Unterschreibenden ist, der direkt von der A49 betroffen ist? Wenn da Tante Trude aus Hintertupfingen unterschrieben hat, weil sie einfach Autos hasst, sagt das gar nichts aus.

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  6. Wie viele der 225000 Unterschreiber, kennen eigentlich unsere Probleme hier vor Ort?
    Sind das 500? oder 1000?
    Da wurden sicherlich alle Mitglieder gebeten zu Unterschreiben!!!

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  7. 30 Jahre lang wurde auf Parlamentarischer Ebene beraten und Entschieden. Entscheidungen wurden gerichtlich überprüft. Die Vorderung nach einem Moratorium ist also genauso unseriös wie diese Petition überhaupt.

    Bei einer Demo vor Ort erscheinen 1500 Teilnehmer. Das bedeutet, dass über 90% der Unterschriften nicht aus unserer Region stammen oder gefälscht sind. Es darf doch nicht sein, dass Menschen, die gar nicht betroffen sind, sich anmaßen über die Lebensverhältnisse anderer zu bestimmten.

    Nicht die Autobahn gefährdet das Trinkwasser, sondern der großflächig mit krebserregenden Stoffen verseuchte Boden aus der Sprengstoffprofuktion des 2 Weltkrieges.

    Wenn das ganze „Theater“ der letzten Zeit einen Sinn gehabt haben soll, dann organisiert doch bitte selbst eine Onlinepetition um neue Quellgebiete zu erschließen. Jeder Mensch hat ein Recht auf sauberes Trinkwasser. Das muss auch in Hessen gelten.

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    1. Es ist sinnlos einem klimaleugner die Gefährlichkeit von corona zu erklären. Ebenso einem Autobahn Befürworter die sinnlose Vernichtung unseres Klimas. Der Erstere muss erst selbst daran erkranken, der Letztere merkt erst wenn man vergeblich danach bohrt. Nur ein Beispiel:Urichstein.
      Erst informieren dann schreiben.

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  8. Wie war die Fragestellung der Umfrage? War den Abstimmern bekannt, dass es sich bei dieser Maßnahme um eine wichtige Infrastruktur Maßnahme für die Region handelt?
    Ich glaube nicht!

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  9. Es handelt sich um eine Online-Petition. Niemand hat sich die Mühe gemacht, wirklich mit 250.000 Menschen zu sprechen und die Unterschrift entgegen zu nehmen. Grüne und Linke von Flensburg bis Freiburg haben halt geklickt, weil es in der FB Timeline andere auch getan haben.

    Wie kann OL das nur verschweigen?

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