VideoWirtschaft5

Video-Eindrücke der Kamax-DemoMit und für Alsfeld: Kämpfen für eine gemeinsame Zukunft

ALSFELD (ls). „Kamax brutal – Arbeitnehmer egal“ steht auf dem Plakat geschrieben. Zwischen den roten-gelben Fahnen der Gewerkschaft und den schwarzen Aktionsshirts sticht es deutlich hervor, wenn es auch nur eines von vielen Plakaten und Bannern in der Masse sind. Rund 240 Menschen ziehen durch den Aufruf der IG Metall damit durch Alsfeld und demonstrieren gemeinsam gegen die drohende Werksschließung und den angekündigten Stellenabbau der Kamax. Ein Video-Rückblick.

„Hände weg von unseren Arbeitsplätzen“, ruft Lutz Koch, der Betriebsratsvorsitzende des Alsfelder Werks in die Menge und erntet Applaus. Mit Trillerpfeifen machen sich die Demonstranten in der ganzen Stadt lauthals auf sich aufmerksam – und auf ihre Forderungen: Einhaltung des Ergänzungstarifvertrags, kein Stellenabbau und der Standort in Alsfeld soll erhalten bleiben. Vom Parkplatz am Erlenbad, geht es mit Zwischenstop an der Stadthalle und am Roßmarkt, durch die ganze Stadt, um solidarisch und gemeinsam auf die Forderungen und die aktuelle Situation der Beschäftigten aufmerksam zu machen. Im Juni hatte der Automobilzulieferer Kamax angekündigt, das Werk in Alsfeld zu schließen und zusätzlich in jedem europäischen Werk Stellen abzubauen. Doch da gibt es noch den Ergänzungstarifvertrag, der 2017 abgeschlossen wurde.

„2017 haben wir im Zuge der Verhandlungen gesagt, die Geschäftsführung hat jetzt fünf Jahre Zeit den Laden fit zu machen. Was haben sie gemacht: 90 Prozent vom Management ausgetauscht, das uns damals gegenüber saß“, erklärt der erste Bevollmächtigte der IG Metall Mittelhessen, Stefan Sachs, bei der Kundgebung am Stadthallenparkplatz. Um so richtiger sei es vor diesem Hintergrund nun zusammenzuhalten und selbstbewusst in die nächsten Wochen zu gehen. Sachs selbst ist überzeugt davon, dass sie Erfolg haben, wenn sie so weiter machen. „Ich weiß, dass viele von euch nicht nur Angst haben, sondern sagen, das ist alles nicht mehr abzuwenden“, sagt er. Zwar könne er den Arbeitern nicht versprechen, die gemeinsamen Ziele zu erreichen, jedoch könne er ihnen versprechen, „mit aller Kraft, mit allen Möglichkeiten“ bei der Demo wie am Verhandlungstisch zur Seite zu stehen.

Stefan Sachs bei der Kundgebung auf dem Stadthallenparkplatz. Fotos: ls

„Wenn wir ein Unternehmen hätten, was kurz vor der Insolvenz ist, dann wäre das was anderes. Die Kamax hat genug Kohle, aber nur nicht für uns“, ruft Sachs und erntet dafür lauten Applaus. Erklären soll sich die Geschäftsführung, warum man trotz Corona und den Schwierigkeiten in der Automobilbranche den Ergänzungstarifvertrag nicht erfüllen kann. Der besagt, dass Stellenabbau und auch eine Werksschließung in Alsfeld vor Ende März 2022 nicht möglich sind. Dafür haben sich die Mitarbeiter zu Tarifverschiebungen bereit erklärt und leisten unbezahlte Mehrarbeit. Laut Auskunft der IG haben die Mitarbeiter dem Unternehmen so 13,3 Millionen Euro eingebracht.

Dass der Tarifvertrag erfüllt wird, das ist das Ziel der gut 240 Anwesenden. Zur Veränderung sei man allerdings bereit, erklärt Sachs. „Das machen wir mit, aber das Management muss uns mal erklären, wie die Herausforderungen und die Transformation gelingen soll, wenn man die Hälfte rausschmeißt und der Rest ist dann noch super motiviert. Das schafft noch nicht mal Jupp Heynckes“, ruft Sachs. Er ist sich sicher: Wenn alle zusammenhalten, dann ist nicht nur manches möglich, sondern alles. Dieses Motto besagt auch eines der großen Transparente, was sich leicht im Wind bewegt. Auch Lutz Koch, der Betriebsratsvorsitzende des Alsfelder Werks schließt sich an: Ich sag nur eines: Hände weg von unseren Arbeitsplätzen. Wir müssen stark sein, wir müssen kämpfen“, fordert er die Anwesenden auf.

Wir müssen stark sein, wir müssen kämpfen“ruft der Betriebsratsvorsitzende in die Menge.

In der jubelnden Menge sind nicht nur Beschäftigte aus dem Alsfelder Werk, sondern auch einige aus dem Hauptsitz in Homberg Ohm, aus anderen Werken und viele Beschäftigte aus befreundeten Firmen, die solidarisch die IG-Fahnen schwingen. „Von nah und fern unterstützen wir uns, das ist nicht selbstverständlich“, ruft auch Manfred Geisel, der Betriebsratsvorsitzende aus Homberg Ohm in die Runde. Viele Homberger Kollegen hätten Angst. Angst, weil man sie unter Druck setze. Zwei neue Maschinen wurden ihnen versprochen, doch nur wenn sie „mitmachen“.

„Wir werden jeden Tag unter Druck gesetzt mit den Maßnahmen. Ich lass mich da nicht beirren, das könnt ihr mir glauben. Die machen mir keine Angst – das stehe ich durch. Wir müssen uns solidarisch zeigen. Wir kämpfen mit und für Alsfeld, für eine gemeinsame Zukunft“, sagt er – wohlwissend, dass in der Slowakei eine neue Schraubenfabrik steht, deren Maschinenhalle derzeit leer sei. Damals habe man ihnen gesagt, dass dort nur Kleinserien produziert werden, doch daran glaubt Geisel nicht mehr. „Billiglohnländer sind favorisiert“, ist er sich sicher.

Linktipp der Redaktion: Weitere Eindrücke und Informationen über die Kamax-Demo gibt es hier nochmal zu lesen.

Viele Eindrücke der Demo in Alsfeld

5 Gedanken zu “Mit und für Alsfeld: Kämpfen für eine gemeinsame Zukunft

  1. Hallo,
    Vielen Dank für die Beteiligung!
    Vielen Dank für den Beitrag!

    Leider wurden am Dienstag die Mitarbeiter nochmals verbal niedergetrampelt um somit sämtliche Rest-Hoffnungen auf den eigenen Arbeitsplatz zu vernichten.

    Laut Geschäftsführung ist Alsfeld schon zu!
    ‚Wenn die Maschinen das Werk verlassen sollen doch bitte die Mitarbeiter die zukünftigen Maschienenbediener anlernen und einweisen‘.
    Dies wurde verständlicherweise mit großem Gelächter kommentiert!
    Na vielen Dank auch!

  2. Es ist schade das die Kamax das Werk in Alsfeld schließen möchte.Obwohl ich nicht dort Arbeite oder gearbeitet habe. Aber die IG Metal lässt euch auch fallen wie ein heißer Stein. Verhindern kann es die auch nicht, die werksschließung. Es ist doch schon beschlossene Sache von der Kamax ins Ausland zu gehen wegen den Löhne. Es wird doch um jeden Cent gefeilscht von der Auto Industrie. Warum der Endverbraucher nicht mehr bezahlen möchte, es muss doch nur noch billig sein. Ich hoffe für die Arbeiter der Kamax das es nicht so kommt und wünsche jeden einzelnen viel Glück und Erfolg.

    7
    5
    1. Daniela, bist du’s? Du schreibst jedenfalls wie die Katze spricht, mit jeder Menge Ahnung von Volk und Volkswirtschaft. Hoffentlich fällt er nicht dorthin, wo ich neulich die heiße Kartoffel wie eine heiße Kartoffel habe fallen lassen, der heiße Stein. Beim nächsten Autokauf werde ich jedenfalls nicht mehr um jeden Cent feilschen. Dann kann sich die Autoindustrie auch wieder die teuren Schrauben aus Alsfeld leisten. Gruß an Kamax und Friedrich Engels!

      6
      5
    1. „2017 haben wir im Zuge der Verhandlungen gesagt, die Geschäftsführung hat jetzt fünf Jahre Zeit den Laden fit zu machen. Was haben sie gemacht: 90 Prozent vom Management ausgetauscht, das uns damals gegenüber saß“, erklärt der erste Bevollmächtigte der IG Metall Mittelhessen, Stefan Sachs, bei der Kundgebung am Stadthallenparkplatz.“

      Tja, aber nicht mal eine Gedenkminute für die arme Geschäftsführung, die schon viel früher gehen musste. So sind sie, diese Proletarier: Immer nur Ich, Ich, Ich! ;D

      P.S.: Meine Empfehlung
      Macht Euch doch mit ’ner Schrauben-Fabrik selbständig! Tolles Start-Up!

      3
      5

Comments are closed.