Bauen und Wohnen1

Trotz Corona gute Auftragslage - Bau-Tarifrunde startetBau von 207 Wohnungen im Vogelsberg genehmigt

VOGELSBERG (ol). Bau bleibt krisenfest: Während die Corona-Pandemie ganze Wirtschaftszweige lahmlegt, ist auf Baustellen weiter viel zu tun. Das zeigt die Bilanz der Baugenehmigungen im Vogelsbergkreis: Danach wurde hier im vergangenen Jahr der Bau von 207 Wohnungen genehmigt, wie die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) mitteilt.

Die Gewerkschaft beruft sich laut der Pressemitteilung dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamts und Erfahrungen in der Baustoffindustrie. „Klar ist: Trotz Corona sind die Auftragsbücher voll. Die Firmen arbeiten jetzt die Wohnungsbauprojekte vom Ein- bis zum Mehrfamilienhaus ab“, sagt Doris Hammes, Bezirksvorsitzende der IG Bau.

Nun müssten allerdings auch die Beschäftigten davon profitieren. „Bauarbeiter sind nicht nur Garanten dafür, dass wir genug Wohnraum haben. Sie leisten in der Krise seit Wochen einen entscheidenden Beitrag dafür, dass die heimische Wirtschaft nicht völlig abstürzt“, betont Hammes. Der Bau sei eine wichtige Lokomotive für die Konjunktur – auch im Vogelsberg. Die IG Bau fordere deshalb in den anstehenden Tarifverhandlungen ein „kräftiges Lohn-Plus“.

Außerdem sollen die Fahrzeiten zur Baustelle entschädigt werden: „Heute hier, morgen da – 70, 80, 90 und mehr Kilometer am Tag sind für Bauarbeiter keine Seltenheit, sondern eher die Regel. Das sind Zeit und Nerven, die sie auf der Straße lassen“, so Hammes. Bauleute könnten kein Home-Office machen. Viele säßen täglich zwei oder mehr Stunden im Auto, um auf die Baustelle zu kommen.

Für die vielen gefahrenen Baukilometer und die dabei verlorene Lebenszeit müsse es endlich eine Entschädigung geben. Die Wegezeit sei deshalb für die IG Bau ein zentraler Punkt bei der Tarifrunde für die Baubranche, die am kommenden Dienstag, den 19. Mai beginnt. Wegen der Corona-Krise waren die Verhandlungen zuvor verschoben worden.

Ein Gedanke zu “Bau von 207 Wohnungen im Vogelsberg genehmigt

  1. Irgendwie passt das ja nicht zusammen. Andererseits hört man von einer Kompensation der Abwanderung bzw. der Übersterblichkeit durch Zuzug von Bauherren oder Mietern, die das günstige Kostenniveau ins und aufs Land zöge.
    Erst kürzlich erschien in der Süddeutschen Zeitung ein umfangreicher Beitrag zur Höhe des Mietniveaus in den 401 Landkreisen und kreisfreien Städten der Bundesrepublik, verbunden mit der Fragestellung, wo sich die Rentner als sowohl zahlenmäßig bedeutende als auch in der Wohnsitzwahl unabhängigste Bevölkerungsgruppe am meisten leisten könnten bzw. insgesamt die besten Lebensumstände vorfänden. Der Beitrag fußt auf den Ergebnissen einer Prognos-Studie im Auftrag des ZDF aus dem Jahr 2019.
    „Vogelsberg für Rentner günstig“, titelte daraufhin die Oberhessische Zeitung in ihrer Online-Ausgabe von Dienstag, dem 26.05.2020. Allerdings finden sich für eine Art „Run auf den Vogelsbergkreis“ als Eldorado von Altersresidenten nun auch wieder keine objektiven Belege.
    Überraschend an dem Ergebnis-Ranking von Prognos ist die Tatsache, dass nicht etwa die klassischen Urlaubsregionen, in denen sich Ruheständler in der Vergangenheit bevorzugt niederließen, den Vogel abschießen. Den besten Durchschnittswert der Lebensqualität in Deutschland erreichte beispielsweise das thüringische Jena. Die klassischen Urlaubsregionen an den bayrischen Seen dagegen kamen – wie übrigens auch der Vogelsberg – nur auf mittlere Werte. Ganz am Ende landete die Eifel, an sich seit vielen Generationen eine klassische Region für den Urlaub in der deutschen Heimat, doch als Dauerwohnsitz offensichtlich nicht gleichermaßen attraktiv oder geeignet. Ähnlich wie der Vogelsbergkreis reitet man hier übrigens auf dem Vulkanismus als besonderem Merkmal herum.
    Nicht ganz so Überraschend war das durchweg gute Abschneiden von Klein- und Mittelstädten im Umkreis von Großstädten. Klassisches Beispiel in Hessen: Der Hochtaunus-Kreis. Einen wesentlichen Maßstab für die Bewertung der Lebensqualität einer Wohnregion war die Berechnung der Lebenshaltungskosten nach einem an das Konsumverhalten von Menschen mit mindestens 65 Jahren angepassten Warenkorb. Neben den Mieten haben hier Gesundheitsausgaben bzw. Angebote im Pflegebereich ein höheres Gewicht, während die Kosten für Bildung eine eher untergeordnete Rolle spielen (Quelle: https://pressfrom.info/de/nachrichten/finanzen/-336733-lebenshaltungskosten-wo-sich-rentner-am-meisten-leisten-konnen.html).
    Damit wird deutlich, dass ein günstiges Mietniveau allein nicht ausreicht, um beispielsweise verstärkten Zuzug von Senioren in den Vogelsbergkreis zu generieren. Entscheidend ist ein Gesamtpaket von Umfeld-Eigenschaften. So heißt es in einer Zusammenfassung der Prognos-Studie:
    „Z.B. ist ein gutes Umfeld dort gegeben, wo Verbrechen selten, Erholungsgebiete nah und die Lebenshaltungskosten niedrig sind. Ärztemangel oder eine schlechte
    ÖPNV-Anbindung machen Seniorinnen und Senioren hingegen das Leben schwer.“
    P.S.:
    Eine Erklärung für den Vogelsberger Bauboom kann übrigens eine spezielle regionale Nachfragesituation sein, die von äußeren Nachfrageentwicklungen vollkommen unabhängig ist. Man könnte dies als Selbstbauer-Konjunktur bezeichnen. Viele Familien verfügen im Vogelsberg über Land, das man etwa jung Verheirateten zur Gründung eines eigenen Hausstands überlässt. Viele haben zudem selbst ein Bauhandwerk gelernt oder verfügen über einen Freundes- und Bekanntenkreis, in dem sich alle wichtigen Häuslebauer-Gewerke finden. Dieser Personenkreis baute zu allen Zeiten; weil’s Tradition war und man’s sich leisten konnte.

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