Das Kreisjugendparlament bei der Arbeit. Foto: archiv

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Heute wird das neue Jugendparlament eingerichtetDas sind die Erfolge des KJP im Vogelsbergkreis

VOGELSBERG. Die Jugendlichen im Vogelsberg haben eine Möglichkeit, um die sie einige junge Menschen in anderen Regionen etwas beneiden dürften. Seit über 25 Jahren können ziemlich direkt mitbestimmen, was in ihrem Landkreis geschehen soll. Möglich wird das durch das Kinder- und Jugendparlament. Heute startet die diesjährige Wahl. Der perfekte Anlass für eine Rückschau: Das sind die größten Erfolge des KJP.

Es war schon revolutionär, was man sich da im Vogelsbergkreis vor einem Vierteljahrhundert ausgedacht hat. Kinder und Jugendliche im Alter von bis Jahren sollten ihre eigenen Vertreter wählen, denen es nicht nur erlaubt sein sollte, im Kreistag zu reden, sondern auch eigene Anträge einzubringen. Um das überhaupt zu ermöglichen, mussten einige Gesetze geändert werden – die hessische Gemeinde- und die Landkreisordnung. Das Projekt war das erste in ganz Deutschland.

Seitdem werden alle zwei Jahre 27 Abgeordnete aus 19 Städten und Gemeinden gewählt. Etwa 6000 Jugendliche sind wahlberechtigt. Aufstellen und wählen lassen darf sich jeder, der im Landkreis wohnt, mindestens in der 7. Klasse und noch nicht volljährlich ist. Die Wahlbeteiligung ist deutlich höher als bei den Erwachsenen: Bei der vergangenen Wahl lag sie bei etwa 90 Prozent. Vier- bis fünfmal im Jahr kommt das KJP an wechselnden Orten zusammen, um zu tagen.

An diesem Dienstag findet die nächste Wahl statt. Aber was hat das KJP eigentlich konkret in den 25 Jahren seines Bestehens erreicht? Eine kleine Übersicht.

1. Einführung der „CleverCard“

Wer seine Fahrkosten zur Schule erstattet bekommt, der hat auch Anspruch auf die „CleverCard“, die mittlerweile Schülerticket Hessen heißt. Damit können Jugendliche völlig kostenlos alle Verkehrsangebote des Rhein-Main Verkehrsbundes nutzen – auch während den Ferien. 2015 wurde das Ticket mit Hilfe des KJP eingeführt – zwei Jahre, nachdem das KJP einen entsprechenden Antrag vorangetrieben hatte.

2. Kampf gegen Extremismus und für die Demokratie

Seit seiner Gründung engagiert sich das KJP für verschiedene Initiativen, die sich für ein offenes, friedliches und tolerantes Miteinander einsetzen. So sammelt und verteilt Geld an Projekte, die beispielsweise das Verständnis junger Menschen von Demokratie fördern. Dafür gab es bereits einige Auszeichnungen, wie etwa den mit 7500 Euro dotierten „Partizipationspreis für das Engagement von Kindern und Jugendlichen“ des Landes Hessen. Auch die Organisation von Gedenkveranstaltungen anlässlich der Reichspogromnacht gehört dazu. In Schlitz, Lauterbach und Mücke hat das KJP die Gründung stadteigener Jugendparlamente unterstützt. In Alsfeld soll es ebenfalls bald eines geben.

3. Vereinfachung für Rollstuhlfahrer

Das KJP engagiert sich nicht nur für Jugendliche. 1999 brachten die Abgeordneten die Stadt Lauterbach dazu, eine Selbstverpflichtung zu unterschreiben. Darin versicherte die Stadt, bei kommunalen Straßenbauprojekten drauf zu achten, dass die Bordsteine abgeflacht werden, um so Hindernisse für Rollstuhlfahrer aus dem Weg zu räumen.

Sicherer Umgang im Netz

4. Sperriges, aber wichtiges Thema Datenschutz

2015 kündigte das KJP an, sich mit dem leidigen Thema Datenschutz beschäftigen zu wollen. In einer Informationskampagne wollten sie die Jugendlichen im Kreis aufklären, was man beim Posten und Liken auf Facebook, Youtube und anderen digitalen Kanälen beachten sollte.

5. Rückzugsorte für Jugendliche

Seit seinem Bestehen hat sich das KJP stets für den Erhalt oder den Bau neuer Jugendräume eingesetzt – und dafür Geld gesammelt oder mit Politikern gesprochen. So zum Beispiel in Eichelsachsen. Dort hatte sich 2017 ein Verein gegründet, der die alten Umkleidekabinen des Sportvereins zu einem solchen Raum umbauen wollte. Das KJP sammelte daraufhin Spenden.

Konkrete Erfolge sind zwar wichtig, um von den jungen Wählern auch ernst genommen zu werden – aber oftmals ist beim KJP auch der Weg das Ziel. Schon allein das Jugendliche sich hinsetzen um sich gemeinsam Gedanken über ihre Heimat zu machen werten Politiker und Sozialarbeiter als Erfolg. Fraktionen oder Parteien gibt es beim KJP übrigens nicht. Die Abgeordneten sagen von sich, dass sie sich selbst eher als „Freunde“ sehen, die sich auch sonst gut verstehen und zusammen etwas bewirken wollen.

Vielleicht ist das gerade ein wichtiger Grund, warum es das KJP seit 25 Jahren besteht und von Jugendlichen so gut angenommen wird. Von heute an bis noch zum 18. Mai wird das 13. KJP an allen weiterführenden Schulen des Kreises gewählt.

Von Julian Arnold