Das Eingangstor der Knüll Kaserne.
Das Eingangstor der Knüll Kaserne. Foto: ls

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Spurensuche beim Bund: Aufkleber mit "Hitler-Smiley" an Soldatenauto gefundenUntersuchungen in der schwälmer Knüll Kaserne

EXKLUSIV | SCHWARZENBORN/HAMMELBURG (jal). Der aktuelle Bundeswehrskandal sorgt auch in der Kaserne in Schwarzenborn für Wirbel. Am letzten Aprilwochenende inspizierte ein Untersuchungsteam des Heeres den schwälmer Stützpunkt. Kurz danach stieß man bei einer internen Kontrolle in Hammelburg – ein Standort, mit dem die Knüll Kaserne eng verbunden ist – auf einen verdächtigen Aufkleber am Auto eines Soldaten. Es war ein Smiley, der Adolf Hitler ähneln soll.

Die Stimmung in der schwälmer Knüll Kaserne ist angespannt, ist aus dem Umfeld des Militärstützpunktes zu hören. Und das ist mehr als verständlich. Denn der Offizier Franco A., der einen rechtsextremistischen Anschlag geplant haben soll, war früher dort stationiert. Aus diesem Grund ist die Kaserne nun in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

Ein internes Untersuchungsteam der Bundeswehr war vor einer Woche vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Das sagte ein Sprecher des Heeres auf Anfrage gegenüber Oberhessen-live.

Am Dienstag darauf passierten dann mehrere Dinge. Zum einen gab es nach OL-Informationen eine Krisensitzung in der Knüll Kaserne, in der Führungskräfte über die aktuellen Ermittlungen informiert wurden. Zum anderen, so sagt der Sprecher, fällte der Bataillonskommandeur den Entschluss, die Räumlichkeiten des Stützpunktes gründlich nach allem abzusuchen, was gegen den gültigen Traditionserlass der Bundeswehr verstößt – sprich nach Artefakten, Zeichen oder Gegenständen, die mit dem Dritten Reich und der Wehrmacht in Verbindung gebracht werden können.

Denn durch das 1982 unterschriebene Papier kappte die Bundeswehr – offiziell jedenfalls – sämtliche alten ideologischen Verbindungen zur Armee der NS-Zeit.

Suchaktion wurde ausgeweitet

Doch die geplante Suchaktion wurde ausgeweitet. Anstatt nur die Räumlichkeiten zu durchsuchen, warfen Angehörige der Bundeswehr auch einen Blick von außen auf die Privatautos der schwarzenbörner Soldaten. Und das lag an einer Nachricht aus Hammelburg. Dort ist eine Erprobungskompanie für ein Gefechtsfahrzeug stationiert, die zwar originär nicht zum in Schwarzenborn stationieren Jägerbataillon 1 dazugehört, von den Verantwortlichen dort aber „truppendienstlich geführt“ wird, wie es in Bundeswehrsprache heißt.

In Hammelburg wurde auf dem Wagen eines Soldaten ein verdächtiger Aufkleber entdeckt. Es ist ein Gesicht mit einem auffälligen Seitenscheitel und einem Schnurrbart. Es gebe den „Verdacht eines Vergehens“, sagte ein Sprecher, gegen den entsprechenden Soldaten wird ermittelt. Wie zu hören ist, droht ihm unter Umständen der Rausschmiss aus der Bundeswehr.

Die Knüll Kaserne in Schwarzenborn. Foto: ls

Die Knüll Kaserne in Schwarzenborn. Foto: ls

Nach Informationen von Oberhessen-live sind sie sich aber bei der Truppe noch nicht sicher, wie sich der Sticker bewerten lässt. Denn das ist gar nicht so einfach. Recherchen unseres Magazins zufolge ist der Sticker eine minimal abgeänderte Variante eines „Hitler-Smileys“, der Ende der 80er-Jahre von dem Kölner Designer und Modeunternehmer Paul Kalkbrenner entworfen wurde – der im Übrigen nichts mit dem gleichnamigen weltberühmten DJ zu tun hat. Kalkbrenner, so erzählt er am Telefon, kam die Idee dazu nach dem fremdenfeindlichen Anschlag von Solingen 1988, bei dem fünf Menschen starben.

Um auf den Fremdenhass aufmerksam zu machen und dagegen zu protestieren, so sagt Kalkbrenner, druckte er den Smiley mit Hitlerbart zusammen mit dem Spruch „Welcome to Germany“ auf T-Shirts, die sich tausendfach verkauften. Mitte der 90er sei die linke Intention und Ironie hinter dem Symbol noch gut verstanden worden, doch mit der Zeit hätten rechte Kreise das Protestsymbol für ihre Zwecke missbraucht und es abgeändert.

Welcome to Germany! from WTF

Ein T-Shirt mit dem von Paul Kalkbrenner entworfenen Design 

Heute finden sich im Netz dutzende Aufnäher, T-Shirts und Aufkleber, die mal als Accessoires für Punks, Linke und Rocker angepriesen werden – und sich manchmal in Shops mit so eindeutigen Namen wie „wehrmacht24.de“ finden lassen.

Es könnte also durchaus schwierig werden, dem Soldaten allein aufgrund des Stickers eine rechtsradikale Gesinnung nachzuweisen.

Doch die Reaktion der Verantwortlichen in der Knüll Kaserne zeigt: Der aktuelle Skandal scheint einen Sensibilisierungsschub bei der Bundeswehr ausgelöst zu haben. Das belegt auch die Art und Weise, wie auf einen Fund bei der Durchsuchung der Räumlichkeiten reagiert wurde.

Gefundenes Bild wurde überstrichen

Hinter einem Aquarium stieß der Suchtrupp auf ein Bild, das kurz für Verwirrung sorgte. Nach OL-Informationen zeigte es „Soldaten bei Baumarbeiten mit einer Kettenmotorsäge“, wie das Bildnis bundeswehrintern beschrieben wurde. Da der Inspektionstrupp das Werk zeitlich nicht sicher einordnen konnte, sollen die Soldaten zum Farbeimer gegriffen und es kurzerhand überstrichen haben.

Mittlerweile hat der Generalinspekteur der Bundeswehr die Durchsuchung aller Kasernen angeordnet. Bleibt zu wünschen, dass bei etwaigen Aufräumarbeiten auch wirklich ausgemistet, und der braune Dreck nicht einfach unter den Teppich gekehrt wird.

Studierte in Erfurt Staats- und Geschichtswissenschaften, ist Mitbegründer von Oberhessen-live und seit 2017 Chefredakteur des Magazins. Hat bei der HNA in Kassel volontiert, danach Stationen bei SPIEGEL ONLINE in Hamburg und der Süddeutschen Zeitung in München. Sammelt eine Auswahl seiner Arbeiten auf diesem Blog.

9 Gedanken zu “Untersuchungen in der schwälmer Knüll Kaserne

  1. Das was jeder weiß es geht nicht um Qualität in der Politik sondern ganz einfach nur über die Zeit zu kommen bis zum Ruhestand. Man braucht noch nicht mal irgendwelche Fachkenntnisse haben.Schaut man sich alle vergangenen Ämter von Frau von der Leyen an,weiß man Bescheid.Man kann nur schmunzeln,wenn man Frau von der Leyen sieht, wie sie von der Truppe empfangen wird. Gut ist auch dass sich bei Wind keine Haarsträhne bewegt. Gutes Taft.

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  2. Heinz Becker ihr Kommentar trifft den Nagel auf den Kopf. Wenn man als Familienministerin nicht’s taugt wird man Verteidigungsministerin und wenn man da auch nichts taugt dann wird man halt……. Ministerin.

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  3. Hmmm. Das Vorgehen von Frau von der Leyen erinnert mich doch stark an die Säuberungswelle von Erdogan in der türkischen Armee…
    Patrioten und Andersdenkende werden rigoros aus der BW entfernt. Wie zu Stalins Zeiten.

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  4. Das sind die letzten Versuche einer gescheiterter Verteidigungsministerin. Frau von der Leyen hatte jetzt vier Jahre, da liegt sie im Schnitt der Letzten 8 Verteidigungsminister und kann gehen. Die Frau Bundeskanzlerin hat wie bei den Letzten auch Ihr das vollste Vertrauen ausgesprochen. Naja, vielleicht wird Sie ja Innenministerin! Nein, doch besser Verkehrsminister, das kann auch Sie nicht schlechter machen!

    Halt, Landwirtschaftsminister, den kennt keiner, das kann Frau von der Leyen etwas aufpeppen. Betriebe ab 150 Kühe bekommen eine Krabbelgruppe und es wird die 40 Stunden Woche eingeführt.Am Wochenende kümmern sich private Fütterungsdienste um die Kühe und ratz fatz sind wir das Thema Überproduktion los.

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  5. Lächerlich, die ganze Aktion. Deutschland verkommt immer mehr zur Bananenrepublik.

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  6. Bitte, unsere Generalität fragen und die Kommandeure darunter. Tiefes Schweigen im Walde. Ohne Rückgrat.

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  7. Ich habe noch ein Kochgeschirr, welches dem, der Wehrmacht aufs Haar gleicht. Was soll ich bloß tun ?

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  8. …man kann ja auch wirklich alles an den Haaren herbeiziehen, hat denn keiner mehr einen Arsch in der Hose?

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