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Flüchtlingsintegration über Fußballsport: DFB-Förderung für drei Vogelsberger VereineDank für die Mühe mit der „Herkules-Aufgabe“

ALSFELD (aep). „Ein ganz besonderer Anlass“, so formulierte es der Erste Stadtrat Jürgen Udo Pfeiffer, habe zu der Versammlung im Sitzungszimmer des Rathauses geführt: Fußballvereine helfen bei der Integration von Flüchtlingen – und weil das ein Anliegen auch des Deutschen Fußballverbandes ist, gibt es dafür Unterstützung von der DFB-Stiftung Egidius Braun. Drei Vogelsberger Vereine bekamen am Dienstagabend in Alsfeld einen Förderscheck überreicht – von Rolf Hocke, dem Vorsitzenden des Landesfußballverbandes persönlich.

Vertreter des SV Nieder-Ofleiden, der JFV Ohmtal-Homberg und der JFV Alsfeld-Bechtelsberg füllten das Rund in dem über 500 Jahre alten Saal. Sie waren zusammen mit den Vertretern der Fußballverbände aber lediglich Gäste der Stadt, die das Engagement aber wohlwollend betrachte und fördern wolle, wie der Erste Stadtrat erläuterte. Die Stadt sei schließlich ebenfalls in der Flüchtlingshilfe aktiv. Mit am Tisch waren daher auch der in der Flüchtlingsinitiative „Alsfeld hilft“ aktive Stadtrat Heinrich Muhl und Michael Seum von der Stadtverwaltung.

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Stefan Weber (Mitte) nahm aus den Händen von Achim Quehl (l.) und Rolf Hocke den symbolischen Förderscheck über 500 Euro entgegen.

Die Fußballer hätten sich in besonderer Weise um die Integration von Flüchtlingen verdient gemacht, erklärte der Kreisfußballwart Achim Quehl, indem sie sie am Trainings- und sogar Spielbetrieb teilhaben lassen. Mehr noch: Zum Teil können die jungen Männer und Kinder, die überwiegend betroffen sind, sogar eigene Trainingszeiten nutzen. „Ihr macht das sehr gut!“, schloss Achim Quehl.

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Frank Heller trat für den JFV Ohmtal-Homberg nach vorne.

Populäre Sportarten wie der Fußball seien ein Schlüssel bei der Integration von Flüchtlingen, insbesondere für junge Männer und Kinder, erklärte der HFV-Vorsitzende Rolf Hocke. Das liege auch einfach daran, dass Fußball ein Mannschaftssport ist, bei dem viele Sportler zusammenarbeiten müssen – das schaffe Verbindungen untereinander. Der Landesfußballverband habe daher frühzeitig, als die Zahl der der Asylsuchenden vor zwei Jahren sprunghaft stieg, auch die Voraussetzungen geschaffen, dass die Vereine sie als Spieler aufnehmen können: etwa durch die Vereinbarung einer neuen Sportversicherung bei der ARAG.“Unsere Frage war: Was können wir tun, um Hemmnisse abzubauen?“, erklärte Rolf Hocke.

Inzwischen sei diese Versicherung sogar noch aufgestockt worden. Weil Sport neben der Berufswelt am ehestens geeignet sei, Flüchtlinge in die Gesellschaft aufzunehmen, fördere die DFB-Egidius Braun-Stiftung das Engagement mit 500 Euro für ausgewählte Vereine, die sich darum beworben hätten.

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Henning Schnell-Kretschmer nahm für den JVF Alsfeld-Bechtelsberg den Scheck entgegen.

Erfahrungen von den Vereinsvertretern

Vogelsberger Vereine wurden in den vergangenen Monaten unter ganz unterschiedlichen Umständen aktiv, ergaben die Erfahrungsberichte ihrer Vertreter – in denen stets eine Erfahrung mitschwang: Die Flüchtlinge seien bei allen Sprachbarrieren sehr willig, sich in die deutsche Gemeinschaft zu integrieren, wollen als Erstes unbedingt die deutsche Sprache lernen, schon um beim Fußball folgen zu können.

Man habe im Verein einen Runden Tisch gebildet, als die Flüchtlinge in die Gemeinde kamen, erzählte Stefan Weber vom SV Nieder-Ofleiden. Ziel war es, „sich um die Leute zu kümmern“ – unter ihnen rund 20 junge Männer. Die Vereinsmitglieder luden sie zum Fußball ein und erlebten erst einmal eine große Sprachbarriere. Das habe sich nach intensiven Sprachkursen geändert, erläuterte Stefan Weber: „Mittlerweile sprechen die Jungs ganz gut deutsch“.

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Als kleine Anerkennung erhielt Christian Kornmann von der TSG Nieder-Ohmen einen Fußball.

Über die Kinder sei der Kontakt zu Flüchtlingen beim Juniorenförderverein Ohmtal-Homberg zustande gekommen, erklärte dessen Vertreter Frank Heller im Alsfelder Rathaus. Dort seien inzwischen sieben Spieler mit im Training, von denen zwei auch im Spielbetrieb aktiv seien. Es sei anfangs „nicht ganz einfach“ gewesen, zu ihnen Kontakt aufzubauen, alleine schon wegen der Sprachbarriere, aber inzwischen seien sie begeistert dabei – und sei es nur zum Training.

Die größte Anzahl junger Flüchtlinge nahm indes der JFV Alsfeld-Bechtelsberg unter seine Fittiche. Dessen Vorsitzender Henning Schnell-Kretschmer berichtete von zwei Gruppen mit je 45 Teilnehmern unterschiedlichen Alters, die seit Anfang Oktober auf dem Lindensportplatz abends zum Kicken zusammen kommen.  Sie alle zu betreuen, gelingt dem JFV nur in Zusammenarbeit mit dem SV Altenburg und dem SV Leusel.

Alle drei Vereinsvertreter bekamen von Rolf Hocke und Achim Quehl anschließend einen symbolischen Förderscheck über 500 Euro überreicht.

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Kontakt über die Jugend: Frank Heller berichtete über Erfahrungen des JFV Ohmtal-Homberg. Neben ihm: Christiane Schneider, Leiterin des Homberger Familienzentrums, die die Stadt vertrat.

Noch ein Vereinsvertreter ging nicht leer aus: Christian Kornmann, der für die TSG Nieder-Ohmen nach Alsfeld gefahren war. Die TSG habe sich zwar nicht um eine Förderung beworben, sich aber doch sehr für Flüchtlinge eingesetzt, die in der nahen Unterkunft leben, stellte Achim Quehl fest.  Rund 25 bis 35 junge Männer und Kinder nehmen jetzt am Trainingsbetrieb in Zusammenarbeit mit der TSG Merlau teil, erläuterte Christian Kornmann. Mit ihnen habe man sehr gute Erfahrungen gemacht. Beispiel: „Die wollen nicht englisch, die wollen deutsch lernen!“, stellte er fest. Alleine schon, damit sie die Begriffe auf dem Fußballfeld verstehen. Dass sie überhaupt richtig mitspielen können, hätten übrigens zahlreiche Spender ermöglicht, die Fußballkleidung zur Verfügung stellten. Dem Mücker Fußßballvertreter, dessen Verein sich nicht um die Förderung bemüht hatte, überreichte Achim Quehl für diesen Einsatz symbolisch einen Spielball – als „kleine Anerkennung“.

„Über die Fußball und die Vereine sind die Flüchtlinge schneller zu integrieren“, fasste Rolf Hocke zusammen. Er dankte den Vereinen, „dass sie sich um etwas bemühen, das eine Herkules-Aufgabe ist“. Oder wie der Alsfelder Stadtrat Heinrich Muhl aus seinen Erfahrungen bei der Flüchtlingsbetreuung feststellte: „Der Sport ist ganz wichtig, dass man mal rauskommt und sich austoben kann!“

Ein Gedanke zu “Dank für die Mühe mit der „Herkules-Aufgabe“

  1. Grundsätzlich fördert Sport immer den Zusammenhalt, Teamgeist und somit die Integration.Meine Bitte ist , sich auch Gedanken um die Vereine in Alsfeld zu machen, welche kaum noch eine Möglichkeit haben ,Training anbieten zu können z.B. der Handballverein .Alles findet nur noch in „Ausweichhallen“ statt.Zu den Heimspielen der Männer muss man erst einige Km fahren.Wäre doch an der Zeit sich darüber Gedanken zu machen,denn außer Fußball gibt es doch auch noch andere Sportarten.

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