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Romrod stellt Bedarfsplan der Feuerwehr vor – Versteckte Kritik aus der Romröder Wehr„Zu viel Streuung, zu wenig Ausbildung bei Wehren“

ROMROD (aep). Nicht weniger als 59 Seiten ist das Werk stark, Ergebnis langer Beratung, und beinhaltet vor allem zwei Aussagen: Alle Dorf-Feuerwehren werden in den nächsten zwölf Jahren erhalten und materiell bedacht, und dafür wird eine Million Euro investiert. Das besagt der neue Bedarf- und Entwicklungsplan für die Feuerwehren in Romrod, der am Mittwochabend im Bürgerhaus vorgestellt wurde. Doch die Einigkeit an dem Abend trügt: In der Romröder Feuerwehr hat der Plan Gegner, die krasse Fehlentwicklungen kritisieren. Deren Tenor: Kräfte sinnvoller bündeln, weniger Fahrzeuge streuen, dafür mehr ausbilden!

 

Es war die erste große Vorstellung für den neuen Bedarf- und Entwicklungsplan, zu der Romrods Bürgermeisterin Dr. Birgit Richtberg zusammen mit Stadtbrandinspektor Oliver Rabe und dessen Stellvertreter Björn Preuß-von Brincken die Öffentlichkeit am Mittwoch begrüßte. Das waren in erster Linie Stadtverordnete und Mitglieder der Feuerwehren, unter ihnen fast alle Wehrführer. Dass sich am Podiumstisch auch der Kreisbrandinspektor Dr. Sven Holland mit eingefunden hatte, unterstrich die Bedeutung der Präsentation.

Im Laufe der nächsten beiden Stunden erläuterten die bei obersten Brandschützer in Romrod, was geplant ist – und worauf die Erkenntnisse basieren. Demnach ist in allen Ortsteilwehren bis 2026 der Austausch von veralteten Fahrzeugen vorgesehen – beginnend mit Zell, wo bereits im kommenden Jahr ein LF 10 Kat S stationiert werden soll: ein Löschgruppenfahrzeug. 2026 kommt ein Manschaftstransportwagen hinzu. Im Jahr davor, also 2025, bekommt die Feuerwehr Romrod mitte ein HLF, ein Löschfahrzeug, das zudem für technische Hilfeleistungen ausgelegt ist – das sind die größten Investitionen in Fahrzeuge. Dazwischen steht die Anschaffung von Kleinlösch- und Mannschaftstransportfahrzeugen in den Dörfern – und eines TLF 2000 für Romrod Mitte im Jahr 2017.

Alle Ortsteilwehren sollen erhalten bleiben

Ein Ziel der Bemühungen: Alle Ortsteilwehren sollen erhalten bleiben – gelegentlichen Zentralisierungsbestrebungen zum Trotz, so erklärte der Kreisbrandinspektor Holland, auf Nachfrage. Aber nur mit der Präsenz vor Ort seien Einsatzfristen einzuhalten – und eine Atmosphäre zu erhalten, aus der Nachwuchs hervorgeht.

Die Stadtverordneten stellten Fragen – allen voran Vorsteher Jörg Gaudl – und vor allem Björn Preuß-von Brincken antwortete ausgiebig. Obwohl der Bedarfs- und Entwicklungsplan von einem Beschluss noch weit weg ist, kamen keine kritischen Anmerkungen. Der vorgestellte Plan sei ja auch mit allen Wehrführern abgestimmt, erläuterte die Bürgermeisterin. Es gebe Konsens.

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Erläutern Einzelheiten des Bedarfsplans: Stadtbrandinspektor Oliver Rabe und sein Stellvertreter Björn Preuß-von Brincken

 

Das wäre vielleicht anders gewesen, wenn die Romröder Wehrführung dabei gewesen wäre: Wehrführer Heiko Heilbronn oder sein Stellvertreter Thomas Bing. Beide waren am Mittwochabend bei der Vorstellung nicht anwesend. Aber aus den Reihen der Romröder Feuerwehr kommt die Kritik, die gerüchteweise schon länger diskutiert wird: am neuen Bedarfsplan einerseits, aber auch an der Einstellung zum Feuerwehrwesen. „Es werden Probleme totgeschwiegen“, erklärt ein Brandschützer, der nicht genannt werden möchte.

So werde mit Einsatzstärken gerechnet, die nur auf dem Papier bestehen. Etwa bei der Gesamtstärke der Einsatzabteilungen, für die 165 Männer und Frauen genannt werden – es seien aber nur rund 120. Auch beim Nachwuchs werde geschönt. Zudem schaffe der neue Plan eine unnötig komplizierte Einsatzssituation in Romrod, indem das große Löschfahrzeug im kommenden Jahr in Zell stationiert wird. Das soll geschehen, so kam auch am Mittwoch heraus, weil das Feuerwehrhaus in Zell es einfacher aufnehmen kann. Aber damit sei vorgegeben, dass bei jedem Alarm gleich drei Romröder Wehren aufgescheucht werden: Romrod Mitte weil dort die Brandmeldeanlage ist, aber kein Löschfahrzeug mit ausreichendem Wassertank. Das steht dann in Zell: das Fahrzeug hat genügend Wasser. Praktisch jedesmal, wenn in Romrod Alarm ist, müssen die Zeller mitkommen. Und Strebendorf wegen des Einsatzleitwagens. „Wenn nur eine Brandmeldeanlage losgegangen ist, ist das ganz schön teuer.“

Mängel am Romröder Feuerwehrhaus

In den Reihen der Romröder Wehr wundert man sich zudem, warum man in Romrod mit dem Löschgruppenfahrzeug TLF 2000 Abstriche machen muss, das nur drei Einsatzkräfte aufnehmen kann.
Und sauer stößt dort auf, dass die Anschaffung des neuen TLF 10 kommendes Jahr nicht gleich Anlass wäre, an der baulichen Situation des Romröder Feuerwehrhauses etwas zu ändern.  Auch in Zell müsse schließlich am Haus gearbeitet werden, während das Romrölder Haus in jeder Hinsicht Mängel aufweise – bis hin zu fehlenden Parkplätzen. Letztlich: Was macht es für einen Sinn, fragt der Romröder Brandschützer, teure Fahrzeuge gleichmäßig über alle Dörfer zu verteilen, wenn die Ausbildungssituation in den Wehren deren Einsatz gar nicht ermöglicht? Sinnvoller seien Kooperationen und Bündelungen zwischen mehreren Dörfern – und mehr Einsatz in die Weiterbildung der Einsatzkräfte.

Auf mögliche Kritik aus der Feuerwehr angesprochen, zeigten die Bürgermeisterin und der Stadtbrandinspektor sich am Mittwoch überrascht. Das seien wohl mehr Gerüchte, meinte Dr. Birgit Richtberg: „Das ist alles mit den Wehrführern abgesprochen.“ Es sei viel beraten worden: „Wie sollen wir es anders machen?“ Nächste Instanz für den Bedarf- und Entwicklungsplan ist jetzt der Kreisbrandinspektor Dr. Sven Holland: Er muss dem Werk seinen Okay-Stempel geben, ehe es in den Gremien des Parlaments beraten wird.

Ein Gedanke zu “„Zu viel Streuung, zu wenig Ausbildung bei Wehren“

  1. Während der Vorstellung des Bedarfs- und Entwicklungsplanes der Feuerwehr Romrod konnte ich leider nicht anwesend sein, da ich während dieser Zeit eine mehrwöchige Weiterbildung an der Landesfeuerwehrschule absolviere. Mein Stellvertreter Thomas Bing war aus dienstlichen Gründen ebenfalls an der Teilnahme verhindert. Da wir beide in dem vorstehenden Bericht erwähnt werden, kann ich hier im Nachgang weder bestätigen, noch dementieren, dass diese Veranstaltung möglicherweise anders gelaufen wäre.
    Selbstverständlich wurde der vorgestellte Bedarfs- und Entwicklungsplan während seiner Entstehung von den Wehrführern der Stadt Romrod zum Teil recht lebhaft und auch kontrovers diskutiert. Jede Wehr unserer Stadtteile hat dabei ihre Möglichkeiten genutzt schon während der Beratungsphase ihre Vorstellungen einfließen zu lassen. Es ist richtig, dass auch ich meine Erfahrungen und mein feuerwehrtechnisches Wissen dabei sehr deutlich zum Ausdruck gebracht habe. Das erzielte Resultat ist ein von allen Wehrführern getragener breiter Konsens und eine Bestätigung, dass der Brandschutz in Romrod sehr ernst genommen wird.

    Ich appelliere an dieser Stelle an alle Beteiligten und interessierten Bürger, die vorhandene Einheit der Romröder Feuerwehren nicht durch unbedachte Verlautbarungen zu gefährden, sondern alle Möglichkeiten zu nutzen, die Kameradschaft und das gemeinsame Zusammenwirken aller unserer Stadtteile zu stärken und zu fördern. Nur so kann der erarbeitete Bedarfs- und Entwicklungsplan wirksam umgesetzt und der Schutz und die Sicherheit der Bewohner Romrods und seiner Stadtteile künftig noch effektiver gewährleisten werden, als es bisher schon der Fall ist.

    Heiko Heilbronn, Feuerwehr Romrod

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