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GLOSSE über den neuen Dresscode beim heimischen GeldinstitutWenn’s um Style geht: Sparkasse Oberhessen

MeinungDer Bank ist es eine eigene Pressemitteilung wert, dass Mitarbeiter freitags nun den Schlips zu hause lassen dürfen. Das zeigt: Sparkassen sind nicht länger der Inbegriff der Spießigkeit – sondern das Epizentrum des modernen Lifestyles. Eine Glosse von Juri Auel.

Sparkasse, das Wort klang bislang für viele Leute exakt wie Langeweile, auch wenn es anders geschrieben und ausgesprochen wird. Die Bank als solches hatte ungefähr den selben Sexappeal wie die Produkte, die sie verkaufte. Sparkasse, das war deutsche Spießigkeit in Reinform, das war alles zwischen Gartenzwerg, Girokonto und Bausparvertrag. Doch damit ist jetzt Schluss. Zumindest bei dem Institut in unserer Region.

Denn wie die Sparkasse Oberhessen in einer eigens aufgesetzten Pressemitteilung stolz verkündet, ist der strenge Dresscode für ihre männlichen Mitarbeiter nun passé. Ja, richtig gelesen. Die gute, alte Sparkasse wird jetzt voll lässig. Ok, wer denkt, die Herrn Bankberater in den wenig verbliebenen Filialen würden jetzt normale Klamotten tragen, sodass sich mit den Kunden auf Augenhöhe kommunizieren ließe, der irrt. Der Anzug bleibt. Aber die Krawatte dazu ist keine Pflicht mehr. Wobei – auch das stimmt so nicht ganz. Von Montag bis Donnerstag muss das Ding schon noch um den Hals des Anlageexperten geschlungen sein.

Aber freitags! Freitags kann man sich bei der Sparkasse Oberhessen tatsächlich die Frech… Pardon, die Freiheit erlauben, ohne Schlips dem Kontoinhaber gegenüber zu treten. Das Feedback von Kunden habe gezeigt, dass eine „weniger formelle Kleidung“ zu einer „aufgelockerten Gesprächsatmosphäre“ führe, wird Sparkassenchef Günter Sedlak zitiert. Und eine solche Atmosphäre macht natürlich nur freitags Sinn. Wer will schon die ganze Woche über entspannte Kunden haben?

Dennoch: Was für eine Erkenntnis! Was für eine Moderevolution! Und das im Jahr 2019. Irre, oder? Gerade mal zwölf Jahre nach der Bankenkrise, seit der Anzüge ungefähr für alles stehen, nur halt nicht mehr für Verlässlichkeit. Was die Sparkasse selbst freilich anders sieht. „Anders als zu den Gepflogenheiten früherer Zeiten wird der Berater heutzutage ebenso seriös wahrgenommen, wenn er im Anzug, aber ohne den traditionellen Schlips dem Kunden gegenübertritt“, schreibt sie in ihrer Pressemitteilung.


Hitze-Schlipsfrei gibt’s schon länger

Ganz so revolutionär ist die Entscheidung der Bank übrigens nicht, wie sie selbst einräumt. An heißen Tagen dürfen die Angestellten schon länger Sakkos, langärmlige Hemden und Krawatten zuhause lassen. Aber in Badeshorts hinterm Bankschalter zu sitzen, ist auch dann verboten. Ein gepflegtes Erscheinungsbild gehöre immer zum guten Ton, heißt es in dem Pressetext.

Des Weiteren erfährt man aus der Mitteilung, dass es schon seit Jahren den „roten Donnerstag“ bei der Sparkasse gibt. „Hier tragen die Mitarbeiterinnen traditionell Halstücher und Ansteckrose und die Herren Krawatten in der roten Hausfarbe der Sparkasse.“ Das ist doch prima! Der Tipp der OL-Moderedaktion dazu: Die Accessoires des roten Donnerstags einfach in Kombination auch an anderen Tagen tragen. Am blauen Dienstag zum Beispiel. An diesem Tag erscheinen alle Mitarbeiter mit einer blauen Haartolle, so wie sie der Youtuber Rezo hip gemacht hat. Sie wissen schon: Dieses junge Kerlchen, das kürzlich aus diesem Internet heraus eine Kleinstpartei namens CDU zerlegt hat. Rezo wird gefeiert von der Jugend. Mit der richtigen Haarfarbe würden es vielleicht auch die Bankberater der Sparkasse.

An dem Tag, an dem die Deutsche Bank kürzlich weltweit zig Mitarbeiter feuerte, ließen sich die Chefs in einer Londoner Niederlassung übrigens gerade von Schneidern die Maße für neue Luxus-Anzüge abnehmen. Ob es eine ähnliche Aktion bei der Sparkasse Oberhessen just in dem Moment gab, als man nach mehr als acht Jahren merkte, dass etliche Millionen verschwunden waren, ist nicht bekannt.

Anmerkung der Redaktion: Eine Glosse ist eine journalistische Stilform. Sie zeichnet sich durch ihren satirischen, zugespitzten Charakter mit teils polemischen Zügen aus, hat aber so wie hier der Fall eine wahre Nachricht als Kern.


4 Gedanken zu “Wenn’s um Style geht: Sparkasse Oberhessen

  1. Selten einen so dämlichen und überflüssigen Beitrag gelesen. Und das als Chefredakteur!

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  2. Wird die neue Anzugsordnung nun auch in Form steigender Gebühren auf die Kunden umgelegt und dann mit grossem Medientamtam von Vorstand und Aufsichtsrat wieder steuermindernd verschenkt?

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  3. Was keine Pressemitteilung wert ist, das die Sparkasse Oberhessen eine Sparkasse Meteopolregion Friedberg geworden ist, in der man nicht nur Freitags keinen Schlips sieht sondern in großen Teilen des Geschäftsgebietes keinen einzigen Mitarbeiter.

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