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Wie sich das Areal der Neuen Arbeit im vergangenen Jahr entwickelt hat„In der Molkerei“: Gastronomie mit indischer Küche wiederbelebt

ExklusivALSFELD (akr). Etwa ein Jahr ist es her, als der Alsfelder Architekt Lars Wilhelm gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern das Areal der Neuen Arbeit gekauft hat. Seitdem hat sich auf dem Gelände einiges getan. Fast alle Räumlichkeiten haben bereits einen Mieter gefunden – so auch das ehemalige Café der Alten Molkerei. Dort hat sich der 38-jährige Taher Mir Ahmed den Traum vom eigenen indischen Restaurant erfüllt.

Als gemeinnützige Gesellschaft in kirchlich-kommunaler Trägerschaft bot die Neue Arbeit jahrelang Aus-, Fort- und Weiterbildung für Langzeitarbeitslose, Arbeitslose ohne abgeschlossene Berufsausbildung, aber auch für schwer vermittelbare Arbeitssuchende oder Flüchtlinge an. Ihr Ziel war die Eingliederung oder die Wiedereingliederung dieser Menschen in das Erwerbsleben.

Ende Oktober 2019 kam die Nachricht: Die Neue Arbeit Vogelsberg hat einen Insolvenzantrag beim zuständigen Insolvenzgericht Gießen gestellt, ehe dann im Dezember der Geschäftsbetrieb eingestellt und der Recyclinghof, das Gebrauchtwarenkaufhaus und das Café ‚Alte Molkerei‘ geschlossen wurden.

Knapp ein Jahr später berichtete Oberhessen-live exklusiv über die neuen Eigentümer: Der Alsfelder Architekt Lars Wilhelm hatte gemeinsam mit den Partnern seines Architekturbüros studiowa., Dennis Knöpp und Björn Trieschmann, das circa 4.700 Quadratmeter große Areal der Neuen Arbeit erworben – eine relativ spontane Entscheidung, wie Lars Wilhelm im Gespräch mit OL verrät, als er auf das vergangene Jahr und die Entwicklung des Geländes zurückblickt.

Im Dezember 2020 wurde der Vertrag unterschrieben. Hier zu sehen: Das Gastronomiegebäude, das große Kaufhaus und das ehemalige Haus der Kirche.

„Mein Kollege wurde von einem bekannten Makler angesprochen und als ich dann ‚Alsfeld‘ gehört hatte, bin ich hellhörig geworden“, lächelt Wilhelm. Das Gelände wurde also schnell begutachtet und das Potential gesehen, „die Idee war gleich da.“ Ein Wunsch, beziehungsweise eine Vorstellung war dabei die Gastronomie im ehemaligen Milchlädchen direkt an der Straße wiederzubeleben.

Der Traum vom eigenen Restaurant

Das ist auch gelungen. Einfach war es aber nicht – dank Corona. „Durch die Pandemie war das mit der Gastro schon schwierig“, erzählt der 42-jährige Alsfelder. Es gab zwar Interessenten, aber die Pläne sind dann am Personal gescheitert, weil sie keines gefunden haben. Über ein Online-Inserat ist der Frankfurter Taher Mir Ahmed auf die Räumlichkeit in der Altenburger Straße aufmerksam geworden und bekundete schnell sein Interesse.

Zu dieser Zeit waren Wilhelm und seine Partner aber schon im Gespräch mit einem Interessenten, der dort einen Burgerladen eröffnen wollte. „Wir hatten ihm schon eine erste Zusage erteilt und er hatte bereits erste Vorbereitungen getroffen“, erzählt der Architekt. Das Projekt „Burgerladen“ ist dann aber ebenfalls am Personal gescheitert. Als Ahmed dann eines Tages auf dem Weg von Frankfurt nach Kassel zu seinem Bruder war, packte ihn unterwegs der Hunger. „Also dachte ich, ich könnte anstatt bei McDonald’s zu halten, auch einfach mal den Burgerladen in Alsfeld testen“, erzählt Ahmed.

Taher Mir Ahmed freut sich, dass er nun endlich sein eigenes Restaurant eröffnen konnte, nachdem er bereits viele Jahre in der Gastronomie gearbeitet hat.

Ahmed wusste zu diesem Zeitpunkt aber nicht, dass das Vorhaben wegen des Personalmangels nicht realisiert wurde. Als er dann sah, dass die Räumlichkeiten noch frei sind, kontaktierte er wieder Wilhelm und bat ihn um eine Chance – und die bekam er auch. Vor wenigen Tagen öffnete das indische Restaurant, das den Namen „In der Molkerei“ trägt, seine Pforten. Seither können sich die Alsfelder mit verschiedenen indischen Spezialitäten verwöhnen lassen, sei es mit Fleisch, vegetarisch oder vegan.

Ahmed konnte sich also endlich seinen Traum vom eigenen Restaurant erfüllen, „mit der Hilfe von Lars“, lächelt der 38-Jährige. Unterstützung bekommt er dabei von seiner Schwester Anjum Wallenhorst. Aktuell ist Ahmend aber auch noch auf der Suche nach Küchenpersonal. Ein indisches Restaurant, das fand auch Wilhelm reizvoll, denn das hatte es in Alsfeld schließlich bislang nicht gegeben. Ahmed ist übrigens zuversichtlich, blickt positiv in die Zukunft, immerhin entschied er sich mitten in der Pandemie ein Restaurant zu eröffnen.

Das neue indische Restaurant „In der Molkerei“

Keine Probleme mit der Vermarktung

Die Gastronomie des Areals konnte also wiederbelebt werden. Darüber hinaus hat sich in dem einem Jahr nach dem Kauf des Geländes vieles getan. Fast alle Räumlichkeiten haben einen Mieter gefunden. „Wir sind sehr zufrieden mit der Vermarktung. Die Flächen mussten nicht angepriesen werden“, lächelt Wilhelm. Zum einen biete das Raumprogramm eine relativ große Flexibilität, sodass man eben flexibel auf den Flächenbedarf der Mieter reagieren konnte. Zum anderen habe das Areal mit seiner Backsteinoptik einen Industrie-Charakter, also einen besonderen Charme, ist darüber hinaus noch innenstadtnah und bietet eigene Parkplätze.

So ist im ehemaligen Haus der Kirche das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft eingezogen. In der Verlängerung des Restaurants ist seit November die Kleiderkammer Kinderkiste der Caritas untergebracht. Im „Büroriegel“ ist die Kreisverwaltung mit zwei Abteilungen vertreten. Im großen Molkereigebäude, dem ehemaligen Kaufhaus, hat sich im Erdgeschoss bis Ende des Jahres das Lauterbacher Bildungszentrum BZL für Fortbildungen eingemietet. Weiterhin vor Ort im Fachwerkhaus sind auch die Diakonie, Hephata, und Neue Dienste. „Sie waren schon vorher Mieter und wir haben sie übernommen“, erklärt der Architekt. Im Frühjahr werde noch, so verrät Wilhelm, die Physiotherapie Allendorf aufs Gelände ziehen.

Offen für kreative und innovative Ideen

Rund 300 Quadratmeter an unbeheizten Lagerhallen stehen noch frei und sind gerade in die Vermarktung gegangen. Im Kaufhausgebäude stehen noch das 1. und 2. Obergeschoss frei. „Das sind jeweils noch etwa 450 Quadratmeter.“ Im Dachgeschoss steht noch eine Lagerfläche ähnlicher Größe zur Verfügung. Aktuell, so Wilhelm, gebe es zwei gewerbliche Interessenten. „Es ist aber noch nichts vergeben.“

Das große Kaufhausgebäude.

Denn Wilhelm und seine Partner hatten für das große Kaufhausgebäude schon von Anfang an verschiedene Ansätze im Kopf. „Deswegen sind wir das Gebäude auch zuletzt angegangen“, erklärt er. Sie können sich nämlich vorstellen, dort als „Plan B“ ein „cooles Wohnkonzept“ umzusetzen, die Nachfrage nach Wohnraum sei schließlich vorhanden. Da seien sie auch schon gedanklich ziemlich weit, hätten bereits Konzepte erstellt. „Wir sind da aber wirklich offen. Wenn jetzt jemand einen dreigeschossigen Harley Davidson-Store aufmachen will, warum nicht?“, lacht er. Wilhelm fände es cool, wenn es etwas Innovatives, Kreatives wäre, „einfach eine spannende Geschichte, die rein passt.“

Nach dem Kauf vor gut einem Jahr standen natürlich auch einige Sanierungsarbeiten auf dem Programm. Diese betrafen aber weniger die Bausubstanz, denn der bauliche Zustand sei gut gewesen. Es waren vielmehr einige Innenräume, die auf Vordermann gebracht wurden. Eine Innenraumsanierung findet auch aktuell für den Einzug der Physiotherapie statt.

Ein Blick auf den „Büroriegel“. Die Außenfassade soll auch bald im neuen Glanz erstrahlen.

„Das Außenbild wird sich aber auch noch etwas verändern, es stehen noch einige Verschönerungsarbeiten an“, lächelt er. So soll unter anderem die 60er-Jahre-Tür beim BZL ausgetauscht werden, denn die passt optisch nicht wirklich ins Bild. „Wir haben uns auch schon im Stadtarchiv alte Pläne angeschaut“, erzählt Wilhelm. Große optische Veränderungen wird es aber nicht geben.

Das gesamte Areal steht nämlich unter Ensembleschutz. Dabei ist vor allem die äußere Erscheinung geschützt. Umbauten im Inneren unterliegen weniger strengen Regeln, anders als beispielsweise beim Einzeldenkmal. Sprich: Die Außenfassade könnte jetzt nicht einfach gelb gestrichen werden.

Die spontane Entscheidung, das Areal der ehemaligen Neuen Arbeit zu kaufen, bereuen Wilhelm und seine Partner überhaupt nicht. „Jedes Mal, wenn wir aufs Gelände kommen, sind wir wirklich glücklich“, lächelt der Eigentümer. Das Projekt mache ihnen viel Spaß, denn es habe einfach viel Potential – und genau dieses Potential haben sie ja bereits schon vor dem Kauf gesehen.

5 Gedanken zu “„In der Molkerei“: Gastronomie mit indischer Küche wiederbelebt

  1. Mal beiseite genommen das es mehr als schade war das das ehemalige Konzept „Alte Molkerei“
    keine Fördermittel mehr bekam, so scheint das Projekt von Herrn Lars Wilhelm & Partner recht interessant zu sein.
    Cool das es jetzt ein indisches Restaurant in Alsfeld gibt.
    Wünsche Herrn Taher Mir Ahmed
    einen guten Anfang und viel Erfolg 🍀
    Würde es begrüßen wenn das Restaurant
    ‚ In der Molkerei ‚ zeitnah einen Internetauftritt publizieren würde.
    Gerichte/ Öffnungszeiten ect.

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  2. Nicht nur wegen der indischen Gastronomie als weitere Farbe im Alsfelder Angebot. Faszinierend ist auch die Idee einer Wohnnutzung der ehemaligen Kaufhaus-Geschosse. Wie wäre es mit einem Indoor-Campingplatz (vgl. https://campinglaune.de/indoor-camping-bonn-und-berlin-gemeinsam-haben/) oder einem „Wohnpark“ mit Kleinhäusern (ggf. als Verkaufsausstellung verschiedener Kleinhaustypen)? Ein Indoor-Golfplatz wäre eine weitere Möglichkeit.

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  3. In der Molkerei – oder auch Inder Molkerei. Sensationelles Wortspiel. Humor hat der Betreiber schon mal.

    Herzlich willkommen in Alsfeld. Wird auf jeden Fall getestet. Viel Erfolg 🇮🇳💖

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