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Architekten wollen Gelände entwickeln - Loft-Wohnungen und Büroflächen denkbarAreal der Neuen Arbeit in Alsfeld hat neue Eigentümer

ExklusivALSFELD (jal). Die Gebäude rund um die “Alte Molkerei” in Alsfeld haben neue Eigentümer. Der Alsfelder Architekt Lars Wilhelm hat gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern das Areal der abgewickelten Neuen Arbeit gekauft. Was aus dem Gelände nun werden soll, ist noch offen.

Der Kauf umfasst die Grundstücke links und rechts der Altenburger Straße und damit auch den ehemaligen Recyclinghof, insgesamt geht es um etwa 4.700 Quadratmeter Grundstücksfläche, wie Wilhelm im Gespräch mit Oberhessen-live verrät. Zum Kaufpreis macht er dabei keine Angaben. Die Insolvenzverwalterin der Neuen Arbeit, Julia Kappel-Gnirs, wollte sich mit Verweis auf die Nichtöffentlichkeit des Insolvenzverfahrens nicht zu dem Vorgang äußern.

Die Neue Arbeit bot als gemeinnützige Gesellschaft in kirchlich-kommunaler Trägerschaft berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildung für Langzeitarbeitslose, Arbeitslose ohne abgeschlossene Berufsausbildung, aber auch für schwer vermittelbare Arbeitssuchende oder Flüchtlinge an. Ihr Ziel war die Eingliederung oder die Wiedereingliederung dieser Menschen in das Erwerbsleben. Weil derartige Maßnahmen schließlich öffentlich ausgeschrieben worden und der Zuschlag bei zwei wichtigen Projekten ausblieb, rutschte die Neue Arbeit in die Insolvenz und wurde abgewickelt.

Neue Arbeit Vogelsberg stellt Geschäftsbetrieb ein

Für ihn als Alsfelder habe das schon etwas mit Herzblut zu tun, wenn er nun an diesem Projekt arbeite, sagt Wilhelm. Der alte Charme der Gebäude komme noch hinzu, durch ihn sehe man das Potenzial, welches in dem Vorhaben stecke. Selbst seinen Kollegen gehe es mittlerweile so. „Das ist schon etwas Besonderes und kein Standard-Mietshaus, was wir da jetzt haben.“

Getätigt hat der 41-Jährige den Kauf über die Mittelhessische Bauhütte – eine Projektgesellschaft, die Ideen für solche Gebäude entwickelt. Mit im Boot sind damit auch die Partner seines Architekturbüros studioaw., Dennis Knöpp und Björn Trieschmann. Die Planungsspezialisten sind in Gießen sowie in Alsfeld mit einer Niederlassung vertreten. Das Alsfelder Büro ist im Alten Postamt untergebracht, dessen Neugestaltung das Team 2016 selbst betreut hat.

Was genau aus den Gebäuden um die Alte Molkerei werden soll, ist noch offen. Wilhelm und seine Partner können sich vieles vorstellen. Die Häuser haben durch ihre Backsteinoptik einen sehr beliebten Industriecharme, sie liegen in guter Nähe zum Innenstadtbereich. Zu den ersten Ideen, die geprüft werden, zählen deswegen zum Beispiel auch loftartige Wohnungen, die barrierefrei und somit seniorengerecht gestaltet werden könnten.

Gastronomie des ehemaligen Milchlädchens soll wiederbelebt werden

Insgesamt, so sagt Wilhelm, stünden etwa 4.800 Quadratmeter Nutzfläche in den Gebäuden zu Verfügung, die sich in zusammenhängende Mietflächen von bis zu 1.700 Quadratmetern einteilen ließen. “Durch die Gebäudestrukturen kann man flexibel auf den Flächenbedarf von Mietern reagieren, es ist ideal auch für Gründer oder Coworking-Plätze – also Büros, in denen verschiedene Freiberufler und kleinere Firmen zusammenarbeiten”, sagt Wilhelm. Eigene Parkplätze machten den Standort zusätzlich attraktiv. Am Ende könnte auch eine Mischnutzung stehen – ein Gewerbemix aus Büro-, Atelier- und Werkstattflächen sowie Platz für Lager- und Abstellflächen, auf denen sich auch verkaufen lässt.

Foto: Wilhelm

Eine Sache, die vermutlich erhalten werden und wiederbelebt werden soll, ist die Gastronomie im ehemaligen Milchlädchen direkt an der Straße. Wilhelm spricht von ihr als “Kernstück und kommunikative Zone um den Innenhof”, bei der neben Seminarräumen auch noch eine komplette Gastroküche erhalten sei.

“Wir haben zur Abstimmung bereits Kontakt mit der Stadt Alsfeld aufgenommen, die in der Vergangenheit auch schon Ideen zur künftigen Nutzung des Areals hatte. Neben den Vorstellungen, die wir bereits für das Gelände haben, sind wir natürlich noch offen für Ideen, die an uns ran getragen werden”, erzählt Wilhelm. Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule hält sich gegenüber Oberhessen-live bedeckt, was die Ideen der Stadt für das Areal angeht und signalisiert, erst mehr von Wilhelm und seinen Kollegen über deren eigene Vorstellungen hören zu wollen. Paule sagt aber auch: “Wir werden mit dem Käufer Gespräche führen über mögliche Entwicklungen. Im Moment ist das Gelände genutzt mit Gewerbe/Büro. Das ist weiterhin zulässig. Wenn der neue Eigentümer Richtung Wohnen gehen will, werden wir ihn bei der Schaffung des Bauplanungsrechts hierfür unterstützen.”

Die Vermarktung der Flächen mit einem “stimmigen Gesamtkonzept” soll bald losgehen. Erste Anfragen, so sagt Wilhelm, gebe es schon.

15 Gedanken zu “Areal der Neuen Arbeit in Alsfeld hat neue Eigentümer

  1. ich nehme das kleine Häuschen mit der Wetterfahne auf dem Dach…soll reichen—-weniger ist mehr! :)

  2. Udo: Viele Ideen und nicht wenige Wünsche/ Vorschläge dürften an die neuen Eigentümer herangetragen werden, dennoch darf die große Überschrift nicht fehlen: „Es muss sich rechnen“. Entscheidend ist immer der „wirkliche“, der auch bezahlbare Bedarf, der „nur angemeldete“ Bedarf kann/ darf kein Maßstab f. d. Planung des Areals sein. Als ehemaliger Alsfelder ist mir die Region vertraut, gut 20 Jahre habe ich in Heide, einer Klein-/ Mittelstadt an der Westküste Schleswig-Holsteins, gearbeitet/ gewirkt, seit gut fünf Jahren wohne ich in Hamburg. Habe somit die Fragen/ Probleme ländlicher und städtischer Lebenswelten kennengelernt, insbesondere die Fragen, die sich aus der sich verändernden Altersstruktur der Bevölkerung ergeben. So könnte ich mir nach kurzer Überlegung Folgendes vorstellen:
    Eine Mischnutzung des Areals dürfte sehr sinnvoll sein, Wohnraum zu schaffen, vor allem unter dem Gesichtspunkt des Bedarfs der Senioren, sollte aber an erster Stelle stehen. Die Wohnungen müssen grundsätzlich barrierefrei gestaltet sein, ein Teil der Wohnungen darüber hinaus behindertengerecht, was mehr als allgemein barrierefrei bedeutet. Wohnungen sollten sowohl als Miet-, aber auch als Eigentumswohnungen angeboten werden. Es müssen im Sinne der Nachhaltigkeit baulich hochwertige Wohnungen sein, auch wenn diese primär teurer sind. Dieses wird sich nicht nur bei dem Kauf einer Eigentumswohnung, sondern auch bei der Vermietung bemerkbar machen, Nachhaltigkeit hat ihren Preis. Nicht wenige Senioren, denen „das eigene Haus zu groß geworden ist“, nachdem die Kinder ausgezogen sind, und die auch zu der Zeit im Erwerbsleben standen, als Alsfeld noch vergleichsweise wirtschaftsstark war, dürften nach dem Verkauf des eigenen Hauses über ausreichende Mittel verfügen, um sich eine Eigentumswohnung leisten zu können.
    So sollte das Gesamtkonzept auf das Wohnen bezogen sein: Ausreichend (eher mehr als zu wenige) Parkplätze, keine Lärm erzeugenden Betriebe (Lebensqualität der Bewohner!), nach Möglichkeit nur minimaler LKW-Verkehr auf dem Gelände (Unfallgefahr f. gehbeeinträchtige Senioren), im Erdgeschoss zur Altenburger Straße hin evtl. Büroräume (Versicherungen etc. benötigen nicht mehr viele Quadratmeter, da vieles online gestaltet wird) oder ähnliches, z. B. Annahmestelle f. e. Reinigung, ein Lebensmittel-Laden, in dem auch Dinge des täglichen Bedarfs angeboten werden, darf nicht fehlen, ein Café (ohne Alkoholausschank!!!) in welchem man eine Tasse Kaffee trinken oder einen Snack (oberhessisch: einen Happen) genießen kann, muss erhalten bleiben. Gastronomie („Zum fidelen Owwerhess“) nein, denn die Nachtruhe der dort Wohnenden hat Vorrang. Eine KITA wäre wünschenswert.
    So möchte ich den neuen Eigentümern bei Planung und Verwirklichung „eine glückliche Hand“, auch im übertragenen Sinne, wünschen.

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  3. Mit Freude las ich den Artikel ,über den Kauf der Alten Molkerei von Lars Wilhelm . Endlich ein bekannter einheimischer Investor, der die Gebäude nicht nur kauft um sie zu haben, sondern mit richtig guten Ideen das Areal wieder zu beleben. Ich freue mich darauf die Entwicklung zu verfolgen, so wie ich es bei der Villa Raab tat.
    Ich wünsche dem Architekten Team gute Ideen , Kreativität und große Lust aus den Gebäuden das richtige zu machen.

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  4. steckt da etwa auch der betreiber von oberhessen-live mit drin wegen der geheimniskrämerei? eine klare aussage wäre für alle beteiligten vonnutze, andeutungen und halbwahrheiten führen nur zu spekulationen.

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    1. Sehr geehrter Herr Dr Dumm, Sie sprechen in Rätseln.
      Und noch eine Frage an Sie: schreiben Sie nur klein, weil Sie der deutschen Rechtschreibung nicht mächtig sind.
      Worin haben sie ihren Doktor gemacht🥴

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    2. Oberhessen live hat schon häufiger exklusive Meldungen gebracht! Und wenn es so positive sind, freuen Sie sich doch, dass unsere schöne Stadt sich entwickelt! Ich sehe keine „Halbwahrheiten“ aber Potential, weil im Vorfeld gut geplant und überlegt wird.

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  5. Herzlichen Glückwunsch! Ich freue mich für Käufer, Mieter und die Stadtentwicklung! Tolle Idee: Wohnen, Arbeiten und Genießen so nah zusammen. Die Regionalmärkte, das Cafe und die Veranstaltungen wie z.B.die Lesungen in den Räumlichkeiten über dem Cafe oder direkt im Kaufhaus waren ein Erlebnis. Schön, dass bald die ersten Büros wieder bezogen werden! Es tut sich schon was! Viel Erfolg!

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  6. Auf diesem Haus ist kein gutes Omen, da wurden jahre Lang Menschen mit 1€ Jobs ausgebeutet oder von verstorbenen die Haushalte verscherbelt :(

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    1. Diese Gebäude stehen schon länger, und sind wahrscheinlich älter als Sie.
      In meiner Kindheit und davor, verdienten Familienväter den Lebensunterhalt. Und waren glücklich in der Alsfelder Molkerei zu arbeiten. Dass die Neue Arbeit später darin beheimatet war, spricht nicht gegen das Gebäude.
      Deshalb Architektenteam : haut rein und macht was draus 👍

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    2. Schade, dass Sie das so sehen! Sie haben dort nicht für einen Euro pro Stunde gearbeitet, sondern die Möglichkeit erhalten, Ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Das machte dann im Vergleich zum Harzen umgerechnet 1€ pro Stunde obendrauf. Sie hatten einen geregelten Tagesablauf, nette Kolleg*innen mit ähnlichen Interessen und Problemen, mit denen Sie reden konnten. Wenn Sie mit den Mitarbeitern/Anleitern/Pädagogen dort nicht so gut klar kamen, na und? Die Vorteile haben doch überwogen, sonst hätten Sie den Job geschmissen und lieber die Kürzung beim Alg II in Kauf genommen.

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  7. Ich kenne Herrn Wilhelm nicht, freue mich aber, dass sich auf dem Gelände was tut und dass jemand mit Alsfelder Bezug sich hier engagiert. Ich wünsche dem Vorhaben viel Erfolg. Alsfel lebt!

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  8. Ja, das brauchen wir in Alsfeld. Teure Wohnungen sind viel wichtiger wie die Wiedereingliederung von Arbeitslosen. Bezahlbarer Wohnraum wäre doch auch eine tolle Idee.

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  9. Der neue Investor macht einen kompetenten und engagierten Eindruck, gerade was Entwicklungskonzepte für größere Immobilien angeht. Das lässt hoffen, dass der ehemalige Neue-Arbeit-Standort nicht zum Spekulationsobjekt verkommt, das am Ende zum Lost Place und städtebaulichen Schandfleck wird. Die Stadt Alsfeld wäre gut beraten, alles zu tun, um an das erfolgreiche Beispiel „Villa Raab“ anknüpfen zu können. Eine einheitliche Nutzung für alle Gebäude dürfte ausgeschlossen sein. Eine Art „Wohn- und Gewerbe-Dorf“ scheint am ehesten möglich und so ähnlich auch schon angedacht. Schön, dass die neuen Besitzer die Fantasie mit zu bringen scheinen, stimmige Lösungen so zu sagen aus dem „Genius loci“ zu entwickeln, den man ja auch erst mal spüren muss. Ich kenne z.B. die Baulichkeiten des ehemaligen Kaufhauses sehr gut, das eine gute Statik und weite, Licht durchflutete Geschosse aufweist. Mich würde dies zur kleinräumigen Wohnnutzung inspirieren, so einer Art „Glamping“ in der Halle (Indoor-Camping), wie man es schon anderswo gesehen hat (siehe https://www.manager-magazin.de/lifestyle/reise/indoor-camping-wohnwagen-in-der-halle-a-915041.html). Das müsste auch mit eingeschossigen Minihäusern unterschiedlichster Bauweise und über alle Geschosse funktionieren, einschließlich Begrünung und Pool. Wenn man’s richtig macht ein tolles und attraktives Projekt, das auch viele Neugierige oder potenzielle Käufer von Gartenhäusern etc. anzöge, die dann die Gastronomie beleben.
    Noch interessanter würde das Angebot, wenn man die Freiflächen und den Werkstattbereich als Ausstellung für Circus-Wagen, Tiny Häuser und ähnliche Behausungen mit größerer Bauhöhe nutzte, auch geeignet für einen Händler, der Mobilehomes verschiedener Hersteller anbietet, vermietet und vielleicht sogar transportiert, aufbaut und wartet. Ergänzend könnte man sich auch einen Food-Truck-Park vorstellen, wo unterschiedlichste Gerichte über die Theke verkauft werden. Indoor-Camping, Mobilehome-Ausstellung und Foodtruck-Park sowie die bestehende Gastronomie des Milchlädchens würden sich optimal ergänzen und lägen in mehrfacher Hinsicht voll im Trend. Die Nähe zur Autobahn wäre die ideale Voraussetzung für einen überregionalen Anziehungspunkt. So, und jetzt möchte ich gelobt werden für diesen kreativen Plan!

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    1. Bei so vielen roten Daumen nach unten wird einem ja schwarz vor Augen. Da träumen die einen wohl von einer Neuauflage der Luxus-„Villa Raab“ mit prächtigen Lofts und trendigen Büros, die anderen wohl von einem kuscheligen Veganistan mit Dichterlesungen, Kräutertee und fair gehandeltem Stehrumsel-Nippes aus allen unterentwickelten Teilen dieser Welt. Wie wäre es mit einem ganzjährigen Weihnachtsmarkt nebst angeschlossenem Therapiezentrum für Weihnachtssüchtige? Oder einem esoterischen Sorgsamkeits-Eigenurin-Tanzzentrum mit Indoor-Meditationsparadies? Ein Inklusions-Swingerclub ginge natürlich auch.

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