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Kritik des BUND - CDU Alsfeld kontertBUND: Planung des Industriegebietes „Weißer Weg“ ist unverantwortlich

ALSFELD (ol). Die Stadt Alsfeld plant ein weiteres Industriegebiet „Weißer Weg“ zu erschließen, am Stadtberg „Homberg“ – das sei „unverantwortlich gegenüber nachfolgender Generationen“, findet der BUND Vogelsberg. Die CDU Alsfeld ist da anderer Ansicht, sie unterstreicht die Bedeutung des neuen Industriegebietes für die dynamische Entwicklung Alsfelds und betont, dass sich der BUND „in vollem Bewusstsein gegen die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt und der gesamten Region stellt.“

Doch zunächst zur Pressemitteilung des BUND. In dieser heißt es, mit einer Größe von 44 Hektar, also 440.000 Quadratmetern, soll das Industriegebiet „Weißer Weg“ größer sein als die bisherigen Gewerbegebiete Elpersweide, Gewerbegebiet Ost und Dirsröder Feld zusammengenommen. Nicht nur in Alsfelds Altstadt gebe es verfügbare Flächen. Auch im Bereich der bereits ausgewiesenen Gewerbegebiete seien noch Flächen verfügbar, betont der BUND. Die geplante Versiegelung durch eine Neuausweisung eines Industriegebietes würde für einen zusätzlichen Ressourcen- als auch einen Flächenverbrauch sorgen. Dass die Stadt Alsfeld im Jahr 2021 ein Industriegebiet ausweisen möchte, ist aus Sicht des BUND Vogelsberg unverantwortlich gegenüber nachfolgenden Generationen.

Begründet wird laut Pressemitteilung des BUND die Ausweisung des Industriegebiets mit der Schaffung von Arbeitsplätzen. „Weitere Details dazu fehlen. Ist es nicht wichtig zu wissen, welche Art von Arbeitsplätzen hier geschaffen werden sollen und wie zukunftsfähig diese Arbeitsplätze sind? Werden die im Logistikbereich oder in anderen Niedriglohnsektoren entstehen? Werden die Arbeitsplätze auch noch in zehn Jahren zukunftsfähig sein? Widerspricht die geplante Ausweisung nicht vorsätzlich dem Grundsatz der Daseinsvorsorge für die Bürger, die weit über die Bereitstellung von Arbeitsplätzen hinaus geht und auch eine intakte Umwelt mit einschließt?“, fragen sich die Naturschützer.

„In dieser Zeit 44 Hektar fruchtbaren Boden aus der landwirtschaftlichen Nutzung nehmen zu wollen und zu versiegeln, ignoriert unsere Abhängigkeit von einer intakten Natur. Für die Hoffnung auf Ansiedlung von Wirtschaft  soll die Zukunft der jetzigen Generation vorsätzlich gefährdet werden. Das wäre nicht nur für die Tiere, deren Lebensräume immer weiter eingeengt werden, ein massiver Verlust, auch für die Menschen aus dem Alsfelder Raum ist der Homberg ein Naherholungsraum“, betont der BUND. Ein weiteres Gewerbegebiet und die damit „weiter zunehmende Verkehrs- und Lärmbelastung“ seien damit unvereinbar.

CDU Alsfeld unterstreicht die Bedeutung des neuen Industriegebietes

„Das der BUND gegen das geplante Gewerbegebiet „Am weißen Weg“ mit seiner Pressemeldung vorgeht, ist unverantwortlich gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt und richtet sich gegen die nachfolgende Generation, die in Ihrer Heimat, der Stadt Alsfeld verwurzelt ist und die auch künftig hier leben und arbeiten möchte“ – damit leitet der Alsfelder CDU Partei- und Fraktionsvorsitzende Alexander Heinz die Antwort seiner Partei auf die Pressemeldung des BUND Vogelsberg ein. „Der BUND stellt sich in vollem Bewusstsein gegen die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt und der gesamten Region. Wie bereits beim Lückenschluss der A49 oder der Ortsumgehung Wartenberg werden Ideologie und eine verklärte Sicht auf Naturschutzbelange vor das Wohl der Menschen gestellt.“

Die CDU wolle den Bürgerinnen und Bürgern, auch denen aus den Umlandgemeinden, die Möglichkeit bieten, vor Ort und in der Heimat zu arbeiten. Alsfeld und die Region sollten lebenswert für die Menschen bleiben, schreiben die Christdemokraten. Schon jetzt würden mehr Menschen zum Arbeiten aus als ein pendeln, viele müssen bis zu einer Stunde fahren, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen. Das koste Zeit, Geld und belaste die Umwelt.

Auf insgesamt 44 Hektar, direkt an der B62 und der A5 gelegen und momentan laut Pressemitteilung der CDU intensiv landwirtschaftlich genutzt, sollen künftig Flächen für die Ansiedlung von großen Gewerbebetrieben entstehen und so das Angebot an kleinen und mittleren Flächen ergänzen. „Bereits das hat der BUND schon nicht verstanden, wenn er von verfügbaren Flächen in existierenden Gewerbegebieten spricht oder gar auf die vorhandenen Brachen in der Stadt anspielt“, sagt Mathis Kruse, Mitglied des Bauausschusses und stellvertretender Vorsitzender der Jungen Union Alsfeld.

„Außerdem unterschlägt der BUND, dass sich die Stadt sehr intensiv um die Vermarktung und Revitalisierung von innerstädtischen Brachflächen – getreu dem Motto, Innen- vor Außenentwicklung – kümmert. Oft im engen Austausch mit den Eigentümern “, führt Kruse weiter aus und nennt Flächen wie Casino-Areal, Deutsches Haus, Galvano, Brauerei, BGS, Sägewerk oder das Bücking-Gelände.

„Ein Spaltpilz in die Gesellschaft“

Der BUND und andere Naturschutzorganisationen würden einen „Spaltpilz in die Gesellschaft“ treiben, wenn wie hier aktuell geschehen, Jung gegen Alt mit den immer wieder gleichen und „populistischen Argumenten“ gegeneinander ausgespielt würden „Mitnichten wird der nachfolgenden Generation die Zukunft genommen. Genau das Gegenteil ist der Fall“, sagt Martin Giese, Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung im Vogelsberg. „Im Optimalfall entstehen dort 500, 700 oder vielleicht auch 1000 Arbeitsplätze. Das sind dann 500, 700 oder 1000 Menschen weniger, die nach Gießen, Fulda, Marburg, Stadtallendorf, Kassel, Bad Hersfeld oder Frankfurt zur Arbeit pendeln müssen. Das schont konkret die Umwelt und schafft Lebensqualität“, begrüßt auch er die Pläne der Stadt.

Ulrich Schuchardt, Vorsitzender des Vereins Wirtschaftsförderung und Nachhaltige Entwicklung der Vogelsberg-Region und Kandidat der CDU für die Stadtverordnetenversammlung, ärgert sich über die Vorwürfe des BUND. „Wir wollen doch eine sich dynamisch entwickelnde Region und nicht das Naherholungsgebiet der Gießener Professoren oder der Frankfurter Bänker sein. Die verklärte Sicht dieser Umweltideologen zeigt sich doch ganz aktuell im Vorstoß der Grünen, Einfamilienhäuser verbieten zu wollen“, macht er deutlich. „Stattdessen wollen wir gestalten und den ländlichen Raum als attraktives Umfeld für Menschen und Unternehmen weiterentwickeln.“

Umweltschutzaspekte bei der Planung berücksichtigt

Dass Umweltschutzaspekte bei der Planung des neuen Industriegebietes selbstverständlich auch Berücksichtigung finden würden, erläutert Hans Knell, CDU-Stadtverordneter und Mitglied des Bauausschusses. „Ein Flächenverlust ist aus landwirtschaftlicher Sicht immer schmerzlich. Andererseits kann es nun mal keine Industrie-, Gewerbe- oder Wohnbaugebiete geben ohne Fläche zu verbrauchen. Stattdessen sorgen aber zahlreiche Ausgleichs- und Kompensationsmaßnahmen für ein Weiterbestehen der heimischen Flora und Fauna“, erläutert er.

So werde der Verlauf der Schwalm im Bereich ober- und unterhalb Alsfelds weiter renaturiert, an anderen Stellen sollen ortsnahe Ausgleichsflächen im Zusammenspiel mit der landwirtschaftlichen Produktion geschaffen werden, zum Beispiel als Blühflächen, Obstweiden oder Feuchtgebiete. „Das Industriegebiet selbst wird zudem nicht komplett versiegelt werden. Auf allen geplanten Grundstücken sind nach ökologischen Auflagen unter anderem Hecken- und Baumanpflanzungen Pflicht, welche es momentan auf den kompletten 44 Hektar nicht gibt. Diese bieten die Möglichkeit die Artenvielfalt schon direkt im Industriegebiet größtmöglich zu erhalten“, so Knell.

„Wer legt denn fest, was gute und schlechte Arbeitsplätze sind“, fragt Hans Georg Herbst. Er ist Inhaber eines mittelständischen Elektrobetriebes mit Sitz auf dem BGS-Gelände. Der CDU-Stadtverordnete ist die „ewig gleiche Debatte“ um die angeblich schlechten und im Niedriglohnsektor bezahlten Jobs in der so verteufelten Logistikbranche, die aber jeder mit jedem Onlinekauf benötigt, leid. „Es gibt Menschen, die sind auf diese Beschäftigungen angewiesen, nicht alle sind Akademiker oder gut qualifizierte Handwerker und können entsprechend bezahlt werden. Zudem hat die Diskussion in den städtischen Gremien doch gezeigt, dass wir darauf achten werden, dass ein gutes Mischangebot an Arbeitsplätzen entsteht.“

Zu guter Letzt benötigen laut Christdemokraten auch die künftig dort ansässigen Betriebe die Dienstleistungen zahlreicher Alsfelder Betriebe, ob im Handwerk oder sonst wo, alles greife ineinander, ist sich Herbst über die positive Wirkung für die bereits bestehende Unternehmen sicher. „So werden nicht nur Arbeitsplätze geschaffen, sondern existierende gesichert.“

4 Gedanken zu “BUND: Planung des Industriegebietes „Weißer Weg“ ist unverantwortlich

  1. Warum muss der „BUND“ eigentlich immer dagegen sein, ob A49 oder Industrieansiedlung? Wenn es um landwirtschaftliche Flächen geht, dann geht es um Monokultur. Eine geringere Artenvielfalt findet man nur in der Wüste. Nahrungsmittel werden auch nur zum Teil angebaut.

    Warum kann der „BUND“ nicht konstruktiv bei solchen Bauvorhaben mitwirken? Bei der Planung solcher Gebiete lassen sich die Weichen für eine klima- und ressourcenschonende Zukunft legen.

    Konstruktives Mitmachen ist gefragt, kein Ökosozialusmus.

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  2. Es wundert ein bisschen dass sich bis jetzt nur der BUND und die CDU Fraktion eindeutig zu diesem Projekt (Industriegebiet) geäußert hat. Wichtig wäre doch wie steht die SPD, UWA und ALA dazu. Wir haben im März Kommunalwahl da sollte jeder Bürger wissen was ihm bevorsteht. Die Aufgeregtheit der CDU Alsfeld könnte ein Indiz sein dass schon Profiteure die Fühler ausgestreckt haben und auch schon versucht wurde die Stadtverordneten zu beeinflussen. Da werden Argumente und Zahlen genannt die durch nichts zu belegen sind. Warum sagt denn keiner welche Industrie dort angesiedelt wird oder wer schon Interesse gezeigt hat. Wenn man das Wahlprogramm der CDU für die Wahlperiode 2021 – 2026 ließt muss jedem Alsfelder ein Licht aufgehen. Noch mehr Schutz, Lärm und Dreck durch LKW. Der Schwerlastverkehr soll regelrecht angezogen werden durch LKW Parkplätze umbrück Möglichkeiten, Autohof u.s.w. Man fragt sich was geht das die Stadt Alsfeld an? Wir wollen weniger Schwerlastverkehr und nicht mehr! Jedem Alsfelder muss klar sein, das Industriegebiet bringt nicht gutes für die Alsfelder Bürger sondern nur dem was der auf Kosten von anderen Profitiert. Den Versprechungen sollte keiner Glauben schenken die Wirklichkeit sieht dann anders aus und das Geschwätz von gestern interessiert später keinen mehr. Sollten vielleicht doch die Gegner der A49 recht behalten und der Schwerlastverkehr in Alsfeld und der A5 nicht weniger werden. Wenn das so kommt wie die CDU das wünscht kann sich jeder ausmalen was für ein Chaos in Alsfeld entsteht wenn die A5 durch Stau dicht ist.
    Auch die Ansiedlung der Spedition Völker in Alsfeld als Erfolg dazustellen erahnt was geplant ist mit dem Industriegebiet. Herr Mathis Kruse vor kurzen war erst ein Kommentar über das ehem. Bgs Gelände zu lesen was so einiges über die Vermarktung und die dadurch entstandene extreme Belastung der Anwohner aussagt. Wenn das das Ziel ist, wo die CDU hin will, dann hat das nichts mehr mit Bürgerwille zu tun. Herr Ulrich Schuchardt wenn Sie ein Naherholungsgebiet in Alsfeld schlecht finden, egal für wen, dann sind sie nicht der richtige. Auch mit Naherholung kann man sich entwickeln und auch für Alsfeld Geld verdienen, man muss halt anders denken und planen. Haben denn die Interessenten an dem Industriegebiet bei der CDU schon ganze Arbeit geleistet?
    Jeder Alsfelder Bürger hat es jetzt in der Hand bei der Kommunalwahl mitzuentscheiden.

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    1. Zahlen sind immer gut. Eine Spedition braucht zwar viel Platz, aber der Verkehr ist überschaubar, den werdet ihr gar nicht merken. Besser als eine Fabrik mit hohen Schornsteinen.

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