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Erfahrungsberichte von der Lauterbacher IntensivstationDrei Intensivpfleger berichten: „Am Anfang wurden wir noch beklatscht, dann wurden wir vergessen“

LAUTERBACH. Sie stehen in der Corona-Pandemie direkt an der Front, auf der Intensivstation im Krankenhaus Eichhof in Lauterbach. Drei Intensivpfleger erzählen Anfang Dezember im Protokoll von der zweiten Welle, über ihre Gedanken zu Corona-Leugnern und vom Kampf um Menschenleben. Aufgeschrieben von Luisa Stock.

Michael Schimanski, Pflegerischer Leiter der Intensivstation

„Als Intensivpfleger kennt man sich mit Isolationspatienten aus und weiß, wie man mit solchen Patienten verfahren muss. Als Anfang des Jahres dann die ersten Bilder aus Italien zu sehen waren, mit Pflegern und Ärzten in voller Schutzausrüstung, da hatte ich unglaublichen Respekt vor dem, was uns erwartete. Seit 2001 arbeite ich als Intensivpfleger, auf sowas wie die Corona-Pandemie waren wir nur bedingt vorbereitet – auch auf die Stärke, mit der uns das Virus hier im ländlichen Raum, in unserem kleinen Haus, dann doch getroffen hat. Trotzdem konnten wir durch Schulungen und erhöhten Personaleinsatz auf der Intensivstation die Situation meistern.

Wir haben damals zunächst gedacht: ‚Die Krankheit betrifft die Lunge, Beatmung, – das bekommen wir hin.‘ Aber bei einer Covid-Erkrankung sind alle Organe betroffen, besonders bei den schweren Fällen. Wenn man so lang im Bett liegt und beatmet wird, dann leidet der ganze Körper. Die Muskeln schwinden, die Patienten hatten unglaubliche Schwierigkeiten, überhaupt wieder auf die Füße zu kommen, weil die Motorik und die Sensibilität abnehmen. Sie mussten praktisch das Laufen neu lernen. Wir hatten Menschen, die bis zu 50 Tage auf unserer Station waren. Da waren die Folgeschäden teilweise enorm.

Im Vergleich zu anderen Regionen hatten wir in der ersten Welle insgesamt weniger Corona-Fälle. Aber neben den Covid-Patienten, die eine sehr lange und intensive Betreuung brauchen, geht ja der normale Krankenhausbetrieb weiter. Anders als im Frühjahr wurde der bei der zweiten Welle jetzt nicht zurückgefahren – es gilt also auch, noch andere Patienten zu versorgen. Da fehlt es einfach an der Entlastung der Kliniken. Es ist ein schwieriger Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit, Personalverfügbarkeit sowie Covid-Erkrankten und anderen Patienten. Immer wieder gibt es neue Vorschriften, die umgesetzt werden müssen und gleichzeitig muss man schauen, dass das Personal diese Belastung aushält.

Das sind Schicksale, die sich dahinter verbergen – ich verstehe nicht, wie man das so ignorieren und verharmlosen kann.Michael Schimanski

Es gibt derzeit sicherlich sehr viele Menschen auf der Welt, die zum Beispiel in eine finanzielle Schieflage geraten sind, das möchte ich gar nicht schönreden, aber so schwer kranke Menschen zu pflegen und zu behandeln, bringt alle meine Kollegen an ihre Grenzen. Und wenn man dann solche Dinge in Sozialen Medien liest, die die Krankheit verharmlosen, bin ich sehr erschrocken und verärgert. Da liest man unter den Meldungen der aktuellen Zahlen sinngemäß so etwas wie ‚Ach, wieder drei Menschen gestorben, was soll’s’. Das sind Schicksale, die sich dahinter verbergen – ich verstehe nicht, wie man das so ignorieren und verharmlosen kann. Viele Menschen sind dann auch noch in ihrer Meinung sehr festgefahren, da kann man mit Argumenten kommen, sie lassen sich aber nicht überzeugen. Man erreicht sie einfach nicht mehr. Ich erlebe die Krankheit täglich und wünsche sie niemanden. Man darf auch seine Meinung äußern, aber man sollte auch versuchen, Verständnis aufzubringen, anstatt auf Politik oder Menschen mit einer anderen Meinung zu schimpfen und die Pandemie klein zu reden.

Ich hoffe, dass die Pandemie nun zeigt, wie wichtig unsere Arbeit ist, dass wir nicht vergessen werden, wenn es um bessere Gehälter und Wertschätzung für Pflegeberufe geht. Hier im Eichhof haben wir keine Corona-Prämie bekommen, weil wir in der ersten Welle zu wenig Corona-Patienten behandelt haben. Es geht mir nicht um diese eine Prämie, sondern darum, dass auch außerhalb der Pandemie an uns gedacht wird und dass die Perspektiven sich in unserem Berufsstand künftig verbessern. Ich befürchte nämlich, dass nach dieser Pandemie viele Menschen den Beruf verlassen, obwohl es ein toller Beruf ist.

Schon immer kommen Pflegende ständig an ihre Grenzen, immer wieder werden die Gehälter in Pflegeberufen thematisiert, aber nichts ändert sich. An unserem Beruf hängen Menschenleben, wir können nicht einfach streiken, aber mit dem Geld, was wir bekommen, können wir auch die jungen Leute nicht für den Beruf begeistern. Ich finde es schade, dass die Pflege zu wenig wertgeschätzt wird. Unsere Arbeit ist im Bewusstsein vieler Bürger angekommen – aber nicht bei der Politik. Am Anfang wurden wir noch beklatscht, dann wurden wir vergessen und jetzt werden wir bemitleidet. Die nächste Pandemie wird kommen, da bin ich mir sicher. Ich hoffe, dass sich bis dahin etwas verändert hat, vor allem die personelle Situation.“

Barbara Döring, Intensivpflegerin am Eichhof seit 1980

„Der Moment, als der erste Covid-Patient bei uns ankam, den werde ich wohl so schnell nicht vergessen. Das hat uns das erste Mal so richtig vor Augen geführt, dass es los geht und der Ernstfall an die Tür klopft. Man muss sich das so vorstellen: Wir alle kannten die Bilder aus anderen Ländern und dann schwappte das Virus so langsam auch nach Deutschland rüber. Während größere Kliniken um uns herum noch keine Corona-Patienten hatten, hatten wir plötzlich den ersten Patienten auf Station liegen und es wurden noch zwei mehr. Plötzlich war Corona mit voller Macht da. Das war damals nicht beängstigend, wir sind die Arbeit mit schwerkranken Menschen gewöhnt, aber wir waren sehr angespannt. Wir haben vorher viel geübt, hatten Schulungen, und dann galt es das Erlernte abzurufen und in die Praxis umzusetzen.

Das Tragen der kompletten Schutzausrüstung war die größte Herausforderung. Wenn man diese Ausrüstung sechs Stunden lang trägt, ist das wirklich anstrengend. Wenn man in Schutzmontur die Patienten beispielsweise wäscht und gleichzeitig piepst die Beatmungsmaschine, muss man sich einmal um die eigene Achse drehen, um nach der Maschine zu schauen. Das war anfangs sehr ungewohnt, mittlerweile hat man sich etwas daran gewöhnt. Trotzdem ist man nach so einer Schicht schon ziemlich kaputt, das ist sehr anstrengend.

Dann aber kommen ganz schnell, ganz kleine Momente, in denen sich zeigt, dass es sich lohnt: Ein Patient beispielsweise hat die Station laufend verlassen, also er ist wirklich selbst von der Station gelaufen. Das passiert bei schweren Verläufen nicht häufig und vorher haben wir noch gedacht, dass es ein schwerer Weg für ihn wird. Lange Zeit wussten wir nicht, ob er es wirklich schafft.

Während in den Nachbarländern die Zahlen wieder stiegen, war Corona auch hier plötzlich wieder da, deutlich stärker als vorher.Barbara Döring

In der ersten Welle sind wir hier im Vogelsberg noch ganz gut weggekommen, jetzt in der zweiten Welle sieht das anders aus. Sie kam und traf uns mit voller Wucht. Ich denke, das liegt daran, weil sich über den Sommer eine Art neue Normalität eingestellt hat. Klar, Corona war noch da, aber nicht mehr so präsent. Man konnte draußen sein, die Ansteckungen gingen runter, alles wurde ein bisschen entspannter. Für uns als Pflegekräfte war das eine wichtige Verschnaufpause – die dann Schlag auf Schlag endete. Während in den Nachbarländern die Zahlen wieder stiegen, war Corona auch hier plötzlich wieder da, deutlich stärker als vorher. Offiziell haben wir sechs Intensivbetten – mit der Option aufzustocken. Diese Betten waren dann schnell mit fünf Covid-Patienten belegt und anders als noch im Frühjahr läuft der normale Betrieb weiter.

Während sich durch den Sommer ein gewisser Gewöhnungseffekt bei den Menschen eingestellt hat, habe ich immer wieder dran denken müssen, dass das Virus im Herbst wiederkommt. Jetzt ist es zurück, aber der Gewöhnungseffekt ist geblieben. Wenn man einkaufen geht, fällt es mir oft auf: Die Menschen gehen sorglos damit um. Da wird nicht mehr allzu sehr an Hygiene gedacht, die Abstände werden oft nicht eingehalten. Es ist gut, dass man einen Weg gefunden hat, mit dem Virus zu leben. Aber man darf trotzdem nicht leichtfertig werden. Es scheint, als könnten viele Menschen die Maßnahmen der Politik nicht mehr nachvollziehen. Vielleicht hätte sie früher den Teil-Lockdown verschärfen müssen, vielleicht hätte man damit mehr Menschen erreicht, sie eher sensibilisiert. Aber das ist nur eine Spekulation.

Das sind Gedanken, die einem dann nach der Arbeit noch nachhängen. Manchmal fällt es einem leichter abzuschalten, manchmal ist es schwerer – besonders, weil Corona die ganze Gesellschaft betrifft. Ich glaube, in diesem Jahr ist man gedanklich nie ganz Corona-befreit, auch privat nicht.“

Monika Katowski, Intensivpflegerin am Eichhof seit 2016

„Corona betrifft alle Organe: die Lunge, die Nerven, das Herz, die Nieren und besonders die Gefäße. Im März war uns all das nicht bewusst. Damals sind wir davon ausgegangen, dass wir Patienten mit einer schlechten Lunge bekommen, wir dachten, wir müssten die Lunge in den Fokus nehmen. Je länger man mit dem Virus zu tun hatte, desto mehr haben wir dazugelernt. Bei der Behandlung dann eine gewisse Routine zu finden, war lange Zeit nicht möglich, dafür war das Krankheitsbild einfach zu unklar.

Jeder Patient hat anders reagiert, es gab andere Verläufe, unterschiedliche Symptome und auch unterschiedliche Komplikationen, mit denen wir bei der Behandlung konfrontiert wurden. Das hat sich auch jetzt mitten in der zweiten Welle nicht geändert – ich würde sogar sagen, dass die zweite Welle für uns als Intensivpfleger noch anstrengender ist, als die erste Welle, auch wenn wir das Virus an sich ein bisschen besser verstanden haben mittlerweile.

Aktuell ist es so, dass wir nicht mehr diese Patienten haben, die sehr lange bei uns sind, dafür haben wir allerdings leider einige Patienten, die verstorben sind – mit oder an Covid. Wenn man auf der Intensivstation arbeitet, dann hat man es eigentlich immer mit schwerkranken Menschen zu tun, von daher hatte ich kein mulmiges Gefühl an die Arbeit zu gehen. Aber manchmal, wenn ich morgens das Haus verlassen habe, habe ich mich gefragt, ob ich abends wieder nach Hause komme. Wenn man Bilder oder Berichte aus anderen Ländern gesehen hat, wie gefordert das Pflegepersonal und die Ärzte waren, die teilweise viele Stunden am Stück gearbeitet haben und in den Kliniken geschlafen haben. Da habe ich ganz oft darüber nachdenken müssen, wie es weitergeht und ob das bei uns auch zur neuen Normalität wird – und vor allem, wie man das Privatleben damit vereinbaren kann. Wir Pflegekräfte sind ja keine Superhelden, sondern haben auch ein Privatleben außerhalb der Intensivstation.

Müssen erst die Zahlen noch weiter stark steigen bis sie verstehen, dass es real ist?Monika Katowski

Wenn ich dann diese Berichte über Demos sehe, wo Corona-Leugner auftreten, dann frage ich mich immer: Wenn es eine höhere Sterbezahl in Deutschland gibt, macht das Corona anders? Macht es das Virus wirklicher? Muss man erst eine massiv hohe Sterbezahl haben, dass es für die Menschen real ist? Hier in Deutschland darf jeder frei seine Meinung äußern und es soll auch jedem frei stehen, genau dies zu tun. Aber manchmal würde ich die Menschen gerne zu uns auf Station einladen, ihnen die Arbeit hier zeigen und auch die Patienten. Dann würden sie mit eigenen Augen sehen: Das Virus ist da und sie können sich glücklich schätzen, dass es ihnen und den Menschen in ihrer Umgebung gut geht, dass sie gesund sind. Wir haben in den letzten Wochen eine hohe Sterberate gehabt und ich weiß nicht, was die Menschen sehen wollen: Müssen erst die Zahlen noch weiter stark steigen, bis sie verstehen, dass es real ist?

Zwischen all dem sind es dann besonders die kleinen Dinge, die mich sehr glücklich machen. Es klingt banal, aber ich freue mich riesig, wenn Patienten wieder mit ihrem Zeh wackeln können, das ist ein enormer Fortschritt im Kampf gegen Covid. In Zukunft werden wir vermutlich nicht mehr ohne Corona leben, das Virus wird sich einbürgern wie andere Krankheiten. Deshalb würde ich es schön finden, wenn sich irgendwann einmal das Ansehen, die Bezahlung oder aber die Arbeitsbedingungen für unseren Beruf ändert. Ich gebe die Hoffnung nicht auf.“

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Trügerische Stille

17 Gedanken zu “Drei Intensivpfleger berichten: „Am Anfang wurden wir noch beklatscht, dann wurden wir vergessen“

  1. Wollte mich nachträglich bei den 3 Helden/in auf dem Bild und anderen Helden der Nation aus den Krankenhäusern/Pflegehemen entschuldigen, falls sie sich angegriffen/verletzt gefühlt haben durch mein Kommentar ;)
    Es entstand leider durch einen etwas voreilig geposteten Kommentar und war ein Missgeschick geleichzeitig, habe nur die Überschrift gelesen und nicht den ganzen Artikel :)
    Haltet weiter die Stellung und wünsche euch weiter alles gute für 2021und viel Kraft/Gesundheit gegen den unsichtbaren Feind ;)

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    1. Tyson/Feta, Ihre Einsicht kommt relativ spät. Aber besser als gar nicht. Wir möchten gerne glauben, dass Sie im neuen Jahr Besserung geloben.
      Wenn Sie sich jetzt noch bei allen Marktmitarbeitern und Marktleitern entschuldigen, welche Sie feige hinten rum bei den jeweiligen Unternehmen sowie hier im Forum (Stellvertretender Tegut-Marktleiter) nach Stasi-Manier denunziert haben, können wir Sie auch gerne von der Beobachtungsliste streichen. Kein Thema.
      Es liegt bei Ihnen.

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  2. Zwei Zitate von „Mike (Ohr ab!) Tyson“:

    28.12.2020 um 21:08 Uhr:
    „Die wahren Helden arbeiten in den Krankenhäusern/Arztpraxen und Heimen, dazu gehörst du nicht.“

    28.12.2020 um 21:15 Uhr
    „Was hast du denn erwartet das du jetzt zum Gott deklariert wirst nur weil du deine Arbeit machen musst wofür du auch bezahlt wirst?!“

    Zwischen beiden Statements liegen gerade mal 7 Minuten. Dieser Pöbel-Troll hat lediglich einen Zufallsgenerator zwischen seinen abgebissenen Ohren! Meine Meinung: Sollte man grundsätzlich sperren!

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  3. Sind 3000 € bis 4000 € Monatsbrutto zu wenig?

    Oder liege ich falsch, dass man ohne Zusatzausbildung in KR8 (TV-L KR) eingruppiert wird, mit der passenden Zusatzqualifikation (ich glaube 2 Jahre Weiterbildung) dann in KR9 ??

    Wenn nicht:

    KR-8 als Einsteiger sind 3056 € Monatsbrutto, ohne Zulagen für Nachtschichten und Sonderdienste, die ja on-top kommen. Nach 2 Jahren Erfahrung sind es schon 3205 €.

    Mit passender Zusatzqualifikation fängt man in KR-9 bei 3322 € zzgl. Zulagen an. Das geht dann hoch bis fast 4000 € zzgl. Zulagen.

    Hier als Quelle die Tariftabelle für 2020:
    http://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/tv-l/tr/2019?id=tv-l-kr-2020&matrix=1

    Ich denke, wenn man schon so oft in einem Artikel die Gehälter zur Sprache bringt, sollte man auch einen Anhaltspunkt geben wo die so liegen. Dann kann jeder Leser für sich entscheiden, ob er das als angemessen empfindet oder nicht.

    Dass es an Anerkennung der nichtmateriellen Natur mangelt, wundert mich. Ich kenne keinen, der nicht tiefen Respekt vor Menschen hat, welche solche Verantwortung schultern und sich tagtäglich mit Schicksalen konfrontieren, die einen bis in den Schlaf verfolgen können. Allerdings kommt man (zum Glück) selten in die Situation, dies zum Ausdruck zu bringen.

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    1. Die Brutto-Gehälter sind doch angesichts des sog. Mittelstandsbauchs überhaupt nicht aussagekräftig. Was bleibt denn einer Pflegekraft in Steuerklasse I von 3.200 Euro brutto übrig? Bei 1.166,12 € Abzügen ein Netto-Gehalt von 2.033,88 €!
      Den Pflegenden geht es im Übrigen nicht in erster Linie um das Geld, sondern um Arbeitsbedingungen, unter denen man selbst gesund bleibt und seine Aufgaben noch fehlerfrei bewältigen kann.

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      1. Brutto-Gehälter sind das einzig direkt Vergleichbare, da das Netto stark von den individuellen Lebensumständen des Einzelnen abhängt.

        Das Thema Geld ist mir beim Lesen ins Auge gestochen, da es bei zwei von drei Berichten am Ende genannt wird. Dabei hat es mich dann doch interessiert, auf welchem Niveau man sich denn bewegt – und war persönlich überrascht.

        Nehmen wir KR9 (bzw P9) Stufe 3 (also nach 3 Jahren Berufserfahrung inkl. Zusatzqualifikation) so kommen wir auf Jährlich 44560.17 € Brutto inkl. der Jahressonderzahlung. Nicht drin sind die 90 € Zulage für die Intensivstation, sowie Sonderzulagen für Nachtschichten, Wochenenddienste etc.

        Ich gönne es dem Personal von ganzem Herzen, aber es gibt Bereiche in der Pflege, die deutlich miserabler bezahlt werden und wo aus meiner sicht dringenderer Handlungsbedarf besteht als hier.

        Die teils unterirdischen Arbeitsbedingungen in Kliniken sind ein anderes und viel wichtigeres Thema – denn viele würden das auch für ein höheres Gehalt nicht mitmachen wollen.

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      2. Habe keine Probleme damit, dass jemand die Fakten nachprüft und es ganz genau wissen will. Stimmt auch: „Brutto-Gehälter sind das einzig direkt Vergleichbare, da das Netto stark von den individuellen Lebensumständen des Einzelnen abhängt.“
        Aber im Rückgriff auf das, was man leicht vergleichen kann, liegt ja gerade die Gefahr der Verzerrung. Mit dieser Methode werden ja grundsätzlich alle Normalverdiener reich gerechnet. Rentner schwimmen im Geld und der normale Malocher bei Porsche hat dann schon den Spitzensteuersatz. Nie ging es den Deutschen besser. Genau das ist der Statis-Trick, auf den die Öffentlichkeit reinfallen soll.
        Einen realistischen Eindruck bekommt man nur anhand konkreter Fallbeispiele wie der allein erziehenden Krankenschwester, die sich in Frankfurt oder München eine Wohnung mieten muss. Wer Zeit und Lust und die entsprechenden Datenquellen hat, kann ja dann eruieren, wie groß die Personengruppen sind, auf die die Merkmale der Fallbeispiele zutreffen. Aber die Mühe macht man sich eben nicht. Da werden beim Rentner eben nicht nur die Durchschnittsrenten aufgeführt, sondern die Standardrenten, auf die man kommt, wenn man 45 Jahre durchgehend voll gearbeitet hat. Und dann packt man noch die durchschnittliche Betriebsrente, die durchschnittlichen Rentenanteile des verstorbenen oder geschiedenen Partners, den durchschnittlichen Sparbuch-Stand, die durchschnittliche LV-Auszahlung und das durchschnittliche Immobilienvermögen aller Bürger ab 65 Jahren drauf. Hokuspokus, und ich habe die „Rentnergeneration Nerzmantel“, die ein Haus in Sun-City Florida besitzt und die Kreuzfahrtschiffe bevölkert.

        P.S.: Natürlich gibt es auch in der Pflege Hierachien und viele Mindestlöhner bei den niedriger qualifizierten Tätigkeiten, die besser bezahlt werden sollten. Das ist aber kein Grund, aus den besser Qualifizierten dann Großverdiener zu machen. Aber diese Vergleicherei und Gegenrechnerei ist doch auch schon wieder der Trick-Bereich: Seid zufrieden mit dem, was wir euch freiwillig geben, denn anderen geht es viel schlechter. Da wäre die Aufstockung, die natürlich auch hier nicht stattfindet, nötiger. Und so bekommen dann alle nichts.
        Dass die schlechten Arbeitsbedingungen in den Kliniken mehr Bewerber aus den Pflegeberufen fernhalten als die Höhe der Bezahlung, kann ich voll bestätigen. Siehe auch letzter Satz von „Nix gecheckt, Tobi“.

      3. Mit anderen Worten=um ausreichend Personal !
        Würde man die Würde der betagten BewohnerInnen ausreichend würdigen oder in KH der Pflegebedürftigen
        dann gäbe es in Hessen keine Personalschlüssel ( das Verhältnis der Pflegetätigen zu den Pflegebedürftigen ) von 1 zu + 20.
        Aber seit Pflegeheime wie z.Bsp. KI-Unternehmen an der Börse gehandelt wurden, war der Verfall der menschenwürdigen Pflege vorprogrammiert.
        Kapitalismus vor Kümmererkultur

  4. @Mike Tyson
    Die durch Covid verstorbenen Menschen würden gerne mit deiner armseligen Insolvenz tauschen und den Intensivpflegern lebend danken. Dir würde keine Seele nachweinen; gewissenloser Niemand. Mach dich vom Acker und meide Kliniken und Foren.

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    1. Du kleiner ANITMENSCH, brauchst mir keinen Moralapostel Laientheater vorspielen, mit deinem Pseudo Emotionalen Ausbruch :)
      Habe selber Sars Cov-2 Todesopfer in der Famillie, ich meide Kliniken aber Foren werde ich weiter besuchen, um dir auf den nerv zu gehen.

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      1. Der denunziantische Veganer FETA und MIKE TYSON sind übrigens ein- und dieselbe Person hier im Forum.

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  5. Was hast du denn erwartet das du jetzt zum Gott deklariert wirst nur weil du deine Arbeit machen musst wofür du auch bezahlt wirst?!
    Sei froh das du eine bezahlte Arbeit hast, andere haben ihre Verloren und müssen Inzolvenz anmelden.

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    1. Ein wirklich niederträchtiger Kommentar, der aber zum Alias-Namen passt. Ich kann es nicht nachvollziehen, wie man auf den obigen, sehr wahrhaftigen und gut nachvollziehbaren Bericht in einer derart „relativierenden“ Art und Weise reagieren kann. Eigentlich müsste man mit einem Aufschrei reagieren über einen derartigen Zynismus. Das betrifft nicht nur den Kommentar, sondern auch die Umstände, unter denen Pfleger und Ärzte auf den Intensivstationen unserer Krankenhäuser arbeiten müssen. Und das ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Wie viele Frauen, die jetzt daheim arbeiten, aber gleichzeitig auch noch den Haushalt, die Kinderbetreuung und den Unterricht der Schulpflichtigen stemmen müssen, arbeiten absolut am Limit. Wie viele pflegende Angehörige reiben sich auf zwischen Beruf, Familie und Schwerkranken- bzw. Seniorenbetreuung.
      Wie lange sollen diese menschenverachtenden Zustände noch andauern und schön geredet werden? Unser gesamtes Sozialsystem ist krank, weil man es den neoliberalen Austeritätspolitikern ausgeliefert hat. Lassen wir unseren „Volksvertretern“, die nur dem eigenen Gewissen verpflichtet sind und vom „Volk“ bestenfalls romantische Vorstellungen haben, ihr beschwichtigendes und schönfärberisches Gerede einfach nicht mehr durchgehen! Ja, wenn es notwendig ist, muss eben jeder seinen Beitrag leisten und höhere Steuern bzw. Kranken- und Renten- bzw. Pflegeversicherungsbeiträge entrichten. Aber schafft endlich, endlich soziale Gerechtigkeit und zumutbare Arbeitsbedingen gerade im Pflegebereich. Der Personalmangel in Krankenhäusern und Pflegeheimen ist die direkte Folge der unhaltbaren Arbeitsüberlastung.

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    2. @Mike Tyson

      Habe schon seit langer Zeit keinen so ekligen und unpassenden Kommentar gelesen wie diesen hier.

      Das ist meist die Sorte von Mensch, die den Schwanz einziehen würden, wenn sie das den Betroffenen direkt ins Gesicht sagen sollten. Aber hier großartig anonym herumpöbeln und Leute beleidigen, die in sozialen Berufen arbeiten, erfordert keinen Mut.

      Vielleicht hätte „Donald Trump“ noch besser als Ihr Nickname gepasst, der macht auch so „intelligente“ Aussagen .

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