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Zweite Station für Covid-Patienten geöffnetCoronavirus: Lage im Lauterbacher Eichhof weiterhin „extrem angespannt“

LAUTERBACH (ls). Im Krankenhaus Eichhof in Lauterbach wird es kein normales Weihnachten geben. Die Lage ist „extrem angespannt“. Fast dauerhaft befinden sich etwa 20 Covid-Patienten dort, manchmal sogar noch mehr. Mittlerweile wurde sogar noch eine weitere Station zur Covid-Station erklärt, sodass mehr Corona-Patienten behandelt werden können. Eine dritte Station ist in Planung.

Die Inzidenz im Vogelsberg ist in den letzten Tagen etwas gesunken, wenn sie auch weiterhin weit über dem Grenzwert von 200 liegt, bei dem nach dem hessischen Eskalationskonzept zur Eindämmung der Corona-Pandemie die „schwarze Stufe“ erreicht ist. Das heißt: Ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit und eine nächtliche Ausgangssperre. Bereits seit einer Woche gelten diese zusätzlichen Einschränkungen im Kreis, die Neuinfektionen bleiben dennoch weiterhin hoch und auch einige Altenheime im Kreis müssen größere Ausbrüche verzeichnen.

„Darauf kann es nur eine Antwort geben: extrem angespannt“, sagt Chefarzt Tobias Plücker auf die Frage nach der Lage im Lauterbacher Eichhof Krankenhaus kurz vor Weihnachten. Auf der Intensivstation werde zwar gerade nur ein Corona-Patient behandelt, der glücklicherweise nicht invasiv, also mechanisch, beatmet wird. Dennoch sei erst in der Nacht ein Patient aus einem anderen Landkreis, der im Eichhof behandelt wurde, verstorben. Vorsichtshalber werde ein Covid-Bett auf den Intensivstation freigehalten, alle anderen seien derzeit mit Nicht-Covid-Patienten belegt. Die Lage sei allerdings immer sehr dynamisch. „Das Pflegepersonal insbesondere arbeitet seit neun Monaten in einer Ausnahmesituation“, erklärt er. Zwar sei die Belastung im Sommer geringer gewesen, doch Corona sei nie weg gewesen, habe als „Damoklesschwert“ über allem geschwebt, wodurch man kaum habe abschalten können.

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„Jetzt ist die Situation natürlich dramatisch, vor allem die psychische Belastung. Wir haben die ersten Fälle unter Mitarbeitern. Teilweise sind die Infektionsketten nicht klar, es ist aber nicht auszuschließen, dass sich einzelne Mitarbeiter trotz aller Schutzmaßnahmen auch direkt bei der Arbeit angesteckt haben“, erklärt er. Das sei auch eine enorme emotionale Belastung. Insgesamt werde im Krankenhaus derzeit sehr viel getestet, auch beim Personal. Das führe dazu, dass man auch immer mal wieder positive Befunde erhalte, die man so nicht erwartet habe. „Das Virus ist inzwischen völlig diffus in der Bevölkerung verteilt“, sagt Plücker. Aus seiner Sicht hat die Gesellschaft die Kontrolle über die Pandemie verloren, die Dynamik in den letzten Wochen sei nicht absehbar gewesen.

Im Eichhof liegen in den letzten Woche meist um die 20 Covid-Patienten im Krankenhaus, manchmal seien es sogar noch mehr, berichtet Plücker. „Am Wochenende war dann die Patientenanzahl über die Notaufnahme so groß, dass wir eine weitere Station für Covid eröffnen mussten.“ Zwei normale Stationen für Covid-Fälle gibt es am Krankenhaus und natürlich die Intensivstation für besonders schwere Verläufe. Grund dafür sei vor allem gewesen, dass man viele Fälle im Haus hatte, allerdings wenig Entlassungen. „Daher waren wir gezwungen, unserere Kapazitäten zu erhöhen“, sagt der Chefarzt. Dazu habe man Ende letzte Woche eine weitere operative Station geschlossen, um Personalressourcen zur Verfügung zu haben.

Auch für die Weihnachtsfeiertage erwartet das Team keine Corona-Pause: „Ein ruhiges Weihnachten wird es im Krankenhaus nicht geben“, prognostiziert er. Der Dienst der Ärzte um Weihnachten wurde erweitert, gleichzeitig befasst man sich mit dem Szenario, eine dritte Covid-Station zu öffnen und auch die Krankenhaushygiene arbeite weiter. Besonders an der Tatsache, dass man im Eichhof über eine dritte Covid-Station nicht nur nachdenke, sondern diese relativ klar vorbereite, merke man, dass man mit einem Anstieg der Zahlen nach Weihnachten rechne. „Es wird einen weiteren Anstieg geben, dazu braucht man weder Kassandra noch Prophet zu sein“, sagt Plücker. Ein dritter Gipfel sei für Mitte/Ende Januar prognostiziert. Trotzdem hofft der Chefarzt, dass sich die langsam anlaufende Impfung und der Lockdown nach Weihnachten in langsam sinkenden Zahlen bemerkbar machen.

Ein „normales“ Weihnachtsfest wird es für das Team am Krankenhaus nicht geben. „Wenn ich einen Wunsch haben dürfte, wäre es, dass wir alle unsere Kontakte an Weihnachten so weit wie irgend möglich herunterfahren. Besuchen wir unsere Eltern, Kinder, Verwandten und Freunde wieder, wenn das gefahrlos möglich ist. Die Krankenhäuser und insbesondere das Pflegepersonal ächzt und stöhnt unter der Last, die die Pandemie uns aufbürdet. Wir als Gesellschaft müssen alles dafür tun, das es nicht zerbricht“, sagt Plücker. Sonst würden Szenarien Wirklichkeit, die er selbst im Frühjahr noch für völlig undenkbar gehalten habe.

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Ein Gedanke zu “Coronavirus: Lage im Lauterbacher Eichhof weiterhin „extrem angespannt“

  1. Hier hilft nur eins. Mehr IMPFDOSEN für Hessen. Nur 10.000 Dosen. Viel zu wenig. In
    Deutschland wird der Impfstoff hergestellt und in Amerika wird seid dem 17.11 sind dort bereits 1 Mio Menschen geimpft.

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