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Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) fordert Reduzierung der Grundwassergewinnung im Wald„Der Wald braucht sein Wasser zurück – es eilt!“

VOGELSBERG (ol). Noch nie waren die Waldschäden in den hessischen Wäldern so gravierend wie nach diesem Sommer. Die hessische Landesverband Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) fordert nun eine Reduzierung der Grundwassergewinnung im Wald und stellt ein Sparpaket auf. „Der Wald braucht sein Wasser zurück – es eilt!“, appelliert die SDW. Die Pressemitteilung im Wortlaut.

Vor einigen Tagen stellte die hessische Umweltministerin Priska Hinz in einer Online- Pressekonferenz Maßnahmen ihres Hauses gegen die massiven Waldschäden und nebenbei den aktuellen Waldzustandsbericht 2020 vor. Hierbei wurde erläutert, dass die Waldschäden noch nie so gravierend waren wie nach diesem Sommer.

So hat sich die Absterberate der Bäume in Hessen gegenüber dem langjährigen Mittel versiebenfacht, die starken Schäden haben auf 9 Prozent zugenommen und mit 28 Prozent Kronenverlichtung wurde der höchste Wert seit Beginn der Waldzustandserhebung (ehemals Waldschadensbericht) ermittelt. Der Bericht bescheinigt dem hessischen Wald den schlechtesten Vitalitätszustand seit 1984 (Beginn des Monitorings). Die SDW hat seit vielen Jahren vor dieser rasanten Entwicklung gewarnt.

Die von der Ministerin vorgestellten Gegenmaßnahmen betreffen vor allem den Landesbetrieb Hessen-Forst, der nach Jahren der Abführung von Gewinnen aus dem Holzverkauf an das Land seit letztem Jahr – auf Grund der massiven Einnahmerückgänge beim Holzverkauf-Landeshilfe bekommt. Hingegen sind die Hilfen für die privaten Waldbesitzer und Kommunen vor allem auf die Unterstützung bei konkreten Maßnahmen wie z.B. Wiederaufforstungen, Kulturpflege und Verkehrssicherungen vorgesehen.

„Wir rauben dem Wald das Wasser im Vogelsberg“

„Es sind in erster Linie der Klimawandel und die massive Erderwärmung, die unserem Wald zusetzen! Der Wald leidet massiv unter der großen Sommertrockenheit und den Temperaturen bis an die 40 Grad,“ ist auch Bernhard Klug, Landesvorsitzender der SDW Hessen, der Meinung. „Wir werden diese Entwicklung abstellen müssen, doch wird das nicht so schnell von statten gehen, wie das für den Wald nötig ist. Was wir aber können, ist den Wald durch eine Reduzierung der Grundwasserförderung zu entlasten, die bereits vor den Extremjahren 2018 – 2020 dem Wald an vielen Standorten zusetzte. Alleine im Hessischen Ried werden 40 Millionen Kubikmeter Trinkwasser für den Raum Frankfurt – Rhein-Main dem Ökosystem entnommen. Hinzu kommen 18 Millionen Kubikmeter Wasser für die Landwirtschaft, die Großteils in Form von verdunstungsreicher Beregnung verschwendet werden. Die Wassergewinnung im Wald muss dringend reduziert werden, denn dieses Wasser fehlt den Waldbeständen an vielen Waldorten in Hessen“, so Klug.

„Es wird Wasser abgepumpt was das Zeug hält, weil der Verbrauch für unsinnige Maßnahmen wie Golfplätze, private Schwimmbäder, großzügige Gartenbewässerung und grüne Rasenflächen so groß ist. Wir rauben dem Wald das Wasser im Vogelsberg, dem Hessischen Ried und dem Burgwald aber auch an vielen anderen Brunnen und wundern uns, wenn der Wald stirbt!“ kritisiert der Landesvorsitzende. „Und die grüne Umweltministerin geht mit keinem Punkt auf diese Problematik ein. Das ist sehr enttäuschend! Die deutlich abnehmenden Grundwasserneubildungsraten werden im Hinblick auf den Klimawandel von den Landesbehörden sträflich vernachlässigt. Es wird so getan als hätte man alles im Griff, doch die Ausrufung von Wassernotständen in Städten und Gemeinden hat deutlich zugenommen und wird – bedingt durch die Klimakatastrophe – weiter anwachsen.“

Die SDW fordert dringend ein massives Engagement der grünen Umweltministerin für eine nachhaltige, dem Klimawandel angepasste Hessische Wasserpolitik. „Die Probleme der Wasserversorgung werden mit Sicherheit nicht geringer, weder für den Wald noch für die Menschen, die sauberes Wasser benötigen. Seit bald fünf Jahren dreht man sich bei der Erstellung eines „Leitbild für ein nachhaltiges Wasserressourcenmanagement Rhein-Main“ im Kreis und produziert bisher nur ein Papier nach dem anderen, die von der Wasserlobby konterkariert werden. Die Ministerin muss hier mal auf den Tisch hauen und klare Vorgaben formulieren, statt der veralteten, naturunverträglichen Grundwasserbewirtschaftungsplanung anzuhängen“, fordert Bernhard Klug. „Bisher hat sich nichts geändert!“

Die SDW fordert umgehende Maßnahmen, um die Belastungen der Wälder durch die Wassergewinnung zu reduzieren und die Waldökosysteme im ganzen Land zu stabilisieren:

  • Erstellung eines umfangreichen Sparpaketes zur Reduktion der Trinkwassergewinnung durch Grundwassereinsparung.
  • Umstellung des Wasserpreises hin zu einem Bonus-Malus-System (wer viel verbraucht, zahlt auch mehr – wer wenig verbraucht, wird belohnt).
  • Nachweispflicht einer sparsamen, nachhaltigen und verbrauchsnahen Wassergewinnung bei der Aufstellung von B-Plänen für Kommunen sowie Einführung einer Zisternenpflicht bei Neubau und wesentlichen Umbaumaßnahmen von Gebäuden.
  • Reduktion der Wassergewinnung im Hessischen Ried, im Vogelsberg und im Burgwald und Ersetzen des Wassers durch verbrauchsnahe Trinkwasserbrunnen und durch Uferfiltrat des Rheins und des Mains (wie Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen).
  • Vorrang der Natura 2000-Richtlinie gegenüber der Grundwasserförderung im Ried.
  • Wiederaufnahme der finanziellen Förderung für Versickerungsanlagen, Zisternen und Etablierung von Brauchwassersystemen bei der Bauleitplanung und bei Baugenehmigungen.
  • Reduktion der ineffizienten landwirtschaftlichen Beregnung durch die Verpflichtung zu sparsamen Bewässerungssystemen.
  • Wiederaufspiegelung des Grundwassers in den stark durch Grundwassergewinnung geschädigten Wäldern und anderen Ökosystemen (Pfungstädter Moor).
  • Wiedereinführung eines Wassercents (Grundwasserabgabe) zur Sanierung der geschädigten Waldökosysteme.
  • Rückbau der Grundwasserförderung aus Tiefbrunnen im Zuge der Grundwasserbewirtschaftung.
  • Überprüfen der Arbeit der Wasserbeschaffungsverbände, ob sie im Sinne und zum Wohle der Allgemeinheit arbeiten und nachhaltig wirtschaften.
  • Neuorientierung des bisherigen Vorrangs der überregionalen, gewinnorientierten Grundwasserförderung hin zu einer nachhaltigen, umweltfreundlichen, klimaangepassten und sozialen Wasserpolitik durch den Hessischen Landtag.

Der Appell der SWD: „Der Wald braucht sein Wasser zurück – es eilt!“

7 Gedanken zu “„Der Wald braucht sein Wasser zurück – es eilt!“

  1. Prinzipiell gut, das sich was tut und einige Massnahmen gehen auch in die richtige Richtung.
    Wie mir allerdings scheint, setzt sich hier wieder die einseitige grüne Sicht durch: Klimawandel und böse Landwirtschaft werden als Hauptverursacher ausgegeben statt der simplen Tatsache, dass Frankfurt et al uns immer mehr Wasser abgraben und das ohne Entschädigung. Wenn dann hier Wasserentnahme-, Gießverbote für Gärten gelten und Touristikangebote wie Golfplätze trockengelegt werden, während in Frankfurt die grüne Stadträtin mit Vogelsbergwasser Rasen sprengen und Anwohner Bäume gießen lässt, läuft gewaltig was schief. Gleiches gälte für einen pauschalen „Wasserpfennig“ für alle, den wir dann ebenfalls zahlen und noch Wasser abgeben müssten.

    Wie schon bei Windkraft beutet die grüne Politik das Land systematisch gegen die Stadt aus, Schäden hier, Nutzen dort und verdreht die Folgen dann noch für einseitige Wahlaussagen. Wird Zeit, dass der Landtag auch mal die lämdlichen Interessen vertritt und die Stadt beauflagt, ihr Wasser selber vor Ort aus dem Main zu erzeugen.

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  2. als allererstes solle man mal aufhören ständig wälder abzuholzen und flächen zu versiegeln, sonst darf man sich nicht beschweren…

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  3. Die Politik kennt nur ein weiter so,erst wenn kein Wasser mehr da ist werden sie die Lösungen aus dem Hut Zaubern.Ich fürchte nur es wird zu spät sein.Nicht nur der Wald braucht das Wasser auch der Mensch kann ohne Wasser nicht Leben . Von den Indianern hätten wir es Lernen können,aber wir sind schon verblödet, wir glauben es gehe immer weiter so.

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  4. 🤔🙈😢…na dann, ist es ja umso mehr nachvollziehbar einen Autobahnbau im Wasserschutzgebiet durchzusetzen…
    Vielen Dank für den Artikel!

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