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Das Regierungspräsidium Kassel liefert die AntwortIst das Baden im Antrifttal-Stausee erlaubt?

ANGENROD (akr). Endlich ist er da: der Sommer. Bei Temperaturen rund um die 30 Gradmarke ist es kein Wunder, dass es viele Menschen ins kühle Nass zieht. Die einen bevorzugen einen Besuch im Freibad, andere wiederum sind eher der See-Typ. Nur wenige Kilometer von Alsfeld entfernt gibt es da zum Beispiel den Antrifttal-Stausee. Doch darf man in dem See überhaupt baden?

Der Antrifttal-Stausee ist ein beliebtes Ausflugsziel hier in der Region. Vor allem Spaziergänger, Wanderer und Angler zieht es an das Gewässer, das inmitten von Wald und Wiese im Naherholungsgebiet nur wenige Kilometer von Alsfeld entfernt liegt. Doch die von 1971 bis 84 erbaute Antrifttalsperre ist nicht zu Freizeitzwecken entstanden, sondern als Hochwasserschutzeinrichtung. Weil die Antreff und besonders die Schwalm oft starkes Hochwasser führten und dabei auch Großteile der angrenzenden Ortschaften überfluteten, wurde im Dezember 1962 der Wasserverband Schwalm gegründet.

Dieser Wasserverband errichtete damals drei Hochwasserrückhaltebecken – dabei entstand auch die Antrifttalsperre, die von nun an das überschüssige Wasser aus der Antrift beziehungsweise Antreff aufnehmen sollte. Während der südliche Teil des Sees zum Alsfelder Stadtteil Angenrod gehört, wird der nördliche Teil mit Staudamm dem Antrifttaler Ortsteil Seibelsdorf zugeschrieben.

Anhand der roten Linie kann man sehen, dass der südliche Teil zu Alsfeld und der nördliche Teil zu Antrifttal gehört. Darüber hinaus gehört der südliche Teil auch zum Naturschutzgebiet. Abbildung: Google Maps

Gerade im Frühjahr und Sommer ist an der Antrifttalsperre immer viel los. Die einen drehen ihre Runden zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Inlinern um den See, andere wiederum entspannen auf der Wiese und tauchen auch gerne mal am Uferbereich mit den Füßen ins kühle Nass ein. Aber wie sieht es mit dem Baden im Stausee aus? Ist das dort erlaubt oder nicht? Oberhessen-live hat bei der zuständigen Behörde, dem Regierungspräsidium Kassel, nachgefragt.

Gerade an warmen Tagen ist das kühle Nass verlockend. Foto: archiv

„Gemäß Paragraf 19 Abs. 1 Nr. 1 des hessischen Wassergesetzes (HWG) darf jede Person natürlich fließende Gewässer mit Ausnahme von Talsperren ohne besondere Zulassung oder Erlaubnis im Rahmen des Gemeingebrauchs zum Baden benutzen. Da es sich bei der Antrifttalsperre jedoch um eine solche Talsperre handelt, gilt die gesetzliche Badeerlaubnis hier nicht“, teilt das Regierungspräsidium auf Anfrage von Oberhessen-live mit.

Das treffe genauso auf alle anderen Benutzungen – ausgenommen das Angeln im Rahmen des Fischereirechts – zu. Eine Benutzung, wie zum Beispiel das Bootfahren, könne daher nur durch besonderen Bescheid der Wasserbehörde zugelassen werden. „Das Bootfahren wurde unter gewissen Beschränkungen auf Antrag des Betreibers des Seehotels durch das Regierungspräsidium zugelassen.“ Deshalb ist das Bootfahren dort auch erlaubt.

Für das Baden an der Antrifftalsperre wurde keine Zulassung beantragt oder gewährt, schreibt das Regierungspräsidium. „Daher ist das Baden am gesamten See nicht zulässig.“ Sprich: Da das Baden weder gesetzlich noch nur Bescheid zugelassen ist, ist es verboten. Dieses Badeverbot gelte am gesamten See, ohne Ausnahme und das bereits seit der Errichtung. „Da die Antrifttalsperre als Hochwasserschutzeinrichtung betrieben wird, keine ausreichende Wasserqualität aufweist und darüber hinaus zu einem großen Teil als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, dessen Betretung ohnehin verboten ist, kann auch zukünftig nicht mit einer solchen Zulassung gerechnet werden“, so das RP.

Auch die Gemeinde Antrifttal und Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule bestätigen, dass das Badeverbot für den gesamten See gilt. Unter einem Beitrag über den See auf Oberhessen-live hatten Leser in Kommentaren zuvor andere Meinungen vertreten.

Schilder weisen noch darauf hin, was im Landschaftsschutzgebiet nicht gestattet ist. Foto: Krist

12 Gedanken zu “Ist das Baden im Antrifttal-Stausee erlaubt?

  1. Das Seehotel räumt nur ihren Dreck weg. Der ganze andere Rest ist leider die Gemeinde Antrifttal für verantwortlich. Das weiß ich weil ich aus der Gemeinde komme. Die was jetzteine andere Meinung haben tut mir leid dann wissen diese Leute es nicht besser. Ich bedauere die Leute die diesen Dreck weg machen müssen macht weiter so Gemeinde Arbeiter super Leistung!

  2. Die Hinweisschilder (siehe Foto) sollten mal generalüberholt werden! Die Schrift zu klein, der Text zu lang, verrostete Schrauben, fehlende Buchstaben und mehr Klarheit darüber, was ein „offenes Feuer“ bedeutet, z.B. zählt der Grill auch dazu?

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    1. Nicht wenn es ein Elektrogrill ist,den Strom muss der kleine Grillmeister aber von Zuhause mitbringen, am besten in umweltfreudlichen Tüten

  3. Sehr gute Recherche. Was mir jedoch immer wieder sauer aufstößt ist die Tatsache, dass offene Feuer verboten sind (siehe Foto von Krist) und dennoch immer wieder Familien sich am Stauseeufer treffen (auch schön von Buschwerk umgeben) und werfen dann bei 35 Grad Celsius und offensichtlicher Trockenheit den Grill an. Hier ist es einfach nicht klar, ob das Grillen per se erlaubt ist, da es ja mehr oder weniger kein „offenes“ Feuer darstellt. Die Gefahr eines Brandes sehe ich hier dennoch als gegeben.

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    1. Der eine macht verbotenerweise Feuer, obwohl angesichts der Trockenheit immer und immer wieder darauf hingewiesen wird, welche Gefahren damit verbunden sind (siehe auch https://www.oberhessen-live.de/2020/08/07/verbotene-grillfeier-sorgt-fuer-kleinen-waldbrand/), der andere will die Gewässer als Toilette missbrauchen. Was geht in solchen Gehirnen vor? Natürlich ist ein Grill aufgrund seiner Bauweise „offenes Feuer“ (mit Ausnahme eines Elektrogrills), denn das sog. Brenngut kann durch Wind angefacht und Funkenflug ausgelöst werden, der dann die umgebende Natur in Brand steckt. Und warum soll man in unmittelbarer Nähe eines Hotel-Restaurants mit gepflegten Toiletten auch für Nicht-Gäste in den See pullern dürfen? Die Quarantäne-Maßnahmen scheinen eine Art Geistesverwirrung auszulösen. Pullert doch in euer eigenes Badewasser! Motto: In meiner Badewanne bin ich Quarantän (Kapitän). Offensichtlich entsteht gerade eine gesamtdeutsche Mauerpsychose: Urlaub nur noch in der Heimat, Rügen statt Rodos! Hier zwei schöne musikalische Belege (das doppelte Rügen) zur Aufheiterung:
      https://youtu.be/hoNzTXwlc7w
      https://www.youtube.com/watch?v=B1g3MxapIF4

  4. Endlich Klarheit und eine Zusammenstellung der Fakten, die man auch versteht! Der Gesamtsituation an der Talsperre dürfte das Badeverbot sogar nützen, nicht nur aus Naturschutz-Gründen. Einen wilden Badebetrieb rund um die Anlagen des Seehotels stelle ich mir nicht besonders attraktiv vor. Und den ganzen Dreck, den die Leute leider meistens hinterlassen, muss dann das Seehotel wegräumen – im Interesse eines gepflegten Erscheinungsbildes.
    Aber es ist schon auch eine Einschränkung. Man sieht das Wasser. Darf aber nicht rein. Ich könnte mir Outdoor-Whirlpools im Uferbereich mit Blick auf den See vorstellen, die Water-Feeling mit Mehrwert vermitteln und dem Seehotel zusätzliche Einnahmen verschaffen: Whirlpool mit Bewirtung und Seeblick! Das ist doch Luxus pur und wirklich ein Angebot, das es noch nicht gibt! Also wenn es dort sowas gäbe, säße ich schon im Auto. Man trifft sich dort mit Freunden, sprudelt und genießt vor sich hin! Herrlich! Dürfte sich bei einem Pauschalpreis von 80 Euro Poolmiete pro 2-Std. Aufenthalt (4er-Pool) voll amortisieren und der Gastronomie zusätzlichen Auftrieb geben.

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    1. Den Dreck hinterlassen einige unbelehrbare leider auch, wenn sie nicht darin schwimmen.

      Da würden nur hohe Strafen und hin und wieder ein wenig Kontrollen helfen. Es kann ja nicht so schwer sein, den Müll in die überall vorhandenen Mülleimer zu werfen.

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    2. Badevergnügen im Whirlpool, d.h. ohne Schwimmbad oder Badesee, dafür aber mit Speis‘ und Trank, gab es schon in den Badehäusern des 16. Jahrhunderts (http://www.maxi-schwaben.de/baiershofen-geschichte/html/badbrief1586.html).
      Minipools verzeichnen gerade Absatzrekorde (https://www.homify.de/ideenbuecher/6724321/7-unschlagbare-vorteile-eines-mini-pools) und finden als Freibad-Alternative sogar bei Heimwerkern manche Anhänger (https://www.fuldaerzeitung.de/fulda/seiferts-mobiler-pool-oeltank-philip-groesch-umbau-freibad-alternative-90016302.html).

  5. Vielen Dank für die ausführliche Recherche und Erläuterung. Man lernt stetig und auch im gesetzten Alter noch dazu 😉

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