Gesundheit0

Vortrag im Kreiskrankenhaus Alsfeld„Plötzlicher Herztod – wie kann ich mich schützen“?

ALSFELD (ol). Etwa 60 Gäste fanden kürzlich den Weg in die Krankenpflegeschule des Kreiskrankenhauses Alsfeld. Der Verein „Freunde und Förderer des Kreiskrankenhauses Alsfeld“ hatte den großen Schulungsraum der Krankenpflegeschule für einen informativen Vortragsabend hergerichtet. Der Vortrag fügt sich in die „Herzwochen“ der Deutschen Herzstiftung ein, die noch bis zum 30. November laufen und schwerpunktmäßig den plötzlichen Herztod und Herzrhythmusstörungen thematisieren.

In der Pressemitteilung des Krankenhaus heißt es, der Vortrag „Plötzlicher Herztod – wie kann ich mich schützen“ von Dr. med Jürgen Wilhelm, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Notfallmedizin und internistische Intensivmedizin am Kreiskrankenhaus Alsfeld (KKH) und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung, war der neunte, den der Förderkreis in diesem Jahr ausrichtete. „Ich freue mich, dass unser Saal heute Abend fast bis auf die letzte Stuhlreihe gefüllt ist und wir einen gefragten Experten auf dem Gebiet der Kardiologie für unsere Vortragsreihe gewinnen konnten“, sagte Holger Feick während seiner Begrüßung und gab das Wort an den Referenten Dr. med Jürgen Wilhelm vom KKH weiter.

Bis zu 129.000 Mal schlägt das menschliche Herz am Tag – eine Zahl, die den Besuchern ein Raunen entlockt und für Staunen gesorgt habe. Doch durch verschiedene Faktoren kann das Herz aus dem Takt geraten – eine große Gefahr, die zum plötzlichen Herztod führen könne, dem laut Zahlen der Deutschen Herzstiftung jedes Jahr in Deutschland je nach Schätzung etwa 65.000 bis 200.000 Menschen zum Opfer fallen würden.

Erste Symptome geben einen Hinweis darauf, dass Menschen an Herzrhythmusstörungen leiden, die gefährlich werden können. „Kurzatmigkeit, Klopfen in der Brust, Schwitzen, das Gefühl von Druck auf der Brust, Angst und Schwindel können Symptome sein“, führt der Experte aus. Wichtig sei dann eine gründliche Diagnose der Beschwerden. „Mittels Ruhe-, Langzeit- sowie Belastungs-Elektrokardiographie, oder EKG und sogenannte Ereignisrekorder, die längere Messzeiträume erlauben, können Hinweise auf bestehende Probleme liefern”, sagt Wilhelm. Auch vorher erworbene Grunderkrankungen können zu Herzrhythmusstörungen führen, wie der Mediziner weiter ausführt. Bluthochdruck, verstopfte Herzarterien oder Klappendefekte können für Taktfehler verantwortlich sein, wenn sie die elektrische Steuerung der Schlagbewegung durcheinanderbringen.

Häufigster Auslöser

Häufigster Auslöser für einen plötzlichen Herztod sei in 75 Prozent der Fälle die Koronare Herzkrankheit, die durch Unterversorgung von Herzarealen eine Kammertachykardie auslöst – das gefährliche Kammerflimmern. „Früh erkannt, lassen sich diese Beschwerden behandeln. Vorbeugung durch die positive Beeinflussung der Risikofaktoren ist allerdings besser“, rät der Herz-Experte. Auch eine asymmetrische Verdickung der linken Herzkammer oder eine Erweiterung der Herzkammer, würden neben verschiedenen sehr seltenen vererbbaren Krankheiten zu Kammerflimmern führen können.

Etwa 60 Besucher fanden den Weg ins Krankenhaus. Foto: KKH

Symptome können zu Ohnmachtsanfällen, Luftnot, Schwindel oder Schmerzen in der Brust führen. Engmaschige Kontrollen und ein gesunder Lebensstil seien dann angebracht, wie der Kardiologe sagt. „Auch Risikofaktoren wie Alkohol, Nikotin oder Koffein sollte man genauso vermeiden, wie Stresshormone, denn auch die belasten das Herz“, führt Dr. Wilhelm weiter aus. Bei Menschen, die im Alter von unter 40 Jahren, Herzprobleme entwickeln, sind es meist Herzmuskelentzündungen oder erblich bedingte Probleme. „Auch bei aktiven jungen Menschen ist es also sehr wichtig, gesund zu leben und seinem Herzen Aufmerksamkeit zu schenken“, sagt der Spezialist.

Schutz vor dem plötzlichen Herztod durch Herzrhythmusstörungen könne weiterhin auch ein Defibrillator bieten. Dieser erkennt Störungen, stimuliert das Herz, wenn es aus dem Takt gerät und dokumentiert Probleme. Auch sogenannte Ablationen können dabei helfen, den Rhythmus des Herzen wieder besser zu kontrollieren. „Manchmal kommt es vor, dass einzelne Herzzellen durch degenerative Veränderungen ‚denken‘, sie seien nun für elektrische Impulse zuständig und sorgen für Störimpulse. Diese werden beim 3D-Mapping lokalisiert und bei einer Herzkatheteruntersuchung verödet“, beschreibt Herz-Experte Wilhelm das Verfahren. Die sogenannte Ablation habe, je nachdem wie schwer die Grunderkrankung ist, eine bis zu 70-prozentige Erfolgsquote. „Der beste Schutz ist allerdings, die Herzkrankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen“, fügt Dr. Wilhelm an.

Der abschließende Teil seines Vortrages endete mit der Ermutigung, sich nicht zu scheuen erste Hilfe zu leisten. „Mutig sein und Handeln! Das Einzige, was Sie falsch machen können, ist keine Hilfe zu leisten“, appelliert Wilhelm an die Zuhörer. Die Herzdruckmassage erhält den Blutfluss aufrecht und bewahrt vor Schäden. „Auch ein automatisierter externer Defibrillator, oder AED, hilft im Notfall und kann den plötzlichen Herztod aufhalten.“

Nach einigen Fragen aus dem Plenum übernahm Holger Feick das Wort und wies auf den Vortrag „Wie gefährlich ist ein Bruch im Bereich der Wirbelsäule?“ hin, den Dr. Mostafa Beizai, Sektionsleiter Wirbelsäulenchirurgie und Facharzt für Wirbelsäulenchirurgie am KKH, am Dienstag, 3. Dezember, um 19 Uhr in der Krankenpflegeschule am KKH hält.