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Konkrete Vorstellungen zu den Windkraftanlagen - Bürgerversammlung am Dienstagabend in der Feldahalle in Groß-FeldaGenehmigungsverfahren zum Windpark Markhohl gestartet

FELDATAL (akr). Seit mittlerweile rund sechs Jahren ist er in Feldatal Thema: Der geplante Windpark Markhohl. Nach langen Diskussionen, Planänderungen und einem Bürgerentscheid gibt es jetzt konkrete Vorstellungen was die Windräder und den Stellplatz angeht – und die wurden am Dienstagabend in der Feldahalle in Groß-Felda den Bürgern vorgestellt.


„Seit 2016 der Bürgerentscheid stattfand, haben die Feldataler keine Informationen mehr zum Windpark bekommen – und darum sind wir heute hier“, eröffnete Feldatals Bürgermeister Leopold Bach die Versammlung in der Feldahalle, in der sich rund 40 Besucher eingefunden hatten. Doch bevor die konkreten Pläne vorgestellt werden sollen, zunächst ein kleiner Rückblick:

Bürgermeister Leopold Bach eröffnete die Bürgerversammlung. Fotos: akr

2013 stellte der ehemaliger Feldataler Bürgermeister Dietmar Schlosser in einer Bürgerversammlung seine Pläne zur Ansiedlung von Windkraft vor, denn dadurch sollte die klamme Gemeinde Feldatal finanziell entlastet werden. Danach starteten dann rege Diskussionen in der Gemeindevertretung und in der Bevölkerung. Auf der einen Seite gründete sich die Interessengemeinschaft Markhohl aus Grundstückseigentümern, um die Vorrangfläche weiter voranzubringen und zeitgleich bildete sich die Bürgerinitiative „Unser Feldatal“, die sich gegen diese Windkraftanlagen nördlich Groß-Feldas richtet. 2016 kam es dann zu einem Bürgerentscheid, der Pro-Windkraft ausging. Doch damals sah der Plan noch ein wenig anders aus, was die Anzahl und den Standort der Windräder angeht. Dazu aber später mehr.

Antrag im vergangenen Jahr eingereicht

Ende des vergangenen Jahres hat die Projektiererfirma „wpd onshore“ einen Antrag nach dem Bundes-Immisionsschutzgesetz (BImSchG) für drei Windenergieanlagen beim Regierungspräsidium Gießen eingereicht. Geplant sind die drei Anlagen im Wirtschaftswald an der Kreisstraße 125, südlich der B49 in den beiden Kommunen Feldatal und Romrod. Das stellte Lorenz Streckmann von der Projektiererfirma am Dienstagabend vor. Ein Windrad werde dann auf dem Gebiet der Stadt Romrod und zwei auf dem Gebiet der Gemeinde Feldatal stehen – sofern das Genehmigungsverfahren nach dem BImSchG abgeschlossen ist.

Lorenz Streckmann von der Projektiererfirma.

Das kann allerdings noch eine Weile dauern. „Dieses Jahr ist sehr wahrscheinlich nicht mehr mit einer Genehmigung zu rechnen“, erklärte Manfred Bender vom Regierungspräsidium Gießen. Denn dieses Verfahren ist ein langwieriger Prozess. „Jede Anlage bedarf einer Genehmigung zur deren Errichtung und Betrieb“, erklärte Bender – und ab einer Gesamthöhe von mehr als 50 Metern sind sie eben nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz genehmigungsbedürftig. Er ging beispielsweise auf die Akteure in diesem Genehmigungsverfahren ein, wozu unter anderem der Kreisausschuss, das Regierungspräsidium und weitere Behörden gehören.

Aber auch einige Voraussetzungen für eine Erlaubnis stellte er vor. So sei eine Genehmigung zu erteilen, wenn sichergestellt ist, dass schädliche Umwelteinwirkungen wie Lärm und Schattenwurf und sonstige Gefahren nicht hervorgerufen werden können und andere öffentlich-rechtliche Vorschriften wie das Bauplanungsrecht, Artenschutz, Standsicherheit und weitere dem Vorhaben nicht entgegenstehen.

Manfred Bender vom Regierungspräsidium Gießen.

Drei Windkraftanlagen à 241 Meter Höhe

Bei den Windenergieanlagen soll es sich um Vestas V-150, Windräder einer dänischen Firma, handeln. Die drei Anlagen sollen jeweils 241 Meter hoch sein, der Rotordurchmesser betrage 150 Meter. Da die Rotorblätter mit einer sogenannten „Sägezahnhinterkante“ ausgestattet sind, sollen sie besonders leise sein. Das habe auch die Schallimissionprognose – sprich der Lärmpegel der Anlagen – ergeben. Auch hinsichtlich der  Schattenimmisionprognose sollen alle Richtwerte eingehalten werden. Die Wohnbebauung werde kaum von einem Schatten durch die Windräder betroffen. Lediglich ein kleiner Teil von Schellnhausen könnte eventuell von Schattenschlag befallen sein.

Zu Beginn der Planungen im Jahre 2013/2014 sollte eigentlich ein Windpark bestehend aus sechs Windrädern entstehen. Doch Untersuchungen in Sachen Naturschutz führten zu geänderten Rahmenbedingungen. Im Bereich Markhohl konnten keine Windräder gebaut werden. Der Grund: Der geschützte Rotmilan hat dort am Waldrand und den Ackerflächen seinen Lebensraum. Das Offenland war also nicht mehr der passende Standort. Also musste ein anderer Ort gefunden werden – doch eine mögliche Stellfläche ist nur am Wald an der Bundesstraße 49 möglich.

„Das Projekt findet im Wald statt, aber der Eingriff in den Wald ist verhältnismäßig gering“, erklärte Streckmann. Man werde in den Nadelwaldbestand so wenig Eingriffe vornehmen, wie möglich. Doch das Land gehört nicht der Gemeinde, sondern HessenForst – somit wird die Haushaltskasse nicht wie erhofft finanziell entlastet, lediglich die Einnahmen der Gewerbesteuer wandern aufgrund der Standorte zu 2/3 nach Feldatal und zu 1/3 nach Romrod.

Wenig Fragen aus dem Publikum

Welche finanziellen Einnahmen die Gemeinde erwarte, war auch die erste von ein paar wenigen Fragen, die das Publikum gestellt hat. „Für die Gemeinde ist das leider unattraktiv. Mehr als die Gewerbesteuer fließt nicht in die Kommune“, sagte Bürgermeister Leopold Bach. Ein anderer Anwesender wollte unter anderem wissen, ob es in ein paar Jahren dennoch möglich sei, Windräder im zunächst geplanten Offenland zu errichten. Er ist nämlich einer der Landeseigentümer, der vor rund sechs Jahren einen Vertrag mit wpd onshore abschloss. „Wir geben die Offenlandflächen noch nicht auf“, antwortete Streckmann. Doch momentan könne man einfach aufgrund des Rotmilans dort keine Windkraftanlagen erstellen.

Einer des Landeseigentümer des zunächst geplanten Offenlandes.

Ein anderer Bürger ärgerte sich, dass die drei Windräder auf dem Land von HessenForst erbaut werden. „HessenForst darf nicht diktatorisch darüber verfügen, wer bauen darf und wer nicht“. Außerdem war er der Ansicht, dass die Bauarbeiten schon längst angefangen haben, da er „Rodungen“ bei den besagten Standorten gesehen habe. Streckmann betonte, dass HessenForst nicht darüber entscheide, dass es derzeit im Offenland einfach nicht möglich sei und dass das Genehmigungsverfahren gerade erst gestartet sei. Auch die „Rodungen“ sollen nichts mit den geplanten Windenergieanlagen zu tun haben.

Das bestätigte auch Hans-Jürgen Rupp, Leiter des Forstamts Romrod. „Es haben keine Rodungen stattgefunden“, sagte er. Es habe sich unter anderem um Fällungen beziehungsweise Aufarbeitungen von Bäumen gehandelt, die vom Borkenkäfer befallen waren. Zu guter Letzt wollte ein Anwesender wissen, wann mit der Inbetriebnahme der Anlagen zu rechnen sei. „Wahrscheinlich so in zwei, beziehungsweise zweieinhalb Jahren“, antwortete Bender. Doch bis es so weit ist, dauert es noch. Schließlich ist das Genehmigungsverfahren gerade erst an den Start gegangen.

Hans-Jürgen Rupp, Leiter des Forstamt Romrod.