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Schriftliche Zusage seit Januar - Magistrat soll Änderungsvertrag beschließenLudwigsplatz-Linden müssen doch nicht gefällt werden

EXKLUSIV| ALSFELD (ls). 2017 schlug die Nachricht hohe Wellen: Drei Linden auf der Verkehrsinsel am Ludwigsplatz sollten einem Schwertransport für Windräder weichen. Nun, die Folgenachricht dürfte für vergleichbaren Wirbel sorgen, denn wie sich jetzt herausstellt, müssen die Linden doch nicht gefällt werden. Darum bemühte sich die Stadt Alsfeld seit zwei Jahren – mit Erfolg, wie Bürgermeister Stephan Paule jetzt in einem Interview gegenüber OL einräumte. 


„Seit 2017 setzen wir alles daran, dass die Linden am Ludwigsplatz nicht gefällt werden müssen und das haben wir jetzt geschafft: Die drei Linden am Ludwigsplatz können stehn bleiben“, sagte Bürgermeister Stephan Paule im Gespräch mit Oberhessen-live. Die schriftliche Zusage dafür liege seit Januar vor. Der Magistrat solle den Änderungsvertrag beschließen, das Thema müsse nicht durchs Stadtparlament.

Zum Hintergrund: 2017 kam raus, dass die drei Linden auf der Verkehrsinsel am Ludwigsplatz einem Schwertransport für Windräder weichen müssen. Zwei der drei Linden sollten gefällt werden, eine versetzt. Seitens der Stadt hieß es damals, es gebe keine andere Alternative. Das war nicht ganz richtig, denn Oberhessen-live berichtete damals über eine Bladelift-Technik, die es ermöglicht, die Bäume unversehrt zu lassen und die Windradflügel trotzdem durch den Engpass zu bekommen. Zu einem Umdenken der Lokalpolitik führte das allerdings nicht. Die Linden sollten trotzdem weg.

Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule gab damals in einem Statement an, dass die drei Bäume aus Sicht von hinzugezogenen Landschaftsgärtnern nicht optimal stehen. „Durch zu große Nähe zum Straßenrand und zur wirklich alten, den Platz prägenden Eiche, hätten auch die beiden mittelgroßen Linden über kurz oder lang gefällt werden müssen“, hieß es weiter. Anberaumt war damals eine Fällung im Winter 2018, doch noch immer stehen die Linden. Auf Rückfrage bei der Stadt hieß es im Oktober, dass die Linden voraussichtlich Anfang 2019 – vor Beginn der Vegetationsperiode – gefällt werden sollen.

Am 1. März – also in knapp zwei Wochen – beginnt die Vegetationsperiode, in der es laut Bundesnaturschutzgesetz bis zum 30. September verboten ist, Bäume, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen. Doch die Linden auf der Verkehrsinsel stehen noch immer. Wie ein Informant gegenüber Oberhessen-live vor einiger Zeit äußerte, soll die ganze Aufregung um die Linden umsonst gewesen sein, denn wie es aussieht, müssten die Linden wohl doch nicht gefällt werden.

Auf Rückfrage bei Bürgermeister Paule, wann denn nun die Linden gefällt werden, wich dieser zunächst aus und verwies vor zwei Wochen noch auf eine baldige Pressekonferenz. Auch die Projektbauer des Windparks, die VSB Holding aus Dresden, verwiesen auf Anfrage von OL, wann denn nun die Linden dem Schwertransport weichen müssten, auf den gemeinsamen Pressetermin mit der Stadt.

Drehbare Achse als Lösung

Auf erneute Anfrage, einige Tage später, erklärte Paule jetzt: Die drei Linden können stehen bleiben. Doch wie kommt das? „Seit sich der Protest der Bürger über die Fällung formiert hat, haben wir auf den Projektbauer VSB eingewirkt, doch eine andere Lösung zu finden. Vor zwei Jahren, als das Projekt von VSB geplant wurde, sah man noch keine andere Möglichkeit“, erklärte er. Mittlerweile habe sich allerdings einiges getan, was bei einem Ortstermin mit dem Projektbauer und der Spedition im vergangenen Herbst deutlich geworden sei. Neuerdings würden die Schwertransporte nämlich mit einer drehbaren Achse fahren, die es mögliche mache, unversehrt an den Linden vorbei zu kommen.

„Wir haben also nach dieser Nachricht zusammen mit VSB geprüft und können jetzt mit Gewissheit sagen, dass die Linden nicht fallen müssen. Uns als Stadt war das ein sehr wichtiges Anliegen, weil und die Bemühungen und der Protest der Bürger sehr nahe gegangen ist und wir uns jetzt um so mehr freuen, dass wir den Bürgerwillen gerecht werden können“, sagte Paule. 1092 Internetnutzer hatten damals in einer Online-Petition den Erhalt der Linden gefordert.

Die Bemühungen der Stadt seien seit 2017 im Hintergrund gelaufen, da niemanden falsche Hoffnungen habe machen wollen. „Wir haben 2017 Prügel eingesteckt, aus der wir unsere Motivation gezogen haben, doch den Bürgerwillen durchzusetzen und haben seit dem alles dran gesetzt, eine glückliche Lösung zu finden. Das hat uns zeitweise ziemlich Zeit und Nerven gekostet“, stelle Paule nochmals heraus.

Nicht nur Zeit und Nerven, auch Geld dürfte die jetzige Entscheidung die Stadt kosten. Denn VSB hatte zunächst zugesagt, der Stadt für jede Linde einen „fünfstelligen Betrag als Entschädigung“ zu bezahlen, wie es damals hieß.

Doch nun können die Ludwigsplatz-Linden dort stehen bleiben, wo sie sind. Dennoch werde der Ludwigsplatz optisch aufgehübscht – im Zuge der Altstadtsanierung. Irgendwann könne es allerdings doch mal sein, dass die kleine Linde versetzt werden müsse, da sie den anderen Baum wachse, doch mit dem Schwertransport habe das nichts zu tun.

Und noch etwas betonte Paule am Ende. Die jetzige Entwicklung habe ebenfalls nichts mit der bald anstehenden Bürgermeisterwahl zu tun. Bereits seit der Unterschriftenaktion im Jahr 2017 habe man sich um diese Lösung bemüht – und nicht erst jetzt.

6 Gedanken zu “Ludwigsplatz-Linden müssen doch nicht gefällt werden

  1. Erstens ist doch mal eine gute Nachricht, dass die Linden und das Stadtbild bleiben. Zweitens ist es gut, dass in Alsfeld unter Mitwirkung von OLlive online Bürgerbegehren von der Politik ernst genommen und umgesetzt werden, gerade auch gegen die Windradlobby.

    Den Zynismus meiner Vorredner halte ich daher für völlig unangebracht. Genau DAS ist Populismus, wenn man der Politik erst mal Eigeninteresse unterstellt und zudem meint, direkt vom Parteibuch auf den Nutzen von Entscheidungen zu schließen. Es ist nicht automatisch ökologisch wertvoll, wenn Grüne den Kellerwald abholzen und Rotmilanschredder überall hinstellen wollen und es ist nicht ökologisch schlecht, wenn die CDU vermeidbare Baumfällungen verhindert.

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  2. Es ist doch immer wieder schön, was vor einer Wahl alles möglich ist oder auch nicht. Hoffentlich glaubt niemand daran, dass Herr Paule dies aus Liebe zu den Bäumen macht.

    Wie im Artikel zu lesen ist, hätten die Bäume „über kurz oder lang“ sowieso gefällt werden müssen. Warum tut man es dann nicht jetzt und streicht noch den „fünfstelligen Betrag als Entschädigung“ ein?? Das wäre doch wesentlich wirtschaftlicher gewesen oder hat man sich damals die Meinung der Landschaftsgärtner so gelegt wie man sie braucht?? Sehr sehr merkwürdig……

    Ich freue mich jedenfalls darüber, dass die Linden stehen bleiben können, aber sicherlich ist dies kein Verdienst von Herrn Paule. Bin gespannt, welche Nachrichten uns die nächsten Wochen noch erreichen werden. :-)

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  3. Gut gemacht @ STADT ALSFELD, Geld ist nicht alles im Leben.
    Karma wird euch anderswertig entschädigen/belohnen für die Entgangen entschädigungs €uros von der Baumfäller Lobby.

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    1. Ich komme nur noch hierher, um mich an den Kommentaren von Julius zu erfreuen. Hat ein bisschen was von einem Trashfilm. So dermaßen schlecht, dass es schon wieder dermaßen lustig ist.

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  4. Soviel zu Alternativlos!
    Außer der Wahrheit ist nichts alternativlos, hoffentlich auch nicht die Bürgermeisterwahl.
    Aufwachen CDU und UWA, ihr solltet besser aufpassen und nicht blind hinterherlaufen wie einst die SPD Herrn D.

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