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Eine Petition, viele Fragen und eine rege Diskussion über die Lindenerhaltung1092 Unterzeichner fordern Erhalt der Linden

ALSFELD (ls). Weiterhin gibt es keine Ruhe um die drei Linden am Alsfelder Ludwigsplatz. Am Freitag traf man sich im Schatten der Linden, um eine Petition zu überreichen. Dort waren Bürgermeister Stephan Paule, Martin Räther und Achim Spychalski-Merle von der UWA, Alexander Heinz von der CDU und Vertreter der Unterschriftenaktion. Ihre Forderung: Die Linden gehören zum Stadtbild und sollen bleiben. 1092 Unterzeichner gaben dafür Unterschrift.

Rückblick: Bei der letzten Alsfelder Stadtverordnetenversammlung im Juni stimmten die Stadtverordneten mit einer deutlichen Mehrheit für die Fällung der zwei Linden und dem Versetzen einer Junglinde auf dem Ludwigsplatz. Der Grund ist ein Schwertransport, der durch Alsfeld in Richtung Windkraftanlage nach Fischbach fahren soll. Für die Fällung bekommt die Stadt Alsfeld eine fünfstellige Summe als Entschädigung, die zur Neugestaltung der Verkehrsinsel genutzt werden soll. (Lesen Sie hier nochmal die ganze Geschichte um die Lindenfällung auf dem Alsfelder Ludwigsplatz)

Das Vorhaben sorgte schnell für rege Diskussion in den sozialen Medien und in der gesamten Stadt. Kurzerhand entschloss sich der Alsfelder und ehemalige Brünnchen-Wirt Hans-Georg Braun dazu, eine Online-Petition ins Leben zu rufen, die das Interesse der Alsfelder für den Erhalt der Bäume bekunden sollte. Wenige Tage später wurde auch in der analogen Welt für den Erhalt der Bäume geworben. In zahlreichen Alsfelder Geschäften lagen Unterschriftenlisten aus. Die wurden jetzt ausgewertet und dem Rathauschef passend unter den Ludwigsplatz-Linden überreicht. 1092 Unterzeichner hat die Forderung gefunden.

„Bis hier hin und nicht weiter“

„Es ist ein immenser Eingriff in das Stadtbild“, sagte Braun bei der Übergabe über den Plan, die Bäume zu entfernen. Die enorme Zahl der Unterschriften würde verdeutlichen, dass der Platz, so wie er jetzt ist, vielen Alsfelderinnen und Alsfeldern am Herzen liege. Es gebe alternative Möglichkeiten, um die Linden vor der Axt zu retten. Auch die anderen anwesenden Bürger schlossen sich dieser Meinung an. „Bis hier hin und nicht weiter“, hieß es aus den Reihen.

Bürgermeister Paule im Gespräch mit Bürgern, die die Linden retten wollen.

Bürgermeister Paule im Gespräch mit Bürgern, die die Linden retten wollen.

„Ich halte diese Lösung immer noch für die Beste. Alles andere haben wir geprüft und es ergibt in diesem Fall einfach keinen Sinn“, hielt Bürgermeister Paule dagegen. Eine erfolgreiche Versetzung der Bäume würde rund zwei Jahre dauern, wie Martin Räther sagte. Außerdem könne man bei einer Umpflanzung auch nicht sicher sein, dass die Linden das überstünden. Von Seiten der Petitionsunterstützer bekam der Diplom-Ingenieur Garten- und Landschaftsbau herbe Vorwürfe für diese Aussage zu hören. Räther sei nur an dem Geld interessiert, welches er durch die Umgestaltung des Platzes verdienen würde. Räther hatte auch schon eine der drei Linden vor wenigen Jahren für die Stadt auf der Insel neu gepflanzt und am Anfang der Debatte gesagt, dass man dort nie hätte einen Baum pflanzen dürfen.

Um den Bladelifter zu nutzen (ein Gefährt, das die Rotorblätter um die Bäume herum schwenkt) müsse man die Baumkronen radikal beschneiden und dabei gebe es keine Garantie, dass die Linden danach nochmal anständig wachsen würden, sagte Bürgermeister Paule. Außerdem gelte: Würden die Linden bleiben, würden sie der schützenswerteren großen Eiche schaden, indem sie in sie hinein wachsen und ihr Platz wegnehmen würden.

Das Umfahren der Verkehrsinsel von der anderen Seite sei aufgrund der Ausschwenkungen des Transports und einer engeren Kurve nicht möglich. „Da müsste man das Haus auf der gegenüberliegenden Straße versetzen“, ergänzte Alexander Heinz. Auch die alte Eiche müsse weichen. Bei der Route über die Ernst-Arnold-Straße gebe es Hindernisse. „Sie alle haben ihre Nachteile“, sagte Paule über die Alternativen. Die Fällung sei die beste Lösung, darauf bestehe er.

Musste sich herbe Kritik anhören: Martin Räther (rechts im Bild).

Musste sich herbe Vorwürfe anhören: Martin Räther (rechts im Bild).

Aussagen, die bei den Bürgern sowohl Verständnislosigkeit hervorriefen, als auch für großen Diskussionsbedarf sorgten: Ihm gehe es nur um das Geld, in Alsfeld könne man für Geld alles machen und die Fällung sei ein ganz schwaches Bild für die Stadt, waren nur einige wenige Kommentare in der Runde. Die Forderungen: Mehr Transparenz der Stadt, die Bäume kürzen oder umpflanzen – kurz: „Tut was für die Menschen und nicht gegen sie“, formulierte es ein anwesender Bürger.

Den grünen Gürtel in Alsfeld erhalten

Dazu hatte man auch eine Pflanzenexpertin mitgebracht, die wieder auf eine Schutzverordnung für Bäume hinwies: „Wir sollten versuchen, den grünen Gürtel in Alsfeld zu erhalten, nicht ihn zu zerstören“, war ihre Sicht der Dinge. Dazu leiste man Ausgleichspflanzungen, konterte die Gegenseite. Im Jahr, sagte Paule, fälle die Stadt um die Einhundert Bäume und pflanze mindestens die gleiche Anzahl an anderen Stellen neu. Dabei verwies er nochmals auf das Casino Carré, wo weitere Bäume in Planung seien.

Das tat der Verärgerung der Anwesenden keinen Abbruch: Man sei von der Politik enttäuscht und fühle sich nicht vertreten. Aus diesem Grund habe man sich für die Petition eingesetzt. Ob die allerdings wirklich etwas ändert, bleibt abzuwarten.

Blick nach oben: Eine der Linden, die gefällt, beziehungsweise gerettet werden soll.

Blick nach oben: Eine der Linden, die gefällt, beziehungsweise gerettet werden soll.

Die Stadt werde die Unterschriften erst einmal prüfen. Unterschriften von „Auswärtigen“ sollen zum Beispiel herausgesiebt werden. „Noch ist der Vertrag nicht unterschrieben. Ich wollte erst einmal die Petition abwarten und freue mich auch, dass so viele Bürger daran teilgenommen haben“, sagte Paule.

Nach der Prüfung werde nochmal ein Gespräch mit der Arbeitsgruppe der Petition gesucht. Außerdem sollen in einer Stadtverordnetenversammlung die unterschiedlichen Argumente nochmals abgewogen und alle Alternativen abgeglichen werden.

Am Ende bahnte sich schließlich doch noch kurz so etwas wie ein Kompromiss an. Die Bürger signalisierten, mit einer Umpflanzung der Bäume einverstanden zu sein. Im Nachgespräch sagte Bürgermeister Paule zu Oberhessen-live, die Stavo könne ihren vormaligen Beschluss in der Tat rückgängig machen. Mit Hinblick auf das Fällen der Linden  fügte er aber an: „Ich glaube, es wird trotzdem so kommen“.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, es seien 1029 Unterschriften gewesen. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung.

7 Gedanken zu “1092 Unterzeichner fordern Erhalt der Linden

  1. Ja klar,
    so geht Demokratie. Der Bürger zahlt und hält am besten das M…
    Das ist mittlerweile in diesem Staat an der Tagesordnung. Nur ja nicht auffallen, Zenzsur findet überall statt. Denk ich an Deutschland in der Nacht…………………… den Rest kennt man ja. Oder? Für mich sind Alsfelder, ganz egal wo sie leben und arbeiten Alsfelder. Ich bin auch nicht hier geboren und aufgewachsen, aber trotz und gerade deswegen liegt mir diese Stadt am Herzen. Jede Stimme dieser Petition zählt!

  2. Sind es 1029 oder 1092? Auf dem Blatt, welches Herr Paule auf dem ersten Bild in den Händen hält steht 1092 oder? ;-)

    1. Lieber Herr Bernhardt, vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den ärgerlichen Zahlendreher umgehend transparent korrigiert. Liebe Grüße aus der OL-Redaktion.

  3. Warum sollen Unterschriften von „Auswärtigen“ herausgesiebt werden ? „Auswärtige“ können ehemalige oder gebürtige Alsfelder sein, denen der Ludwigsplatz bestens bekannt ist. Ist man KEIN Alsfelder mehr, nur weil man aus familiären oder beruflichen Gründen wegziehen musste und nicht mehr in Alsfeld leben kann ? Ich könnte sonst wo wohnen – ich bin und bleibe ein Alsfelder !!

  4. Es ist doch eh beschlossene Sache,das die Linden gefällt werden. Ihr glaubt doch wohl nicht das sich da noch was ändert.

  5. Würde gerne mal wissen, wieviel Unterstützer der Petition sich für den Erhalt der Linden „online“ mal schnell für ein „JA“ entschieden haben ohne echt dahinter zu stehen. Zwischen „online mal schnell mit einem Klick“ dafür sein, weil Nachbarn, Freunde oder Bekannte animiert haben „mitzumachen“ oder sich wirklich intensiv mit der Thematik, den machbaren Alternativen unter Abwägung aller ernstzunehmenden Vor- und Nachteile für die Stadt und diesen Standort der Linden auseinandergesetzt zu haben sind oft „zwei Paar Schuhe“.

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