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Umfrage in eigener Sache: Wie sich der Onlinehandel auf den Einzelhandel auswirktWer kauft was, bei wem und warum?

ALSFELD. Amazon, Amazone, Ämazon. Egal wie man es aussprechen mag, jeder weiß, wer gemeint ist. Der große Onlinehandel, der böse Onlinehandel, der doch so praktische Onlinehandel. Aber was treibt die Leute eigentlich raus aus der Innenstadt und rein ins „World Wide Web“ und wie wirkt sich das auf den Alsfelder Einzelhandel aus? Dieser Frage widmet sich der duale Student Till Schmelz und ruft zur Teilnahme an seiner Umfrage auf.



Ob Prime-Rabatte, Wochenendangebote oder Cyberdeals: Online hagelt es gerade so von Rabatten. 50 Prozent hier, 80 Prozent dort. Zwei kurze Klicks und schon liegt das Produkt im Warenkorb. Eine Minute später ist es bezahlt, diesmal mit Express-Lieferung. Es soll schließlich schnell gehen. Am nächsten Tag klingelt der Postbote mit einem Paket an der Tür. Die Freude ist groß, das Grinsen zieht sich über das ganze Gesicht: So schnell geht das heutzutage.

Innerhalb von einem Tag zum Wunschprodukt, damit stellen Onlinehandelsgiganten wie Amazon, IKEA und H&M die Nerven des Einzelhandels vor eine harte Zerreißprobe. Die Kunden freuen sich, trotzdem gibt man es ungerne zu: Den städtischen Handel nicht fördern? Sowas tue man nicht. Was die Folgen vom Online-Kauf sind, das will sich niemand fragen.

Das Klagelied der Einzelhändler

Märchenhafter könnte das Tauziehen zwischen dem Online-Handel und dem Einzelhandel gar nicht sein. Über Jahre hinweg baute sich der Einzelhandel selbst auf, ein solides Haus, Stein auf Stein. Dann, als das Internet plötzlich nicht mehr nur noch aus niedlichen Katzenbildern und lustigen Videos von Stefan Raab bestand, kam der große, böse Onlinehandel und blies das Haus einfach weg. Am schnellsten kommen dabei wohl die Bilder des leerstehenden AEZ in den Kopf. 25 Jahre Einzelhandelsgeschichte, einfach weggepustet. Auch bei der Schließung der Tchibo-Filiale vor zwei Jahren habe der Internethandel seine Finger im Spiel gehabt. Der Aufschrei ist jedes Mal laut: „Wir können dabei nicht mithalten“, ist die einfache, sowie traurige Antwort der Einzelhändler.

Viele Ladenlokale in der Alsfelder Innenstadt stehen leer. Alle Fotos: Till Schmelz

In vielen Fällen ist ihnen Recht zu geben: Der Preiskampf ist hart, unmöglich zu gewinnen. Als Antwort auf den Cyberdeal ein 50 Prozent-Saison-Ausverkauf. Die Kunden kommen, aber die Umsätze bleiben gering. Diese Taktik solle aber auch nicht das Ziel des Einzelhandels sein. „Dass der Einzelhandel unter dem Preisdruck des Internethandels leidet, das kann keiner bestreiten. Mithalten ist für ihn dabei unmöglich. Gerade deswegen sollte er Wert auf Qualität und Einzigartigkeit legen. Nur so hat er eine Chance, langfristig zu überleben“, heißt es seitens der Wirtschaftsförderung. Das bedarf nicht nur Mut, sondern auch einer gehörigen Portion Risikobereitschaft. Gerade in Zeiten der Umsatzflaute sind Investitionen in das eigene Geschäft schließlich immer ein Tanz mit dem Teufel.

Online, ich? Niemals, nie!

Aber auch das Kaufverhalten der Kunden hat sich durch den Onlinehandel stark geändert – einiges zum Guten, einiges zum Schlechten. „Einige Kunden kommen in den Laden, lassen sich beraten und bestellen dann das Produkt im Internet“, so die Geschichte einer lokalen Einzelhändlerin. Ein Einzelfall ist das heutzutage nicht mehr – das sogenannte „Showroomen“ wird oft betrieben. Dass dadurch die Geschäfte der Innenstadt teilweise vor der Schließung stehen, davor verschließen die meisten Verbraucher die Augen. Schließlich könnte man die Preise im Einzelhandel nicht mehr bezahlen. Auch die Öffnungszeiten seien für die arbeitende Bevölkerung ein Problem – nach der Arbeit fehle Lust und Motivation zum Shopping in der Innenstadt.

Auf der anderen Seite ist der Online-Handel für einige Leute auch der Grund, im städtischen Einzelhandel zu kaufen. „Mir liegt etwas an der Stadt und daran, dass sie erhalten bleibt – dafür gebe ich auch gerne ein paar Euro mehr aus“, sagte ein Käufer. Denn an die Vorteile des Einzelhandels komme der Internethandel nicht heran. Zu schön sei es doch, die Ware vorher in der Hand haben, oder anprobieren zu können.

Tapfer sein bedeutet halbe Rettung

Wer nun Schuld ist am Abstieg des Einzelhandels ist eine nicht zu beantwortende Frage. Vielmehr ist wichtig, was getan werden kann, um ihn zu unterstützen. Denn was nicht jeder im Kopf hat: Knapp 25 Prozent der Jobs in der Region Alsfeld und Umgebung hängen am Einzelhandel. Wem man mit dem Onlineeinkauf schadet, darüber denkt man ungern nach. Der Familie, den Nachbarn, den eigenen Freunden – diesen Leuten wird mehr geschadet, als dem Einzelhandelsunternehmen selbst, denn wie jeder weiß: Am Personal wird zuerst gespart.

…und der Grund dafür liegt oft im Onlinehandel.

Genauso tapfer, wie der Kunde sein muss, ein paar Euro mehr auszugeben, muss auch der Händler sein. In sich selbst investieren, neue Kunden ansprechen und sich aus dem anscheinend sicheren Hafen des Bekannten herausbewegen: Tapfer sein bedeutet die halbe Rettung.

Eine Umfrage für Verbesserungsvorschläge

Was vielen jedoch fehlt, und dabei eine so einfache Lösung sein könnte, ist das Reden. Das Gespräch zwischen dem Kunden und dem Händler. Darüber reden, was der Kunde erwartet und was der Händler bieten kann. Viel zu oft ist es so, dass der Händler nicht weiß, was der Kunde will. Auf der anderen Seite weiß der Kunde nicht, was der Händler ihm bieten kann. Mit einer solchen Erkenntnis könnte der Handel sich an den Kunden anpassen und für ihn wieder interessanter werden.

Dafür existieren verschiedene Mittel, wie das direkte Gespräch mit dem Händler zu suchen oder an Umfragen teilzunehmen – wie an dieser, bei der sogar ein Erlebnis.Alsfeld-Gutschein gewonnen werden kann. Lokal kaufen ist also wichtiger als je zuvor. Nicht nur für den Handel, sondern für die ganze Stadt – denn wer will in einer Stadt leben, in der man von nichts leben kann?

Von Till Schmelz

Sie wollen an der Umfrage teilnehmen?
Hier finden Sie den Link zur Teilnahme.

Unter allen Teilnehmern wird ein Erlebnis.Alsfeld-Einkaufsgutschein verlost.

8 Gedanken zu “Wer kauft was, bei wem und warum?

  1. Das ist nun mal die Zukunft über das Internet einzukaufen und das wird auch keiner verhindern. Ich zb habe zwei Jacken im Internet bestellt,wofür ich im Geschäft für dieselben Produkte 50€ mehr bezahlen hätte müssen. Da ist doch wohl logisch,das ich diese im Internet bestellt habe.

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  2. @H.B.
    Sorry, aber es gilt immer noch der alte Satz: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt’s heraus!“
    Ich hatte diesbezüglich bis dato nämlich noch keine Probleme ;)

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  3. Nur ein Beispiel für online Bestellung. Habe einen Adapter für ein Netzteil gesucht. Bin in ein(nur noch einziges) Fachgeschäft gegangen.
    Null, auch kein Bemühen das Teil zu beschaffen. Im online Handel ca.3,00€
    versandkostenfrei. Wenn sich der Verkäufer bemüht hätte das Teil zu besorgen ,hätte ich aus Unwissenheit auch mehr bezahlt.Man hat fast keine Wahl mehr!

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  4. Sehr oft trifft man auf unhoefliche und genervte Verkäufer und Verkäuferinnen bei denen man sich gerne für die Störung entschuldigen würde.
    Weñn man in Alsfeld wirklich einmal auf nettes und kompetentes Personal trifft ist man schon fast erschrocken.
    Vielleicht sollten die Ladeninhaber auch darüber mal nachdenken.

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  5. @Patricia Rennhack
    Unter anderem dafür bietet Erlebnis-Alsfeld die Möglichkeit, vorab in/bei Geschäften zu recherchieren und ggf bestimmte Artikel bestellen zu lassen – man kann natürlich auch in den Geschäften nach dem gewünschten Artikel fragen: Nur redenden Menschen kann geholfen werden! :)

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  6. Manchmal würde man gerne einkaufen in Alsfeld aber teilweise unflexibel und man muss auch dann aufs Internet zurückgreifen weil es ganz bestimmte Artikel hier in Alsfeld einfach nicht mehr gibt

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  7. Ich bin durchaus schon mehrfach den umgekehrten Weg gegangen und hab mich im Web über infragekommende Artikel informiert, bis ich mich entschieden hatte und hab dann vor Ort gekauft.

    Entscheidend ist bei technischen Artikeln zB die Frage, ob dafür vor Ort auch Support vorhanden ist oder letztendlich das Gerät doch zum Hersteller eingesandt würde.

    Bei Bekleidung bzw Schuhen ist es schlicht die Möglichkeit des Anprobierens vor Ort, denn ich bin absolut nicht der Typ, der einkauft, um letztlich doch umtauschen zu können – oder die Ware war so preiswert (bzw gebraucht), daß ein Umtausch eh entfällt.

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