Die Bilder dürfen nur im Zusammenhang mit dem BUND zur Wildkatze verwendet werden.
"Achtung Wildkatze" - Die Population der Wildkatzen steigt gerade wieder in Deutschland. Foto: Thomas Stephan / BUND

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BUND Hessen ruft jetzt zu besonderer Achtsamkeit auf den Straßen aufWildkatzen auf Wanderschaft

REGION (ol). Junge Europäische Wildkatzen begeben sich in diesen Wochen auf die Suche nach neuen Revieren. Deshalb ruft der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Hessen jetzt zu besonderer Achtsamkeit im Straßenverkehr auf, insbesondere in waldreichen Gegenden wie dem Vogelsberg, Taunus oder Spessart. „Der Tod an der Straße ist die häufigste Todesursache der seltenen Wildkatzen“, so Susanne Schneider, Wildkatzenexpertin des BUND Hessen. „Für den Erhalt der Tiere in Deutschland ist das eine ernste Gefahr.“ Das geht aus einer Pressemeldung des BUND hervor.


Wildkatzen seien vor allem nachtaktive Tiere, die häufig in der Dämmerung und Dunkelheit jagen und wandern. „Durch ihre großen und sehr lichtempfindlichen Augen benötigen sie nur 1/6 der Lichtmenge, die ein menschliches Auge benötigen würde. Umso größer ist die Gefahr, durch Scheinwerfer, zumal bei Fernlicht, geblendet zu werden“, erläutert Susanne Schneider. „Mit der Zeitumstellung ist außerdem nun noch mehr Verkehr in den dunklen Tagesstunden auf den Straßen. Damit erhöht sich das Risiko für die seltenen Tiere nochmals.“

Der BUND rät deshalb: Besonders in waldreichen Gegenden und in der Dämmerungszeit, auf die Geschwindigkeitsbegrenzungen und Wildwechsel-Verkehrsschilder zu achten. Den Straßenrand rechts und links sollte man im Auge behalten. Darüber hinaus sollten Verkehrsteilnehmer nicht das Fernlicht aufblenden, wenn ein Tier zu sehen ist, sondern hupen.

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Auf Streifzügen – „Mehr Lebensraum für Wildkatzen!“ Foto: Thomas Stephan / BUND

Was tun beim Fund einer toten Wildkatze?

„Zuallererst sollte man auf seine eigene Sicherheit achten. Wer anhält, sollte den Unfallort mit dem Warndreieck kennzeichnen und die Warnweste anziehen. Und man sollte das Tier nicht ohne Handschuhe anfassen“, warnt Susanne Schneider vom BUND und rät: „Wer eine Kamera zur Hand hat, sollte aussagekräftige Fotos machen.“ Zudem dürfe der Kadaver auf keinen Fall mitgenommen werden, erläutert Schneider: „Zwar gilt für die streng geschützte Wildkatze ein Jagdverbot, sie ist aber trotzdem im Jagdgesetz aufgeführt. Nur der Jagdausübungsberechtigte darf sich daher das tote Tier aneignen.“

Doch wer sollte nun im Falle eines Falles informiert werden? In Hessen unterhalte das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in der Abteilung Naturschutz ein Totfundsammelnetz für die Wildkatze. Landesweit stehen Ansprechpartner in den Forstämtern und Behörden bereit, die sich um die Erfassung der toten Tiere und das weitere Vorgehen kümmern. Die Liste kann auf der Homepage des HLNUG heruntergeladen werden oder über den BUND Hessen bezogen werden. Gerne könne auch direkt der BUND Hessen unter den angegebenen Kontaktdaten informiert werden, der dann die richtigen Stellen informiere.

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Mit der Aktion „Mehr Lebensraum für Wildkatzen!“ möchte der BUND den Bestand der die nachtaktiven Samtpfoten sichern. Foto: Thomas Stephan / BUND

Die Wildkatze habe sich in den vergangenen Jahren in Deutschland weiter ausgebreitet. Auch in den waldreichen Gebieten Hessens wie unter anderem dem Vogelsberg, Taunus, Rothaargebirge, Kellerwald und im Hessischen Bergland sei die scheue Samtpfote heimisch. Der BUND setze sich für den Schutz der seltenen Art ein, indem er die Lebensräume wieder miteinander vernetze. Es würden Verbindungen aus Bäumen und Büschen, sogenannte „grüne Korridore“, zwischen Wildkatzenwäldern gepflanzt, die ihr Schutz und Deckung bei der Eroberung neuer Lebensräume böten. Nur bei einer gut vernetzten Landschaft hätten seltene Arten wie die Wildkatze eine langfristige Überlebenschance. Die Gefahren durch genetische Verarmung und die Anfälligkeit für Krankheiten oder harte Winter würden durch diesen Lebensraumverbund wesentlich gemindert. Das Generationenprojekt „Rettungsnetz Wildkatze“ des BUND ziele deshalb auf einen bundesweiten Verbund an Wäldern von insgesamt 20.000 Kilometern Länge ab. Nicht immer sei es möglich, die Waldverbindungen fernab von Straßen zu entwickeln. Umso wichtiger sei ein achtsames Verhalten der Autofahrer.

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Der Karte zeigt die Verbreitungsgebiete der Wildkatzen in Deutschland. Der komplette Vogelsbergkreis ist grün markiert. Grafik: BUND