Zentrale Veranstaltung am Haupttag des Prämienmarktes: die Tierschau. Fotos: awh

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Prämienmarkt mit Tierschau und Krammarkt – Tausende Besucher an HaupttagGute Laune am wichtigsten Markttag

LAUTERBACH (awh). Der dreijährige Johann Habermehl aus dem Stadtteil Allmenrod stand am Mittwoch stellenweise etwas staunend und auch bewundernd vor den vielen großen Tieren auf der Bleiche, denn er war absolut der jüngste und von der Körpergröße kleinste Teilnehmer bei der Tierschau beim 245. Lauterbacher Prämienmarkt. Die Tierschau, die vor über 300 Jahren wohl beim heutigen Busbahnhof mit einem Viehmarkt den Grundstock für den heutigen Prämienmarkt legte, hat sich zu einem einwöchigen Volksfest mit zehntausenden Besuchern entwickelt.

Vieh wird heuer bis auf Enten und Hühner nicht mehr gehandelt,
und in Zeiten des Internets und großer Konsumtempel deckt sich die Vogelsberger Bevölkerung auch nicht mehr am Krammarkt ihren Bedarf für das ganze restliche Jahr, aber dennoch waren in den Straßen der Innenstadt über 300 fliegende Händler und auch viele heimische Geschäftsleute mit Ständen vertreten und warben um Kundschaft.

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Der Krammarkt zog sich durch die ganze Lauterbacher Stadtmitte.

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Meist sonniges und etwas drückendes Sommerwetter lockte am Mittwoch viele tausend Menschen in die Vogelsberger Kreisstadt, so dass auch die große Bleiche mit vielen präsentierten und ausgezeichneten Tieren zu einem Publikumsmagnet wurde. Ganze Familie und auch einzelne Schulklassen zog es auf den Markt, und der Hauptttag erwies sich auch wieder als Gelegenheit, dass man Menschen trifft und sich im Vorbeigehen mal kurz austauscht, die man sonst das ganze Jahr über nicht sieht.

Auch die Prominenz, Bürgermeister, die Chefetagen der heimischen Kreditwirtschaft, die neuen Bierhoheiten, Land- und Stadtvolk, alle mischten sich unters Publikum und genossen das Marktgeschehen. Aus der viele hundert Kilometer weit entfernt gelegnenen französischen Partnerstadt Lezignan ist seit Montag bis Freitag eine achtköpfige Delegation mit Bürgermeister Michel Maique zu Gast.
Der Organisator der Tierschau, Wilhelm Vackiner vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen in Alsfeld war gegen 13.30 Uhr froh, als die Sieger mit ihren prämiierten Tieren in einer Reihe auf der Bleiche standen und ihre Auszeichnungen entgegennehmen konnten. Unter den frohgemuten Gästen und Besuchern auch MdL Kurt Wiegel, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, MdL Eva Goldbach (Bündnis 90 /Die Grünen) sowie Kreisstadt-Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller. „Ohne die landwirtschaftliche Leistungsschau ist der Prämienmarkt nicht denkbar“, betonte das gutgelaunte Stadtoberhaupt.

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Die Tierschau war eine Attraktion für Fachleute, große und auch kleine Besucher.

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Vollmöller zeigte sich sehr erfreut, dass die Stimmung unter den Gästen ausgesprochen gut und die Besucher sehr zufrieden seien. Bei der derzeit laufenden Diskussion um die Milchpreise zeigte er sich erfreut, dass sich viele Familien selbst vor Ort ein Bild von der züchterischen Qualität der Vogelsberger Landwirtschaft machten. Darüber hinaus betrieben die Landwirte noch Landschaftspflege. Auch sehr zufrieden mit dem Besuch der Tierschau war der oberste Vogelsberger Landwirt Kurt Wiegel. Er wünschte sich mehr Schulklassen bei der Tierschau.

Wiegel bedauerte es sich, dass die frühere Gewohnheit, dass ganze Firmen mit ihren Belegschaften am Hauptttag des Prämienmarktes gemeinsam gefrühstückt hätten und dann auf den Markt gegangen seien, heute ganz und gar nicht mehr gepflegt werde. „Die Landwirtschaft ist ein harter Beruf“, stellte Wiegel bei der Auszeichnung der Tiere und deren stolzer Besitzer fest. „Wir leben mit der Landwirtschaft, halten wir als ländlicher Raum zusammen“, appellierte er an alle Anwesenden.

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Auch die Brauerei-Chefin Ruth Herget-Klesper genoss das Markttreiben.

Die große Anzahl von Fleckvieh, Holsteinern, Fleischrindern, erstmals Galloway-Rindern, Kälbern, Pferden, Ponys, Schafen, Ziegen und Kaninchen zeigten dann doch auf, dass trotz massivem Rückgang von landwirtschaft-schaftlichen Betrieben die Landwirtsachaft im Vogelsberg doch nicht tot ist. Auch die kleinen Käfighühnern und -enten freuten sich in ihren Behältnissen sicherlich nicht nur über die vielen neugierigen Blicke von vor allem kleineren Besuchern, sondern auch über neue Besitzer, denn der Prämienmarkt wird doch noch häufig zum Kauf von Kleinvieh genutzt. Während des Tages war das Techische Hilfswerk Lauterbach schon mit dem Aufbau der abendlichen Wasserspiele an der Lauter beschäftigt, und das DRK drehte seine Runden, um im Ernstfall schnell Hilfe leisten zu können.
Alles in allem dürfte wohl der Hauptttag in diesem Jahr auch angesichts der Witterung seinem Namen alle Ehre gemacht und auch nicht wenige zufriedene Gesichter zurückgelassen haben. Dazu gehört sicher auch der kleine Steppke Johann Habermehl, der sich auf Bitten des Fotografen schon recht fachmännisch neben den kleinen Kälbchen präsentierte.
Beim Schätzwettbewerb für jedermann, bei dem das Gewicht des Bullen „Highland“ möglichst genau erraten werden musste, lagen die Schätzwerte der rund 400 Teilnehmer zwischen 1,25 und 2026 Kilogramm  weit auseinander. Beim richtigen Gewicht, nämlich 1140 Kilogramm, lagen Besucher aus dem benachbarten Alsfeld, meist mit der Nase vorn. Über Geschenk-Gutscheine dürfen sich deshalb Christian Bender aus Lauterbach, Dirk Ritter, Erika Ritter und Günter Ritter aus Alsfeld, Knut Schwalm aus Lingelbach, Dietmar Schneider, Ramona Schneider, Lea Schneider und Vanessa Schneider (alle Alsfeld) freuen.

Weitere Eindrücke:

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