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"Jahresausblick 2022" Interview mit Grebenaus Bürgermeister Lars WickeWicke: Netto-Markt war „einzig richtige“ Entscheidung

GREBENAU (akr). In diesem Jahr stehen in Grebenau einige Projekte auf der Agenda: Sei es das IKEK, die Ausweisung eines neuen Baugebietes oder aber eine grundhafte Straßensanierung. Ob das in dieser schwierigen Pandemiezeit aber alles so klappt, wie es sich Bürgermeister Lars Wicke erhofft, ist ungewiss. Doch die Hoffnung ist da, denn das Glas des Rathauschefs ist grundsätzlich immer halb voll anstatt halb leer, wie er im Jahresausblick-Interview mit OL erzählt.

2021, und somit das zweite Pandemiejahr, ist vorbei. Für Grebenaus Bürgermeister Lars Wicke war das vergangene Jahr aber dennoch erfolgreich, was mitunter an der Kommunalwahl lag, die im März auf dem Programm stand. Das Ergebnis, das die Freien Wähler erzielen konnten, ist aus seiner Sicht „hervorragend“ gewesen. Die Menschen hätten die Arbeit von ihm und der Fraktion anerkannt und honoriert.

Für den Rathauschef war 2021 aber nicht nur ein erfolgreiches, sondern auch ein ruhiges und gleichzeitig zukunftsorientiertes Jahr. Viele Termine konnten durch die Pandemie nicht stattfinden. „Seit zwei Jahren war ich nicht mehr auf einem runden Geburtstag oder auf einer goldenen Hochzeit, das sind so Begegnungen, die ich als Bürgermeister sehr gerne wahrnehme und mir dafür auch gerne die Zeit nehme, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen“, erzählt Wicke.

Das gesellschaftliche Leben im Gründchen verlief zwar coronabedingt deutlich ruhiger, aber was die Zukunft der Kommune angeht, wurden die Füße keineswegs still gehalten. Es wurde nach vorne geschaut, denn es gibt einige Maßnahmen, die in Grebenau in diesem Jahr auf der Agenda stehen – „mit der Hoffnung, dass man die Projekte auch umsetzten kann, die man sich vorgenommen hat“, sagt der Grebenauer Bürgermeister.

Vom Netto-Markt und der Dorferneuerung

Eines dieser Projekte ist der Neubau des Netto-Marktes. Hier hat die Stadtverordnetenversammlung im vergangenen Jahr grünes Licht gegeben, im Oktober haben schließlich die Erdarbeiten begonnen, bald könne der Rohbau folgen. Eine Fertigstellung sei für Oktober anvisiert. „Hier wird es wahrscheinlich aber auch ein Problem mit dem Baumaterial geben“, erzählt Wicke. Der Netto-Markt soll nämlich in einer Holzständerbauweise errichtet werden. „Gerade wenn es um Leimhölzer geht, gibt es Lieferverzögerungen. Ich bin gespannt, ob die Bauherren das so umsetzen können.“

Der neue Lebensmittelanbieter wird laut Wicke auf längere Sicht die Lebensmittelversorgung im Gründchen sicherstellen – „das A und O für eine Kommune unserer Größe.“ Auch wenn es Misstöne in den städtischen Gremien gegeben hat, bereut Wicke diese Entscheidung nicht. Es sei die einzig richtige gewesen.

Ein Blick auf die Baustelle des künftigen Netto-Marktes. Foto: privat

„Es geht um die Allgemeinheit, darum, dass die große Mehrheit einen Vorteil von der Entscheidung hat, da stehe ich auch zu“, betont er. Vielleicht, so Wicke, komme dadurch auch neue Kaufkraft ins Gründchen. „Wenn alle, die bisher vor Ort eingekauft haben, das weiter tun, und alle, die bisher nach außerhalb gefahren sind, nun den neuen Markt nutzen, dann gibt es in Grebenau nur Gewinner“, zeigt sich der Bürgermeister zuversichtlich.

2022 wird Grebenau auch noch das IKEK begleiten, also das integrierte kommunale Entwicklungskonzept, denn die Kommune wurde bereits 2020 in die Dorfentwicklung aufgenommen. Aktuell befinde man sich mit der Erstellung des Konzeptes in der finalen Phase, ehe es dann anschließend an die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen gehe. „Das Spielfeld der Maßnahmen ist ganz weitläufig“, erzählt er.

Dazu zählt beispielsweise die Verbesserung der baulichen Zustände öffentlicher Gebäude, ein „gründchenweites“ Radwegenetz, das auch die Nachbarkommunen mit einbezieht oder aber ein Wanderwegenetz. „Das Ganze aber natürlich immer mit dem Blickpunkt der Finanzierbarkeit, das darf man ja nicht vergessen“, erklärt der Bürgermeister – auch wenn es der Kommune gelungen sei, seit 2015 ausgeglichene Haushalte vorzulegen.

Auf ihrer Sommertour übergab die hessische Staatsministerin Priska Hinz dem Grebenauer Bürgermeister Lars Wicke die Urkunde für die Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm. Foto: tsz

Die größten Projekte in Grebenau

Vier Schwerpunkte sind es in diesem Jahr, die die städtischen Finanzen belasten werden. Dazu zählt eben nicht nur das IKEK und die Umsetzung der Projekte, „wobei sich das im ersten Umsetzungsplan eher auf die Planungskosten beschränken wird“, sondern auch die grundhafte Erneuerung der Straße „Am Berg“ samt Kanälen und Gehwegen in Zusammenarbeit mit Hessen Mobil. „Da sind wir deutlich über eine Millionen Euro.“

Eine Millionenschwere Belastung für die Stadtkasse wird auch die Erschließung des Neubaugebietes „Am Grabborn“ sein. Das Thema Wohnraum ist nämlich auch in Grebenau ganz groß. Regelmäßig würden Anrufe im Rathaus eintrudeln, ob die Stadt nicht Wohnungen zu vermieten oder Kontakt zu Vermietern hätte, gleiches gelte für die Nachfrage nach Immobilien, die zum Verkauf stehen.

„Der Markt hat sich in den letzten acht Jahren massiv verändert“, betont Wicke. Er erinnert sich, dass zu seinem Dienstbeginn etwa 30 bis 40 Häuser zum Verkauf gestanden hätten, nun würde er den Markt fast als leergeräumt bezeichnen, denn Menschen aus ganz Deutschland würden sich im Gründchen ihre neue Heimat suchen wollen. 30 neue Bauplätze will die Stadt an den Markt bringen – „direkt in Grebenau, wo man alles fußläufig erreichen kann.“

Wenn Grebenau dann auch flächendeckend mit Glasfaser ausgebaut ist, sei das wiederum auch ein Standortfaktor, der die Bauplätze ein Stück weit interessanter mache. „Die Tiefbauarbeiten in Grebenau direkt sind weitestgehend abgeschlossen“, erzählt Wicke. Aktuell würden die Arbeiten in Wallersdorf und Eulersdorf laufen. Zum Sommer hin, vielleicht auch Herbst, könnten alle Arbeiten abgeschlossen sein.

Im Februar vergangenen Jahres hat der TNG-Glasfaserausbau in Grebenau begonnen. Foto: tng

Ebenso auf Vordermann gebracht werden muss in Grebenau die Wasserversorgung, denn die stammt noch aus der Zeit vor der Gebietsreform, ist so Pi mal Daumen um, beziehungsweise über, 60 Jahre alt. Hier bestehe einfach Handlungsbedarf. „Sie funktioniert zwar noch gut, kann aber dauerhaft nicht so bleiben“, betont der Gründchen-Bürgermeister.

Diese Umsetzung der Maßnahmen, das werden laut Wicke die größten Herausforderungen sein, die auf Grebenau zukommen. „Wenn wir irgendwo bauen, dann geht das immer mit Umleitungen und Umwegen einher“, erzählt er. Bis zur Fertigstellung sei es dann schon ein langer weg.

Die Pandemie als Begleiter

Und dann bleibt immer noch die Frage im Kopf: Wie geht es mit der Pandemie weiter? „Mir fällt es momentan schwer, etwas zu planen“, gibt er zu. Es sei schwierig, Dinge auf die Beine zu stellen, beispielsweise Dorfjubiläumsfeiern, die in der Vergangenheit eigentlich hätten gefeiert werden sollen. Lange Planungen und die dann plötzlich absagen müssen, da sei Wicke eher zurückhaltend. „Ich bin mir nicht sicher, was das Richtige ist, wenn es um Planungen von solchen Festivitäten geht, die viele Menschen ins Gründchen locken“, erklärt er. „Ich bin einfach gespannt, wie es mit der Pandemie weiter geht.“

Wicke ist aber guter Dinge. Er ist jemand, der immer versucht positiv zu denken. Sein Glas ist nicht halb leer, sondern halb voll – an den meisten Tagen jedenfalls, sagt er. Wenn nicht, dann müsse es schon ganz schlimm kommen. „Haben wir es heute nicht gepackt, müssen wir es morgen versuchen“, beschreibt er seine Einstellung.

Hoffnungsvoll blickt er auch auf das zweite Augustwochenende, denn dann plant die „Tour der Hoffnung“, bei der Menschen zur Unterstützung von krebs- und leukämiekranker Kinder in die Pedale treten, Station in Grebenau zu machen. „Ich bin guter Dinge, dass wir da einen wunderbaren Empfang machen können.“ Im Sommer sei schließlich immer ein bisschen mehr möglich, sodass Wicke hofft, bei gutem Wetter eine schöne Zeit verbringen zu können.

Für 2022 wünscht sich der Grebenauer Bürgermeister persönlich aber vor allem, dass die Menschen gesund bleiben. Ganz besonders natürlich die in seiner Umgebung, Familie, Freunde, Bekannte. Die Menschen sollen verschont bleiben von langen Krankenhausaufenthalten oder Intensivstationen. Ein weiterer Wunsch des Rathauschefs ist, dass die Projekte ein gutes Stück weit voran gebracht werden. „Ich weiß, dass wir nicht alle umsetzen können und werden“, sagt er. Für 2023 werde auch noch Arbeit da sein. „Aber wir haben ja auch noch ein bisschen Zeit.“ Die sollte man sinnvoll nutzen.

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