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So wurde in Alsfeld gewählt - und das sind die neuen StadtverordnetenAlsfeld: Junge Gesichter, absolute Mehrheit und der Verlust der SPD

ALSFELD (ls). Alsfeld hat gewählt: Seit Dienstagabend stehen die Ergebnisse fest – und besonders die städtische CDU dürfte sich freuen. Mit 52,28 Prozent konnte sie die absolute Mehrheit holen und kann künftig 19 Sitze im Stadtparlament besetzen. Das sind die Endergebnisse, Besonderheiten bei der Wahl – und diese Stadtverordneten könnten in den kommenden fünf Jahren die politischen Belange der Stadt lenken.

Schon bei der vergangenen Wahl in 2016 war die CDU die stärkste Kraft in Alsfeld – 2021 hat sich das Ergebnis nicht nur bestätigt, sondern sogar verbessert: Mit 52,28 Prozent haben die Alsfelder Christdemokraten die absolute Mehrheit geholt und könnten damit alleine regieren. Die SPD als zweitstärkste Kraft in der Stadt musste allerdings einige Stimmen lassen – und muss insgesamt drei Plätze im Stadtparlament räumen, die den anderen drei Fraktionen zugute kommen. Von 31,93 Prozent in 2016 fallen die Sozialdemokraten in der Stadt auf 25,54 Prozent und verlieren damit über sechs Prozent. Dennoch bleiben sie die zweitstärkste Kraft.

Ein kleiner Rückblick auf die Zeit vor 2016: Bei der Kommunalwahl in 2006 gab es in Alsfeld sogar noch eine SPD-Mehrheit mit 42,49 Prozent und auch in 2011 machte die SPD mit 41,47 Prozent das Rennen. Damals konnte die CDU selbst nur 35,85 Prozent holen. Erst mit der Wahl in 2016 und nach der Wahl von Stephan Paule zum Bürgermeister der Stadt in 2013 wandte sich das Blatt zugunsten der CDU.

Der bisherige Koalitionspartner der CDU, die UWA, konnte mit 12,62 Prozent nicht nur ein leichtes Plus im Vergleich zu 2016 machen, sondern außerdem einen Sitz mehr im Parlament ergattern. Auch die ALA konnte im Vergleich zu 2016 über ein Prozent und auch einen Sitz mehr im Parlament holen.

Was würde eine absolute Mehrheit nun bedeuten? Ganz allgemein gesprochen heißt das, dass die CDU mit über 50 Prozent aller Stimmen mehr Stimmen bekommen hat als alle anderen drei Listen zusammen. Damit bekommen die Christdemokraten nicht nur die meisten Plätze im Parlament, sondern wären auch alleine fähig zu regieren, also ohne Koalition wie seit 2016 mit dem Koalitionspartner der UWA.

„Das heißt aber noch nicht, dass wir nicht mit allen anderen Parteien reden. Wir werden uns jetzt erst einmal sammeln und schauen, wer von uns überhaupt reingewählt wurde und reden dann mit allen Parteien im Stadtparlament über Alsfelds Zukunft“, erklärte Bürgermeister Stephan Paule am Dienstagabend gegenüber OL.

Bei der Koalitionsfrage muss eine Sache allerdings beachtet werden: Die 19 Stadtverordneten der CDU müssten immer anwesend sein, damit die Mehrheit bestand hätte. Würden beispielsweise zwei Vertreter fehlen, dafür allerdings bei den drei Oppositions-Listen alle Vertreter anwesend sein, könnten die 18 Oppositionsvertreter die CDU überstimmen.

So verteilen sich die künftigen Sitze im Alsfelder Stadtparlament: 19 Sitze gehen an die CDU, 9 an die SPD, 5 an die UWA und 4 an die ALA. Grafik: votemanager

Als Grund für den guten Zuspruch für die Christdemokraten sieht Paule „die breite Mannschaft an Kandidaten“, die aufgestellt wurden. Besondere Ziele, so erklärte es Paule bereits am Sonntagabend, seien für Alsfeld die Schaffung von Wohnraum und Arbeitsplätzen, die Gewerbegebiete, die Entwicklung der Stadt- und Ortsteile, aber auch der Neubau der Kita und die Gesundheitsversorgung mit Blick auf den Neubau des Krankenhauses.

Die SPD hingegen geht als Verlierer aus der Wahl: Lediglich in Elbenrod und in Angenrod konnte die Partei eine Mehrheit gegen die CDU holen und muss durch den Stimmverlust drei Plätze im Parlament abtreten. „Wir verlieren ein Drittel unserer Sitze und somit auch etwas Einfluss“, erklärte SPD-Vorsitzender Christoph Stüber. Man habe sich als SPD nicht genug gegen die CDU profilieren können, sagte er. „Das ist bitter.“

Dennoch liege man mit dem Ergebnis in Alsfeld knapp über dem Kreistrend und auch seien einige Alsfelder Vertreter in den Kreistag gewählt worden. Das Ergebnis in Alsfeld nehme er gerade aufgrund des Verlusts als weiteren Ansporn für die künftige Arbeit des Sozialdemokraten in der Stadt. „Durch die absolute Mehrheit wird sich nicht allzu viel verändern, denn schon vorher gab es zwischen CDU und UWA sehr viel Übereinstimmungen“, erklärte Stüber. Ziel sei es weiterhin konstruktiv mit der CDU zusammenzuarbeiten. „Man kann nur mit der CDU regieren“, bestätigte Stüber nochmals seine Worte aus dem OL-Talk zum Wahlkampf.

Verschiebungen auf den Kandidatenlisten

Paule selbst konnte als Spitzenkandidat der CDU insgesamt 7.886 Stimmen holen – die meisten Stimmen überhaupt – und nochmal fast 700 Stimmen mehr als noch in 2016. Die zweitmeisten Stimmen bekam CDU-Kandidat Alexander Heinz mit 4.165 Stimmen. Tobias Behlen beispielsweise trat für die CDU auf Platz 11 an und wurde allerdings mit vielen Stimmen als dritter Kandidat in das Parlament gewählt.

Genauso wie Michael Lotz, der als Kandidat der CDU auf Platz 37 kandierte, allerdings mit 3.207 Stimmen auf Platz 14 direkt ins Parlament gewählt wurde. „Das hat mich sehr überrascht und sehr gefreut – das hätte ich wirklich nicht gedacht“, kommentiert Lotz. Gehofft habe er, dass er ein paar Plätze gut machen könne, dass er aber direkt reingewählt wird, damit hatte er nicht gerechnet. „Ich bedanke mich für das Vertrauen der Wähler und hoffe, dass ich ihnen mit meiner Aktivität im Parlament etwas zurückgeben kann“, sagte der Altenburger. Weniger Stimmen hat dafür beispielsweise Frank Jungk bekommen, der auf Platz 5 kandidierte, allerdings erst auf Platz 19 ins Parlament gewählt wurde.

CDU: Stephan Paule|Alexander Heinz|Tobas Behlen|Eva Schwalm|Anita Schlorke|Berthold Rinner|Laura Refflinghaus|Mathis Kruse|Dietmar Köllner|Kurt Schlorke|Hans-Georg Knell|Hans Georg Herbst|Gerd Hebel|Michael Lotz|Mathias Wilhelm|Ralf Pfeiffer|Michael Refflinghaus|Marco Allendorf|Frank Jungk

SPD: Christoph Stüber|Carsten Weitzel|Luis Lämmer|Ute Koch|Angelika Schäfer|Anette Schmidt|Axel Möller|Achim Quehl|Frank Schmidt

UWA: Martin Räther|Dieter Welker|Carlotta Räther|Achim Spychalski-Merle|Rolf Peter Stein

ALA: Michael Riese|Walter Windisch-Laube|Kerstin Dietrich|Edith Köhn-Müller

Ähnliches ist auch auf den Listen der SPD, UWA und der ALA zu beobachten. So wurde beispielsweise Dieter Welker von der UWA auf Platz zwei ins Parlament mit 2.692 Stimmen gewählt, kandidierte allerdings erst auf Platz 4 der Liste. Auf Platz 11 bei der ALA kandidierte Walter Windisch-Laube, der mit 1.448 Stimmen auf Platz 2 ins Parlament, direkt hinter Spitzenkandidat Michael Riese gewählt würde.

Viele junge Gesichter ins Stadtparlament gewählt

Auffällig zeigt sich vor allem allerdings eines: Besonders junge Kandidaten, die auf den Listen aller Fraktionen standen, wurden weit nach vorne gewählt und könnten somit nun ins Stadtparlament ziehen. Zu nennen ist hier insbesondere Carlotta Räther, die für die UWA die drittmeisten Stimmen holen konnte. Auch der junge SPD-Kandidat Luis Lämmer wurde auf Platz drei innerhalb der SPD gewählt mit 3.047 Stimmen. „Das freut uns sehr, dass es unser junger Kandidat ins Parlament geschafft hat“, bestätigt Stüber. Auch sonst sehe man die aufgestellte Kandidatenliste bestätigt, da es nur zu kleineren Verschiebungen gekommen sei.

„Es freut mich vor allem, dass es unsere junge Kandidatin in das Stadtparlament geschafft hat. Das ist ein zukunftsweisender Schritt, nicht nur für die UWA , sondern für das ganze Parlament“, freut sich UWA-Vorsitzender Martin Räther. Das zeige, dass sich in Alsfeld etwas tut . Auch über das Ergebnis als solches zeigt er sich zufrieden.

Koalition oder macht’s die CDU allein?

Welche Mitglieder dann allerdings wirklich in das Stadtparlament einziehen ,wird sich zeigen. Der Bürgermeister Stephan Paule kann zum Beispiel nicht Bürgermeister sein und gleichzeitig als Stadtverordneter im Parlament sitzen. Er trat nur zur symbolischen Unterstützung der CDU als sogenannter Scheinkandidat an. Außerdem müssen die einzelnen Fraktionen noch Mitglieder für den Magistrat stellen, der neben dem Bürgermeister in der letzten Legislaturperiode zehn Mitglieder umfasste. Sollte es hier keine neuen Absprachen oder Änderungen geben, was prinzipiell möglich wäre, dann würde der Magistrat bei zehn Mitgliedern bleiben. Die CDU würde dann sechs Mitglieder stellen können.

Edith Köhn-Müller von der ALA beispielsweise saß für die ALA bislang im Magistrat, wurde nun allerdings auch in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Hier beispielsweise kann es sein, dass die ALA Köhn-Müller erneut in den Magistrat entsendet, wie Fraktionsvorsitzender Michael Riese erklärt.

Foto: akr

Riese: Politisches Klima wird sich nicht verändern

„Dann könnte Konrad Rüssel nachrücken, der die fünfmeisten Stimmen erhalten hat“, sagt Riese. Im Allgemeinen freue er sich über das Ergebnis der ALA – besonders darüber, dass die ALA nun einen Sitz mehr hat. Das beste Ergebnis kam übrigens aus Elbenrod mit 15,26 Prozent. Es gebe aber auch eine Kehrseite an dieser Wahl: Die absolute Mehrheit der CDU. „Das politische Klima in der Stadt wird sich deshalb allerdings nicht verändern“, sagt Riese. Ihn würde es überraschen, wenn sich die CDU dennoch einen Koalitionspartner zur Seite stellen würde, da durch die Mehrheit das alleine Regieren möglich sei. „Für den politischen Partner wäre das ja noch schlimmer, wenn sie wüssten, dass sie eigentlich nicht gebaucht werden.“

„Ein Tür zuschlagen wird es nicht geben“, erklärt Räther mit Blick auf eine mögliche Koalition mit der CDU wie in den vergangenen fünf Jahren. Zwar sei eine Koalition mit einer absoluten Mehrheit für den kleineren Partner schwierig, doch sei man in einer Demokratie schlecht beraten, wenn man direkt im Vornherein alle Türen zuschlage und keine Gespräche führen würde. In den vergangenen Jahren habe man mit der CDU sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet. Mit 20,41 Prozent gab es für die UWA in Liederbach das beste Ergebnis.

Von den 12.565 Wahlberechtigten haben insgesamt 6.402 Alsfelder gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 50,95 Prozent.