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BUND kommentiert die Übernahme der gerodeten Fläche im Dannenröder Wald durch BaugesellschaftA49 als Mahnmal einer Verkehrspolitik von Vorgestern

DANNENROD (ol). Nachdem die Rodungen und der damit einhergehende Protest von Naturschützern im Dannenröder Wald besonders im letzten Jahr bundesweit für Aufsehen gesorgt haben, steht nun zum 1. März die Übergabe der vorbereiteten Fläche an die Baugesellschaft der A49 statt. Das sei kein Grund zur Freude, erklärt der BUND Hessen in einer Stellungnahme und betitelt die Schneise als ein „Mahnmal einer veralteten Verkehrspolitik“.

„Dass die Baugesellschaft nun die gerodeten Waldflächen im Dannenröder Wald und FFH-Schutzgebiet Herrenwald übernimmt, ist kein Grund zur Freude. Hinter der Durchsetzung von Planungsdinosauriern wie der A49 steht ein System, das den Straßenneubau verewigt und die Mobilitätswende ausbremst. Die Schneise der Verwüstung im Wald und dem geschützten Natura 2000 Gebiet, ist das Mahnmal einer veralteten Verkehrspolitik. Der Kampf um den Dannenröder Wald wurde auch der Kampf für eine bessere Verkehrspolitik, in deren Mittelpunkt der Klimaschutz steht“, kommentiert Jörg Nitsch, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND in Hessen die Übergabe der gerodeten Waldflächen an die Bau- und Betriebsgesellschaft, die am 1. März 2021 stattfinden soll.

In Deutschland seien bis 2030 allein 850 Kilometer zusätzliche Autobahnen geplant. Der BUND fordert die Überarbeitung des Bundesverkehrswegeplans und ein Moratorium für den Straßenneubau. „Die bundesweite Verkehrsplanung muss komplett überarbeitet werden. Es dürfen nicht noch mehr Bäume und natürliche Lebensräume einer Verkehrsplanung von Vorgestern zum Opfer fallen. Notwendig und zeitgemäß ist eine klimagerechte Verkehrspolitik, die Gelder aus dem Straßenneubau in den öffentlichen Nahverkehr umschichtet, um diesen dauerhaft attraktiver zu machen“, ergänzt Nitsch die Kritik.

Der Umweltverband sehe zudem seine Sorge um den Grundwasserschutz bestätigt, da die zuständige Wasserbehörde seit mehr als zwei Monaten die Auswirkungen des Autobahnausbaus auf den Grundwasserkörper untersucht. „Die Dauer der längst überfälligen Prüfung lässt vermuten, dass es Probleme gibt. Wir haben das Hessische Wirtschaftsministerium an die Zusage zur Übersendung dieser Prüfung und des Ergebnisses erinnert. Fraglich ist für den BUND Hessen darüber hinaus, warum die Landesregierung die Prüfung erst nach den Rodungen begonnen hat und nicht davor”, betont Nitsch abschließend.

Hintergrund

Am 1. März beginnt die Vegetationsphase, weshalb die Arbeiten im Wald bis dahin abgeschlossen sein müssen, um Tiere und Pflanzen zu schützen. Bis zum 28. Februar müssen daher alle nachträglichen Arbeiten zur Rodung beendet sein. Am 8. Dezember 2020, um die Mittagszeit, fiel die letzte Riesen-Eiche auf der Trasse. Auf ihr war ein Jahr zuvor das erste Baumhaus im Dannenröder Wald errichtet worden.

Die geplante Autobahn soll durch ein Wasserschutzgebiet verlaufen, deren Brunnengalerie der am stärksten genutzte Trinkwasserkörper in Hessen sei und 500.000 Menschen in Hessen mit sauberem Wasser versorge. Der BUND Hessen hatte gegen den Weiterbau geklagt, da die Bauarbeiten das Grundwasser – und somit die Trinkwasserversorgung – unter dem Herrenwald und Dannenröder Wald gefährden.

9 Gedanken zu “A49 als Mahnmal einer Verkehrspolitik von Vorgestern

  1. @alle Autobahngegner, die z.B. in Stadtallendorf arbeiten
    Wenn man den Industriebetrieben in Stadtallendorf den Vorteil einer direkten Autobahnanbindung nimmt, wie kann man sich da sicher sein, dass diese Unternehmen dann noch an dem Standort festhalten??? Seid doch froh, dass Ihr wohnortnah einen vernünftigen Arbeitsplatz geboten bekommt, oder wollt Ihr noch weiter pendeln, falls sich die Unternehmen zurückziehen!!?? Dann bin ich mal gespannt, wie das mit öffentlichen Verkehrmitteln funktionieren soll, wenn jemand um 06:00 Uhr in Giessen zur Frühschicht anfangen muß. Ihr würdet alle auf den PKW zurückgreifen, und Eure „Umweltschonung“ wäre zum Teufel! Oder aber, Ihr zieht alle in den „Danni“ und lebt in Baumhäsern und ernährt Euch von Beeren und Pilzen aus den Öko-Gärten. Und als Infrastruktur benutzt Ihr dann die von Baum zu Baum gespannten Seile. Mann o Mann, wer will eigentlich in Eurer zukünftigen Welt leben?

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    1. Jawoll, diese neue Spezies der Baumprimaden, Feuerstein und Co. Den Staat
      herausfordern von was leben die, von unsrem Steuergeld, dann ehrlich sein auf die Stütze verzichten, dann ist die
      Glaubwürdigkeit überzeugen, aber so alles Umweltschauspieler die auch novh von den Eingeborenen Vulkanier unterstützt werden.

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  2. Es sollte näher erläutert werden, was hier von der „zuständigen Wasserbehörde“ geprüft werden muss. In der Tat geht man davon aus, dass alle erforderlichen Prüfungen vor Genehmigung und Baubeginn erfolgen.

    Man sollte begonnene Autobahnprojekte zuende führen und bei geplanten Projekten zunächst exemplarisch überlegen wie der Verkehr alternativ bewältigt werden kann. Das könnte dann auch eine Vorlage sein für weitere Verkehrsprojekte sein.

    Allerdings glaube ich, der BUND ist an konstruktiver Verkehrsplanung gar nicht interessiert. Anscheinend ist es interessanter, auf Konfrontationskurs zu gehen.

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  3. Lustig: Die Dauer der Prüfung lässt etwas vermuten… noch zwei Re-tweets und die seriösen Umweltaktivist*innen verwenden diese Aussage als seriöse Quelle.

    Übrigens, würde die Prüfung schnell gehen würde vermutlich vermutet werden, dass vermutlich nicht richtig geprüft wurde.

    Für mich ist der BUND einfach nur noch lächerlich.

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    1. Die Prüfung landet mit Sicherheit vor dem Verwaltungsgericht, und das wird dann leider etwas dauern.

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  4. Dies ist absolut ein Grund zur Freude für jeden, der einen rechtsstaatlichen und umweltbewussten Staat liebt.

    Endlich kann mit dem rechtmäßigen Lückenschluss der A49 begonnen werden. Gleichzeitig gilt es mit voller Kraft, die beschlossenen Ausgleichsmaßnahmen, die mehr Wald als vorher bedeuten, zu realisieren. Es wäre schön, wenn die umweltbewussten Menschen hier einfach helfen würden, Bäume wieder anzupflanzen.

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    1. Sofort! Ich bin dabei! Aber nur auf der gerodeten Trasse. Dann haben wir in 200 (!) Jahren den Zustand wieder erreicht, wie er bis zum Herbst 2020 war. Die Ausgleichsmaßnahmen wirken übrigens auch nicht schneller, der Klimawandel schon.

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      1. @ R. Müller:

        Da sind Sie aber gleich einem ganzen Haufen populistischer Thesen auf den Leim gegangen. Im Verlaufe der Trasse, der zu 100% privatrechtlicher Nutzwald ist, war so gut wie kein Baum älter als 70 Jahre.

        Dies wirkt übrigens dem Kilmawandel entgegen, denn wie jeder weiß wachsen Bäume vor allem zwischen 30 und 60 Jahren. Danach werden sie prozentual betrachtet jedes Jahr immer weniger größer, so dass auch die CO2 Bindung abnimmt. Nutzwald für den Bau mit dem nachhaltigen Stoff Holz ist also ein absoluter CO2-Killer.

        Diese Fakten haben Sie bestimmt nur vergessen bei Ihrem Kommentar 😉

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