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Hofgut verfällt seit JahrenStadt Alsfeld will ehemaliges Hofgut in der Ortsmitte von Leusel kaufen

LEUSEL (akr). Die Ortsmitte in Leusel, die unmittelbar an die Kirche angrenzt, ist vielen Leuselern schon seit Jahren ein Dorn im Auge – und das aus vielerlei Gründen. Doch schon bald könnte sich in Sachen Platzgestaltung etwas verändern, denn die Stadt will das ehemalige Hofgut, das seit Jahren verfällt, vom Land Hessen erwerben.

Das Hofgut in der Mitte von Leusel war früher ein wohlhabender Hof, doch seit den 70er Jahren wurde der landwirtschaftliche Betrieb nach und nach eingestellt. Seitdem verfällt dieses denkmalgeschützte Anwesen in unmittelbarer Nähe zur Kirche. „Wir haben dort immer wieder Probleme mit Ratten und Ungeziefer, natürlich auch zulasten der Anwohner“, erklärt Ortsvorsteher Ralf Lämmer.

Darüber hinaus mache man sich im Dorf auch Sorgen, dass es dort zu Unfällen kommen könnte, wenn sich beispielsweise Kinder auf dem verfallenden Gelände aufhalten. „Zum Glück ist es dazu aber noch nie gekommen“, erzählt Lämmer und nennt noch ein weiteres Beispiel: Wenn geheiratet wird, man die schöne renovierte Kirche verlässt und dann Vereine beispielsweise draußen Spalier stehen, hat man das verfallende Anwesen als Kulisse im Hintergrund – kein schönes Fotomotiv.

Seit Jahren verfällt das ehemalige Hofgut in der Ortsmitte von Leusel. Fotos: akr

Da aber bis vergangenes Jahr noch der Eigentümer dort wohnte, waren dem Ortsbeirat und auch der Stadt sozusagen die Hände gebunden. Nachdem aber nun der letzte Eigentümer verstarb und der Nachlass von möglichen Erben ausgeschlagen wurde, ging die rund 3.000 Quadratmeter große Liegenschaft in die Fiskalerbschaft des Landes Hessen über. Solche Erbschaften werden dann beispielsweise in einer Versteigerung an den meistbietenden verkauft.

„Da müssen wir uns dran hängen“, dachte sich Leusels Ortsvorsteher und informierte die Stadt. Diese will nun das öffentliche Interesse für den Erwerb des Anwesens mit insgesamt drei Grundstücken anmelden, sodass dadurch auf eine Versteigerung verzichtet werden könne. Die Gestaltung der Dorfmitte steht nämlich auch im Drehbuch der Stadt Alsfeld, dem IKEK. Dort bestand, als die Leuseler im Mai 2019 die Stärken und Schwächen ihres Dorfes herausarbeiteten, mit der größte Handlungsbedarf.

Derzeit befinde man sich in den Verhandlungen zum Erwerb. Was einen möglichen Kaufpreis angeht, dazu konnte Bürgermeister Stephan Paule noch nichts sagen, mehr als ein „symbolischer Kaufpreis“ solle allerdings bei dem Zustand nicht anfallen. Nach dem Erwerb gehe es dann an ein Planungskonzept. „Substanziell ist hier nichts mehr groß zu retten“, betonte der städtische Bauamtsleiter Tobias Diehl. Doch ein Abbruch der Gebäude müsse dann natürlich erst einmal von der Unteren Denkmalschutzbehörde genehmigt werden.

Wie sich also die Ortsmitte in den nächsten Jahren verändern wird, ist noch ungewiss. Fest steht für Lämmer jedoch, dass es in jedem Fall eine Verbesserung sein wird. Große Sorgen macht ihm der Gedanke, dass sich irgendein Investor das Anwesen schnappen würde, dieser dann aber nichts daraus macht und es einfach weiterhin vor sich hin verfallen würde.

2 Gedanken zu “Stadt Alsfeld will ehemaliges Hofgut in der Ortsmitte von Leusel kaufen

  1. Sehr richtig Schnappi, und sag mir einer was der Denkmalschutz noch schützen will nachdem die Stadt das baufällige Anwesen abgerissen und liegen gelassen hat.

    Das da Ratten und alles rumlaufen ist kein Wunder, sondern war vorhersehbar.

    Und die Gesamt-Situation um das Anwesen gibt es ja nicht erst seit gestern, sondern ist insgesamt schon Jahre bekannt.

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  2. „Große Sorgen macht ihm der Gedanke, dass sich irgendein Investor das Anwesen schnappen würde, dieser dann aber nichts daraus macht und es einfach weiterhin vor sich hin verfallen würde.“

    Verstehe ich nicht! Dass in den Ortskernen große Objekte oder gleich mehrere Höfe zu Lost Places werden, ist beileibe kein neues Problem. Und wenn die Stadt doch ein Vorkaufsrecht beansprucht und gar keine Versteigerung stattfindet, wieso könnte sich dann ein Investor die Immobilie schnappen, nur weil er als symbolischen Preis 2,50 statt 1,50 Euro zahlt. Seit Jahrzehnten hat die Politik vernünftige gesetzliche Regelungen verweigert, die der Spekulation den Boden entziehen. Ständig liest man vom Investor Schnappi, der sich mal dieses und mal jenes Objekt schnappt, nur um es vor den Augen aller Bürger weiter vergammeln zu lassen! Man braucht nur wenig Phantasie um sich vorzustellen, wer in diesem Land Politik für die Spekulanten und Banken macht. Schnappi, der Immobilienhai auf der einen und Heuli, der ob der angeblichen „Machtlosigkeit“ des Staates Krokodilstränen vergießende Politiker auf der anderen Seite, die sich hinten rum die Hände schütteln und auf die Schultern klopfen. Man tut nichts gegen Verfall und Leerstände, weil man es NICHT WILL und nicht weil es nicht geht !!! Hinzu kommt ja noch der Skandal, dass man in aller Gemütsruhe zusieht, wie da „der letzte Eigentümer“ in und mit seiner Immobilie verwahrlost und schließlich mit den Füßen voraus hinaus getragen wird. Überall ist alles durch kleinliche Verordnungen geregelt, wird Immobilienbesitzern fast jede Gestaltungsfreiheit genommen. Und nur in diesem einen Punkt sind dem Staat die Hände gebunden?

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