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Eröffnung im Frühsommer 2021 geplantAlsfelder Lokal Laternchen zieht in die Obergasse

ExklusivALSFELD (ls/akr/jal). Schon fünf Jahre steht die ehemalige Buchhandlung Heinz in der Obergasse 12 leer. Nun wird dort gebaut, kleine Laternen auf Plakaten geben Hinweise, was dort entstehen soll. Gegenüber OL bestätigt Michael Schön, Wirt des Lokals Laternchen schließlich: Jawohl, er zieht mit seiner Gaststätte um.

„Das Haus in der Obergasse 12, also die ehemalige Buchhandlung Heinz, soll saniert werden“. Diese Nachricht erreichte das OL-Redaktionspostfach an diesem Freitagmorgen in einer Pressemitteilung der Stadt. Darin heißt es außerdem, dass Matthias Nau und sein Vater, der gebürtige Alsfelder Helmut Nau, das Fachwerkgebäude von Alexander Heinz gekauft haben und auch die Vorbereitungen zur Sanierung begonnen haben. Die Bauherren seien in Alsfeld nicht unbekannt. Mit ihrem Familienunternehmen „ANU GbR“ haben sie schon in den vergangenen Jahren die Altbauten in der Schaufußgasse 5 bis 7 grundhaft saniert, zu Wohnungen umgebaut und vermietet.

„Wenn die Altstadt im Allgemeinen und die Fußgängerzone Obergasse leben will, braucht sie eine Aufwertung“, sagt Helmut Nau laut der Pressemitteilung gegenüber Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule, der sich im Oktober bereits die Räumlichkeiten angeschaut habe. Gleichzeitig gab Nau hier schon einmal einen Ausblick: „Wir werden in den Obergeschossen schöne Wohnungen einrichten und die Räume der ehemaligen Buchhandlung sanieren und neu vermieten.“

Helmut und Matthias Nau sanieren das historische Gebäude in der Obergasse 12. Förderung durch das Programm „Lebendige Zentren“. Bereits im Oktober – also vor den verschärften Corona-Bestimmungen – schaute Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule gemeinsam mit Vorbesitzer Alexander Heinz und Tochter Luise und den beiden Bauherren bei den Vorbereitungen zur Renovierung vorbei. Foto: Stadt Alsfeld

Lobende und kritische Worte zugleich richtete Nau an Immobilieneigentümer, Politik und Verwaltung aller Ebenen. Jedes noch so gute Förderprogramm kranke an bürokratischen Antrags- und Abwicklungsprozessen. Die Gesetzgeber müssten hier stark vereinfachen. Das Thema Denkmalschutz sei immens wichtig und er sei froh, ein gutes Einvernehmen mit den zuständigen Behörden erzielt zu haben. Auch hier sei es aber wichtig, dass die Behörden gegenüber Sanierungswilligen als Möglich-Macher auftreten.

Einen künftigen Pächter für das Erdgeschoss nannte Nau zwar nicht, gab aber in Ausblick, dass dort ein „attraktiver Anziehungspunkt für Alsfelder und Gäste entstehen wird“, eine Shisha-Bar werde es allerdings definitiv nicht werden, so etwas trage nicht zur Aufwertung bei.

Ein genauerer Blick auf die Schaufenster und die dortigen Plakate gibt jedoch Hinweise. Neben einer geplanten Eröffnung im Frühsommer 2021 fallen dabei sofort die jeweils drei kleinen Laternen auf, die den Alsfeldern bekannt vorkommen dürften. Die nämlich kennt man vom Logo des Lokals Laternchen von Inhaber Michael Schön, das sich derzeit noch in der Untergasse befindet. Könnte das Laternchen also schon bald in die Obergasse umziehen?

Die Laternen auf dem Schaufenster geben schon den ersten Hinweis. Foto: akr

Auf der Facebook-Seite der Kneipe jedenfalls ist ebenfalls ein Hinweis zu lesen. Dort heißt es zunächst, dass das Lokal vom 2. November bis zum 30. November geschlossen bleibe. Ob das einzig an den Corona-Verordnungen liegt, ließ man hier mit den Worten „Warum, weshalb und wieso, darf jeder für sich beurteilen“ offen. Gleichzeitig gab es allerdings den Hinweis, dass das Laternchen durch Corona nicht dauerhaft schließen, sondern auch künftig das Alsfelder Stadtbild prägen werde.

„Freut Euch schon jetzt auf das LATERNCHEN 2.0, dass im Frühsommer 2021 für viel positive Resonanz sorgen wird. Für Jung und Alt wird dann ein Lokal präsentiert, dass wenige Wünsche offenbleiben lässt“, ist dabei dann zu lesen.

Anruf bei Michael Schön, dem Pächter des Laternchens. Schön lacht, als man ihn fragt, warum er denn ausgerechnet in dieser Krisenzeit mit seinem Lokal umziehen will. Dann bestätigt er, dass er mit dem Laternchen in die ehemalige Buchhandlung einziehen wird. Schön klingt durchaus selbstbewusst, wenn er von seinen Plänen erzählt. „Das wird ein Lokal werden, was für Alsfelder Verhältnisse einmalig sein wird – oder auch für Vogelsberger Verhältnisse. Es wird da nicht gekleckert, es wird geklotzt“, sagt der 55-Jährige. Die Obergasse sei „die Zeil von Alsfeld“, jeder Tourist gehe dort lang, deswegen sei der Standort ideal.

„Warum in dieser Zeit?, fragt Schön zurück, um anschließend zu sagen: „Ganz einfach: Corona ist vorbei irgendwann, wir sehen schon mal Licht am Ende des Tunnels. Wer sich danach gut aufgestellt hat, wird die Nase vorne haben – gerade in einer Stadt wie Alsfeld.“

Er habe schon jetzt das Laternchen recht erfolgreich betrieben, wolle es nun aber „eine Nummer größer machen“. Das Geschäft sei an manchen Tagen so gut gelaufen, dass er immer wieder Gäste habe wegschicken müssen, sagt der einstige Koch und Industriekaufmann. Doch der eigentliche Grund, dass das Laternchen am 30. April nächsten Jahres am alten Standort schließt, liege am Verpächter des jetzigen Standorts, der Pachtvertrag dort läuft aus. Genaueres will Schön nicht dazu sagen, äußert sich jedoch generell über eine Beobachtung, die seiner Meinung nach in Alsfeld ein Problem darstellt: „Viele Leerstände in Alsfeld sind nicht dem geschuldet, dass die Pächter schlechte Kaufleute sind – viele Leerstände sind hausgemacht durch die Gier der Verpächter.“

Der Inhaber des Laternchens, Michael Schön. Foto: akr/Archiv

Angst, dass durch eine größere Gestaltung die Gemütlichkeit des Laternchens verloren geht, hat der Wirt keine. „Wir werden ja keinen Riesenladen machen“, sagt Schön. In der alten Buchhandlung steht neben zwei Ebenen auch ein sehr gut erhaltener Gewölbekeller zur Verfügung, von dessen Existenz viele Alsfelder gar nichts wüssten. Die jetzigen Schaufenster sollen 1,5 Meter nach innen verschoben und durch Faltglastüren ersetzt werden. „Im Sommer wird das wie in der Düsseldorfer Altstadt ein offenes Lokal sein“, sagt Schön.

Drinnen bleibe kein Stein auf dem anderen, es werde alles neu gemacht – inklusive neuester Lüftungstechnik. „Wir werden danach corona-konform aufgestellt sein.“ Das neue Laternchen soll in einem Nichtraucherbereich 70 bis 90 Leuten „bei Bedarf“ Platz bieten, dazu sollen 20 Plätze in einem Raucherbereich kommen. Beim Gewölbekeller muss noch genauer geplant werden. Schön rechnet aber mit knapp 30 weiteren Plätzen. Draußen solle die Obergasse und vermutlich auch der Seitenbereich genutzt werden.

Bei der Innengestaltung arbeitet Schön mit der Bitburger Braugruppe zusammen. „Das wird sehr hochwertig gemacht. Das darf man nicht mehr vergleichen mit irgendeiner kleinen Kneipe, die wir hier in Alsfeld so kennen.“ Vom Stil er solle es etwas für Jung und Alt sein, nichts „hypermodernes“, wie Schön betont. Das neue Laternchen werde „rustikal, retro, aber auch schick“. Anregungen habe er sich im Gießener Raum geholt. „Wir werden da für die Alsfelder was ganz tolles schaffen, da bin ich überzeugt von“, sagt der Wirt. Der Name „Laternchen“ solle aber bleiben.

Schön hofft, so gibt er schließlich noch zu bedenken, dass die öffentlichen Stellen und auch die Bevölkerung etwas Verständnis zeigen. Der Gastwirt spricht vom Lärmschutz, mit dem es bei Kneipen in Innenstädten vor allem im Sommer immer wieder mal Probleme gibt, wenn Anwohner sich beschweren. Schön sagt, er achte schon jetzt darauf, dass sich niemand in der Nachbarschaft gestört fühle und habe mit den Anwohnern des Laternchens ein gutes Verhältnis.

Aber ein Lokal mit einem etwas größeren Außenbereich ist eben nochmal etwas anderes. „Da muss sich die Stadt dann hinterfragen, ob sie weiterhin den langsamen Tod sterben will oder ob sie Leben haben will“, sagt der Gastronom, der damit für großzügigere Regelungen in dieser Sache plädiert. Denn sonst, so sagt er sinngemäß unterm Strich, könnte es schwer werden mit der Belebung der Alsfelder Innenstadt.

16 Gedanken zu “Alsfelder Lokal Laternchen zieht in die Obergasse

  1. Es soll niemand behaupten können, dass ich mich nicht selbst reflektiere. Darum habe ich nach so vielen herzlichen und gutgemeinten Ratschlägen, sofort nach geeigneten Fortbildungsseminaren gesucht und denke, dass Richtige gefunden zu haben.

    „DER DEVOTE WIRT“

    Lehrgangsleiter: Ansgar Troll
    Mit Freundlichkeit jede Situation meistern!
    Themenschwerpunkte:
    Zeche prellen…
    KANN DOCH ÖFFTER MAL PASSIEREN
    Missachtung von Corona Maßnahmen…
    IGNORIEREN UND WEGLÄCHELN
    Mutwilliges zerstören vom Inventar…
    AB EINEN MINDESTUMSATZ ZU TOLERIEREN
    Diebstahl von Einrichtungsgegenständen…
    WOFÜR GIBT ES DIE PORTOKASSE
    Rum rotzen im Biergarten…
    ERSPART DAS GIESSEN DER GRÜNPFLANZEN
    Ruhestörung vor dem Lokal…
    CHILLEN & KAFFEE FÜR DIE POLIZEI AUFSETZEN
    Beleidigungen…
    OHREN AUF DURCHZUG STELLEN
    Androhung von Gewalt…
    HALTE DIE LINKE UND DIE RECHTE WANGE HIN
    Gäste die mit Bierflasche das Lokal betreten…
    SAUBERES GLAS BEREIT STELLEN
    Gäste, die sich mit Zigarette im Nichtraucher Bereich aufhalten…
    LÜFTUNG ANPASSEN
    Schließen des Lokals…
    NUR IM BEIDERSEITIGEM EINVERNEHMEN
    u.v.m.

    Sobald ich SKYNET online gestellt habe, werde ich mich um einen zeitnahen Termin bemühen und Besserung geloben.

    HASTA LA VISTA. :-)

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    1. Michael, lass dich nicht provozieren. Du hast völlig Recht mit dem, was du tust.

      Und selbst wenn mal an einem Abend nicht: Fehler macht jeder mal. Aber deshalb hast du trotzdem die einzige Kneipe in Alsfeld, bei der was los ist (war vor Corona) und alle Gäste, die sich benehmen, Spaß haben. Also weiter so!

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  2. Am lächerlichsten sind die Menschen, die selber nichts auf die Reihe bekommen, aber dann so unverschämt und missgünstig sind, über andere Menschen und deren Leben zu urteilen! Das ist wohl heutzutage Volkssport in gewissen Kreisen.

    Der Umgang mit uns als Stammgästen war immer angemessen. Natürlich haben „spezielle“ Gäste mit Herrn Schön einen Gastwirt, der unmissverständlich darauf hinweist, dass (zum Wohle der normalen Gäste) diverse Verhaltensweisen nicht toleriet werden. Bitte weiter so! Ihr Erfolg gibt Ihnen Recht. Ansonsten freuen wir uns schon auf das neue Lokal. Denn über eins sollte sich hier jeder mal gewiss sein, mutige Selbstständige (gerade in Coronazeiten) lassen unsere Stadt aufblühen, nicht Schreiberlinge auf dem bequemen Sofa ;-)

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  3. Endlich tut sich was in Alsfeld ehemaliger Prachtmeile.
    Wenn erstmal die neue Shishabar läuft und Schöni die Innenstadt statt den Güterbahnhof, wie wohl erst gerüchteweis vermeldet, bespasst, ist endlich wiederwas los in Alsfeld!!

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  4. Habe eben das Bild des alten Buchladens gesehen und hatte sofort vor Augen, wie ich als kleines Mädchen die Treppen hochgestiefelt bin, auf der Suche nach neuen Schätzen. Schön das endlich was neues rein kommt.

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  5. ….Schööööniiiii, planen und disponieren kann er. Und Geschmack in Sschen Gastronomie hat er auch. Aber hier scheint es wohl um sein persönliches Verhalten zu gehen. Aber dafür gibt es Stressseminare :-) Und wenn er dann noch versucht ein bisschen auf dem Teppich zu bleiben und nicht so viel auf den Putz haut, dann wird das was. Man muss ihn halt zu nehmen wissen. Dennoch ist anzumerken, dass hier und da auch mal durchgegriffen werden muss. Es gibt nicht nur Pflegeleichte.
    Von daher alles gut. Wollen wir hoffen, dass die Pandemie bald rum ist und er losgelegen kann. Wir sollten froh sein, dass es jemanden gibt, der trotz Pandemie den Mut hat zu investieren um so unserem gastronomisch schwachen Städtchen ein bisschen flair zu geben.

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  6. Vielleicht sollte der Inhaber Schön sich mal selbstkritisch hinterfragen wie er mit Gästen menschlich umgegangen ist. Er müsste noch einmal geschult werden, was Kundenfreundlich Verhalten heißt.

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  7. Alles schön und gut das es jemand gibt der mutig ist was zu riskieren aber Rücksicht auf die Nachbarschaft ist extrem wichtig. Also dran denken das auch noch Menschen in der Obergasse Leben. Den nur mit gegenseitiger Rücksicht lässt es sich auch in der Innenstadt leben, den eine Partymeile funktioniert nicht. Es gibt halt leider viele ignorante Menschen die rücksichtslos ihr Ding machen wollen.

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    1. Er hatte mit Sicherheit einen guten Grund diese „Gaeste“ wegzuschicken, und das ist auch sein gutes Recht. Der Mann hat Mut und engagiert sich fuer unsere Stadt

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