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Junge Union Hessen suchte Dialog zur A49„Als die ersten Vermummten aufgetreten sind, da war für mich die Unterstützung rum“

DANNENROD/LEHRBACH (akr). Sich vor Ort einen Eindruck verschaffen, mit Befürwortern und Gegnern der A49 ins Gespräch kommen, erfahren, was sie bewegt  – genau das war das Anliegen der Jungen Union Hessen, die am Samstag zu Gast im Vogelsberg war, unter anderem in Lehrbach und in Dannenrod.

Mit dem Autounfall auf der A3 vor wenigen Tagen sei eine Grenze in Sachen Protest-Aktionen überschritten worden, betonte Lucas Schmitz, der stellvertretende Landesvorsitzende der Jungen Union Hessen. Dieser Unfall sei der Anlass, dass nun auch der Landesverband aktiv werde. „Wir wollen klar machen, dass wir demokratischen Widerstand akzeptieren“, so Schmitz. Doch so wie es momentan laufe, sei es nicht mehr zu akzeptieren. Nun war es also für die Junge Union an der Zeit, sich vor Ort einen Eindruck über die aktuelle Situation zu verschaffen und mit Gegnern und Befürwortern der A49 persönlich ins Gespräch zu kommen.

Nachdem die JU-Mitglieder bereits am morgen einen Termin mit dem Landtagsabgeordneten Michael Ruhl hatten, stand als nächstes das persönliche Gespräch mit einer Befürworterin und zwei Anwohnern aus Lehrbach auf dem Programm. Bei der Befürworterin handelte es sich um Olga Schmitt von den Stadtallendörfer Christdemokraten. Sie setzt sich bereits seit 2006 intensiv mit dem Projekt der A49 auseinander. Sie ist der Meinung, dass die Region und auch die Firmen diese Autobahn dringend brauchen. „Ich mag auch Bäume und die Natur, aber wir haben einen Beschluss. Die Menschen warten auf die Autobahn und freuen sich“, erklärte sie. Das, was momentan hier passiere, sei absurd und es würde nicht mit fairen Mitteln gekämpft.

Olga Schmitt sprach als Befürworterin mit der Jungen Union. Fotos: akr

„Momentan muss ich aufpassen, dass bei mir nicht die Wut hochkommt“, betonte sie. Die Aktivisten würden ein scheinheiliges Verhalten an den Tag legen. So würden sie beispielsweise mit Autos hierherfahren, um dann an Demonstrationen die Fahrräder auszupacken. „Ich glaube, dass viele hier das gleiche fühlen wie ich“, so Schmitt. Doch der Protest der Aktivisten sei einfach um einiges lauter und die Menschen, die sich für die Autobahn aussprechen, kaum zu hören.

Im Gespräch mit Anwohnern

Ulla Schönhals aus Lehrbach wohnt nicht weit entfernt vom „Danni“. Sie selbst sagt, dass sie keine klare Meinung zum Autobahnbau habe, sie weder dafür noch dagegen sei. Doch das ganze Thema geht dennoch nicht an ihr vorbei. „Man traut sich nicht mehr wirklich in den Wald“, erzählt sie – und man könne ihrer Meinung nach dort auch nicht mehr richtig spazieren gehen, da alles voller Barrikaden sei. Die große Präsenz der Polizei störe sie nicht, im Gegenteil. „Ich fühle mich sicherer“, denn ständig beschäftige sie unter anderem die Frage: „Ist mein Auto noch ganz? Habe ich irgendwo ein X markiert?“ Es gab Berichte, wonach Sympathisanten der A49-Besetzung in Gießen Autos mit einem X markierten, um sie zum „Abfackeln“ freizugeben.

Schönhals war aber nicht die einzige Anwohnerin, die an dem Treffen mit der Jungen Union teilnahm. Mit dabei war auch Klaus Sprankel. Er selbst ist kein Befürworter der Autobahn. „Ich bin auch nicht glücklich über den Beschluss, aber ich akzeptiere ihn, beziehungsweise nehme ihn hin“, so Sprankel, der die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben hat, dass vielleicht die Politik doch noch ihre Meinung ändert und das Bauvorhaben stoppt. Das, was die Aktivisten dort treiben, das findet aber auch er nicht gut. Anfangs habe er die Aktivisten, bei denen es sich damals noch um eine Handvoll handelte, unterstützt. „Aber als die ersten Vermummten aufgetreten sind, da war für mich die Unterstützung rum.“ Seiner Meinung nach hätte auch der Vogelsbergkreis viel eher einschreiten sollen, „jetzt muss hier für teures Geld geräumt werden“.

Klaus Sprankel akzeptiert den Beschluss, auch wenn es ihm nicht gefällt.

Die Junge Union wollte sich aber nicht nur bei Parteikollegen oder Anwohnern informieren, sondern auch bei der Polizei. „Wir wollen natürlich auch wissen, wie die Polizei die Proteste erlebt, sie begleitet und welche Erfahrungen sie bislang gemacht hat“, sagte Schmitz von der JU. Als Gesprächspartner war dafür Christof Stark vor Ort, Leiter der Polizeistation Friedberg, der auch für die Presse- und Besucherbetreuung in Sachen A49 tätig ist. Stark berichtete den jungen Politikern, dass die oberste Priorität der Polizei die Sicherheit sei – und das gelte auch, wenn die Besetzer von den Bäumen geholt werden. Die ganze Situation sei eine „herausragende“ Einsatzlage mit einem sehr großen Aufgabenspektrum, die bislang aber sehr friedlich verlaufe – bis auf einige wenige Ausnahmen, beispielsweise die Stein-Attacke auf ein Polizeiauto oder die Krähenfüße. „Wir hatten bislang ganz wenige Fälle, bei denen es zu Widerstandshandlungen gekommen ist“, so Stark.

Die Junge Union interessierte sich auch für den finanziellen Aspekt, sprich: wer die Kosten für die Maßnahmen trägt, wenn beispielsweise die Besetzer von den Bäumen geholt werden. Nun, die Besetzer sind es jedenfalls nicht. „Wir bekommen keine Personalien. Manche verkleben sich sogar teilweise die Fingerkuppen, damit keine Fingerabdrücke genommen werden können“, berichtete der Polizist. Die Aktivisten würden „relativ zeitnah“ wieder entlassen werden, da es sich auch meist um „kleinere Ordnungswidrigkeiten nach Waldrecht“, handele.

Zu Gast in Dannenrod

Zu guter Letzt ging es für den Landesverband ein paar Kilometer weiter ins nächste Dorf – genauer gesagt nach Dannenrod. Dort traf er sich nämlich mit drei Mitgliedern von Fridays for Future: Lea, Cedric und Amely. Die drei gaben zunächst einen kleinen Einblick in die Arbeit der Klimaschutzbewegung und erzählten, wieso sie sich für den Erhalt des Dannenröder Waldes einsetzen. Thematisiert wurde in der lockeren Gesprächsrunde auch der Unfall auf der A3. Am Dienstag hatten sich auf der A3 bei Idstein Aktivisten im Kampf gegen den Weiterbau der A49 von einer Autobahnbrücke abgeseilt und damit einen langen Stau verursacht, an dessen Ende es zu einem schweren Unfall kam. Der Jungen Union ist der Meinung, man habe durch den Unfall eine „neue Eskalationsstufe“ erreicht.

Im Gespräch mit Friday for Future.

Cedric findet jedoch, dass die Aktivisten keine Schuld treffe. „Ich persönlich würde mich nicht von einer Brücke abseilen, aber das muss jeder für sich entscheiden.“ Solche Auffahrunfälle würden in Deutschland tagtäglich passieren, beispielsweise auch in Baustellenbereichen – und da würde ja auch keiner den Bauherren die Schuld geben. „Rechte Trolle“ hätten nach der Unfallmeldung sehr früh ein Meinungsbild geschaffen, dass viele übernommen hätten.

Anschließend beantworteten die Drei noch weitere Fragen der jungen Politiker, waren sich bei manchen Angelegenheiten sogar einig, denn auch der Jungen Union sei der Klimaschutz sehr wichtig. Gerne hätten die Mitglieder der Jugendorganisation auch noch die Barrios im Dannenröder Wald gesehen, doch so wie es Cedric verlauten ließ, seien die Waldbesetzer davon nicht begeistert gewesen. „Als Junge Union durch den Wald geführt zu werden, das wäre schon komisch“, merkte Cedric an. Eine Führung durch den Wald gab es also nicht, dafür schaute man sich noch gemeinsam die Mahnwache und die Küche an.

8 Gedanken zu “„Als die ersten Vermummten aufgetreten sind, da war für mich die Unterstützung rum“

  1. Keine Ahnung von und über die Region und davon jede Menge. Da behauptet dieser Typ im Video Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen würden mehr Verkehr anziehen und die Leute würden sich überlegen doch ein Auto zu kaufen. So ein Narr- hier hat schon jeder ein Auto oder sogar zwei. Und, ohne Auto geht es hier leider noch nicht. Die andere Tante im Video behauptet, dass die Planung 40 Jahre alt wäre. Das ist eine glatte Lüge. Da sieht man, dass sich diese Typen mit der Problematik nicht auseinandersetzen oder auseinandergesetzt haben.
    Die wollen uns was erzählen, was gut für uns und die Region sei; aber keine Ahnung von nichts!

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  2. Die Zerstörung dieser Landschaft und dieser Wälder ist ein großer Verlust! Die Welt ist nicht mehr dieselbe wie vor 40 Jahren als man diese Autobahn plante. Ich hoffe dass die Autobahn weiterhin verhindert werden kann und ein Moratorium die Sache endlich kippt.

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    1. Wo wird die denn verhindert?
      Sehe davon nicht einmal was außer das die Baustelle weiter geht.
      Da merkt man das sie nicht vor Ort sind und Blödsinn erzählen.
      So wie viele von euch immer erzählen das die ganze Wälder platt gemacht werden etc.
      Nur lügen mehr habt ihr nicht drauf ach und kriminellen Dinge tun Applaus Applaus sehr erwachsen und sinnvoll.
      Und zur Info über Jahre sind es wieder 50.000 h Wald die entstanden sind und selbst für die Autobahn sind dezent mehr Bäume bepflanzt als gerodet werden.
      Ihr nervt langsam und glaubwürdig seid ihr auch nicht mehr.
      Ihr setzt euch nicht einmal ein das wegen Windkraftanlagen dezent mehr Bäume gerodet werden als für die Autobahn da schaut ihr weg.
      Oder was ich auch lächerlich finde ist?
      Gegen e Autos macht ihr auch nichts die dezent für die Produktion mehr co2 verbrauchen und durch Strom werden dafür auch Wälder geopfert und in anderen Ländern wird wegen der Batterie die Landschaft verseucht Applaus Applaus ihr Retter die ihr einfach nicht seid

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  3. Die Junge Union Hessen, war am Samstag zu Gast im Vogelsberg, unter anderem in Lehrbach und in Dannenrod und hätten sich auch gerne mal im Wald umgeschaut wo die friedlichen und gewaltfreien „Gutmenschen“ in illegal errichteten Baumhäusern auf den Bäumen sitzen. Im Gespräch mit Mitgliedern von Friday for Future verlautete aber, dass die Waldbesetzer davon nicht begeistert wären. Der JU wurde quasi die Tür vor der Nase zugeschlagen. Anscheinend haben das die Mitglieder JU demokratisch akzeptiert, da man nichts Gegenteiliges gehört hat. Da gibt es ein Sprichwort: Der Klügere gibt nach, aber wenn die Klügeren immer nachgeben, dann wird die Welt irgendwann von den Dummen regiert!! Wir sind auf dem besten Weg dahin. Die Baumsetzer suchen sich anscheinend ihre Besucher aus, wie Arrogant ist das denn. Haben sie etwa etwas zu verbergen? Gleiches Recht für alle, der Wald gehört nicht euch. Täglich verstoßen die Baumbesetzter gegen bestehende demokratische Regeln und Gesetze (verletzen Polizisten, beschädigen Staatseigentum usw.) und ihnen ist es nicht genehm, wenn rechtschaffende und friedliche Bürger mit ihnen im Wald einen gemeinsamen Dialog suchen wollen. Anscheinend gelten für die Aktivisten nur ihre für sich selbst gemachten Gesetze: Straßen zu besetzten, von Autobahnbrücken abseilen, fremdes Eigentum besetzen, verbarrikadieren von öffentlichen Wege, auch Fahrradwege und mit diesen illegalen Machenschaften auch andere Bürger darin hinter rechtzeitig an ihren Arbeitsplatz zu kommen und Umwege in Kauf zu nehmen. Ihr könnt doch nicht davon ausgehen eure Lebensart allen anderen Menschen aufzudrücken. Wenn alle Menschen auf Bäume umsiedeln würden, würden diese auch nicht reichen. Ich mache euch einen Vorschlag: Leider gibt es bedingt durch den Käferbefall, besonders an den Fichten, große Lücken im Wald. Diese Lücken müssten aufgeforstet werden, hier könntet ihr eure Arbeitskraft einbringen da wäre allen geholfen.

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    1. @ K.S. le
      Wie forstet man auf, wenn es seit Jahren nicht genuegend Regen gibt, damit die Setzlinge nicht gleich wieder vertrocknen. Welche Baunarten kann man noch verwenden, wenn selbst die heimischen Buchen vertrocknen?

      Auch du gehoerst zu den Leuten, die die ganze Dramatik des Klimawandels nicht begreifen und dewegen so begeistert jahrhundertalte Baueme faellen und nicht die geringste Ahnung haben wie man sie jemals ersetzen kann.
      Unfassbar wie naiv du bist, aber du kriegst wenigstens eine tolle A49 mit einer Menge polnischer LKWs, die du im Stau bewundern kannst.

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  4. Nichts hat mit nichts zu tun, was die anderen machen, keine Ahnung, jeder handelt für sich….
    Also, ganz klarer Fall, alles Idioten und ich bin ein rechter Troll.
    …ja, und das bin ich gerne, ist schon so etwas wie ein Adelstitel.

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  5. Das Thema Klimawandel und das dritte Jahr der Dürre in Hessen ist leider auch bei der Jungen Union noch nicht wirklich angekommen.
    Da unterscheiden sie sich nicht im geringsten von ihren Parteikameraden.
    Das diese Stadtmenschen nicht merken, dass es den Bauern immer schwerer fällt, genuegend Heu fuer ihre Tiere zu ernten und das die Bäume in den Waelder verdorren, darf keinen wundern, wenn sie nicht mit Bauern und Foerstern reden.

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  6. Ich bin auch gegen die Autobahn, aber wenn es doch so beschossen ist.Ja,Ja ihr von der Jungen Union wenn das Gehirn abgeschaltet ist es unmöglich etwas zu Denken,neues schon mal garnicht.Sie können nicht verstehen das es Menschen gibt die dagegen sind.

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