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Behörde: "Die bisherigen Messungen deuten eine Grenzwertüberschreitung an"Wie stehts eigentlich um Alsfelds „schlechte Luft“?

ALSFELD (akr). Es war sicherlich eines der Top-Themen im vergangenen Jahr: Alsfeld sollte die höchsten Stickoxid-Werte in ganz Hessen haben, das ergab eine Messung des Umwelt- und Naturschutzbund (BUND) sowie des Verkehrsclub Deutschland (VCD) im März 2018. Zwei Monate später starteten dann die offiziellen Messungen des Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Das ist jetzt mittlerweile fast eineinhalb Jahre her. Ein Grund mal nachzufragen, was es denn so Neues gibt zu Alsfelds „schlechter Luft“.

Das Ergebnis der Messungen des BUND und VCD Ende März sorgte für große Diskussionen: In der Schellengasse wurden 53,5 Mikrogramm Stickoxide pro Kubikmeter (µg/m³) festgestellt. Damit wurde der Grenzwert von 40 Mikrogramm deutlich überschritten. Die Messungen in der Alicestraße hingegen ergaben einen Wert von 27, allerdings waren dort die Messröhrchen in ihrer Position verändert worden, was eventuell die Messergebnisse beinträchtigen könnte, hieß es damals vom BUND.

Das Ergebnis sorgte nicht nur bei den Bürgern für Gesprächsstoff, auch die Lokalpolitik setzte sich damit Thema auseinander und schlussendlich entschied man sich in der Stadtverordnetenversammlung Ende April für einen gemeinsamen Antrag aller Fraktionen. Demnach sollte der Magistrat beauftragt werden, das HLNUG dazu zu bringen, Messungen vorzunehmen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren soll. Im Mai 2018  begannen dann am Ludwigsplatz 1 die offiziellen Messungen des HLNUG.

Doch warum stehen die Messtationen ausgerechnet an der meistbefahrenen Straße in Alsfeld? Es sei ein Grundprinzip der Schadstoffmessung, an dem Ort der höchsten Belastung zu messen, heißt es beim Umweltbundesamt. Aus diesen Maximaldaten ließe sich „durch einfache Abschätzungen“ die Belastung an anderen Orten ermitteln.

Messungen dauern noch an

Rund eineinhalb Jahre ist das mittlerweile her – ein Ergebnis, beziehungsweise einen aussagekräftigen Jahresgrenzwert, gibt es allerdings bislang nicht. „Ende des Jahres werden die Ergebnisse da sein, momentan kann man noch keine konkrete Aussage treffen, aber soviel vorab: die bisherigen Messungen deuten eine Grenzwertüberschreitung an“, teilt Nicolai Föll, der fachlich Verantwortliche für die Stickoxid-Messungen in Alsfeld, auf Anfrage von Oberhessen-live mit.


Der Durchschnittswert aus den vorliegenden Messwerten der letzten acht Monate des vergangenen Jahres beträgt laut Föll 45 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, also deutlich über dem 40 Mikrogramm-Grenzwert. „Das ist allerdings kein Jahresmittelwert, sondern ein Mittelwert der letzten acht Monate aus 2018. Dieser Messwert darf nicht mit einem Jahresmittelwert gleichgesetzt werden“, betont Föll.

Im März diesen Jahres kamen übrigens noch zwei weitere Messstellen hinzu: direkt auf der anderen Straßenseite von der ersten Messstelle, an der Schellengasse 1 und etwa auf der Höhe des Kindergartens in der Schellengasse 10. „Wir wollten den Konzentrationsverlauf der Straße bekommen und auch beide Verkehrsströme erfassen“, erklärt Föll. Denn je nachdem ob eine Straße eine Steigung hat, werde auch dementsprechend beschleunigt, was zugleich auch mehr Abgabe bedeute.

Mit anderen Messpunkten in Hessen vergleichen

Um auch einen Vergleich zu anderen Messpunkten in ganz Hessen ziehen zu können, entschied sich der HLNUG, den Zeitraum für die Messungen bis Ende 2019 zu verlängern. Verglichen werde dann allerdings der Jahresmittelwert des Kalenderjahres 2019, damit es nicht zu Verfälschungen komme. Doch was bringt der Vergleich überhaupt? Dadurch könne man schauen, welche Faktoren mit der Stickoxid-Konzentration zusammenhängen könnten. Denn auch die Meteorologie spiele dabei eine Rolle, wie etwa die Sonneneinstrahlung oder generell Witterungsverhältnisse. „Die Autos bilden aber natürlich den größten Faktor“, erklärt der Experte.

Bis die endgültigen Werte feststehen, müssen sich die Alsfelder noch bis Ende des Jahres gedulden. Die Ergebnisse gebe der HLNUG dann an das Hessische Umweltministerium weiter, denn die Arbeit des Hessischen Landesamt sei dann getan. „Wenn die Grenzwert von 40 Mikrogramm am Ende tatsächlich überschritten wird, kann es sein, dass das Umweltministerium dann einen Luftreinheitsplan aufstellt“, sagt Föll noch. Die Politik dürfte sich also weiter mit dem Thema beschäftigen.


13 Gedanken zu “Wie stehts eigentlich um Alsfelds „schlechte Luft“?

  1. Für mich gibt es nur eins. Ein striktes Durchfahrtsverbot für alle LKW größer 7,5t. Lieferbetrieb frei.Und wenn die Autobahn A5 zu ist ein Abfahrtverbot.Es ist schon Krass was die Alsfelder Bürger jeden Tag ertragen müssen. Der Lärm, der Schmutz, die Zerstörung der Straßen durch diese Monster- LKW`s. Das Motto muss sein:Raus aus Alsfeld mit den großen LKW.

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  2. Die Verkehrssituation in Alsfeld ist echt ein Knaller. Als Nicht-Alsfelder staune ich nur, warum sich auch nach Jahrzehnten daran nichts geändert hat. Der Verkehr in Richtung Marburg muß durch die Innenstadt? Und daran hat man seit anno Plüsch nichts geändert? Krass!

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  3. Dringende Frage an OL-live, wurde Greta schon informiert? Wenn sie der Hambacher Forst sie so entsetzt hat wird sie der Zustand in Alsfeld wohl an ihre Grenzen bringen.

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    1. Greta soll sich vor Kummer über die stehende Luft in Alsfeld die Zöpfe abgeschnitten haben. Die hängen jetzt, bizarr verknotet, im Stockholmer Naturhistoriska Riksmuseet, gleich neben dem berühmten Blauwal (Malmschen Wal), der 1865 südlich von Göteborg in der Bucht von Askim strandete und von dem berühmten Tierpräparator August Malm konserviert wurde.

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  4. Stickoxid hin und her. Mal abgesehen davon ist das grundsätzlich hohe Verkehrsaufkommen (Fremdverkehr) für unser Städtchen eine ernorme Belastung für die Bürgerinnen und Bürger. Alles rutscht durch die Schellengasse. Und wenn nicht, dann brummen die Lkw´s am Kino entlang oder nehmen die Abkürzung über die Bgm.-Haas-Straße (was verboten ist, interessiert aber keinen Brummifahrer) bzw. letztendlich über die Altenburg. Macht ja auch Sinn, dann hat man die LKW-Maut umgangen. Der hässliche Gebührenmast steht somit auch an der falscher Stelle. Von den verantwortlichen Erbauern sehr gut durchdacht.

    Die Kommunalpolitik scheint gefragt um Abhilfe zu schaffen.

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  5. 53 mikrogramm Stickoxid pro m3 Luft ist ja fast soviel, wie 2 brennende Kerzen verursachen und fast 1/15 von dem an Arbeitsplätzen erlaubten Grenzwert. Ein echtes Alarmsignal für die Politik, Verbote auszusprechen sonst werden wir alle sterben!

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  6. Das da die Messung zu einem schlechten Ergebnis kommt is mir klar….Die Teile hängen in der nähe einer Ampel, es geht Bergauf und jedes Auto gibt beim Anfahren mehr Gas als auf einer graden Strecke!

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    1. Genau das habe ich mir auch gedacht: es wird einfach nichts unversucht gelassen, uns allen in diese grünen Spinnerreien ins Hirn zu meißeln.

      Am besten behauptet jetzt noch jemand wieder, dass ein Solarpark keine Verschandelung und Versiegelung der Natur ist.

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