Foto: Traudi Schlitt

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Juniorwahlen an der Alexander-von-Humboldt-Schule erreichen bis zu 550 Schülerinnen und SchülerPolitisches Interesse wecken, Wille zur Wahl stärken

LAUTERBACH (ol). Zum Wahllokal wurde in der vergangenen Woche ein Teil der Pausenhalle der Alexander-von-Humboldt-Schule. Denn hier wurde gewählt und abgestimmt. Gemeinsam mit 64.000 Jungwählern an 260 hessischen Schulen nahmen auch die Schüler der Alexander von Humboldt-Schule an den Juniorwahlen zur Hessenwahl teil.

In der Pressemitteilung der Alexander-von-Humboldt Schule heißt es, bereits im Jahr zuvor hatten sie per Juniorwahl ihr Votum zur Bundestagswahl abgegeben. Aufgerufen, ihren Kandidatinnen und Kandidaten sowie einer Partei ihre Erst- und Zweigstimme zu geben, waren alle Schülerinnen und Schüler ab der Jahrgangsstufe neun bis in die Q-Phase – mit Ausnahme derjenigen, die bereits 18 Jahre alt sind und an der Landtagswahl teilnehmen dürfen. Wie das geht, warum das so ist und was es mit den Wahlen insgesamt auf sich hat, darüber hatten die Lehrerinnen und Lehrer die jungen Wähler in den Wochen zuvor im PoWi-Unterricht informiert. Viele der Schüler hatten auch den Wahl-O-Mat im Internet zu Rate gezogen, um sich explizit mit relevanten Fragestellungen auseinanderzusetzen.

Wahlunterlagen und Informationen zum Ablauf gab es vor der Wahl von  Schülern der PoWi-Leistungskurse. Fotos: Traudi Schlitt

„Die Teilnahme an den Juniorwahlen soll das politische Bewusstsein der jungen Menschen wecken“; skizziert Nicolas Hahn, Fachlehrer für Politik und Wirtschaft, ein Ziel dieser Veranstaltung, die ein Projekt des Landtages gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung und dem Verein Kumulus ist. Ins Leben gerufen wurden die Juniorwahlen im Jahr 1999 von dem Politikprofessor Jürgen Falter. Seitdem hat sie mehr als 2,8 Millionen Schülerinnen und Schüler erreicht. Vor dem politischen Bewusstsein steht das Interesse der Jugendlichen an Politik, das diese Aktion fördern soll. Sie will Begeisterung für politische Teilhabe und gesellschaftliches Engagement wecken, Meinungsbildungsprozesse fördern sowie Urteilsvermögen stärken und damit auch eine Wertschätzung des demokratischen Systems vermitteln.

Das Interesse für Politik wecken

Die Schüler nahmen das Angebot gerne an – das „Wahllokal“ war gut frequentiert. Dennoch geben die jungen Menschen an, dass viele von ihnen sich nicht für Politik interessieren. Genau das soll mit einer Aktion wie dieser, die zu einem der größten Schulprojekte in Deutschland zählt, geändert werden. „Entscheidungsprozesse sind komplex geworden“, führt Nicolas Hahn aus. Der Wahlkoordinator an der AvH hält es daher für umso wichtiger, junge Menschen bereits in der Schule mit dem Wert von Demokratie, dem Ablauf demokratischer Prozesse und ganz praktisch auch dem Wählen selbst vertraut zu machen. „Wir brauchen für unsere Demokratie einen Willen zur Wahl“, ist er überzeugt. Diesen Willen und das Bewusstsein für das demokratische System soll mit der Juniorwahl und dem darauf vorbereitenden Unterricht in den einzelnen Jahrgangsstufen ausgebildet werden.


Wie im echten Wahllokal: Die Stimme kam in die Urne und wird am 28. Oktober gemeinsam mit allen anderen abgegebenen Voten in Hessen ausgewertet.

In diesem Jahr sind Juniorwähler – genau wir ihre wahlberechtigten Mitbürger – besonders gefordert, ihren Wählerpflichten nachzukommen: Neben der reinen Landtagswahl wird am 28. Oktober an den Wahlurnen auch über 15 Änderungen an der Hessischen Verfassung abgestimmt, eine Wahl, die weiteren Informationszuwachs und den Willen zur Entscheidung fordert. Auf originalgetreuen Nachbildungen der Stimmzettel konnten die Lauterbach Jungwähler ihre Voten abgeben. Diese werden intern ausgewertet und an die Organisatoren weitergeleitet.

Am Abend der Wahl – und nicht vorher – stehen die Ergebnisse für Hessen zur Verfügung und können unter www.juniorwahl.de eingesehen werden. Die letzte Juniorwahl wurde übrigens vor knapp zwei Wochen anlässlich der Bayernwahl in den dortigen Schulen durchgeführt. Sie bilden dort sowohl den Absturz von CSU und SPD als auch das Erstarken der Grünen ab – wenn auch in anderen Zahlen. Dennoch: Nicht nur für die jungen Wähler bieten Juniorwahlen Anlass für neue Erfahrungen, auch etablierte Parteien könnten beim Blick auf die Ergebnisse dieser Wahlen durchaus etwas lernen.