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Neue Arbeit Vogelsbergkreis stellte erfolgreichen Projektverlauf für ein Drittel der Teilnehmer vorProjekt „Motivation in Arbeit“ machte fitt für den Beruf

ALSFELD (cdl). Mehr Mut, ein höheres Selbstwertgefühl, neues Selbstvertrauen und ein positives Lebensgefühl sind einige Aspekte, von denen erfolgreich in den Arbeitsmarkt vermittelte SGB II Empfänger berichteten. Der Neuen Arbeit Vogelsbergkreis ist es im Projekt „Motiviert in Arbeit“ (MIA) gelungen, ein Drittel alle Teilnehmer in Arbeit zu vermitteln.

Die Neue Arbeit hatte am Mittwochvormittag in die Räume des Café „Alte Molkerei“ eingeladen, um die Projektergebnisse vorzustellen und um die Teilnehmer der Maßnahme zu verabschieden. Das Projekt läuft zum 14. April nach zwei Jahren aus. Ähnliche Formate sollen in Zukunft jedoch wieder angeboten werden. Finanziert wurde das Projekt aus Bundesmitteln, berichteten die anwesenden Damen von der KVA Lauterbach.

Zwei Teilnehmerinnen berichten von ihren Erfolgen

Zwei erfolgreiche Teilnehmerinnen berichteten von ihren Erfahrungen. Gabriela Deneke erzählte, dass sie total resigniert in das Projekt gekommen sei. Schließlich habe sie dann doch aktiv mitgemacht und sich weiterhin mit den Tipps beworben. In unmittelbarer Nähe zu ihrem Wohnort habe sie dann eine Arbeitsstelle in der Pflege gefunden, sei aber nach wenigen Tagen krank geworden.

Mithilfe der Neuen Arbeit habe sie ihre Krankheit dem neuen Arbeitgeber ausführlich geschildert und sei doch nicht gekündigt worden. „Ich habe eine halbe Stelle und einen tollen Chef sowie tolle Kollegen und bin total glücklich mit meiner Arbeit. Was Besseres hätte mir gar nicht passieren können“, so Deneke. Der Alleinerziehende Mutter wurde aufgrund ihrer Einschränkungen in der Betreuung eingesetzt.

Gabriela Deneke hat durch das Projekt eine neue Arbeitsstelle gefunden.

Bettina Münch wollte nach vielen Jahren wieder in den Beruf. Lange war sie Hausfrau und Mutter. Außerdem habe sie erkrankte Familienangehörige pflegen müssen. Im Laufe der vielen Jahre habe sie sich dann gar keine Arbeitsstelle mehr zugetraut. „Ich habe einen Tunnelblick bekommen. Es war eine wirklich schwierige Zeit“, so Münch. Seelisch und moralisch habe sie bei der Neuen Arbeit große Unterstützung bekommen. Durch die Anstellung in der Cafeteria in der Geschwister-Scholl-Schule habe sie neues Selbstvertrauen und ein neues Lebensgefühl bekommen. „Ich habe jetzt wieder viel mehr Dampf“, freute sich Münch. Ihre Blockaden hätten sich dadurch gelöst und sie habe eine ganz andere Lebensfreude.

Nach einer langen beruflichen Auszeit glückte Bettina Münch der Wiedereinstieg.

Innerhalb von sechs Monaten fitt für den Beruf

Insgesamt 67 Teilnehmer sind im Projektzeitraum der vergangenen zwei Jahre jeweils für sechs Monate fitt für den Beruf beziehungsweise Wiedereinstieg gemacht worden. Das Projektziel sei somit erreicht worden. „Ziel des Projekts war die Teilnehmer möglichst in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu vermitteln“ so die projektverantwortliche Sozialpädagogin Eva Maria Gisinger. Das Projekt sei über den Zeitraum immer nahezu voll besetzt gewesen. Neu sei gewesen, dass das Projekt durch einen sogenannten Fixbetrag finanziert wurde. Hinzu gekommen seien Vermittlungsprämien, sodass man auch erfolgsabhängig habe arbeiten müssen.

Während der Termine mit den Teilnehmern habe man ein Profil der einzelnen Teilnehmer erstellt und dann gemeinsam gezielt nach passenden Stellen gesucht. Das sei ganz individuell auf die Bedürfnisse und Handicaps der Teilnehmer abgestimmt worden. Beispielsweise habe man aber auch Online- und E-Mail-Bewerbungen geübt, da manche noch Probleme mit den neuen Techniken gehabt hätten. Außerdem habe man auch im Projektzeitraum Praktika organisiert.

„Oft war es so, dass sich aus einem Praktikum eine Arbeitsstelle ergeben hat“, berichtete Gisinger. Des Weiteren habe man sich um die Beschaffung um Arbeitskleidung gekümmert, da bei Jobantritt die SGB II Teilnehmer oft die Mittel dafür gar nicht gehabt hätten. Ebenso habe man sich um Mittel für die Mobilität gekümmert, damit die Teilnehmer die neue Arbeitsstelle auch erreichen konnten. Die Begleitung in der Übergangsphase bei Antritt einer neuen Arbeitsstelle sei aber nicht immer in Anspruch genommen worden.

66 Prozent sind troz Maßnahme weiterhin erwerbslos

„Leider kam es auch vor, dass Teilnehmer die Maßnahme abgebrochen haben“, so Gisinger. Sie seien dann auch telefonisch nicht mehr erreichbar gewesen und hätten Vereinbarungen nicht eingehalten. Darüber hinaus hätten einige wegen Krankheit die Projektteilnahme abbrechen müssen. Insgesamt habe es 19 Abbrecher gegeben. Es gebe Aspekte, die eine Arbeitsaufnahme erschwerten. „Viele Teilnehmer hatten es nicht einfach auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“ erklärte die Sozialpädagogin. Das seien beispielsweise medizinisch bestätigte Erkrankungen, keine Fahrerlaubnis, Alleinerziehende, ältere Erwerbsuchende oder eine Lese-Rechtschreib-Schwäche beziehungsweise aufgrund von Migration Sprachschwierigkeiten. Weitere Erschwernisse hätten Teilnehmer ohne Ausbildung oder ohne Schulabschluss.

Neben den erfolgreich vermittelten Teilnehmern habe es auch „Teilerfolge“ gegeben. Bei manchen habe ein Perspektivwechsel stattgefunden. Beispielsweise hätten sie einen neuen positiven Blick bekommen, neue Kontakte geknüpft oder sich ehrenamtlich engagiert. Außerdem hätte Schuldner einen neuen Umgang mit ihren Schulden erlernt. Die Hilfe beim Stellen von Anträgen habe auch zu kleinen Erfolgen geführt, sodass der Grad der Behinderung, Rentenanspruch oder Mehrbedarf entsprechend angepasst worden seien. Die Aktualisierung der Bewerbungsunterlagen sei ebenfalls längerfristig hilfreich. Dort habe die Neue Arbeit eine Kooperation mit dem Fotostudio Zabel, sodass die Teilnehmer jetzt auch aktuelle professionelle Bewerbungsfotos hätten. Erste Schritte seien auch geleistete Praktika, Arbeitsproben und Vorstellungsgespräche.

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