Blick zum Podium in Hattendorf, an dem neben Abordnungen aus Alsfeld auch Vertreter von Regierungspräsidien Platz genommen hatten. Fotos: aep

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Bürgerversammlung zum Thema Windkraft in Hattendorf – Der Eindruck:Wenn schon Mediation, dann Variante zwei

ALSFELD/HATTENDORF (aep). Mit Bürgermeistern, Parlaments- und Magistratsvertretern, Vertretern von Regierungspräsidien, Behörden und Rechtsanwalt: Für die groß angekündigte Bürgerversammlung zum Thema „Windkraft-Mediation“ am Donnerstagabend in Hattendorf war keine Mühe gescheut worden, dem Publikum ein fachkundiges Podium zu bieten – und dann des Volkes Stimme zu hören. Was dabei heraus kam, könnte weniger gefallen haben. Denn nach zwei Stunden schälte sich heraus: Die Mediation selbst findet nur ein sehr geteiltes Echo – aber wenn schon ein  Mediationsergebnis, dann sollte der Plan 2 gelten.

Gut 150 Besucher waren der Einladung vom Stadtverordnetenvorsteher Heinz Heilbronn in das ziemlich voll besetzte Hattendorfer Dorfgemeinschaftshaus gefolgt, um via Beamer-Vortrag das Mediationsergebnis erklärt zu bekommen und auch kundtun zu können, wie es denn ankommt. Es gehe um ein Verfahren, mit dem die Stadt sich nun bereits seit sieben Jahren beschäftige – und zuletzt auch mit der Androhung einer Klage gegenüber einem Regierungsräsidium, dass die Region über das übliche Maß hinaus mit Windkraft-Anlage belaste. Die Stadt habe in ihrer Vorlage eines Flächennutzungsplans die Vorgabe von zwei Prozent übertroffen – aber damit immer noch nicht den Vorstellungen der Gießener Planer entsprochen. Statt einer Klage kamen beide Seiten dann aber auf Anregung des Regierungspräsidiums bei einem Mediationsverfahren zusammen (Oberhessen-live berichtete).

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Mit 150 Besuchern war das Dorfgemeinschaftshaus gut besetzt.

Zwei Varianten stellte Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule als Ergebnis am Donnerstag dem Publikum vor. In beiden verschwindet die von Anfang an höchst umstrittene „Fläche 5109“ zwischen Eudorf und Eifa, die sogenannte „Fledermausfläche“ – aber einmal zu Lasten des Abstands zwischen Dorf und “Elbenröder Dick” oder zu Lasten Fischbachs, in dessen Nähe in einer fünften Windgunstfläche zwei Generatoren aus der „Dick“ kämen, damit der geforderte Mindestabstand von 1200 Metern eingehalten wird. Das wäre die Variante zwei.


Indes: Der Alsfelder Rathauschef mochte auch für das Mediationsergebnis als sichereren Weg werben – unterstützt von dem Rechtsanwalt Johannes Bohl, sich über einen Klageerfolg eher skeptisch zeigte – zufrieden zeigten sich die allermeisten der Sprecher aus dem Publikum nicht. Denn wohin man die Anlagen auch stellt: Irgendeinem Dorf oder einer landschaftlichen Besonderheit kommen sie immer nahe. Und von manchem Dorf aus sind Windgeneratoren in alle Richtungen zu sehen – Kompromisbereitschaft scheint damit schwer zu fallen.

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„Den Super-Gau verhindern“: BI-Sprecher Gerd Ochs.

„Den Super-Gau für unsere Region verhindern“

„Wir wollen den Super-Gau für unsere Region verhindern“, fasste für viele Windkraft-Kritiker Gerd Ochs von der Bürgerinitiative „Schöner Ausblick“ zusammen, warum das Mediationsverfahren von vielen kritisch betrachtet werde. Die Bürgerinitaive blieb ganz außen vor, habe quasi nur als Berater der Stadt agieren können und bleibe mit der Forderung nach der Formel „H10“ ungehört – weshalb das Mediationsergebnis nicht den Wünschen der Initiative entspreche.

In der BI und in den Dörfern indes, so stellte Ochs dar, sei die Meinung zu der Frage, ob man das Ergebnis annimmt, sehr gespalten – manchmal quer durch die Familie – ob die Stadt sich darauf einlassen solle oder doch lieber eine Klage versuchen. Die Bürgerinitiative habe einen „guten Rechtsanwalt“ engagiert, der eher zu diesem Schritt tendiere, um die restriktiveren Pläne der Stadt durchzusetzen. In Äußerungen, die nach einer Akzeptanz der Mediation klangen, war stets von der Variante zwei die Rede.

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Stellte den aktuellen Stand vor: Bürgermeister Paule.

Für eine Reihe Dörfer gab es bei der Versammlung auch einzelne Äußerungen. Von einem Opfer Fischbachs zugunsten der Variante zwei sprach die Ortsvorsteherin Gudrun Jähde. Weil zwei der Anlagen für die Elbenröder Dick noch bei Fischbach mit aufgestellt werden, kann dort der Abstand von 1200 Meter eingehalten werden – das absolute Mininum, wie mehrere Sprecher betonten. So richteten die Windgeneratoren „den geringmöglichsten Schaden an“, stellte Gudrun Jähde fest: „Ein Nutzen ist nicht erkennbar!“ Ein Dankeswort von Seiten des Windkraft-Investors Christian Wenger-Rosenau kurz darauf lehnte sie ab: Sie handele nur als „Untertan“ des Staates. Wenger-Rosenau, der darauf hinweis, dass sein Unternehmen mit viel Mühe für acht Windgeneraoren sich die Genehmigung erkämpft habe, bot in einer Stellungnahme an, freiwillig einen Abstand von 1200 Metern einzuhalten.

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Dank fürs Entgegenkommen sprach der Investor Wenger-Rosenau in Richtung der Fischbacher aus, deren Ortsvorsteherin Gudrun Jähde ablehnte.

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Für die Belange des Dorfes Berfa setzte sich Gunter Lenke ein, indem er darauf hinwies, dass der Bechtelsberg als Aushängeschild durch eine Reihe zusätzlicher Windtürme bei Lingelbach in Mitleidenschaft gezogen werde. „Ich kann nur bitten, den Bechtelsberg zu verschonen“. Eine Stimme ais dem Publikum sprach sich ganz deutlich gegen den Kompromis und die Klage aus, auch wenn sich das noch hinziehen würde: „Wenn man den Weg schon so weit gegangen ist, dann kann man auch noch weitergehen!“

Beschließen soll darüber die Alsfelder Stadtverordnetenversammlung: am kommenden Montag ab 20 Uhr im Hattendorfer Dorfgemeinschaftshaus.