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Newcomer-Contest: "Borderline" vervollständigt das Trio – Besuch in IlbeshausenDer volle Punk vom Vulkan auf der Bühne

VOGELSBERGKREIS. Wer hätte das gedacht: Da fährt man ein ganzes Stück den Vogelsberg hinauf ins Grüne, blickt über weite Täler, ehe man in ein lauschiges Dorf mit anarchischem Charakter einbiegt – und entdeckt dort in einem alten Fachwerkhaus ein Kleinod echten Punkrocks. Rau, schnell, laut: Das ist „Borderline“, vier Männer, zwei Gitarren, ein Bass, Schlagzeug, Gesang. Sie bekamen Besuch aus Alsfeld, weil sie am Samstag auf der Bühne im Klostergarten spielen wollen. Vorweg genommen: Sie werden dort auftreten.

 

„Borderline“ ist die dritte Band, die die beiden Musiklehrer Stephan Haus und Manuel Spahn von der Modern Music School in Alsfeld unter die Lupe nahmen: Können sie bei dem von Oberhessen-live initiierten und dem Rockmusikerverein getragenen Newcomer-Contest auf der Klosterbühne beim Stadtfest bestehen (Beginn: 19.15 Uhr)?

Ein Tag, drei Bands: die Prüfung der Kandidaten im Video

Mit der Mission hatten die beiden Musikprofis auch bereits die beiden Bands „Basalt“ in Ober-Breidenbach und „Bright Outlook“ in Alsfeld besucht. Beide Gruppen, deren Musiker den Lehrern an der Modern Music School zum Teil bereits bekannt waren, hatten sich als tauglich herausgestellt: die eine Schwäche hier, etwas schwache Technik da, aber auf der Bühne sollten sie dem Publikum etwas bieten können.

Und „Borderline“? Diese Gruppe, die sich aus dem Grebenhainer Dorf Ilbeshausen-Hochwaldhausen beworben hatte, war weder Stephan Haus noch Manuel Spahn ein Begriff. Gespannt fuhren die beiden daher den Vogelsberg hinauf, um zu sehen, was das entlegene Dorf zu bieten hat. Abholung an der Durchfahrtstraße, man steuert ein altes Fachwerkhaus an, und siehe da: Drinnen haben die Vier von „Borderline“ sich gut eingerichtet.

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Gemütlicher Empfang: die vier Musiker mit den Musiklehrern aus Alsfeld im „Clubraum“.


Der Probenraum, wie er sein soll: klein, etwas schummrig, die Wände mit Eierpappen beklebt. Im Raum daneben machen die Musiker es sich gemütlich: Couch und Sessel laden zum Reinfallen, die ordentlich aufgestellte Batterie Jack Daniels in der Ecke erzählt von stilechtem Rocker-Dasein. „Borderline“, das sind Timo Rehberger, 26, Gitarre, Christian Ochs, 26, Schlagzeug, Fabian Seibert, 26, Gesang und Gitarre, und Marc Berg, 43, Bass. Seit 2008 machen sie zusammen Punkrock mit „Borderline“, und dieses gemeinsame Hobby zeichnete sich schon früh ab: „Wir waren zusammen in der Schule“, erzählt Christian Ochs. Das erkärt das gemeinsame Alter. Da sticht nur Bassist Marc Berg raus. Tatsächlich hat die Gruppe sich auch noch verändert, die jetzige Formation spielt seit 2011 zusammen – alles solide Leute.

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Der Newcomer-Contest:
Um 19.15 Uhr geht es los auf der Klostergarten-Bühne. Dann treten „Basalt“, „Bright Outlook“ und „Borderline“ kurz hintereinander mir einer Handvoll Songs auf – die von einer Jury beworben werden.
Je nach Bewertung können die Gruppen sich dann als Erstes aussuchen:
– ein professionelles Band-Coaching mit Stephan Haus von der Modern Music School oder
– eine professionelle Lied-Aufnahme im Tonstudio „Im Schweinestall“ von Peter Fischer oder
– ein professionelles Bandfoto mit dem Alsfelder Fotostudio TS-Fotoart.

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Und zwar vorwiegend im Probenraum im geerbten Fachwerkhaus. Man übt zusammen und studiert neue Stücke ein – selbst geschriebene. Oder man sitzt auch nur zusammen, denn die rustikal-gemütlichen Räume sind auch eine Ausflucht aus dem Alltag. In der ersten Zeit coverte sich „Borderline“ dabei noch durch die Punklandschaft, aber irgendwann, so erzählt der Drummer, ging man zu eigenen Stücken über – in Deutsch. Die Texte kommen von Fabiabn Seibert.


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„Kein Bock, eine Kirmesband zu sein“: „Borderline“ im Probenraum.

Warum überhaupt Punk? Danach sehen die Vier nämlich gar nicht aus. „Wir hatten kein Bock eine Kirmesband zu sein“, antwortet der Texter. Die Entscheidung hat allerdings zumindest in der hessisch-ländlichen Gegeng einen Nachteil: „Für eine Punkband gibt es wenig Auftrittsmöglichkeiten.“ Der letzte, so erinnert sic h Fabian, war 2012. Deshalb die Bewerbung in Alsfeld: „Das war mal wieder ein Anreiz“. Dann mal los!

Beim Wechsel in den Probenraum warnt Marc Berg: „Das wird jetzt laut!“ Und er hat recht. Der Schalldruck, den die Instrumente gleich drauf auf die Ohren legen, lässt die Trommelfelle in der Kopfmitte aneinander klatschen. Aber geil ist, was die Vier da spielen: „Band Aid“ ist sauberer Punk ohne Quietschen, und „Facebook“ hat auch noch einen sauberen, kritischen Text – selbst geschrieben. Nichts leiert, nichts wirkt improvisiert. Die Jungs spielen genau, wie sie wollen. Prüfer Manuel Spahn schreibt eifrig mit, Stephan Haus gibt sich nur lächelnd dem Sound hin.

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Zusammen in der Schule: Die Musiker kennen sich schon recht lange.

Und als die Gruppe nach drei Stücken fertig ist, gibt es auch nicht mehr viel zu diskutieren. „Ich fand das richtig gielen Punkrock!“, stellt Lehrer Spahn fest – etwas lauter, als er üblicherweise sprechen würde. „Die Texte finde ich cool!“ Aber die Ohren erholen sich, und Stephan Haus setzt drauf: „Da kann man gar nichts weiter sagen.“ Einzig: Für Newcomer sind sie üblicherweise ein wenig alt schon. Aber: Wer so engagiert spielt und seit zwei Jahren nicht auf der Bühne stand, der soll dabei sein: Am Samstag, 2. August, ab 19.15 Uhr am Klostergarten.


Von Axel Pries