Gesellschaft1

Ehrenamtliche Bürgerbusfahrer in Kirtorf gesuchtErfolgsgeschichte soll fortbestehen

KIRTORF (ol). Seit etwas mehr als zwei Jahren ist der Bürgerbus in Kirtorf unterwegs und unterstützt die Menschen bei täglichen Erledigungen und Terminen. Um dieses gemeinnützige Angebot weiterhin fortführen zu können, sucht der Verein Kirtorf Aktiv derzeit dringend ehrenamtliche Bügerbusfahrerinnen und -fahrer.

In einer Pressemitteilung der Stadt Kirtorf heißt es, dass der Kirtorfer Bürgerbus nun schon seit Februar 2020 unterwegs ist und bisher viele Bürgerinnen und Bürger , die nicht mehr selbst fahren können und auf Hilfe angewiesen sind, befördert habe. Fahrten zu Hausarztterminen, zu Fachärzten, Einkaufsfahrten für Personen, die sich wegen Corona-Infektionen in Quarantäne befanden, zum Impftermin und Einkaufsfahrten für Bewohner des Pflegeheims „Haus am Gleenbach“ seien organisiert und von freiwilligen Fahrern und Fahrerinnen durchgeführt worden.

Die Anfragen für solche Fahrten werden zur Zeit immer häufiger, aber gleichzeitig werde es auch immer schwieriger, einen Fahrer zu finden, heißt es weiter. Daher startet der Verein „Kirtorf Aktiv“ nun einen Aufruf an alle, die Zeit haben und gesund und fit sind, sich ab und zu als ehrenamtliche Fahrer oder Fahrerin für hilfsbedürftige Menschen der Großgemeinde zur Verfügung zu stellen.

Jeder und jede entscheide dann im Bedarfsfall selbst, ob er oder sie zu einem bestimmten Termin fahren möchte. Um als Fahrerin oder Fahrer des Bürgerbusses tätig zu werden benötigt man nur ein Attest des Hausarztes sowie einen Sehtest.

Interessierte ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger können sich telefonisch an die erste Vorsitzenden Tanja Czupalla unter 06635/7541 oder an Renate Schmidt unter 06635/1268 wenden. Der Vorstand wünscht sich, dass die bisherige Erfolgsgeschichte des Bürgerbusses fortgesetzt werden kann und freut sich auf viele neue ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer.

Ein Gedanke zu “Erfolgsgeschichte soll fortbestehen

  1. Natürlich wünscht man den Bürgerbus-Projekten viele Freiwillige und nachhaltig gutes Gelingen. Doch ist so manches im ehrenamtlichen Bereich nicht ganz so ideal, wie es im Vorfeld der Planungen und in der Euphorie eines Neuanfangs dargestellt wird bzw. sich mit den Jahren entwickelt. Typisch für anspruchsvolle Freiwilligenarbeit mit hohem Bedarf an Sachmitteln, Organisation und individueller Einsatzbereitschaft ist in aller Regel eine gewisse Ermüdung der Beteiligten. Die „Begeisterung“ für ein Freiwilligen-Projekt nimmt in aller Regel nach und nach ab. Plötzlich steht der Fortbestand in Frage, weil nicht mehr genügend Ehrenamtliche zur Verfügung stehen, um den alltäglichen Betrieb abzudecken. Sehr typisch ist die Entwicklung, dass bis auf die Idealisten der ersten Stunde immer mehr Beteiligte abspringen und das schöne Projekt nur noch aufrecht zu erhalten ist, indem die „Protagonisten“, Wortführer usw. immer mehr Pflichten auf sich nehmen, bis auch sie erschöpft sind. Und irgendwann schließt dann eben der Jugendraum, der Nachbarschaftshilfe-Verein oder eben auch die Bürgerbus-Linie, die es im übrigen oft gar nicht gäbe, wenn die hohen Anfangs-Investitionen nicht durch öffentliche Gelder bereit gestellt würden. Man muss hier wohl einräumen, dass durch großzügige Fördermittel auch Fehlanreize entstehen. Man möchte sich die öffentlichen Zuschüsse für die Gemeinde oder den Trägerverein gerne sichern, stellt großartige Anträge, gibt vollmundige Versprechen ab und bedenkt nicht, was an Folgekosten oder eben ehrenamtlich zu erbringenden Arbeitsstunden auf Dauer notwenig ist, damit aus dem „Leuchtturm-Projekt“ keine Eintagsfliege wird.
    Dies jetzt rein moralisch zu bewerten und die ehrenamtliche Arbeit gar in Frage zu stellen, wäre aber falsch. Jeder kennt aus dem Alltag eine Art Gesetzmäßigkeit, dass soziales Engagement, der Zulauf zu bestimmten Sportarten, die Motivation einer bis dahin erfolgreichen Mannschaft usw. sich „aufbrauchen“. Niemand wundert sich doch, wenn der Spitzen-Fussballclub XY plötzlich seinen erfolgreichen Trainer feuert, weil dieser „Flasche leer“ hat und keine neuen Impulse mehr einbringt. „Trainerwechsel“ im heute geläufigen Sinne sind eben nur da möglich, wo gewisse finanzielle Anreize die richtigen Trainer- oder Spielertalente anziehen und man neue Motivation aufbauen kann. Das ist in der ehrenamtlichen Arbeit oft nicht der Fall. Oft ist man froh, wenn sich überhaupt noch jemand findet, der den Vereinsvorsitzenden, Platzwart oder Jugendbetreuer „spielt“.
    Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass freiwilliges Engagement nur im Idealfall von allein entsteht und über Jahre und Jahrzehnte mit Begeisterung ausgeübt wird. Man muss die motivationspsychologische Seite des Ehrenamts, aber auch die Frage der Qualifikation und Qualifizierung heute stärker in den Blick nehmen. Mit Blumenstrauß, feuchtwarmem Händedruck der Kommunalpolitiker, Ehrenurkunde oder dem Bild in der Tageszeitung ist nicht mehr viel auszurichten. Die zentrale Zukunftsaufgabe besteht darin, Ehrenamtliche durch Hauptamtliche zu begleiten und zu schulen. Auch über Formen der „Belohnung“ muss neu nachgedacht werden. Neulich las ich über einen bekannten Verein, dass keiner der Vereinsoberen eine sog. „Ehrenamtscard“ besitze. Kommentar: Da lohne sich der Aufwand der Beantragung nicht, denn es gäbe kaum attraktive Vorteile.

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge Dich ein, um als registrierter Leser zu kommentieren.

Einloggen Anonym kommentieren