Politik3

So reagiert die Homberger LokalpolitikBlum kandidiert nicht erneut als Bürgermeisterin

HOMBERG OHM (ls). Im Frühjahr 2022 wird in Homberg Ohm ein neuer Bürgermeister gewählt – allerdings ohne die Amtsinhaberin. Bürgermeisterin Claudia Blum hat sich nämlich dazu entschieden, nicht erneut zu kandidieren. Für die Homberger Lokalpolitik kommt die Entscheidung nicht überraschend.

Hombergs Bürgermeisterin Claudia Blum wird nicht erneut für das Amt der Rathauschefin kandidieren, das teilt Blum selbst in einer Pressemitteilung mit. 2016 wurde Blum, die damals für die SPD antrat, gewählt und setzte sich in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit 54,5 Prozent gegen Eckhard Hisserich mit 45,5 Prozent der Stimmen durch. Im kommenden Frühjahr stehen die nächsten Bürgermeisterwahlen an.

„[…] für mich hat sich die Frage gestellt, ob ich für eine zweite Amtszeit kandidieren werde“, erklärt Blum. Diese Frage habe sie intensiv geprüft und sei zu dem Entschluss gekommen, nicht erneut zu kandidieren. Zwar sei das Bürgermeisteramt für sie mehr als nur ein Beruf, der mit vielen interessanten Erlebnissen und Begegnungen einher gegangen sei, doch freie Wochenenden seien selten, wodurch zunehmend weniger Zeit für Familie, Freunde und vor allem die Erhaltung der Gesundheit bleibe.

„Letztendlich haben die hiesigen Entwicklungen der politischen Rahmenbedingungen für die Ausübung des Bürgermeisteramtes den Ausschlag für diesen Entschluss gegeben. Für diese Entscheidung bitte ich um Verständnis“, teilt Blum mit und stellte in Aussicht, dass sie die verbleibende Amtszeit bis zum 30. Juni 2022 mit aller ihr zur Verfügung stehenden Kraft und bestmöglichem Engagement zu Ende führen werde.

Entscheidung für Lokalpolitik nicht überraschend

Kai Widauer, Fraktionsvorsitzender CDU

„Die Ankündigung kam für mich nicht überraschend, da der Druck aus der Bevölkerung und auch im Parlament, nicht nur im Bezug auf die A49, immer größer wurde“, erklärt Kai Widauer, der CDU-Fraktionsvorsitzende. Er könne den Entschluss der Bürgermeisterin nachvollziehen, da ein solches Amt sehr kräftezehrend sei.

„Das Amt der Bürgermeisterin oder des Bürgermeisters ist ein 24/7 Job. Diesen Job muss man mit Leidenschaft ausführen, da hat man sehr wenig Freizeit und auch die Wochenenden sind mit Verpflichtungen terminiert, aber das weiß man, wenn man sich für ein solches Amt bewirbt“, erklärt Widauer. Dennoch sei erkennbar, dass die Anforderungen steigen und viele Bürgermeister nach zwei Wahlperiode nicht mehr zur Wahl antreten.

Die politische Situation in Homberg sei so, wie der Wähler es bestimmt habe. „Für die CDU Fraktion kann ich sagen, dass wir versuchen, unsere Wahlprogramm sukzessiv im Laufe der Wahlperiode umzusetzen“, sagt Widauer. Eine Zusammenarbeit mit dem Bürgerforum oder den Grünen werde es nicht geben, da es keine politische Basis gebe. Die CDU wolle sich um einen geeigneten Kandidaten bis dahin kümmern.

Jutta Stumpf, Fraktionsvorsitzende Demokratisches Bürgerforum

Die Fraktion Bürgerforum, so heißt es in der Antwort auf eine OL-Anfrage, vertrat und vertritt stets die Auffassung, dass ein Bürgermeister in einer Kleinstadt ausgeprägte Verwaltungskenntnisse zur sach- und fachgerechten Ausübung seines Amtes benötigt. Eine Ausbildung im Bereich der Verwaltung, ein entsprechendes Studium oder ein rechtswissenschaftliches Studium, stetige Fortbildung und am Besten mehrjährige Erfahrungen in verschiedenen Bereichen einer Verwaltung, seien unerlässliche Voraussetzungen für eine kompetente Tätigkeit, die auch die Möglichkeit eröffne, nachgeordnete Mitarbeiter und deren Handeln effektiv zu kontrollieren. Ohne fachliche Kompetenz sei eine qualitative und erfolgversprechende Arbeit bei den in Homberg Ohm anstehenden Aufgaben im Zusammenhang mit dem Autobahnbau und der Stadtentwicklung für die Fraktion nicht denkbar, heißt es weiter.

„Wir halten es daher für eine kluge und folgerichtige Entscheidung von Frau Blum, nicht mehr zu kandidieren. Wir wünschen ihr, dass sie eine neue berufliche Herausforderung findet, die ihren Kenntnissen und Fähigkeiten entspricht und bei der sie ihre Stärken erfolgreich einbringen kann“, erklärt Stumpf. Für die Zukunft Hombergs sei das Finden eines fachlich geeigneten Kandidaten besonders wichtig, da bereits sehr viel Zeit und Geld durch Fehlentscheidungen und deren „unreflektiertes Weiterverfolgen ‚verplempert'“ wurde.

„Wir hoffen deshalb darauf, dass ein neuer Kandidat nicht nach politischem Proporz, sondern ausschließlich nach fachlicher Eignung ausgesucht wird. Das haben die Homberger Bürger nämlich verdient“, sagt Stumpf und weist daraufhin, dass die Verwendung der männliche Form lediglich der besseren Lesbarkeit wegen genutzt wurde, sie allerdings alle Geschlechter inkludiere.

Auch die Homberger SPD, sowie die Grünen und Freien Wähler wurden angefragt, bis zum Redaktionsschluss für diesen Artikel lagen OL jedoch keine Antworten der Fraktionen vor. Der SPD Stadtverordnetenvorsteher Claus Gunkel erklärte allerdings bereits am Sonntag gegenüber der Oberhessischen Zeitung, dass sich die Entscheidung der Bürgermeisterin bereits abgezeichnet habe. Persönlich bedauere er den Verzicht, aber man müsse zur Kenntnis nehmen, dass die Stadt „politisch in einer ziemlichen Ausnahmesituation“ stecke, erklärte er gegenüber der Zeitung.

3 Gedanken zu “Blum kandidiert nicht erneut als Bürgermeisterin

  1. Man kann Frau Blum verstehen. Ständige persönliche Angriffe teils unter der Gürtellinie durch die Frontfrau der Grünen und dazu kaum Rückendeckung durch die SPD, eine Stadtverordnetenversammlung die nichts voranbringt, keine Entscheidungen trifft – alleine die letzte Sitzung mit 44(!) TOPs, zu allem und jedem ein teurer Anwalt der bisher ohne greifbare Ergebnisse nur Kosten verursacht hat. Das Trauerspiel um die Feldwegenutzung, die Ausweisung von Baugebieten (Maulbach, Geschäftszentrum Homberg etc) zeigen dass die Politik in Homberg unrettbar zerstritten ist. Und die Einwohner leiden unter dem Stillstand den sie auch noch bezahlen müssen. Ob ein neuer BGM oder BGmin damit klarkommt ist fraglich, genauso wie man gespannt sein darf wer sich das antun will.

    49
    6
  2. Die Grünen können ja Frau Schlemmer als Kandidatin aufstellen, die macht das mit Links.

    94
    22
    1. Dann müssten sich Schlemmer und Co aber auch sachlich mit diesem (und anderen Themen) auseinandersetzen. Das will man doch wahrscheinlich gar nicht. Aus dem Hintergrund „brüllen“ ist doch viel bequemer. Städte und Gemeinden (und damit meine ich am Ende die Menschen dort) müssen sich nicht wundern, wenn am Ende niemand mehr einen Bürgermeister-Job machen kann oder will. In Romrod ist es doch nicht anders: auf so einen Job kann man doch nur Ambitionen haben, wenn man von öffentlicher Verwaltung mit einer Mikro-Administration keine Ahnung hat. Dann werden halt Förster oder Sheriffs zu Bürgermeistern.

      49
      6

Comments are closed.