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Tamara Eilts war viereinhalb Monate mit ihrer Fregatte Hamburg im AuslandseinsatzMit dem Kriegsschiff unterwegs vor Libyens Küste – eine Eudorferin erzählt

WILHELMSHAVEN/EUDORF (akr). Fast viereinhalb Monate verbrachten rund 200 Soldaten der Fregatte Hamburg auf dem Mittelmeer. Im August war das Schiff im Rahmen der EU-Operation „Irini“ zur Kontrolle des UN-Waffenembargos gegen Libyen in See gestochen. Mit an Bord: Tamara Eilts, Berufssoldatin und gebürtige Alsfelderin. Hier erzählt die 29-Jährige über das Leben auf einem Kriegsschiff, ihre Rolle als Frau bei der Marine und die Bedeutung von Heimat.

Sie ist 143 Meter lang und 5.800 Tonnen schwer, die Fregatte Hamburg – das Kriegsschiff der Bundeswehr, das seit nunmehr über sechs Jahren der Arbeitsplatz von Tamara Eilts ist. Die gebürtige Alsfelderin ist Berufssoldatin, verbringt mehrere Monate im Jahr auf hoher See. Ihr letzter Auslandseinsatz liegt nur wenige Tage zurück. Sie war eine der mehr als 200 deutschen Soldaten, die seit August im Rahmen der EU-Operation „Irini“ im Mittelmeer im Einsatz waren.

Die Fregatte Hamburg war das erste Schiff der deutschen Marine, das an dieser Operation teilnahm. Das wichtigste Ziel des Einsatzes: das durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verhängte Waffenembargo gegen Libyen umzusetzen, oder einfacher ausgedrückt: den Waffenschmuggel von und nach Libyen auf Seewegen zu verhindern. Am 4. August hat das Schiff seinen Heimatstützpunkt Wilhelmshaven verlassen. Groß gefeiert werden konnte das allerdings nicht – Corona machte den Soldaten und ihren Familien einen Strich durch die Rechnung.

Die Fregatte Hamburg im Einsatzgebiet. Fotos: Tamara Eilts

„Pro Soldat durften nur zwei Familienmitglieder eingeladen werden, das Schiff betreten durfte allerdings keiner der Angehörigen“, erzählt Tamara Eilts noch immer etwas betrübt. Zu nicht Corona-Zeiten wäre das anders gelaufen. Tausende von Menschen hätten am Hafen gestanden und sich mit selbst gemalten Plakaten, bunten Ballons und schwenkenden Fahnen von ihren Liebsten bei diesem feierlichen Akt verabschiedet. Das fiel im Corona-Jahr jedoch viel kleiner aus – genauso wie das Einlaufen. Dazu aber später mehr.

Als Quereinsteigerin zur Marine

„Das Bundeswehr-Thema hat mich schon immer interessiert“, lächelt Tamara Eilts, die gerade einmal nicht in ihrer Marine-Uniform steckt. Sie trägt eine Jeans, ein dunkelblau kariertes Hemd, die Haare offen und nicht wie im Dienst zum Zopf und auch ihre Wimpern hat sie an diesem Tag getuscht. „So wie ich heute aussehe, sieht man mich im Dienst nicht.“

Sie hat Urlaub und verbringt diesen natürlich in der Heimat bei ihrer Familie im Alsfelder Stadtteil Eudorf. Hier im Vogelsberg ist sie aufgewachsen, ging zur Schule, machte ihre Ausbildung als Kauffrau für Versicherungen und Finanzen. Schon während ihrer Zeit auf der Realschule hatte sie sich beim Bund beworben, machte dann aber zunächst einen Rückzieher.

„Auf der Realschule ist man ja noch relativ jung, man wird gerade etwas selbständig, hat vielleicht seinen ersten richtigen Freund, fokussiert sich mehr auf sein Privatleben. Wenn man sich dann entscheidet zur Bundeswehr zu gehen, wird sich vieles auf einen Schlag verändern und zu diesem Zeitpunkt war ich einfach noch nicht bereit“, erzählt sie. Also absolvierte sie zunächst ihre Ausbildung. Auch wenn sie gerne als Kauffrau für Versicherungen und Finanzen gearbeitet hat, konnte sie sich nicht vorstellen, das 40 Jahre lang zu machen.

Eine Veränderung musste er – und da gab es ja die Bundeswehr, die ihr noch immer im Kopf herumschwirrte. „Jetzt probiere ich es nochmal“, fasste Eilts den Entschluss, den sie bis heute nicht bereut hat. Seit Januar 2014 ist sie nun schon bei der Marine, lebte in den ersten beiden Jahren in den unterschiedlichsten Kasernen. Seit ziemlich genau fünf Jahren ist sie in Wilhelmshaven stationiert.

Ein Kriegsschiff als Arbeitsplatz

Ihr Arbeitsplatz ist also seitdem ein Schiff, das den Namen Hamburg trägt. An Bord befinden sich ein Hauptgeschütz mit einer Reichweite von mehr als 18 Kilometern, zwei Maschinenkanonen, vier schwere Maschinengewehre – um nur einige der Waffen zu nennen.

Ein spontan entstandenes Foto für die Tochter eines Kameraden.

Als Hauptbootsmann ist Eilts in der Operationszentrale eingesetzt. Zu ihrem Aufgabenbereich gehört unter anderem die Überwachung und Aufklärung des Seegebietes, die Befehlsübermittlung oder auch die Kommunikation, um nur einige Beispiele zu nennen. Sprich: Sie bedient unter anderem Radargeräte, stellt die Radarbeobachtungen dar und wertet diese aus, berichtet von Vorschriften, kümmert sich um den Sprechfunkverkehr mit anderen Schiffen, Booten, Luftfahrzeugen oder Landdienststellen – viel administrativer Aufwand, doch Tamara liebt ihren Job. Seit Herbst 2019 ist sie Berufssoldatin.

In ihrer Laufbahn bei der Marine nahm sie bereits an drei Auslandeinsätzen teil. Der dritte und letzte war die Operation „Irini“. Angst hatte sie nicht. „Angst ist ein großer Begriff. Ich habe keine Angst, weder vor einem Einsatz oder einer Übung. Man hat einen gesunden Respekt, man beschäftigt sich ja mit dem, was man da macht“, erklärt die 29-Jährige selbstbewusst. Dieser Einsatz war jedoch anders. „Sonst hatte man Einsätze, bei denen man ein anderes Schiff abgelöst hat, man quasi eine gute Austauschbasis hatte, weil man berichtet bekam, was man besser machen oder noch mitbringen kann.“ Nun, dieses Mal war das nicht der Fall. Die Hamburg war nämlich das erste Schiff der Marine, das an „Irini“ teilnahm.

Nachdem die Außenminister der Europäischen Union im Februar 2020 vereinbart hatten, das Waffenembargo gegen Libyen zu überwachen, wurde einen Monat später die Operation „Irini“ beschlossen. Der Auftrag: verdächtige Schiffe im Einsatzgebiet zu entdecken und zu kontrollieren. Wurde ein verdächtiges Schiff gemeldet, mussten sich die Soldaten auf der Hamburg zuerst ein Bild der Lage machen, sie sogenannte Aufklärungsarbeit. Es ging also erst mit dem Hubschrauber in die Luft, damit das Schiff aus den unterschiedlichsten Perspektiven fotografiert werden konnte. „Ich durfte auch einmal mitfliegen und die Bilder machen, das war gar nicht so einfach“, erzählt Eilts voller Stolz – ein Moment, der ihr sicherlich lange in Erinnerung bleiben wird.

Der Arbeitsplatz von Tamara Eilts: Die Fregatte Hamburg.

Diese Fotos wurden dann ausgedruckt, analysiert. Die Experten ermittelten mit ihnen allerhand Informationen – beispielsweise die Länge des Schiffes, ob es einen Hubschrauberlandeplatz gibt oder etwas verdächtig erscheint. Das war übrigens auch eine der Aufgaben von Tamara Eilts, ihr Arbeitsplatz war die Operationszentrale. Hier hat sie, um es kurz und knapp zusammenzufassen, den Überblick behalten und Entscheidungen mitgetroffen – ob das Schiff per Hubschrauber angeflogen werden kann oder ob Speedboote eingesetzt werden, zum Beispiel. Sie selbst ist nicht an Bord anderer Schiffe gegangen. Das war die Aufgabe extra ausgebildeter Bordingsoldaten. Sie war aber auch ein Teil der Bordwaffengruppe, die eingesetzt werden kann, sollte es mal richtig brenzlig werden. Was zum Glück nicht passierte.

Nicht immer bestätigte sich ein verdächtiges Schiff. Mitte September konnte die Fregatte aber einen Verstoß gegen das UN-Waffenembargo verhindern. Sie kontrollierte vor der libyschen Küste ein Tankschiff. Es hatte Kerosin geladen. Der Verdacht, dass der Treibstoff militärisch genutzt werden sollte stand im Raum. Also wurde das Schiff an der Weiterfahrt gehindert und in einen Hafen gebracht.

Doch nicht immer verlief eine Kontrolle so, wie sie eigentlich hätte laufen sollen. Als die Marinesoldaten einen türkischen Containerfrachter kontrollierten, sorgte das in den Medien für ziemlich viel Aufruhr – und für Streit zwischen der Türkei und der Europäischen Union. Den Befehl zur Kontrolle gab es wieder von der Operationsführung, so wie bei dem Tanker auch. Bei einem Verdachtsfall kann das Schiff dann weiter untersucht werden. „Dafür braucht es aber die Zustimmung des jeweiligen Landes“, erklärt Eilts.

Sonnenaufgang im Einsatzgebiet. Das Flugdeck ist vorbereitet für den Flugbetrieb.

In diesem Fall also die Türkei. Die reagierte aber nicht, die Soldaten durchsuchten das Schiff trotzdem. „Die Führungskräfte haben richtig gehandelt“, betont Eilts mit ernstem Ton. Sofern nämlich innerhalb einer bestimmten Frist, so etwa vier Stunden, keine Rückmeldung des Landes vorliegt, gilt das als stillschweigende Zustimmung. „Die Türkei hat dann erst viel später geantwortet, dass sie es nicht in Ordnung finden, dann haben wir unsere Jungs zurückgezogen.“

Die Hamburg hat aber nicht das ganze Mittelmeer kontrolliert, sondern nur ein bestimmtes Seegebiet, sie hat immer denselben Hafen angefahren, und zwar der von Souda, der größten natürlichen Bucht des Mittelmeers in der Nähe von Kreta. Das Schiff war somit nicht auf den klassischen Routen von Flüchtlingen unterwegs, die über den Seeweg versuchen, nach Europa zu gelangen, sondern Eilts zufolge „locker 300 Meilen“, also knapp 600 Kilometer, davon entfernt. „Ich habe keine überfüllten Boote gesehen“, sagt die 29-Jährige. Es war allerdings nicht ausgeschlossen, dass die Soldaten auf Menschen in Seenot treffen. „Darauf waren wir vorbereitet und ausgerüstet, wir hätten die Menschen dann natürlich gerettet“, betont sie.

Viereinhalb Monate kein Landgang

Besonders war der Einsatz aber nicht nur, weil sie das erste Schiff im Einsatz waren, sondern auch vor allem wegen der Corona-Pandemie. Die Besatzung musste zwar keine Masken tragen, sie durfte auch gemeinsam essen oder feiern, aber dafür herrschte striktes Landgangsverbot. Sie durfte das Schiff nicht verlassen, damit das Virus nicht an Bord geschleppt wird. Kein physischer Kontakt zu anderen Menschen, nur zur Besatzung. Sich in seiner Freizeit das Land genauer anschauen? Nicht in Zeiten von Corona. Aber darauf war die Besatzung vorbereitet. „Die Führung hat uns schon früh darüber informiert, was auf uns zu kommt“, sagt Eilts.

Was macht man so in seiner Freizeit? Viel Sport!

Was macht man also viereinhalb Monate auf See? Da es nicht ihr erster Einsatz war, wusste sie, was zu tun ist: genügend Bücher einpacken, Sportsachen nicht vergessen und die Festplatte mit Serien und Filmen füllen. Wer jetzt glaubt, dass die Soldaten viel Freizeit haben, der irrt sich. „Es ist keine Aida-Kreuzfahrt, sondern ein Einsatz. Grundsätzlich ist man 24/7 im Dienst. Man hat also immer seine Uniform an, außer beim Schlafen, Sport oder Duschen“, erklärt die Berufssoldatin und trinkt erstmal einen Schluck Wasser.

Unter der Woche gehen die Männer und Frauen auf dem Schiff ihrer Arbeit nach, Samstagvormittags auch. „Nachmittags hatten wir dann keinen regulären Tagesdienst, die Besatzung hatte dann quasi Freizeit, so wie sonntags. Die Zeit konnte man dann beispielsweise anders nutzen, es sei denn man war für den Wachdienst eingeteilt, das Schiff muss ja schließlich auch bewacht werden.“ Und was hat die 29-Jährige so in ihrer freien Zeit getrieben? „Viel Sport“, lacht sie. Eilts ist eine wahre Sportskanone. Mindestens eine halbe Stunde Bewegung am Tag steht bei ihr auf dem Programm. Wenn der Fitnessraum belegt war, hat sie sich einfach irgendwo anders ein Fleckchen auf dem Schiff gesucht, um sich fit zu halten.

„Wir hatten sogar unser eigenes Oktoberfest“, erzählt Eilts mit einem breiten Grinsen im Gesicht. So richtig mit Weißwurst, Brezeln, Dirndl und Lederhosen. Man war ja quasi ein Haushalt, wenn man in Corona-Kontaktbeschränkungsregeln denkt – ein 200-Mann-Haushalt, der in seiner eigenen kleinen Welt lebte. Daran können auch die Nachrichten über die Lage in der Heimat nichts ändern, die man auf dem Schiff natürlich verfolgt.

Amazon-Lieferungen auf dem Mittelmeer

Die Besatzung hatte übrigens auch einen gemeinsamen besten Freund: Amazon. Richtig gelesen. Die Soldaten konnten sich ganz einfach Sachen im Internet bestellen. Zwar gab es auf der Fregatte auch eine Art „Tante Emma Laden“, aber da war die Auswahl dann doch eher begrenzt. Die Amazon-Bestellungen gingen erst nach Wilhelmshaven. Die Logistiker der Bundeswehr schauten dann, in welchem Hafen sich die Fregatte gerade aufhält. Und dann kam eben eine große Sammelbestellung an. Tamara Eilts überlegt kurz. „Ich glaube fünf Tonnen Post war das Schwerste, was wir hatten. Aber da war dann auch Dienstmaterial dabei“, sagt sie.

Es sind die kleinen Momente, die Tamara glücklich gemacht haben – und dazu zählten vor allem die wunderschönen Sonnenauf- und untergänge, die sie immer wieder fotografierte.

Was bestellt man sich denn so auf hoher See? „Ich habe mir eine neue Sportmatte bestellt“, sagt sie. „Auf dem Schiff gibt es keinen Teppichboden, sondern rutschfesten Belag, ein bisschen wie Schmirgelpapier, das hat meine vierjährige Sportmatte nicht überlebt.“ Doch nicht nur Online-Bestellungen erreichten die Soldaten, sondern auch Briefe und Päckchen von ihren Liebsten.

Von einer Freundin hat Eilts zum Beispiel einen Adventskalender geschickt bekommen, ihr Vater, der frühere Alsfelder Stadtbrandinspektor Michael Eilts ließ ihr, wie bei den anderen Einsätzen auch, ein Versorgungspaket aus der Heimat zukommen, mit „roter Worscht“ und Kartoffelwurst. „Das sind dann schon so Momente, wo man Pipi in den Augen hat, das ist Heimat, Heimat im Mittelmeer bei 40 Grad.“ Natürlich stand sie auch während des Auslandeinsatzes in Kontakt mit Freunden und Familie. „E-Mail, WhatsApp, Telefon, das konnte man nutzen, vielleicht nicht in der Schnelligkeit, wie man es gewohnt ist.“

Bei 200 Soldaten eine ruhige Ecke zum Telefonieren zu finden, war allerdings nicht immer einfach. „Wenn wir im Hafen waren, hatten wir einen Bereich am Pier, wo man sich aufhalten durfte, aber das waren eben auch nur 143 Meter – sprich die Länge des Schiffs. So konnte man den Leuten wenigstens ein Minimum an Privatsphäre geben“, erklärt sie. Aber eben auch nur solange kein anderes Schiff oder keine anderen Menschen da waren. Woanders an Land durfte man sich allerdings nicht aufhalten. Strikte Anweisung der Vorgesetzten.

Von einer Männerdomäne in die nächste

Viereinhalb Monate verbrachte sie insgesamt auf der Hamburg. Sie war nur einige der wenigen Frauen, die an diesem Einsatz teilnahmen. Von der rund 200 köpfigen Besatzung waren lediglich 15 bis 20 Frauen mit an Bord. „Ich fand es aber angenehm, auch ein paar Frauen können anstrengend sein“, lacht die gebürtige Alsfelderin. Sich in der Männerdomäne zu etablieren, fiel ihr nach eigener Aussage nicht schwer. „Ich glaube meine Erfahrung bei der Feuerwehr kam mir da zugute. Sie war eine tragende Säule, die es mir einfach gemacht hat in dem Beruf“, sagt sie lächelnd.

2018 war Eilts unter anderem in New York. „Jahre lang bei der Feuerwehr. da geht das kleine Herz auch in anderen Ländern bei den roten Autos auf“

Die 29-Jährige war jahrelang ein aktives Mitglied der Alsfelder und Eudorfer Brandschützer, ehe sie 2019 aus dem aktiven Dienst als Löschmeister aus zeitlichen Gründen austrat, „ich bin sozusagen von einer Männerdomäne in die nächste gehüpft. Ich konnte also damit umgehen, wenn ich mir mal einen Spruch anhören musste“. Schlechte Erfahrungen, so sagt sie, habe sie als Frau in der Bundeswehr bislang nicht gemacht. „Du hast immer noch Soldaten, die die Einstellung haben, dass Frauen hier nichts verloren haben. Andere wiederum finden es sehr gut, und wieder andere sind der Ansicht, dass Frauen in einen bestimmten Bereich nicht hingehören.“

Eilts ist der Meinung, dass es aber auch darauf ankommt, wie man sich als Frau gibt. Sie macht sich zum Beispiel morgens nicht die Mühe, sich zu schminken oder eine schicke Frisur auszuprobieren. Sie macht sich einen Zopf, egal wie er aussieht. Hauptsache, sie hat die Haare aus dem Gesicht. „In der heutigen Zeit sollten wir nicht mehr die Frage diskutieren, wie Frauen aufgenommen werden. Es geht vielmehr darum, den Menschen als Ganzes zu sehen. Wir haben heutzutage nicht mehr nur Mann und Frau, sondern auch das Geschlecht divers. Der Fächer wird also immer breiter. Wird man später auch einem diversen Menschen die Frage stellen, wie man aufgenommen wurde?“

„Es gibt nur eine Heimat“

Nach fast fünf Monaten an Bord war es dann am 20. Dezember endlich so weit: Kurz vor Weihnachten lief die Fregatte wieder am Marinestützpunkt in Wilhelmshaven ein. „Das Einlaufen war so traurig. Ich wusste nicht, ob ich weinen soll, weil ich mich auf Zuhause freue oder ob ich weinen soll, weil das so ein entferntes Hallo war“, erinnert sie sich. Eine große Feier blieb nämlich auch dieses Mal wieder aus. Sie waren mitten im Lockdown angelandet. „Wir waren froh, dass überhaupt Angehörige reingelassen wurden“ – auch wenn die Familien ihre Autos nicht verlassen durften.

Das Bett der Soldatin – oder besser gesagt: die Privatsphäre, die man auf See hat.

Zwei Angehörige pro Soldat, Kinder bis zwölf Jahren zählten nicht, zwischen jedem Auto auf dem Pier musste eine Lücke frei bleiben und die Autos durften wie gesagt nicht verlassen werden: so ein Einlaufen hat es sicherlich noch nicht gegeben. „Die Menschen, die uns empfangen haben, haben aber das Bestmögliche aus der Situation gemacht – Hupkonzert inklusive“, lächelt sie. Ihr Bruder und ihr Vater haben sie abgeholt und sind dann gemeinsam mit ihr nach Hause gefahren. Nicht aber in ihre Wohnung in Wilhelmshaven, sondern nach Eudorf. „Ich wohne zwar in Wilhelmshaven, habe dort mein soziales Umfeld und bin da auch gerne. Aber die Heimat ist hier und das wird sie auch immer sein. Für mich gibt es nur eine Heimat.“

Bis Mitte Januar ist Eilts noch in bei ihrer Familie. „Ich freue mich hier zu sein, letztes Jahr war ich an Weihnachten im Einsatz in Athen.“ Sie freut sich aber nicht nur darüber, wieder Zeit mit ihren Liebsten verbringen zu können, sondern auch über die frische Landluft, die sie beim Joggen einatmet – „und über einen Jogginganzug, eine Couch, ein großes Bett und vor allem die Privatsphäre“, grinst die Soldatin. Auf Privatsphäre und Ruhe musste sie schließlich viereinhalb Monate verzichten.

2 Gedanken zu “Mit dem Kriegsschiff unterwegs vor Libyens Küste – eine Eudorferin erzählt

  1. BRAVO ZULU für diesen sehr guten Bericht um den Einsatz der Fregatte „HAMBURG“ Bin als „Alsfelder Jung“ von 1977 bis 1979 als Navigationsmaat auf dem Zerstörer „HAMBURG“ gefahren und habe meine Dienstzeit als Oberbootsmann (AR26) beendet. Es war eine schöne Zeit bei der Marine. Den Draht zur Flotte nicht verloren.

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