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Tag 12: Rodungsarbeiten im Herrenwald gehen weiter + Polizei wendet sich an AnwohnerAngeblich weitere Bäume gespiked, Polizei setzt bei Gerangel Pfefferspray ein

REGION (ol). Am zwölften Tag der Rodungsarbeiten für die A49 rücken die Forstmaschinen im Herrenwald weiter vor. Aktivisten behaupten, erneut einige Bäume mit Metall präpariert zu haben. Die Polizei setzt bei einem Gerangel Pfefferspray ein und wendet sich an die Anwohner der Dörfer, in denen sie viel Präsenz zeigt.

Zu Beginn dieser Woche stand wieder der Herrenwald im Fokus der Fällungen. Besetzercamps sollten zwar nicht geräumt werden, die Arbeiten sollten um die Barrios genannten Unterkünfte herum erfolgen – einen Zwischenfall gab es dennoch: Mehrere Aktivisten war es gelungen, durch Absperrung zu kommen. Zwei Aktivisten gelang es gar, zwei Bäum zu besetzen. Die Arbeiten mussten unterbrochen werden, Spezialkräfte der Polizei holten die Aktivisten von den Bäumen zurück auf den Boden.

Wenige Stunden zuvor war auf der bei linken Gruppen beliebten Online-Plattform indymedia erneut ein Bekennerschreiben aufgetaucht – dieses Mal ging es zum wiederholten Male um Bäume im Herrenwald, die mit langen Metallstiften, sogenannten Spikes, versehen worden seien, sodass angeblich keine Kettensäge durchkommt. Ähnliches hatten Aktivisten bereits Anfang der vergangenen Woche gemacht, allerdings wurden damals die Baume klar markiert und waren so erkennbar. Diese Markierungen, so hieß es im aktuellen Schreiben, würden diesmal fehlen.

„Wir dachten uns letzte Nacht, dass das nicht reicht und haben auch unmarkierte Bäume gespiked“, heißt es in dem Schreiben. Das tue den Bäumen zwar nicht gut, doch würde man es nicht tun, würden die Bäume wenige Tage später sowieso gefällt. „Hört auf, den Herrenlosen Wald zu fällen, allein schon für die Sicherheit der beteiligten Arbeiter*innen“, heißt es weiter. Die meisten Bäume würden in der Nähe des Barrios „Gegenüber“ stehen.

Polizei wendet sich Anwohner

Die Polizei hatte sich bereits am Morgen an die Anwohner der umliegenden Städte und Dörfer gewandt und um Verständnis für den Einsatz gebeten. Dabei dürften die Beamten vor allem Maulbach im Kopf gehabt haben. Dort war es letzte Woche zu Auseinandersetzungen zwischen Beamten und Anwohnern gekommen, die Anwohner fühlten sich eigenen Angaben nach nahezu belagert von der massiven Polizeipräsenz.

„Die letzten beide Wochen waren für uns, die Polizei, erwartungsgemäß sehr ereignisreich und dynamisch“, heißt es in der Stellungnahme. Mit vielen Hundert Polizistinnen und Polizisten sei man täglich im Einsatz, „um die friedliche Meinungskundgebung zu ermöglichen und die Baumaßnahmen zu begleiten“. Da sei es verständlich, dass sich Anwohner angesichts des hohen Polizeiaufkommens in den Orten wie in einem Ausnahmezustand fühlen. „Wir verstehen Ihre Sorgen und versprechen Ihnen, dass die Einsatzleitung, die eingesetzten Polizistinnen und Polizisten im Hinblick auf diese für alle besondere Einsatzsituation sensibilisiert“, erklärt die Polizei. Auch für viele der Beamten seien die Einsätze eine Herausforderung, bei der man sich selbst in Gefahr begebe und teilweise heftigen Beleidigungen und Beschimpfungen ausgesetzt sei.

Man versuche immer kommunikative Lösungen zu finden, doch oft würden die Anweisungen der Beamten ignoriert werden, weshalb in einigen Fällen „leider auch Zwangsmaßnahmen erforderlich“ seien. Die beschriebenen Schritte müssten unter Kriterien der Verhältnismäßigkeit erfolgen. „Wer diese nicht gewahrt sieht, hat selbstverständlich jede rechtliche Möglichkeit, diese überprüfen zu lassen“, heißt es. Weiterhin macht die Polizei darauf aufmerksam, dass man nicht von Momentaufnahmen auf das gesamte polizeiliche Handeln schließen solle.

Polizei setzt Pfefferspray ein

An diesem Montagnachmittag gab es wieder eine Konfliktsituation, diesmal jedoch zwischen Polizisten und Aktivisten. Im Zuge einer Kontrolle flüchteten den Beamten nach ein Mann und eine Frau. Beide versteckten sich laut den Polizisten in einer nahegelegenen Kuhle und folgten der Aufforderung nicht, ihr Versteck zu verlassen. Als die Polizei den Mann aus seinem Versteck ziehen wollte, soll er unvermittelt zugeschlagen und einen Beamten mit der Faust im Gesicht getroffen haben.

Bei der anschließenden Festnahme kam es zu einem Gerangel und in Folge des Widerstands zum Einsatz von Pfefferspray durch die Polizei. Zwei Polizeibeamte erlitten hierbei Verletzungen. Der Angreifer blieb bis auf die Auswirkung des Pfeffersprays unverletzt, hieß es von der Polizei. Bei ihm und allen durch das Pfefferspray Betroffenen seien noch vor Ort die Augen ausgespült worden. „Die kontrollierten Personen erhielten nach den polizeilichen Maßnahmen eine Platzverweis, gegen den Mann wurde Anzeige wegen tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte erstattet“, heißt es in der Mitteilung.

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8 Gedanken zu “Angeblich weitere Bäume gespiked, Polizei setzt bei Gerangel Pfefferspray ein

  1. Man muss sich nur die „Daumen hoch / Daumen runter – Bewertungen“ in sämtlichen Beiträgen zur A49 anschauen und schon hat man ein realistisches Bild von der Meinungsverteilung der oberhessen-live-Leser. In einer Demokratie entscheiden Mehrheiten und wer in keiner Demokratie leben will, lebt im falschen Land !!! … Mir gefällt auch einiges nicht, was bei und demokratisch entschieden wurde, aber dennoch akzeptiere ich es (z. B. dass ich zu viel Steuern zahle, mit der andere Faulenzer und Berufsdemonstranten und deren Taten finanziert werden).

  2. Es ist eine Schande, dass intakte Wälder für eine überflüssige Autobahn abgeholzt und unwiederbringlich zerstört werden.
    Landesregierung und ausführende Behörden und Firmen sollten sich schämen.
    Lernt ihr denn nie dazu?
    Startbahn West lässt grüßen! Heute wissen wir noch mehr zur Klimakrise!!!

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  3. Polizei bittet um Akzeptanz wegen hoher Präsenz in den Dörfern. Kann ich fast verstehen, aber warum fahren die Mannschaftswagen Sonntagsabends in hoher Stückzahl, mit hoher Geschwindigkeit und mit Blaulicht durch die 30er Zone in Homberg (Ohm)? Ich sage, rein zur Einschüchterung der Anwohner!! Diese Fahrzeuge können auch die Umgehung Ostring fahren.

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    1. Weil die Sonntag auch gerodet haben.
      Und wenn die Blaulicht an ist dürfen die schneller fahren macht Feuerwehr und Krankenwagen auch aber ich stimmt Feuerwehr und Krankenwagen wollen euch auch nur ein schüchtern lach.

      Was ist das denn für eine witzige Aussage ich hoffe das dies nicht ernst gemeint haben.

      Wohnen sie mal in kirtorf da sehen sie die Polizei jeden Tag und es stört uns nicht sondern fühlen uns etwas sicherer als ohne die Polizei selbst die zivil ist dauer Gast bei uns.

      Aber die Leute die es stört haben immer was zu verheimlichen ;)

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  4. Ganz feinen Kerl haben wir hier: Er kommt nicht aus seiner Kuhle. Wird er gezogen, schlägt er zu.

    Und wenn dann Pfefferspray folgt wird rumgejammert und “Hilfe Polizeigewalt” gerufen.

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  5. Die Polizei macht eine vorbildliche Arbeit. Einschränkungen hängen oft mit der Sicherheit zusammen. Ich möchte mal Frau Schlemmer hören wenn einem ihrer Schützlinge ein Bein abgefahren wird.

    Anspruchshaltung der Anwohner kann ich nicht verstehen. Wenn keine Anarchisten im Wald wären, müsste keine Polizei kommen. Wenn niemand diese Leute geholt hätte, wären auch keine im Wald.
    Also, ihr wisst schon bei wem ihr euch beschweren solltet.

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  6. Demonstrieren ohne Gewalt, scheint für die „Aktivisten“, nicht möglich. Das anbringen von Metallstiften ist so sinnlos, wie contraproduktiv. Auch wenn ich für den Erhalt von Wäldern bin, so ist das Übel doch an der Wurzel zu packen und die sitzt nicht im Dannenröder Forst.

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  7. Mal sehen wie die Aktivisten den heutigen tätlichen Angriff auf den Polizisten im Herrenwald erklären werden. Ihr braucht euch doch echt nicht zu wundern wenn die Polizei bald eine härtere Gangart an den Tag legt. Das wird dann auch höchste Zeit. Sowas geht gar nicht.

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