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Offene Fraktionssitzung der Linken im Hessischen Landtag im Dannenröder Wald„Wenn hier gerodet wird, werden wir hier sein und uns gegen die Räumung stellen“

DANNENROD (akr). „Ihr habt unsere Unterstützung“, versicherte Janine Wissler, die Fraktionsvorsitzende der Linken im Hessischen Landtag. Am Dienstag stattete sie nämlich dem Dannenröder Wald für eine öffentliche Fraktionssitzung einen Besuch ab – genauer gesagt den Waldbesetzern. Gemeinsam mit ihrer Fraktion und weiteren Parteimitgliedern wollte sie Solidarität zeigen und sich über den aktuellen Stand der Dinge informieren – und das eben direkt vor Ort.

Es waren rund 150 Menschen, die sich am Dienstagvormittag auf den Weg in den Dannenröder Wald machten. Für einige der Linken Politiker war es nicht das erste Mal, dass sie dort waren, beziehungsweise den Besetzern einen Besuch abstatteten. Für Janine Wissler, Fraktionsvorsitzende der Linken im Hessischen Landtag, schon.

Von der Mahnwache aus ging es für die große Gruppe nach einer kleinen Begrüßungsansprache von Wissler und dem stellvertretenden Fraktonsvorsitzenden Jan Schalauske dann auch schon direkt los. Barbara Schlemmer vom Aktionsbündnis Keine A49 zeigte auf dem Weg unter anderem, wo die geplante Trasse entlang führen soll. Wolfgang Dennhöfer vom BUND machte darauf aufmerksam, wie besonders und einzigartig dieser Wald sei, denn hier würden noch jahrhundertealte Bäume stehen.

Bereits auf dem Weg in den Wald gab es allerhand Informationen. Fotos: akr

„Solche Fraktionssitzungen machen wir auch nicht immer“, lächelte Schalauske, als man nach dem Spaziergang durch den Wald, entlang an Barrikaden und Tripods, schließlich am Camp „Oben“ ankam. Da allerdings selbst die Waldbesetzer nicht mit so einer großen Gruppe gerechnet hatten, entschied man sich kurzerhand, das Treffen auf eine gerodete Fläche am Camp „Unterwegx“ zu verlegen. „Dieser Vor-Ort-Besuch hat wieder gezeigt, wie wichtig es ist, diesen Wald zu schützen. Ihr habt unsere Unterstützung. Wenn die Räumung kommt, dann haben auch wir vor zu kommen“, betonte Wissler.

Janine Wissler, Fraktionsvorsitzende der Linken im Hessischen Landtag.

Auch Torsten Felstehausen, Parlametarischer Geschäftsführer der Linksfraktion, versicherte den Aktivisten: „Wenn hier geräumt wird, dann werden wir hier sein und uns gegen die Räumung stellen“. Die Linke wolle sich auch weiterhin dafür einsetzen, dass der Weiterbau der A49 verhindert werde. So haben die Linken erst vor wenigen Tagen einen offenen Brief an die Umweltministerin Priska Hinz und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir geschrieben, in dem sie fordern, dass sich die Landesregierung für ein sofortiges Bau-Moratorium einsetzen soll.

Torsten Felstehausen, Parlamentarischer Geschäftsführer und Sprecher für Umwelt, Datenschutz, Forste und Naturschutz, Verbraucherschutz.

„Der Weiterbau der A49 muss gestoppt werden, Alternativen müssen geprüft und umgesetzt werden“, heißt es unter anderem in dem offenen Brief. Es sei fünf nach zwölf – die Folgen des Klimawandels mit Artenverlust, Waldsterben und Trinkwasserknappheit würden deutlich machen, dass der Weiterbau der Autobahn ausgesetzt und überprüft werden müsse. Der Weiterbau der A49 von Schwalmstadt bis zur A5 bei Gemünden widerspreche den Zielen des Hessischen Klimaschutzplanes, er widerspreche den Zielen der Hessischen Nachhaltigkeits- sowie den Zielen der hessischen Biodiversitätsstrategie.

Die Aktivisten freuten sich über die angekündigte Unterstützung der Linksfraktion. Barbara Schlemmer vom Aktionsbündnis Keine A49 und selbst Grünen-Politikerin betonte jedoch, dass es ein Skandal sei, dass nicht Tarek Al-Wazir, Eva Goldbach, Bettina Hoffmann oder Robert Habeck hier vor Ort waren, denn ihrer Meinung nach müssten die Grünen Politiker alle hier stehen. Kurze Ansprachen gab es an diesem Tag aber nicht nur von den Linken, sondern auch von weiteren A49-Gegnern – so zum Beispiel Reinhard Forst von der „Schutzgemeinschaft Ohmtal“.

Die Fraktionssitzung mitten im Wald.

Seit über 42 Jahren setzt sich Forst gegen den Weiterbau der A49 ein. Schon 1997 habe eine von der Landesregierung beauftragte Gutachtergruppe, die die Auswirkungen der Autobahnplanung auf Mensch und Umwelt untersuchte, wegen der Schwere der Schäden einen Verzicht auf die Autobahnplanung empfohlen. Das Hessische Wirtschaftsministerium hielt dennoch an den Planungen fest. „Das, was wir jetzt wissen, haben wir schon vor 40 Jahren gewusst“, betonte Forst. Nachdem Wolfgang Dennhöfer noch kurz über den Naturschutz, die Artenvielfalt und die Trinkwasserproblematik sprach,  gab es noch eine kleine Fragerunde, ehe man sich zu einem gemeinsamen Mittagessen wieder auf den Weg ins Camp „Oben“ begab.

Mit Janine Wissler war eine Politikerin im Wald, die bald mehr als bislang im Rampenlicht stehen könnte: Wissler hat ihre Kandidatur für den Bundesvorsitz der Linken angekündigt, bislang ist sie stellvertretende Parteivorsitzende. Wie sie ihre Chancen einschätzt? Würde sie keine Möglichkeit sehen, gewinnen zu können, hätte sie nicht kandidiert, sagte die 39-Jährige. Ebenfalls beworben hat sich Susanne Hennig-Wellsow, die Fraktions- und Parteichefin der Linken in Thüringen. Hennig-Wellsow geriet in den Fokus der Öffentlichkeit, als sie im Februar dem FDP-Mann Thomas Kemmerich aus Protest einen Gratulations-Blumenstrauß vor die Füße warf, weil dieser sich mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten hatte wählen lassen. Eine Doppelspitze der beiden Frauen gilt derzeit als wahrscheinlich, beide stehen in Kontakt.

Wisslers Haltung ist klar antikapitalistisch, bis vor Kurzem war sie Mitglied in mehreren extremeren parteiinternen Gruppierungen. „Ich bewerbe mich als Parteivorsitzende, da ist es üblich und richtig, die Unterstützung und Mitgliedschaft in innerparteilichen Strömungen und Zusammenhängen zu beenden. Das gilt in meinem Fall für die Sozialistische Linke, die Bewegungslinke und Marx21“, sagte sie der Zeit. „Der Verfassungsschutz beobachtet die Sozialistische Linke und die trotzkistische Gruppe Marx21. Innerhalb der Linken bezeichnen Kritiker Marx21 als politische Sekte“, schreibt der Spiegel.

Die Linken-Politikerin gehört auch zum Kreise Personen des Öffentlichen Lebens, die Drohschreiben mit rechtsradikalem Inhalt erhalten haben, die mit „NSU 2.0“ unterzeichnet waren. Für die Schreiben sollen nicht öffentlich bekannte Daten von Polizeicomputern abgegriffen worden sein, die Spur eines Verdächtigen führt auch zu einem Haus nach Kirtorf. Seit zwei Jahren wird nun schon ermittelt, als die ersten Fälle auftraten. Etwa 100 sind mittlerweile bekannt. In Wisslers Augen ist das zu lange, und es sind zu viele Wiederholungen. „Es passiert immer wieder, statt sofort den Riegel vorzuschieben“, sagte sie zu OL.

Weitere Eindrücke:

Leseraufruf: A49-Befürworter gesucht
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18 Gedanken zu “„Wenn hier gerodet wird, werden wir hier sein und uns gegen die Räumung stellen“

  1. Liebe Waldhüter,
    Ich habe großes Glück in jeder Nacht den „Gesprächen der Waldbewohner“ zu Folgen. Jetzt, da ich dies schreibe, ruft ein Waldkauz in das Meer von Grillenzirpen und es raschelt verdächtig am Berghang gegenüber unseres naturnahen Zuhauses. Ich bin so froh, dass es diese reine und von schlechten Worten und Gedanken unbefleckte Welt überhaupt noch gibt! Macht euch nichts aus unbedachten Kommentaren. Sie sind nur Schall und Rauch.
    All diese kurzsichtigen Menschen hier haben keinen Sinn mehr für Mutter Erde – woher sollen sie diesen auch nehmen? Es gibt ja kaum noch Echten Lebensraum zum Verstehen und Lernen….

    Ich wünsche all denen, die hier solchen uneingeschränkt primitiven Gedankenausbrüchen erliegen, dass sie eines Tages Aufwachen, Durchatmen, Erkennen und Verändern…
    Im Herzen ganz bei euch, ihr tut das einzig Richtige!!!!

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  2. Oh je oh je, jetzt machen noch die Kommunisten auf öko!?!

    Da warten wir mal ab, wo das noch hinführt.

    Und nicht vergessen: Die Marburger Grünen sind schuld, dass die Strecke so geplant wurde, wie sie ist. Armer Danni!

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    1. Falls es jemand vergessen haben sollte.
      Nicht zuletzt aufgrund des Befürwortens linksextremer Gewalt steht diese Partei – völlig zu Recht – unter Beobachtung des Verfassungsschutzes.

      Dachte eigentlich Frau Wissler hätte mehr drauf als billige Propaganda und die sozialistische Faust.

      Na hoffentlich erinnert sich das Wahlvolk nächstes Jahr bei der Wahl zum 20. Deutschen Bundestag daran …

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  3. Autobahnen brauchen wir nicht zum Leben, sauberes Trinkwasser schon.
    Da es so gut wie nicht regnet, wird das Wasser sehr sehr Wertvoll werden in Zukunft.

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      1. So so Autobahn brauchen wir also nicht ist nicht lebens wichtig?
        Da zeigst du das du keine Ahnung hast.
        Lkws befahren die sehr gerne und darauf fahren deine Nahrung deine Kleidung deine elektro Sachen deine Möbel und und.
        Und durch die Autobahn entsteht Arbeitsplätze wo dadurch Geld verdienen kann um Lebensmittel etc zu bekommen

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  4. Liebe Frau Schlemmer, lieber Herr Dennhöfer,
    alleine in Kalifornien ist in den letzten Monaten das 10000 fache dessen an Wald verbrannt, worum es hier geht. Haben Sie mal einen Tag darüber nachgedacht, wie lächerlich das ist, was Sie hier tun? Hier geht es um 3%,d.h. 97‰ der von Ihnen so geliebten dicken Bäume bleiben doch stehen. Mal darüber nachgedacht was zu tun ist, damit wir Waldbrände in Deutschland unter Kontrolle bringen?

    Statt echtem Umweltschutz geht es Ihnen nur um die Gier nach Macht und Anerkennung.

    Dass Bäume geschlagen und natürlich wieder aufgeforstet wird, ist ein normaler Vorgang, der in allen Wirtschftswäldern stattfindet.

    Mit Umweltschutz hat das was Sie hier veranstalten nichts zu tun. Wie Sie zu gut wissen, wird beim Bau keiner anderen Autobahn soviel Geld ausgeben, wie bei der A49.

    Hören Sie beide bitte endlich auf, die Menschen zu belügen.
    Und holen Sie endlich die Menschen, die Sie mit Ihrer Ideologie verführt haben, aus den Baumhäusern.

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    1. Tim – Bravo. Völlig richtig. Seit 40 Jahren wird über die A49 diskutiert. Herr Dennhöfer, warum jetzt protestieren, wenn Sie damals hätten mit Umwelt-Vorschlägen zum Wohl der Autobahn beitragen konnten. Zur A49 ist alles gesagt, und deshalb „JA 49“.

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  5. Na toll!
    Jetzt ist aus einem ehemaligen Aufbegehren der Anlieger an der zukünftigen A49 entgültig ein Politikum geworden. Wie schamlos nutzt die „Linke“ die Situation hier aus, um ihre verquirlten politischen Ansichten unter das Volk zu bringen. Ist ja fast Wahlwerbung zum Nulltarif. Was wollen die hier? Sind die von den Bewohnern der Region gerufen worden? Mit ihrem ganzen antikapitalistischem Scheißdreck sollen die doch bleiben, wo der Pfeffer wächst. Oder, Vorschlag, wie wäre es mit einer Demo in Weißrussland? Da würden die hinpassen, aber würden bald merken, dass man dort keineswegs solche komfortablen Demonstrationsrechte hat wie hier. Hoffentlich kommt bald der Tag X und man schmeißt die hochkantig aus dem Wald.

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  6. Durch die Dürreperioden der letzten drei Jahre sind hunderttausende Hektar Wald in Deutschland abgestorben, Millionen Hektar sind extrem geschwächt und labil. Waldumbau ist dringender denn je.
    Das nur vorneweg…
    Wenn dann im Artikel davon die Rede ist, dass man die Versammlung auf eine „gerodete“ Fläche verlegte, dann ist das nicht korrekt. Bei der Fläche die auf dem Bild zu sehen ist handelt es sich um einen aufgrund der katastrophalen Klimabedingungen der letzten drei Jahre abgestorbenen Waldbestand. Im Hintergrund sieht man weitere braune abgestorbene Nadelbäume. Das ist keine Rodung, sondern die Folge der Klimakatastrophe. Die paar Hektar die für die Autobahn benötigt werden sind zwar schmerzhaft, aber die durch unser aller saumäßig schlechtes Verhalten abgestorbenen Waldflächen übersteigen die Rodungsfläche um ein vielfaches. Wir lassen den Wald sterben durch unsinniges Autofahren z.B. etliche Male im Jahr in den Urlaub (obwohl es doch hier daheim z.B. in Dannenrod genauso schön ist…), durch ausufernde Digitalisierung, maßlosen Handygebrauch und den damit verbundenen Stromverbrauch (Internet und Tourismus sind zwei ganz wesentlich und leider oft ausgeblendete Klimasünder!!!).
    Solche Flächen gehören zügig aufgeforstet, DAFÜR benötigt man in ganz Deutschland die nächsten zehn Jahre MANPOWER!!! Liebe Demonstranten, beteiligt Euch an Wiederaufforstungen dieser Kahlflächen und Ihr könnt die 1000fache Fläche Wald dieser hier geplanten Rodung retten.
    Also liebe Fraktionen der verschiedenen Parteien (und damit meine ich nicht nur die LINKEN, sondern auch CDU und GRÜNE die in den letzten 10 Jahren für einen Personalexodus bei den Forstverwaltungen gesorgt haben.
    Ich bin auch kein Freund dieser Autobahn, aber der Wald in Deutschland hat ganz andere Probleme in einer viel größeren Dimension.
    Leider ist das Thema Waldsterben 2.0 weder bei allen im Landtag vertreteten Parteien noch in der Presse bisher ein Thema, reißerische Bericht über Baumbesetzungen und Klimaretter kommen da einfach besser rüber. Die wahren Helden sind die Waldarbeiter und Förster, die seit vielen Jahren versuchen unseren Wald zu retten.

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    1. Lieber Waldhüter,
      kann ich nur zustimmen. Es geht noch weiter mit Waldbränden. Alleine in Kalifornien 12000qkm. Extrem klimaschädlich die Verbrennungsgase und in den nächsten 100Jahren steht dort kein Baum mehr. Leider ist nicht zu vermittelten, was es für uns bedeutet, wenn es hier brennt. Der Dannenröder Forst wäre einfach weg, 1000ha.

      Von daher wäre es doch jede Anregung wert, Vorsorge zu treffen.

      Anstatt sich mit den wirklich wichtigen Themen zu befassen, wird eine Hetzjagt auf 40km Autobahn betrieben.

      Fakt ist, dass noch nie so viel Geld beim Bau einer Autobahn ausgegeben wurde wie bei der A49.

      Fakt ist auch, dass die Autobahn kein CO2 ausstößt sondern die Fahrzeuge die diese befahren. Obwohl die A49 noch nicht fertig ist, ist der Verkehr seit 30 Jahren da. Das zeigt die Notwendigkeit die A49 jetzt endlich fertig zu stellen.

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  7. Die Linke setzt sich vernünftigerweise für sozial Benachteiligte ein.

    Hier ignoriert sie juristische Entscheidungen und unterstützt offensichtliche Straftaten. Beschämend für eine Partei im Bundestag!

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    1. Welche juristische Entscheidung wird ignoriert?
      Kein Gericht hat die Meinungsfreiheit eingeschränkt und die Linke nutzt nur ihr Recht ihre Meinung zu vertreten, auch wenn das einigen Verfassungsfeinden nicht passt.

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      1. Die „Aktivisten“ besetzen und zerstören Privateigentum.
        Die forstwirtschaftliche Nutzung des Waldes wird verhindert.
        Journalisten und anderen wird gedroht.
        Vermummungsverbot usw wird ignoriert.

        Das Alles hat nichts mit Meinungsäußerung zu tun.

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