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Familie Diestel zieht extra dafür in eine neue WohnungRollstuhlhund Akotas zieht zu seiner neuen Familie

ALSFELD (akr). Über eineinhalb Jahre lang lebte der sechsjährige Rollstuhl-Hund Akotas im Alsfelder Tierheim. Am Donnerstag stand für ihn dann endlich die Reise in ein neues Leben auf dem Programm: Janina und René Diestel konnten nämlich gemeinsam mit ihrer zweijährigen Tochter Jolene den Rollstuhlhund endlich zu sich nach Hause holen, nachdem sie knapp ein halbes Jahr auf der Suche nach einer neuen Wohnung waren, in der ihr neues Familienmitglied auch erlaubt ist – und die natürlich auch rollstuhltauglich ist.

Ganz aufgeregt stehen Janina Diestel und ihre Tochter Jolene vor den Toren des Alsfelder Tierheims. „Gleich kommt Akotas“, hört man die Zweijährige mit einem Strahlen im Gesicht immer wieder vor sich her murmeln. Mutter Janina blickt immer wieder in Richtung Eingang. Ihr Mann René kümmert sich derzeit noch um den Papierkram. Lange haben die Drei auf diesen Moment gewartet, endlich dürfen sie den Rollstuhlhund Akotas als offizielles Familienmitglied mit nach Hause nehmen. Der Weg dahin war aber nicht einfach – und vor allem auch sehr emotional.

Es war der 28. März diesen Jahres, als die kleine Familie ihr neues Familienmitglied das erste Mal getroffen haben. Lange waren sie auf der Suche nach einem Hund, haben jegliche Tierheime in der Umgebung abgegrast. Auch dem Alsfelder Tierheim statteten sie einen Besuch ab, denn auf der Internetseite hatten sie etwas von Welpen gelesen, die ein neues Zuhause suchen. Doch fast alle Welpen waren schon vergeben. Die Familie hat sich dennoch umgeschaut. „Wir haben uns dann überlegt, dass es ja nicht zwingend ein Welpe sein muss. Auch ein Junghund wäre in Ordnung. Hauptsache er versteht sich mit Katze, Kind und ist eine ruhigere Seele“, erzählt Janina Diestel.

Kein Welpe, kein Junghund – Akotas hat die Herzen erobert

Nun, sowohl aus dem Welpen als auch dem Junghund wurde nichts – denn an diesem Tag lernten sie den sechsjährigen Akotas kennen – einen der sogenannten Rolli-Hunden. Der Rüde ist durch einen Unfall Querschnittsgelähmt. Ursprünglich kommt Akotas aus Rumänien, genauer gesagt aus dem größten Tierheim: der Smeura. Durch seine Behinderung ist der Rüde auch inkontinent. Es kann also sein, dass er unkontrolliert Kot und Urin verliert. Ein paar Mal am Tag sollte man zudem seine Blase ausdrücken, damit sie sich entleert. Für das Trio ist das jedoch gar kein Problem.

Akotas kehrt nach gut eineinhalb Jahren dem Tierheim den Rücken zu und beginnt ein neues Leben in seiner neuen Familie.

Doch wie kam dieses Kennenlernen jetzt überhaupt zustande? „Das ist der Kim zu verdanken. Hätte Kim uns nicht genau zugehört, hätten wir wahrscheinlich Akotas nie getroffen“, lächelt Janina Diestel. Tierheim-Mitarbeiterin Kim hatte nämlich genau darauf geachtet, welche Eigenschaften der künftige Hund haben sollte. Akotas passte ins Bild, also stellte sie ihn vor. „Ich fand es gar nicht schlimm, dass er quasi nicht in die Norm passt“, lächelt Diestel und erinnert sich daran, dass Akotas die Drei am Anfang allerdings nicht sonderlich beachtet hat. Aber der Rüde gefiel ihnen. Sehr sogar. Immer wieder besuchten sie ihm im Alsfelder Tierheim, gingen mit ihm Spazieren oder machten Ausflüge mit ihm, schlossen ihn ins Herz. „Ein großer Dank geht da auch an Agnes. Sie stand uns immer zur Seite“, lächelt sie. Agnes ist eine ehrenamtliche Mitarbeiterin, die viel Herzblut in die Rollstuhlhunde steckt.

Dann ist der große Moment endlich gekommen: Die Tür geht auf und Akotas kommt auf sie zugeflitzt. Sie kann ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Tochter Jolene stampft vor Freude mit ihren kleinen Füßen auf dem Boden herum, hebt die Arme in die Luft und lacht laut. „Akotas, Akotas“, ruft die Zweijährige und ein breites Grinsen macht sich in ihrem Gesicht breit. Auch René Diestel ist glücklich, Akotas jetzt endlich mit nach Hause nehmen zu dürfen. Dafür haben sie sich sogar extra eine neue Wohnung gesucht und ziehen von Fulda ins rund 50 Kilometer entfernte Bad Soden-Salmünster. Für ihn bedeutet das, dass er nun täglich auch 50 Kilometer mehr zur Arbeit fahren muss. „Aber wenn ich mir meine Mädels anschaue, wie sehr sie sich freuen, macht mir das gar nichts aus“, lächelt er.

Endlich darf Tochter Jolene ihren geliebten Akotas mit nach Haus nehmen.

Kein Leben ohne Akotas: eine neue Wohnung musste her

Über Ostern hatte die Familie den Hund zu sich nach Fulda geholt. Das hatten sie auch ihrer Vermieterin angekündigt, die damit kein Problem hatte, schließlich wäre es nicht das erste Mal gewesen, dass in der Wohnung auch ein Hund lebt. Doch dann hatte die Vermieterin plötzlich doch ein Problem damit. „Wir haben sie natürlich versucht umzustimmen. Wir haben ihr sogar angeboten mehr Miete zu zahlen“, erzählt Diestel. Aber keine Chance. Also entschied sich die Familie, sich eine neue Wohnung zu suchen, denn ein Leben ohne die Fellnase konnte sie sich nicht mehr vorstellen.

Nach Ostern brachten sie den Rüden wieder ins Tierheim. Sofort machten sie sich auf die Suche nach einer neuen Wohnung. „Das war allerdings alles andere als leicht. Wir haben sehr viele Absagen bekommen, manche haben sich überhaupt gar nicht zurückgemeldet“, erzählt sie. Immer wieder besuchten sie ihren Liebling im Tierheim, machten Ausflüge mit ihm. „Es war einfach grauenhaft, ihn dann immer wieder zurückbringen zu müssen“. Aber das Glück war dann doch auf ihrer Seite – genauer gesagt in Bad Soden-Salmünster. Dort fanden die Diestels eine Fünfzimmer-Wohnung mit Garten und Terrasse, die sich perfekt für Akotas eignet.

Ann-Catrin Schmidt und Kim mussten sich von ihrer Fellnase verabschieden. Das Tierheim steht der Familie aber weiterhin bei jeglichen Fragen oder so zur Verfügung.

„Jetzt wussten wir, dass wir ihn endlich nach Hause holen können und er jetzt zur Ruhe kommen kann“, freut sich Jolenes Mutter. „Janina ist seit gestern total hibbelig und aufgeregt, sie hat fast geweint als wir in die Straße zum Tierheim abgebogen sind“, erzählt ihr Ehemann. Während Jolene ihren neuen Gefährten mit Leckerlies verwöhnt, verabschiedet sich auch Tierheim-Vorsitzende Ann-Catrin Schmidt noch von ihrem Schützling. „Akotas hat hier viele Herzen im Tierheim erobert. Ich kann es gar nicht wirklich glauben, dass jetzt der Tag gekommen ist“, lächelt sie und hofft, dass auch bald der letzte Rollstuhlhund Sirius ein Zuhause findet, denn neben Akotas hat auch Kholaya bereits eine liebevolle Familie gefunden.

Eine Hürde gilt es jetzt aber noch zu bewältigen: Die Autofahrt nach Hause, denn das mag die Fellnase eigentlich überhaupt nicht. An diesem Tag scheint das aber nicht der Fall zu sein. Ohne Widerstand schnallt seine Besitzerin ihn aus dem Rollstuhl und hebt ihn vorsichtig in den Kofferraum. Akotas ist tiefenentspannt, so als würde er wissen, dass nun die Reise in ein neues Leben beginnt.

3 Gedanken zu “Rollstuhlhund Akotas zieht zu seiner neuen Familie

  1. Ich beglückwünschen meine Tochter und Renè zu soviel Mut sich einen Hund mit Behinderung aus dem Tierheim zu holen.Wir hatten schon immer Tiere in der Familie denn ich bin der Meinung Kinder die mit Tieren aufwachsen haben später ein besseres Sozialverhalten und sind dadurch viel aufgeschlossener.Ich wünsch euch viel Spaß mit eurem neuen Familienzuwachs,ich bin Stolz auf euch!!!!!!

  2. Das Schicksal hält Wege bereit,an die wir nicht denken…
    Wunderbare Wendung für ein gemeinsames Leben…
    Dickes Pfoten drück
    und eine ganz lange Wegstrecke…
    Tolle Familie..klasse Hund

  3. Das ist Tierliebe! Rührend! Schön, dass auch in dieser Zeit, Tiere ein Zuhause finden. Insbesondere dann, wenn sie ein Handicap haben.

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