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Schule an der Wascherde veranstaltet Zeugnisübergabe im Auto-Kino-StilEin Abschluss zum Mitnehmen

LAUTERBACH (tsz). So haben sich die Schulabsolventen der Schule an der Wascherde in Lauterbach ihre Zeugnisübergabe ursprünglich sicher nicht vorgestellt. Statt einer großen Feier in der Aula fand diese nämlich auf dem Parkplatz des Schulgeländes statt. Feierliche Stimmung und auch einige Tränen gab es allerdings trotzdem.

„Guten Abend, darf ich alle bitte auf das Parkgelände bitten“, ertönte es an der Haupt- und Realschule an der Wascherde am Freitagabend. Der Parkplatz war zur späten Stunde fast komplett gefüllt, Männer und Frauen, Mädchen und Jungen in Anzügen und Kleidern versammelten sich zur Übergabe der Zeugnisse an die diesjährigen Absolventen. Aufgrund der Corona-Beschränkungen musste diese allerdings anders stattfinden, als es ursprünglich angedacht war. Statt einer prall gefüllten Aula fand die Übergabe stattdessen im schnell improvisierten Autokino statt.

Eine Idee aus der Not heraus

„Wir wollten unsere Schüler nicht einfach Schichtweise in einem Zimmer verabschieden. Und wir wollten den Eltern ermöglichen, dem Abschied der Kinder beizuwohnen“, erklärte Schulleiterin Tanja Schwan-Brosig die Intention hinter der besonderen Feierlichkeit. Die Idee dafür sei aus der Not heraus entstanden: „Wir haben überlegt, was können wir tun, und da ist und das hier am plausibelsten erschienen“, beschreibt sie.

Die Zeugnisübergabe mit Mundschutz und Handschuhen.

Damit wurden in diesem Jahr 84 Schüler der Schule an der Wascherde, 44 von der Hauptschule und 40 von der Realschule, in diesem etwas anderen Ambiente verabschiedet. Damit sich auch nicht zu viele Personen gleichzeitig auf dem Parkgelände aufhielten, hatte man die Verabschiedung in zwei Etappen aufgeteilt: Zuerst die Hauptschulabsolventen und mit etwas zeitlichem Abstand die Realschulabsolventen.

Emotionale Worte zum Abschied

„Wir haben insbesondere in den letzten Monaten wirklich großartiges geleistet. Das Schuljahr 2020 wird sich sicher in unser aller Gedächtnis einprägen“, resümierte die Schulleiterin die letzten Monate der Absolventen. Zwar habe ihnen die Corona-Krise gerade in der Zeit ihrer Abschlussprüfungen eine Menge Steine in den Weg gelegt, aber dennoch hätten sie diese schwierigen Zeiten mit Bravour gemeistert. „Gemeinsam, mit Schülern, Lehrkräften und Eltern, haben wir in dieser Zeit eine Spitzenarbeit geleistet“, bedankte sich Schwan-Brosig bei den Anwesenden.

Schick trotz Parkplatz: Die abschlussgerechte Kleidung haben sich die meisten Schüler und Schülerinnen nicht nehmen lassen.

Einige Abschiedsworte gab es auch von den Klassenlehrer der Haupt- und Realschulabsolventen. „Als ich hörte, zum ersten Mal eine Klassenleitung zu übernehmen, und dann auch noch einer zehnten Klasse, da musste ich erstmal schlucken. Ja, auch heute bin ich etwas aufgeregt, aber nicht weil ich euch nicht kenne, sondern weil ich euch heute verabschiede“, lies die Klassenlehrerin der Klasse 10a die Anfänge mit ihre Schülern Revue passieren. Ebenso emotionale Worte gab es auch von der Klassenlehrerin der Klasse 10b, Ann-Kathrin Geisel. „Bis hierhin habe ich euch immer mit einer schützenden Hand begleitet, auf den Weg der Zukunft müsst ihr euch nun alleine begeben. Passt gut auf euch auf und lasst mal von euch hören, meine Schäfchen“, verabschiedete Geisel ihre Klasse, während bei den Anwesenden einige Tränen kullerten.

Ein Gedanke zu “Ein Abschluss zum Mitnehmen

  1. „Wirklich Großartiges geleistet…“, „diese schwierigen Zeiten mit Bravour gemeistert…“, „eine Spitzenarbeit geleistet…“. Klingt alles ein wenig zu euphorisch, was Schulleiterin Schwan-Brosig da im Überschwang der Abschiedsfeier und sicherlich zur Freude der Anwesenden zu Protokoll gibt. Schaut man sich dagegen die Stimmungslage in den Medien an, so weicht das Hurra der Durchhalteparolen und Schlachtengesänge zunehmend einer Katerstimmung.
    „Viele Mängel des deutschen Schulwesens“, so stellt das ZDF in einer ersten Bilanz am 11.06.2020 fest, „treten im Corona-Stresstest noch deutlicher als sonst zutage: Bildungsungerechtigkeit, schlechte digitale und hygienische Ausstattung, veraltete Lehrpläne und -methoden“. An diesen Missständen kranke das deutsche Bildungssystem nicht erst seit Corona. Lehrer warnten, dass die Kluft zwischen Schülern aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen in der gegenwärtigen Krise noch größer werde. Ganze Klassen seien während der Schulschließungen praktisch abgetaucht (siehe https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/zdfzoom-schulen-im-corona-stress—lernen-aus-der-krise-100.html). Da würde man vielleicht aus Sicht einer Haupt- und Realschule auch gern mal differenziertere Einschätzungen hören als diesen eher floskelhaft wirkenden Jubel.

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