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Angelo Müller, Schulleiter der Gerhart-Hauptmann-Schule, über den Schulalltag im Corona-Modus„Schule ist nicht so, wie man sie vor Corona gewohnt war“

ALSFELD (akr). Seit fast zwei Wochen hat für rund 130 Schüler der Gerhart-Hauptmann-Schule wieder die Schule begonnen. Seitdem dürfen nämlich unter anderem die Viert-, Fünft-, und Sechstklässler am Präsenzunterricht teilnehmen. Am kommenden Mittwoch ziehen auch die restlichen 230 Schüler nach – allerdings nicht alle auf einmal. Welche Maßnahmen hat die Schule im Corona-Modus getroffen? Und wie verliefen die ersten beiden Wochen? Ein Gespräch mit Schulleiter Angelo Müller.

Knapp neun Wochen lang herrschte an der Gerhart-Hauptmann-Schule in Alsfeld Ruhe – zumindest was die Anwesenheit der Schüler angeht. Doch in dieser Zeit war keineswegs ausruhen angesagt. Im Gegenteil: die Planungen und Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, schließlich sollten die Schulen wieder schrittweise geöffnet werden. Kein einfaches Unterfangen in dieser schwierigen Situation. „Man war natürlich ein Stück weit aufgeregt, als es dann endlich so weit war“, erinnert sich Angelo Müller, Schulleiter der Gerhart-Hauptmann-Schule in Alsfeld, an den 18. Mai. An diesem Tag durften nämlich offiziell die Viert,-Fünft,- und Sechstklässler, also rund 130 Schüler, nach der Corona-Pause wieder zur Schule kommen – natürlich nicht alle auf einmal.

„Wir haben lange überlegt, ob wir die Schüler wochenweise oder tageweise kommen lassen. Wir haben uns dann für Letzteres entschieden.“ Die insgesamt sieben Klassen hat man in Gruppen geteilt, A und B. Zwischen zehn bis 12 Schüler sind gemeinsam in einer Gruppe. Dienstags und donnerstags kommt die Gruppe A, mittwochs und freitags Gruppe B. Montags findet für die einzelnen Jahrgänge der Förderunterricht, die sonderpädagogische Förderung und der Deutsch als Zweitsprache-Unterricht statt. „An den Tagen, in denen die Kinder nicht in der Schule sind, werden sie natürlich weiterhin von den Lehrern mit Übungsaufgaben versorgt“, erklärt Müller.

„Anfangs hat man schon gemerkt, dass die Schüler leicht unsicher waren, immerhin war das eine komische Situation, nach neun Wochen wieder zur Schule kommen zu dürfen. Aber dennoch haben sich eigentlich alle darauf gefreut“, sagt er. Auch das gesamte Lehrpersonal sei froh gewesen, endlich starten zu können – vor allem nachdem der eigentlich geplante Start am 27. April kurzerhand gecancelt wurde.

Gestaffelte Pausen, Einzeltische mit Abstand und regelmäßiges Händewaschen

„Schule ist nicht so, wie man sie vor Corona gewohnt war“, erzählt Müller. In den Klassenräumen sind die Tische weit auseinander gestellt, es gibt keine Gruppenarbeiten, Schüler haben zeitversetzt Pause und auf dem Schulhof gibt es bestimmte Bereiche, in denen sich die jeweiligen Gruppen, die zur gleichen Zeit Pause haben, aufhalten dürfen. Auch Spielgeräte wie das beliebte Klettergerüst sind tabu. Abstand halten steht an oberster Stelle. Morgens, bevor der Unterricht beginnt, vor dem Frühstück, nach den Pausen und zum Schulschluss müssen die Kinder gründlich Händewaschen. Jeder Klassenraum ist mit einem Waschbecken ausgestattet, jeder Klassenlehrer hat einen genauen Händewasch-Ablaufplan.

Die Tische in den Klassenräumen wurden weit auseinander gestellt.

Die Türen in der Schule sind fast alle geöffnet, damit so wenig Türklinken wie möglich angefasst werden. Handläufe, Treppengeländer, Türklinken werden regelmäßig vom Reinigungspersonal abgewischt und desinfiziert, gleiches gilt natürlich für die Toiletten und die Klassenräume, „denn am nächsten Tag kommen ja wieder andere Schüler“, erklärt Müller. Eine Maskenpflicht gibt es in der Schule nicht. „Wir empfehlen es nur“, betont der Schulleiter, vor allem, wenn sich die Schüler im Treppenhaus bewegen oder auf den Bus warten – und das mache der Großteil auch. „Selbst in den Pausen tragen viele Schüler eine Mund-Nasen-Bedeckung, obwohl sie es ja nicht müssen“, erzählt er und lächelt. Müller ist stolz auf die Schüler. „Die machen das wirklich alle super. Von Anfang an gab es keine Probleme“, freut er sich.

Ab Mittwoch folgen die restlichen Schüler

Dennoch sei er gespannt, wie es dann ab kommender Woche laufen wird. Ab Dienstag dürfen nämlich unter anderem die Vorklassen und 1. bis 3. Klassen wieder am Präsenzunterricht teilnehmen. Das sind rund 210 Schüler. Wegen des beweglichen Ferientages startet der Unterricht an der Gerhart-Hauptmann-Schule aber erst am Mittwoch. „Mal sehen, wie die Kleinen das alles umsetzen werden“, sagt er. Sorgen mache er sich aber keine. „Die werden das auch super machen.“ Natürlich werden auch die restlichen 210 Schüler in A und B Gruppen eingeteilt. Während für die Dritt-, und Viertklässler der Unterricht jeweils zur zweiten Stunde beginnt und zur sechsten endet, fängt der Unterricht für die restlichen Klassenstufen um 8 Uhr an, die Schulglocke klingelt dann um 12.25 Uhr.

Die Pausen finden gestaffelt statt, jede Klasse hat einen fest zugewiesenen Aufstellplatz, jedem Jahrgang wird ein fester Bereich auf dem Schulhof zugewiesen.

Klassen, die zur 1. Stunde Unterricht haben, halten sich in den zugewiesenen Bereichen auf dem Schulhof auf, werden fort bis zum Unterrichtsbeginn beaufsichtigt. Kinder, die erst zur zweiten Stunde kommen, können ab 8.30 Uhr direkt in den Klassenraum gehen, wo sich ebenfalls beaufsichtigt werden. „Die restlichen 15 Minuten können dann zum Beispiel schon mal für das Händewaschen genutzt werden“, erklärt er.

Hier ist zum Beispiel der Aufstellplatz für die 4a. Auf dem Boden sind Markierungen angebracht, damit beim Warten auch die 1,5 Meter Abstand gewährleistet werden können.

Aktuell werden nur die Hauptfächer unterrichtet. Mathe, Deutsch und je nachdem Sachunterricht oder Englisch. Auf die Wahlfächer wie Werken, Kunst oder Kochen müssen die Kleinen verzichten. Auch Musik- und Sportunterricht findet keiner statt – „quasi alles, was Spaß macht“, sagt Müller. Besonders schade sei, dass in dieser Woche eigentlich auch das Zirkusprojekt hätte stattfinden sollen, aber auch das fällt nun ins Wasser.  „Es ist total schade. Mir tut das auch so leid für die Kinder, die haben sich immer so sehr darauf gefreut“, erzählt er. Irgendwann wird aber auch in diesem Bereich wieder ein Stück weit Normalität einkehren. Jetzt gilt es erstmal, den Schulalltag weiterhin so gut zu meistern, wie bisher.